GottliebT Daimler

Werbung Was gesagt werden muss: Werbung erzeugt Übelkeit
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Sie wirken wie schales Bier, wie die sonntagmorgendliche Erkenntnis, dass der Kaffee alle ist, wie das Tor von Grosso in der 119. Minute im WM-Halbfinale Italien gegen Deutschland im Jahr 2006. Die Rede ist von Wortspielen in der Werbung. Sie sind ernüchternd, enttäuschend, ja gelegentlich zum kotzen.

So bereitet uns McDonalds mit dem Spruch "Besser iss das" schon mal auf seine labberigen, geschmacklosen Burger vor, so bewirbt der Media Markt eine Art Rabattaktion für Haushaltsgeräte mit "HausALT mach NEU", so strafte Stuttgart den Werber Sebastian Turner zu Recht für den Satz "Es muss ein Rock durch Deutschland gehen" bei der zurückliegenden Bürgermeisterwahl ab. (Mit dem genannten Satz wurde der Versuch unternommen, die überdurchschnittlich gute Integration von Frauen im Berufsleben in Baden-Württemberg herauszustellen).

Ohne jegliches Insiderwissen bin ich jahrelang davon ausgegangen, dass es in der Werbung darum geht, ja darum gehen muss, bei dem Konsumenten ein positives Bild eines bestimmten Produktes zu erzeugen. Dies kann ich angesichts von Werbesprüchen wie "Ich liebe Dazs" (Häagen-Dazs) oder "Gottliebt Daimler" (Daimler AG) nicht mehr glauben. Scheinbar muss man davon ausgehen, dass es der Werbeindustrie völlig ausreicht, irgendwie in mein Bewusstsein zu gelangen, sei es auch, dass ich mich dabei in meinem ästhetischen Empfinden verletzt fühle, dass ich Schmerzen habe, echte Schmerzen. Scheinbar geht die Werbeindustrie davon aus, dass ich im Geschäft plump nach dem Bekanntesten greife, manipuliert, meines eigenen Willens beraubt, wie der Bauer, der nur isst, was er kennt.

Und ja, mein Gefühl Opfer zu sein, Spielball, wird natürlich dadurch noch erhöht, dass mir klar ist, dass ich mit diesem Text, in dem ich die schlimmen Wortspiele ja sogar noch mal wiederhole, der Werbeindustrie gewissermaßen endgültig recht gebe, dass ich das fördere, wogegen ich eigentlich kämpfen will.

Als Berliner leide ich natürlich ganz besonders, denn hier gibt es die Berliner Stadtreinigung (BSR). Für Plakate wie "we kehr for you" - "bemannte Räumfahrt" - "Saturday Night-Feger" oder "Come to where the eimer is" oder für Mülleimer mit der Aufschrift "wenn Sie auch mal was loswerden wollen" oder "für die Zigarette danach" wurde die BSR ja sogar noch ausgezeichnet, ich meine, geht’s noch?

Einsam in Führung liegen in diesem Zusammenhang sicher Friseursalons. Das sind diese Läden die zum Beispiel heißen: "Hair we go" - "Haar monie" oder "Haareszeiten". Ich meine, soll ich wirklich annehmen, dass man in diesen Läden in der Lage ist, mir eine geschmackvolle Frisur zu verpassen? Nein, das kann man nicht verlangen, oder?

Warten Sie, ich habe übrigens noch mehr, halten Sie es noch aus? Wie wäre es mit: "Haar pune" - "Kamm in" oder "Hair lights"? Oder wie gefallen Ihnen diese Namen: "Haub Sache" - "Kurz oder lang" oder "GMBHaar". Ein Moment, ich muss mich kurz übergeben...

Haben Sie immer noch nicht genug? Dann empfehle ich die folgende Fotosammlung.

Nunja, keine Regel ohne Ausnahmen (das ist eigentlich auch so ein bescheuerter Spruch): Zurück zur Fußball-WM 2006. In Dortmund hießen die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe während des Turniers "Cleansmänner", ich muss zugeben, das hatte was. Und, um zum Ende wieder ernst zu werden, möchte ich an eine Plakatkampagne von Brot für die Welt erinnern. Über einer Schale mit ein paar Reiskörner drin stand: "Weniger ist leer".

12:21 22.10.2012
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