Punktabzug für zu lautes Stöhnen

Tennis Die Chefin der WTA Stacey Allaster plant zu lautes Stöhnen auf dem Tennisplatz mit Punktabzug zu bestrafen. Dahinter steht ein merkwürdiges Verständnis von Leistungssport

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Es hätte so schön sein können: der immer-noch-FDP-Vorsitzende Phillip Rößler tritt vor die eilends einberufene Presse, energisch, wütend, gar nicht grinsend und sag dann ungefähr das: „Ich als Liberaler möchte betonen, dass Frauen das Recht haben zu stöhnen, auch und vor allem auf dem Tennisplatz.“

Statt dessen? Nichts! Da plant die Vorsitzende der WTA (Women’s Tennis Association) Stacey Allaster Punktabzug für zu lautes Stöhnen durch die Spielerinnen und die Partei, die sich den Liberalismus mal auf die Fahnen geschrieben hat, ist allein damit beschäftigt, sich vor beziehungsweise hinter ihr Spitzen-Gesicht inklusive ihren dazugehörigen Spitzen-Kopf Rainer Brüderle zu stellen.

Die Begründung seitens der WTA für die geplante Regelung ist vielschichtig. Zum einen soll es unfair sein, das Stöhnen, unfair der Gegenspielerin gegenüber (vorausgesetzt, die stöhnt nicht auch). So zitiert der Spiegel die Tennis-Ikone Martina Navratilova mit den Worten: „Es (das Stöhnen) ist wie Schummeln. Es übertönt das Geräusch, das entsteht, wenn der Ball den Schläger trifft“.

Ist das zu glauben? Kann es sein, dass eine Tennis-Spielerin bei den grob geschätzten drei Milliarden Schlägen in ihrer Karriere drei Milliarden mal laut aufstöhnt, nur um ihre Gegnerin zu benachteiligen?

Stacey Allaster zu Folge sollen nicht nur die nicht-stöhnenden Gegenspielerinnen geschützt werden, sondern auch die Zuschauer. Scheinbar sollen die Freunde des Damentennis nicht gestört werden, wenn sie versonnen den jungen, kurzberockten Spielerinnen zusehen, wie sie grazil und technisch versiert die kleine gelbe Filzkugel über das Netz bugsieren.

Das wirft Fragen auf: war Stacey Allaster schon mal beim Fußball, war sie schon mal beim Eishockey, oder schon mal beim Boxen? Was hat die WTA-Vorsitzende eigentlich für ein Verständnis von Leistungssport?

Der asiatische Kampfsportler kennt den sogenannten Kiai, den Kampfschrei, der eine Schlag-, Tritt-, oder Wurfaktion begleitet. Nach Wikipedia fördert der Kiai

  • die zeitliche und räumliche Koordination der körperlichen Energie und der psychischen Aufmerksamkeit auf die ausgeführte Aktion und
  • die Aufrechterhaltung der inneren Anspannung und Aggression nach einem erfolgreichen Treffer (dadurch ist man in der Lage weiterzukämpfen, ohne durch Freude oder Erleichterung in der Konzentration nachzulassen).

Kampfsport ist ein gutes Beispiel, denn auch Tennis ist ein Wettkampf, jedenfalls auf Leistungssport-Ebene. Und diese Wettkämpfe sind es auch, die die Zuschauer in die Stadien oder vor den Fernseher ziehen. Es gibt nichts Öderes, als einen sportlichen Wettkampf, bei dem ein Teilnehmer nur halbherzig dabei ist, bei dem ein Teilnehmer den Eindruck erweckt, den Sieg nicht unbedingt zu wollen.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo gekämpft wird, da ist es spannend, schweißtreibend und laut. Das gilt auch für das Damentennis. Und wenn die WTA-Vorsitzende das nicht bald einsieht und wenn die FDP weiter schweigt, dann stelle ich die Frage, warum so ein Verbot im Männertennis nicht vorgesehen ist? Dann erwähne ich, dass Stacey Allaster gesagt hat, dass die weibliche DNA für den Krach verantwortlich sei, dass sich das Stöhnen bei Männern eben anders anhöre. Ja, dann komm ich mit der Sexismus-Keule. Das ist eine Drohung.

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