Sönke Paulsen
10.05.2013 | 23:49 21

Truthing people into peace

Wikileaks Assange analysiert eine Bedrohungslage, die von den Medien vehement verleugnet wird. An der Freiheit des Netzes hängt die globale Zukunft von Demokratie und Frieden

Ein Nutzerbeitrag von Sönke Paulsen

Truthing people into peace

Foto: New Media Days / Flickr (cc)

Mainstream-Rezensionen von Julian Assanges Buch,“Cypherpunks“, wie im Spiegel-Online-Artikel vom 27.11.2012, der unter folgendem Link zu finden ist, fallen überwiegend negativ aus und werden in der Kategorie „Verschwörungstheorien“  subsummiert.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/assange-buch-cypherpunks-aluhuete-unter-sich-a-869331.html

Überhaupt hat sich die internationale Mainstream-Media von Assange und Wikileaks so nachhaltig distanziert, dass seine Verfolgung durch State-Departement, Pentagon, und alle Nachrichtendienst der westlichen Industrieländer, einschließlich Schwedens schon fast gerechtfertigt erscheint.  Diese Rechtfertigung einer merkwürdigen „Vogelfreiheit“ im Internetzeitalter, welche Assange „genießt“, was angesichts seines fortgesetzten Zwangsaufenthaltes in der Ecuadorianischen Botschaft in London kein Genuss sein dürfte, wird allerdings von unseren Medien nicht mit seiner gefährlichen Kriminalität gerechtfertigt.  Ganz im Unterschied zu vielen amerikanischen Medien, in denen Assange als Staatsfeind No1 und damit quasi als Todgeweihter gehandelt wird, sieht man in Deutschland die Unglaubwürdigkeit seiner Person bis hin zur Lächerlichkeit in die Medien lanciert.

Nicht, dass Assange sich zu Unrecht bedroht fühle, nein, er habe in den USA schon einiges zu erwarten, so er jemals (über Schweden) dorthin ausgeliefert oder vom CIA verschleppt würde. Nein, das wird in Deutschland eigentlich nicht behauptet. Aber Assange wird als Paranoider dargestellt, weshalb man ja nie genau wissen könne, welche seiner Befürchtungen real seien und welche einem kranken Hirn entspringen, so dass man das reale Substrat seiner Paranoia erst dann erkennen kann, wenn er tatsächlich seinen Feinden in die Hände gefallen ist.

Genau auf diesen Augenblick wartet der internationale Medienmainstream, sehnt ihn vielleicht sogar herbei.

Julian Assange als Versuchsperson und nicht als Journalist, den es zu schützen gilt. Auf diese Situation passt tatsächlich der Begriff „vogelfrei“ in einem modernen Sinne.

Natürlich interessiere ich mich auch für den Geisteszustand von Julian Assange, muss allerdings sagen, dass ich bisher keinen Anhalt für eine psychische Störung in seinen Äußerungen gefunden habe.  Gespräche und Interviews mit ihm sind schließlich gut zugänglich zu finden, und ich beziehe mich gern auf ein Gesprächstransskript aus dem Jahre 2011, in dem hauptsächlich Assange und Eric Schmidt (CEO-Google) zu Wort kamen. Ein intelligentes Gespräch ohne jeden Hinweis auf Verfolgungsideen, formale Denkstörungen oder Fremdbeeinflussungserleben bei Assange. Nichts also, was einen Psychiater beunruhigen würde. Der Wikileaks-Gründer unterhält sich über fünf Stunden äußerst alert und eloquent. Eine gründliche Rezeption dieses Gespräches erscheint lohnend.

Das Transskript des Gespräches, an welchem auch Jared Cohen teilnahm, findet sich hier:

http://wikileaks.org/Transcript-Meeting-Assange-Schmidt.html

Ich gebe zu, dass ich zwei Urlaubstage gebraucht habe, um dieses Gespräch zu lesen und einigermaßen zu verstehen. Dennoch konnte ich in den Äußerungen Assanges nicht den geringsten Hinweis auf eine „Verschwörungstheorie“ entdecken, wohl aber eine ganze Reihe interessanter Hinweise, warum „Verschwörungstheorien“ überhaupt entstehen, ohne dass der Begriff in dieser Unterhaltung ein einziges Mal gefallen wäre. Dazu später noch ein paar Worte.

Der in unseren Medien zunehmend als Verschwörungstheoretiker diskreditierte Assange folgt einer Logik, die durchaus nachvollziehbar und realitätsangemessen erscheint. Die empirische Prüfung der Aussagen in ihrem Kontext hat unzählige Male stattgefunden und erhärtete in jedem Falle deren Plausibilität. „Macht benötigt Diskretion, damit sie weiter lügen kann. Sie benötig die Lüge, damit sie weiter manipulieren kann und sie benötigt die Manipulation, damit sie den öffentlichen Diskurs weiter steuern kann.“ Viele etablierte Journalisten wissen das und finden es nicht besonders originell, einen solchen Dreisatz zu formulieren. Allerdings laufen sie immer dann Sturm gegen angebliche Verschwörungstheorien, wenn die absichtsvolle Verdeckung durch die Mächtigen im Licht ihrer Absichten an die Öffentlichkeit gebracht wird. Das könne dann nur eine „Verschwörungstheorie“ sein.

Ich halte dieses Verhalten, einem Mechanismus grundsätzlich zuzustimmen und die jeweils konkreten Auswirkungen dennoch entschieden zu verleugnen, für einen Verdrängungsprozess, wenn nicht für den Erfolg gerade dieser gewollten Manipulation durch die Mächtigen, die auch im Rahmen einer wirtschaftlichen Abhängigkeit der Medien von den Mächtigen zu interpretieren ist.

Bevor ich auf Assange zurückkomme möchte ich ein kleines Beispiel dafür bringen. Die Existenz des Goldman-Sachs-Netzwerkes wird eigentlich kaum noch bestritten. Man weiß, dass es Goldman-Sachs in verschiedenen Think-Tanks und NGOs gelungen ist, die wirtschaftlichen und politischen Führungskräfte in Amerika und Europa zu bündeln und auf eine finanzmarktfreundliche Grundhaltung einzuschwören. Die jährlich stattfindende Bilderberg-Konferenz ist eine der Plattformen in der die Wirtschaftselite sich selbst, mächtige Medienleute und Politiker auf globale Strategien festlegt und dies so geheim wie möglich tut. Alle Teilnehmer der Konferenz werden auf absolute Verschwiegenheit verpflichtet.

Angela Merkel, die sich übrigens jahrelang von Goldman-Sachs politisch beraten ließ, war auf dieser Konferenz, Peer Steinbrück war vor seiner Kanzlerkandidatur dort und Cem Özdemir, stellvertretender Bundesvorsitzender der Grünen, war ebenfalls dabei.

 Jetzt könnte man sagen, dass aus einer einfachen Konferenzteilnahme ja keine Abhängigkeiten resultieren.

Warum aber verpflichten sich die Teilnehmer dann zur Verschwiegenheit und halten dieses Schweigen?

Im Falle Steinbrücks kann man von einer ausgesprochenen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Bankensektor ausgehen, wenn man sich seine Nebenverdienste ansieht. Im Falle Özdemirs liegt die Anhängigkeit sogar noch etwas tiefer, weil dieser Politiker nach seinem Sturz über die Flugmeilen-Affäre vom Goldman-Sachs-Netzwerk aufgefangen und wieder aufgebaut wurde. Seine mehrjährige Tätigkeit für die „Atlantik-Brücke“, die ebenfalls Teil des Netzwerkes ist, legt dies zumindest nahe.

Ist es jetzt eine Verschwörungstheorie, zu postulieren, dass man bei der Bundestagswahl 2013, gleichgültig ob man Merkel, Steinbrück oder Özdemir wählt, das Goldman-Sachs-Netzwerk auf jeden Fall mit wählt?

Mag der eine oder andere einwenden, dass dies trotz der nachweisbaren Verbindungen eine relative Überschätzung des Einflusses dieses Netzwerkes sei, eine überzogene Unterstellung von Relevanz.

Dann frage ich mich allerdings, warum demokratische Politiker, wie die Erwähnten, bei  Bilderberg ein- und ausgehen, obwohl diese Konferenz im Allgemeinen als dubios, weil intransparent gilt. Warum sollen demokratisch gewählte Spitzenpolitiker dieses Risiko der Diskreditierung eingehen, wenn nicht, um sich dort ihr „Placet“ von der internationalen Wirtschaftselite abzuholen und hinterher über dieses „Placet“ hartnäckig zu schweigen, als wären sie Mitglied eines Geheimbundes geworden?

Die nächste Frage ist, wer etwas über die genauen Absichten dieses Netzwerkes weiß?

Ich würde an dieser Stelle anhalten und eine Arte-Reportage empfehlen, die das Netzwerk näher analysiert:

Link: http://vimeo.com/51449102

 Zurück zu  Assange und seinem „komplizierten“ Gespräch mit dem Google CEO. Zitiert werden in den Mainstream-Medien meist nur Anfang und Ende dieser gemeinsamen Reflexion. Besonders das Ende, an dem Assange Schmidt vorschlägt ein Leak in Google einzubauen, wird gern und häufig zitiert. Ich glaube, deshalb, weil es ins Auge sticht, am Ende des Transskriptes steht, das wohl kaum vollständig gelesen wurde und super zum Medienimage von Assange passt. Tatsächlich war es ein Scherz von Assange, der mit dem Inhalt des Gespräches wenig zu tun hat. Der Inhalt wurde zu großen Teilen niemals von den Mainstream-Medien rezipiert. Dementsprechend wurde kolportiert, was an Gerüchten über Assange durch die Medien schwirrt und mit irgendeinem behaupteten Inhalt verknüpft. So funktioniert heutzutage Medienarbeit, wenn sie nicht durch offizielle Pressemitteilungen von Regierungen, Verbänden und NGOs gebahnt ist, die unverändert übernommen werden können.

 

Ich möchte mit diesem Artikel zu einer einigermaßen fairen Rezension des Gespräches beitragen und habe daher die für mich subjektiv wichtigsten Zitate in voller Länge und im Original übernommen. Vielleicht ein wenig anstrengend, aber für mein Empfinden sehr lohnend.

 

Zur Frage der aktuellen Medienqualität und dem seltsamen Umgang von Medien mit „Enthüllungen“ äußert sich Assange kritisch. Er führt die Selbstzensur in den Medien auf Angst zurück und konstatiert in manchen Fällen auch eine reale Gefährdung. Überwiegend ist es aber Psychologie.

„It was clear to me that all over the world publishing is a problem. And... Whether that is through self censorship or overtcensorship.”

“It's mostly self censorship. In fact I would say it's probably the most significant one, historically, has been economic censorship. Where it is simply not profitable to publish something. There is no market for it. That is I describe as a censorship pyramid. It's quite interesting. So, on the top of the pyramid there are the murders of journalists and publishers. And the next level there is political attacks on journalists and publishers. So you think, what is a legal attack? A legal attack is simply a delayed use of coercive force.”

“Which doesn't necessarily result in murder but may result in incarceration or asset seizure. So the next level down, and remember the volume... the area of the pyramid.... volume of the pyramid! The volume of the pyramid increases significantly as you go down from the peak. And in this example that means that the number of acts of censorship also increases as you go down. So there are very few people who are murdered, there are a few people who suffer legal... there is a few number of public legal attacks on individuals and corporations, and then at the next level there is a tremendous amount of self censorship, and this self censorship occurs in part because people don't want to move up into the upper parts of the pyramid. They don't want to come to legal attacks or uses of coercive force. But they also don't want to be killed.”

Wem diese Aussagen des Wikileak-Gründers zu drastisch sind, der schaue einmal bei Amnesty nach, wie hoch die Zahl der getöteten Journalisten in den letzten zehn Jahren war.

Assange und Schmidt beschäftigen sich im Weiteren mit dem Risiko mit Wikileaks zusammen zu arbeiten. Alle, die in diesem Netzwerk aktiv sind, laufen Gefahr angegriffen zu werden.

„And so dealing with end point attacks both on someone trying to send us information and more importantly if someone tries to send us information is themselves compromised, that's one compromise of one person. If our engine that receives information is compromised, that is a potential compromise of every person that is trying to send us material.”

Eine große Chance sieht Assange aber im „Echoeffekt“ des Internets.

“That's the most optimistic thing that is happening. The radicalization of internet educated youth. People who are receiving their values from the internet... and then as they find them to be compatible echoing them back. The echo back is now so strong that it drowns the original statements. Completely. The people I've dealt with from the 1960s radicals who helped liberate Greece and.. Salazar. They are saying that this moment in time is the most similar to what happened in this period of liberation movements in the 1960s, that they have seen.”

Andererseits biete das Internet auch unglaubliche Chancen für Manipulation und Desinformation. Häufig kann Desinformation hinter Komplexität versteckt werden. Beispiele biete der Finanzsektor.

Eric Schmidt: “But one consequence of this view is that actors will find the generation of very large amounts of misinformation strategic for them.”

Julian Assange: “Yeah. So this is another type of censorship that I have thought about but don't speak so much about. Which is censorship through complexity.

(…) And that is basically the offshore financial sector. Censorship through complexity. Censorship of what? Censorship of political outrage. With enough political outrage there is law reform and enough law reform you can't do it anymore. So why is it that all these careful tax structuring arrangements are so complex? I mean, they may be perfectly legal, but why are they so god damn complex? Well, because the ones that weren't complex were understood and the ones that were understood were regulated, so you're only left with the things that are incredibly complex.”

Die Lösung dieses Problems sieht er in einem ehrlichen, investigativen Journalismus, der im Umgang mit den Quellen sogar wissenschaftlichen Ansprüchen genügen muss. Nebenbei stellt Assange fest, dass Menschen, die ehrlich informiert werden, vermutlich keine Kriege mehr mitmachen würden.

“Yes, and I think things like, you know I have been pushing this idea of scientific journalism that things must be precisely cited the original source or as much of it as possibly available should be put in the public domain so that people can look at it, just like in science so that you can test to see whether the conclusion comes from the experimental data. Otherwise you probably just made it up. You could have just made it up. And in fact that is what happens all the time people just make it up. And they make it up to such a degree that we are led to war. I mean most... Most wars in the 20th century have started as a result of lies. Amplified and spread by the mainstream press. And you go, well that is a horrible circumstance, that is terrible that all these wars start with lies. And I say no, this is a tremendous opportunity, because it means that populations basically don't like wars and they have to be lied into it. And that means we can be truthed into peace.

(…)

Complexity is harder. I think that is a big problem. So when things become open things tend to become more complex, because people start hiding what they are doing, their bad behaviour, through complexity. And so that will be bureaucratic double speak is an example. When things get bureaucratized and so on, and everything becomes mealy mouthed, and so that's a cost of openness. Is that kind of bureaucratization, and in the offshore sector you see incredible complexity in the layers of things happening to one another so they become impenetrable. And of course cryptography is an intellectual system that has specialized in making things as complex as possible. Those things are hard to attack. On the other hand complex systems are also hard to use. So bureaucracies and internal communications systems which have this, which are full of weasel words and arse covering, are inefficient internal communications systems. And similarly, those tremendously complex offshore structuring arrangements are actually inefficient. But maybe you're ahead when the tax regime is high, but if the tax regime is zero you're not going to be ahead at all. Sorry, if the tax regime is 3%, you're not going to be ahead at all, you're going to be choked by the complexity.”

 

Es gibt wohl kaum eine Organisation, die so viele Verbrechen und Lügen des Pentagons durch originale Quellen aufdecken und belegen konnte, wie Wikileaks. Damit ist Assange zum Kriegsgegner des Pentagon avanciert. Ängste und Befürchtungen die daraus resultieren entsprechen durchaus einer realen Risikoeinschätzung durch die Wikileaks-Leute.

 

Im Folgenden äußert er sich über die Strategien seiner Organisation und von Internet-Aktivisten im Allgemeinen. Wichtigster Schutz sei die Anonymität.

(…)” I am always hesitant in saying that everyone should go out and be a martyr. Because i don't believe that. I believe the most effective activists are those that fight and run away. Not those who fight and martyr themselves, but those who fight and run away to fight another day. So that's about judgement, when to engage in the fight and when to withdraw so as to preserve your resources for the next fight.”

Jered Cohen: “Would you make the argument that fighting and running away is not that not different, like physically fighting and running away is not that different from fighting anonymously so long as you are sufficiently competent that your anonymity...”

Julian Assange: “If you have perfect anonymity you can fight forever, yeah. You don't have to run away.”

 

Für Assange gibt es außerdem einen erheblichen Unterschied in der Legitimität des Datenschutzes bei kleinen und schwachen Organisationen und bei großen starken Organisationen.

“... why is it that powerful organizations - there is all sorts of reasons why non-powerful organizations engage in secrecy, which to my view is legitimate, they need it, because they are powerless. But why do powerful organizations engage in secrecy? Well, usually because the plans that they have if made public would be opposed by the public. And plans that are opposed before implementation often don't get implemented. So you want to wait as long as possible. And then implementation eventually makes them public by the very fact that they are being implemented but it is too late by then to alter the course effectively. So an organization on the other hand that is engaged in planning behaviour that if revealed is not opposed by the public doesn't have that burden. It doesn't have that planning burden where it is forced to take things off paper. So this will be an efficient organization, this will not be an efficient organization, and in the mix as they do economic and political battle, it will equilibriate out, these guys will shrink and these guys will grow.”

Große Organisationen tendiern nach Assange also eher dazu, ihre Pläne geheim zu halten und möglichst “off paper” zu nehmen, was sie andererseits sehr anfällig für Fehlplanungen macht. Meiner Meinung nach meint Assange hier sowohl Regierungsstellen mit sensiblen Aufgaben, als auch Konzerne. Diese Organisationen kommen durch die mangelhafte Sicherheit im Netz am ehesten unter Druck, weil ihnen für ihre Planungen die öffentliche Rechtfertigung (Justification)  fehlt. Sie seien ständig bestrebt Opposition zu verhindern.

 

Eric Schmidt: “ Is that your fundamental justification, do you think... for this, for the work that you're in?”

Julian Assange: “Fundamental justification is that, there is really two. First of all, the human civilization, its good part, is based upon our full intellectual record, and our intellectual record should be as large as possible if humanity is to be as advanced as possible. The second is that in practice releasing information is positive to those engaged in acts that the public support and negative to those engaged in acts that the public does not support.”

Als Beispiel für eine große Organisation nennt er wenig später das Pentagon und verweist auf eine Pressekonferenz aus dem Oktober 2010 in dem sich das Pentagon als Opfer von Wikileaks darstellt:

„…we had a case where the Pentagon stood up in public, back in October 2010 and gave a 40 minute press conference with their spokesperson Geoff Morrell, saying that WikiLeaks must - and me personally - must destroy everything we previously published that had been derived from the Pentagon. That we must destroy everything we were going to publish. And cease dealing with US military whistleblowers. The precise terminology used was to return everything that we had ever published, return everything that we were going to publish, and cease soliciting information of US military personnel, or US government personnel. Or, the Pentagon would "compel" us to do so. And when asked by a journalist at the press conference what mechanisms do you have to compel them, the response was, well, look this is the Pentagon, we are not concerned about the law.”

Ausschnitte aus der Pressekonferenz finden sich hier:

http://www.youtube.com/watch?v=Y8xMD2xP63Y

Julian Assange: „So what was actually going on. This was a carefully... I mean, it seems ridiculous. Why would the Pentagon act like a victim? Why would they look so ridiculous and powerless? Why would they utter... give a demand that they were not capable of fulfilling, it would make them look weak? It was a carefully constructed legal message, designed to embroil us in the US Espionage Act. It was the notification, like you see in the newspapers.”

 

Die Tatsache, dass Wikileaks tatsächlich einen beispielhaften Kampf für die Wahrheit führt, auch wenn dies pathetisch klingen mag, wird durch den Vergleich zwischen hierarchisch geführten Organisationen und Netzwerken wie Wikileaks noch einmal veranschaulicht. Für das Pentagon ist auch Wikileaks Teil einer asymmetrischen Bedrohung.

„Where they internally were highly organized, they have their contact sheets, they have an internal mail system, and they have their command and control structure where they can task people and recruit resources and pour them into things, and they have people available to spend on us. Maybe there is ten thousand. So, that's, in that particular case, the people who are pushing against us. On the other hand, on our side, we have millions of people around the world who support us and support our values, who are on the other hand traditionally completely atomized. There is no command and control structure, they are not able to effectively coordinate with each other, and so on. So that's the starting condition, but of course, an organization starts to form with these people as they find each other locally. And as they discover each other they become optimized, that network of nodes starts linking up and becoming more and more efficient at comprehending its environment, planning for action and then acting. So in some ways... we have plans to potentiate that. They are probably out by then. So we are going to take these graphs of several million supporters, and, do you know what simulated annealing is? “

Im Folgenden beschreibt Assange, dass Wikileaks als Netzwerk wie eine Legierung immer starker zusammen wächst. Gerade der Druck von außen führe zu seiner Verfestigung.

Am Beispiel von „Cable-Gate“ erläutert Assange noch einmal, wie die Gegenbewegung, die Selbstzensur der etablierten Medien, funktioniert.

Oh they had... The Guardian redacted two thirds of a cable about Bulgarian crime, removed all the names of the people who had infiltrated - the mafioso - who had infiltrated the Bulgarian government. Removed a description of the Kazakstan elite, which said that the Kazakstan elite in general were corrupt, not even a particular name, just in general! Removed a description that a an energy company out of Italy operating in Kazakhstan was corrupt, so they have redacted for naming of individual names of people who might be unfairly put at risk, just like we do--that is what we require of them. They have redacted the names of mafioso, individual mafioso because they are worried that they might get sued for libel in London by this mafioso. They have redacted the names... they have redacted the description of a class of Kazakhstan elite, a class has been corrupt, and they have redacted descriptions of individual companies being corrupt because they don't want to expose themselves to any risk at all. And that's true of the Irish Independent, even though very good journalists, totally onside legally, they do this. Incredible self-censorship across the board and they don't admit doing it or reveal the fact that they are doing it. So we don't want to go down that path. I'm sure all these groups started out as just no we will just do these little redactions and then economics comes into play and then why take the risk and so on. And so you end up with a system of self-censorship and it is embarrassing to do it and so why tell the public that you are doing it, but you are not telling the public you are doing it so it gets easier and easier to do every time. If we look at email. Who censors email? No one censors email! Look at a telephone call to your grandmother, is there a censor sitting there on the line determining whether you are about to say something bad to your grandmother and cutting it out? Of course not. The postal system. Are other people opening envelopes to see whether you are sending something bad? No. Youtube, apriori, is anyone sitting there reviewing every video before it is posted?”

Obwohl ich in dem Artikel Aspekte dieses Gesprächs nur in einem Schlaglicht zeigen konnte, erscheinen mir zwei Schlussfolgerungen in Bezug auf Julian Assange sehr plausible.

Assange hat ein Netzwerk entwickelt, dass wesentlich resistenter gegen „offizielle“ Angriffe ist, als allgemein angenommen wird und keinesfalls mit seiner Person steht und fällt. Wikileaks ist dezentral organisiert und arbeitet auch  während des Zwangsaufenthaltes von Assange in der Ecuadorianischen Botschaft in London äußerst aktiv weiter.

Assange ist keinesfalls ein Paranoiker mit einem Hang zu sensationellen Auftritten. Er verfügt über einen ausgeprägten intellektuellen Überbau mit systemischen Wurzeln und einem großen Erfahrungsschatz in Bezug auf das WEB. Er weiß genau, welches die Mechanismen sind, mit denen machtvolle Regierungen und Organisationen operieren und wo ihre Schwachpunkte liegen. Der Kampf um die Kontrolle über das WEB ist gerade deshalb so virulent und führt zu weitgehenden Drohungen des Pentagons, welches auch öffentlich seine Bereitschaft erklärt hat, Raketen gegen Computerzentren zu richten, weil das Web wie ein inhärenter Wahrheitsdetektor wirke, der dazu führt, dass der Dreisatz der Macht: Verdecken, Lügen und Manipulieren, nicht mehr aufgeht. Diese Bedrohung führt zu einem Rückzug der Mächtigen aus dem Internet, soweit es exklusive Zirkel angeht und zugleich zu dem Versuch massive Einschränkungen und Überwachungen des Internets zu erwirken.

Die dunkle Zukunftsaussicht einer komplett überwachten Onlinegesellschaft ist auf globaler Ebene weder paranoid noch ist es eine Dystopie. Es ist vielmehr der realistisch zu erwartende Outcome einer erheblichen Anstrengung, die durch die derzeit dominierenden globalen Eliten unternommen wird, genau das zu erwirken.

Assange ist ein revolutionärer Journalist, der uns eine systemische Wahrheit mitteilt, die wir sehr ernst nehmen sollten. Sein Buch „Cypherpunks“  ist alles andere als eine Spinnerei.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (21)

iDog 11.05.2013 | 01:16

bemerekenswerter Artikel  - vielen Dank für die Arbeit .

Der strategische Ansatz von Assange ist nachvollziehbar. Die quasi Unregierbarkeit des Netzes über Inhalte steht einer rein technischen Kontrolle und Beherrschung gegenüber. Die Amerikaner kontrollieren technisch das Netz. Das steht ausser Frage. Allein 11 der 13 Rootserver stehen auf amerikanischem Boden. Bei den jährlichen internationalen Treffen wird von Seiten der USA alles mit einem autoritären NO beantwortet, was auch nur im entferntesten ihren exklusiven Besitz- und Kontrollanspruch angreifen könnte. 

Bei dieser Konstellation und unter der behaupteten Bedrohung durch investigativen Journalismus nach wikileaks Art, welche aus Sicht der entsprechenden Eliten doch allenfalls als eine lästige Sekundärnutzung einer Struktur gesehen werden könnte, deren Primärnutzung den eigenen elitären Status gerade erst erheblich konsolidieren konnte und sollte, sowie in Bezug auf die Aussagen Assanges selber stellt man sich recht schnell die Frage, warum diese als sehr mächtig bekannten Organisationen wie das Pentagon oder der CIA, das State Department , welche Assange und wikileaks zum Statsfeind erklären, dieses in einer solch theatralischen wie medial öffentlichkeitswirksamen Inszenierung tun, anstatt einfach zu handeln - wie sonst immer. 

Ist nicht gerade diese Inszenierung an sich, wie auch die um den angeblichen whistleblower Bradley Manning , erst die Aufführung , welche die besagte Selbstzensur der internationalen "Pyramide" der Wasserträger der Macht bei der Stange hält? Ist nicht gerade das "das Messer auf der Brust" derer, welche theoretisch die Möglichkeit hätten weitere Interna an die als ahnungslos gedachte und dargestellte Öffentlichkeit zu geben?  - sie ist natürlich einerseits uninformiert , aber andererseits auch nicht völlig ahnungslos nach mehreren Jahren internationaler Krisenstimmung und offensichtlich unglaubwürdigen und manipulativen Medienpräsentationen zu entscheidenden Anlässen. Die Beispiele sind bekannt und zahlreich.

Wird hiermit nicht ganz offizielle eine totalitäre Drohung an uns alle ausgegeben, zumindest an alle, die bereit waren intellektuell zu  reflektieren inwiefern sich die Machtverhältnisse in den letzten Jahren ins praktisch totalitäre verschoben haben, die Fassaden des Demokratischen ins Wanken gekommen sind.  

Assanges Situation - die von Mannings sowieso - gleicht mal übertrieben gesehen der zur allgemeine Warnung gekreuzigter Sklaven. Diese Warnung kann bei analytischer Sichtweise unter anderem als Panik oder auch als hilfloses "Salutiern" der Macht verstanden werden.

Fürchtet man sich an besagter vor einem plötzlichen Tod oder Verschwinden ( lassen) Assanges ? Sollte dieses tatsächlich undenkbar oder unmöglich sein? Warum sollte die sich ereifernde Macht in diesem Fall zumindest scheinbar "legale" Wege gehen wollen? Oder braucht sie das Spektakel noch viel dringender als die Auslieferung oder offizielle Verurteilung Assanges? 

 

 

Joachim Petrick 11.05.2013 | 02:24

Danke für das Erinnern an Assange im Londoner Exil.

Ist es schon so weit, dass Assange als Verfolgter, sich selbst von Sympathisanten begutachten lassen muss, ob er Verschwörungstheorien, Spinnereien, Verfolgungsideen anheimgefallen ist?

Wer „vogelfrei“ gestellt ist, hat alle rechte, zu sein, was er gerade, was er gerade nicht ist und sollte trotzdem unserer Solidarität und Anteilnahme gewiss sein.

Was für mich an den Erfolgen Wikileaks erschreckend ist, sind nicht die aufgedeckten Verbrechen, Misstände, das politische Versagen, Unrechtsbewusstsein ganzer Regierungen bis hin in UNO Gremien und Organisationen, sondern die Ahnung, wenn Wikileaks solche Leaks in Datenbanken, Netzwerken von Regierungen, vom Pentagon als Zugriff zu geheimen Daten nutzen kann, können es nationale Geheimdienste allemal und das in viel massiverem Ausmaß alle Tage, jede Stunde.

Dass sich nun das Pentagon als Opfer Wikileaks darstellt, hat für das Pentagon und die mit ihm vernetzten Dienste wie die CIA, das FBI den Gewinn, dass nun deren angebliche Schwäche global für Schlagzeilen sorgt, statt dass die wirkliche Schlagzeile weltweit kommuniziert und ausgewertet wird:

„Die USA überwachen, wie andere Länder womöglich auch, gegenseitig den gesamten Internet- , Telekommunikationsverkehr der Zivilgesellschaften, der Politik, Parlamente,. Wirtschaft, Kultur, Sport, Medien anderer und der eigenen Staaten, über ihre Satellitensysteme, um systemrelevant wichtige Daten, Patente, Interna abzugreifen“

Das erinnert mich an die folgende Geschichte:

Ein Mann rammt einem anderen Mann ein Messer in den Rücken.

Der Mann mit dem Messer im Rücken schafft es, davon zu eilen, worauf der Täter lauthals ruft

“Haltet den Dieb, der Schuft will sich mit meinem Messer davon machen!“

JR's China Blog 11.05.2013 | 07:34

Vielen Dank für die Aktualisierungen - im deutschen Sprachraum scheint das sachliche Interesse an Wikileaks - jedenfalls der hauptsächlichen Medien - sehr nachgelassen zu haben.

Assanges "Geisteszustand" ist für mich kein Thema. Allerdings greifen seine Gegner ihn mit ihren Spekulationen oder Unterstellungen auf dem Gebiet an, auf dem an sich seine größte Stärke liegt, nämlich der zum Heldentum.

Dabei spielt es keine Rolle, ob er dieses Heldentum überhaupt will - diese Rollenvergabe ist die naheliegendste Reaktion eines Publikums, die ein Drama will - wobei Heinrich Mann schon vor über hundert Jahren anmerkte, dass der Roman und nicht das Drama das demokratische Medium sei.

Was mir bis Ende 2010 an Wikileaks und der öffentlichen Rezeption auffiel, war ein innerer Widerspruch.

Je geheimniskrämerischer oder ungerecht eine Organisation sei, so Wikileaks - soweit richtig zitiert - gegen Ende 2010, desto stärker führten Leaks zu Furcht und Paranoia in der Führung einer solchen Organisation und in ihrem Klüngel. Dies führt zu einer Minderung effizienter interner Kommunikationsmechanismen (einem Anstieg einer kognitiven "Geheimhaltungs-Steuer") und folgerichtig einer systemweiten Abnahme der Fähigkeit sich an der Macht zu halten, während die Umgebung Anpassung verlangt. Daher werden in einer Welt, in der Leaking leicht ist, verschlossene oder ungerechte Systeme im Vergleich zu offenen, gerechten Systemen überproportional getroffen. Da ungerechte Systeme ihrer Natur nach Gegner hervorrufen und vielerorts kaum die Oberhand haben, macht Leaking sie außerordentlich verwundbar für diejenigen, die sie mit offeneren Formen der Regierung ersetzen wollen. (The more secretive or unjust an organization is, the more leaks induce fear and paranoia in its leadership and planning coterie. This must result in minimization of efficient internal communications mechanisms (an increase in cognitive “secrecy tax”) and consequent system-wide cognitive decline resulting in decreased ability to hold onto power as the environment demands adaption. Hence in a world where leaking is easy, secretive or unjust systems are nonlinearly hit relative to open, just systems. Since unjust systems, by their nature induce opponents, and in many places barely have the upper hand, mass leaking leaves them exquisitely vulnerable to those who seek to replace them with more open forms of governance).

Das las sich wie eine - nicht glaubwürdige - Abkürzung zu einer besseren Welt. Zum einen ergibt sich aus der internationalen Leaking- und Regierungspraxis nicht, dass eine Organisation oder Bürokratie je leichter zu treffen wäre, desto geschlossener oder geheimer sie arbeitet. Und zum anderen ersetzt nichts die Fähigkeit einer Öffentlichkeit, Informationen tatsächlich einzuordnen und zu beurteilen.

Wikileaks als Prinzip ist nichts Fertiges - es ist nach wie vor in Arbeit. Aber einen Ersatz für Reporter, die sich an eine konkrete Story heranmachen und ihr Inneres nach Außen kehren, sehe ich darin nicht - bisher noch nicht einmal potenziell.

Am verwundbarsten sind weder Wikileaks noch die geheim arbeitenden Systeme - am verwundbarsten ist die Öffentlichkeit. Wie Wikileaks das ändern will, ist mir bisher nicht klar.

JR's China Blog 11.05.2013 | 12:45

Missstände und Skandale, die offen zu Tage liegen, gibt es reichlich, Herr Petrick - dazu brauchen Sie weder Wikileaks noch eine UNO-Konvention. Gefragt wäre vielmehr öffentliche Bewegung und - das ist ein wichtiger von Assange bemerkter Punkt - eine Bereitschaft, die Selbstzensur zu überwinden. Das meiste von dem, was die Presse links liegenlässt, sind keine von Whistleblowern gesteckten Stories, sondern welche, die öffentlich bekannt sind und öffentlich verhandelt werden - allerdings häufig ohne dass die "4. Gewalt" sie aufgreifen würde.

Ich gehe davon aus, dass so ziemlich alles, was bei den Behörden aller Länder klassifiziert ist, öffentlich zum Download bereitstehen könnte: es würde ziemlich intensiv beschwiegen. Ein Pferd will immer noch von vorne aufgezäumt werden - das heißt: mit einer breiten Bereitschaft zum jeweils persönlichen Engagement.

Joachim Petrick 11.05.2013 | 12:59

„Missstände und Skandale, die offen zu Tage liegen, gibt es reichlich, Herr Petrick - dazu brauchen Sie weder Wikileaks noch eine UNO-Konvention. Gefragt wäre vielmehr öffentliche Bewegung und - das ist ein wichtiger von Assange bemerkter Punkt-„

Das kriege ich nicht zusammen?, Sie geben vor, sich für Assange einzusetzen, der sich möglicherweise in Lebensgefahr befindet, wehren aber eine Forderung nach einer UNO- Konvention zur weltweiten Sicherung von Whistleblowern stringent ab?

Es geht ja nicht nur um Whistleblowing in staatlichen Einrichtungen, Administrationen, sondern weltweit auch in Unternehmen, voran bei den Globalplayern, wie Goldman Sachs etc..

JR's China Blog 11.05.2013 | 13:08

Sie geben vor, sich für Assange einzusetzen, der sich möglicherweise in Lebensgefahr befindet, wehren aber eine Forderung nach einer UNO- Konvention zur weltweiten Sicherung von Whistleblowern stringent ab?

Moment mal, Herr Petrick: wo gebe ich vor, mich für Assange einzusetzen? Was Assange betrifft, bin ich gegen eine Auslieferung nach Schweden (die schwedischen Ermittler könnten ihn ebenso gut in London befragen), aber nicht für eine UN-Charta.

Eine solche Wahrnehmung gibt mein Kommentar m. E. überhaupt nicht her.

Fred Thiele 11.05.2013 | 19:04

Der Grund, warum der Freitag trotzdem immer noch lesenswert und wichtig ist, sind Artikel wie diese. Fast aufopferungsvoll arbeitet sich der Autor durch das Interview von Wikileaks-Assange und  Google-Schmidt und produziert dabei eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte des Gespräches, ohne der Kopf-in-den-Sand-Mentalität der Mainstream-Medien zu folgen. Das Schlimme an der Situation ist das Ausbleiben einer wirklichen Auseinandersetzung mit seinen Thesen, die mediale Mundtot-Machung Informationsfreiheit und was mir besonders wichtig im Gespräch war, die Bedeutung von künstlicher Komplexität zur Verschleierung der tatsächlichen Umstände. 

Danke für den Artikel. Es kann allerdings auch nur ein Anfang sein, sich in die Materie einzuarbeiten und die Propaganda und Fehlinformationen, die gezielten Missinterpretationen der Mainstreammedien als solche wahrzunehmen und sich nicht in ihnen und ihrer künstlichen Komplexität zu verlieren. Der Kampf um die Informationsfreiheit im Informationszeitalter hat erst begonnen, gegen die ökonomischen Kartelle und die Weltfinanz, die ihre Kriege untereinander in geheimer Manier aufführt und die einer aufgeklärte Menschheit dabei nicht gebrauchen kann.

Wir leben in einer Informationsdiktatur.

Sönke Paulsen 11.05.2013 | 22:10

Vielen Dank für den Hinweis auf das Zeit-Interview. Ich habe es auch gelesen, fand aber, dass die Qualität eine bisschen unter der Art der Fragen gelitten hat. Assange habe schlecht ausgesehen... natürlich hat er sich gegen Fragen gewehrt, in denen es um sein physisches und psychisches Befinden ging. Ich weiss auch ehrlich gesagt nicht, was solche Fragen sollen? Man kann Assange schließlich nicht aus humanitären Gründen aus der Botschaft holen und ihn nach Davos zur Erholung schicken. Es ist diese typische mediale "von oben herab" Haltung, in der Assange als Opfer betrachtet wird, als "kalt gestellt". Das stimmt aber nicht, wie man auf der Wikileaks Website jederzeit erkennen kann. Problematisch finde ich auch, wenn Leute mit ihm sprechen, die zwar populär sind, aber vom Thema keine Ahnung haben, die sind dann besonders auf boulevardeske Nebenaspekte angewiesen, um eine Story draus zu machen, weil sie die Inhalte nicht verstehen.

Ja, das ist auch so ein typisches journalistisches Problem in den großen Medien: Die Kompetenzanmutung der Journalisten endet häufig in einer Kompetenzzumutung für die Leser, die das flache Gesülze bestenfalls noch überfliegen.

Domscheit-Berg habe ich nicht weiter verfolgt. Ich weiß nur, dass er einen toten Briefkasten im Internet realisieren wollte. Das scheint wohl doch nicht ganz so einfach zu sein.

Mich überzeugt Assanges Überlegung, Internet-Content vergleichbar dem ISBN-Nummern zu kennzeichnen und damit den Speicherort irrelevant zu machen, wesentlich mehr. Es gäbe diese Technik schon bei den Magnet-Links im File-Sharing-Bereich. Diese Inhalte finden sich übrigens auch in dem Gespräch mit Eric Schmidt, das ich bei Weitem nicht vollständig auswerten konnte. Die Überlegung beruht aber offensichtlich darauf, dass wesentliche Inhalte im Internet ein starkes Echo finden, d.h. sie werden wieder und wieder verlinkt, kopiert, geteilt  und gespiegelt. Der originale Inhalt ist somit nicht mehr zurückzuverfolgen, wenn dieser rein als Inhalt und nicht durch seinen Ursprungsort gekennzeichnet ist. Ich glaube, soetwas in der Art meinte Assange auch, als er erkärte, dass der ursprüngliche Content in seinem Echo aufgeht. Ich stelle mir vor, dass es mit Peer-to-Peer zu tun haben muss, was ja derzeit heftig überwacht wird und zu Massenabmahnungen führt, wenn geschützte Inhalte da auftauchen. Es könnte also sein, dass da immer weniger Leute mitmachen und dann die Masse eben auch nicht mehr den nötigen Schutz bietet. Assange selbst hat ja von dieser Pyramide gesprochen, an deren unteren Ende viele Menschen fürchten, in die oberen Etagen aufzurücken, wo sie zur Zielscheibe werden könnten.

Lange Rede kurzer Sinn - ich blicke da nicht durch :(

dame.von.welt 12.05.2013 | 16:09

Alexandre Lacroix ist kein Journalist, sondern Philosoph (der bislang eher durch einen Versuch über das Küssen auffiel), er besuchte Assange zum bereits zweiten Mal. Ich habe den Text des Gesprächs von 2011 zwischen Peter Singer und Julian Assange auch mal irgendwo komplett gelesen, im www ist leider nur die erste Seite zu finden, Alexandre Lacroix war dabei Chronist. Das mag Fragen nach dem Brfinden et al erklären.

Was mir aber am Interview in der Zeit gut gefallen hat, ist die Notwendigkeit für Assange, Lacroix das www für Kinder zu erklären, weil ich auf diese Weise eine Chance habe, ein bißchen zu begreifen.

Es mag ebenfalls eine boulevardeske Überlegung sein, aber ich bin bei Assange nie sicher, was an der Popkultur um seine Person medialer Fremd- oder sein Eigenbau ist - ich habe deswegen ein Glaubwürdigkeitsproblem (unabhängig von seinen mir brilliant erscheinenden Ideen zum www). Die Popkultur um seine Person scheint mir Schutz und Gefahr zugleich und es ist noch nicht raus, was dabei stärker wirkt. 

Ihren Satz Die Kompetenzanmutung der Journalisten endet häufig in einer Kompetenzzumutung für die Leser... den rahme ich mir mal ein!

die Realistin 12.05.2013 | 16:43

Vielen Dank dem Autoren für seine umfangreiche Arbeit!

Das die Mächtigen vor Leuten vor Assange Angst haben ist doch klar! Und Assange steht ja nicht allein da!...

Dank auch für den Hinweis der Kontakte von Goldmann Sachs zur "mächtigsten Frau der Welt" und den Lügner Özdemir und Steinbrück...und ja sicher nicht nur zu denen... Aber der teutsche Michel wird solche Informationen nicht lesen und sie auch nicht verstehen...

P.S. Was mich im Stillen amüsiert ist der Umstand, das Gott und die Welt sich über die Stasi furchtbar aufregten und jetzt sich  z.B.  bei facebook völlig "entblössen"!

Die Stasi war ein Geheimdienst, wie ihn ALLE Länder haben. Und alle Geheimdienste arbeiten nicht mit den feinsten Mitteln! Auch BND, Verfassungsschutz und all die anderen Geheimdienste der BRD arbeiten so und auch die in der Türkei, in den USA, in Ägypten und ..und..und...

Dank meines Alters und meiner Lebenserfahrungen bin ich weder "blauäugig" noch leichtsinnig. Ich bin kein Internet-Spezalist, aber ich kann 1 plus 1 zusammenzählen und mir zusammenreimen, wofür  Facebook und ähnlich "soziale Netze" stehen!

JR's China Blog 14.05.2013 | 06:27

Doch, durchaus. Sie schaffen es wesentlich eher, nationale Auslieferungsgesetze zu ändern, als dass Sie zu diesem Thema eine UN-Konvention zustande bekommen. Es ist keineswegs nur die U.S.-Regierung, die mit dem Konzept ein Problem hätte.

Mich interessieren zunächst einmal viel "kleinere Fische". So lange Stories wie diese in unserem Land intensiv beschwiegen werden, obwohl man ihnen sogar unter Wahrnehmung bestehender Verfassungsrechte und Konventionen nachgehen kann, würde Ihnen eine Whistleblower-Konvention auch nicht weiterhelfen. Assange wird ja schon bei der jetzigen Rechtslage ausdrücklich nicht als Whistleblower verfolgt, sondern als "sex offender". Wie sollte die UN-Konvention, die ihn davor schützt, Ihrer Ansicht nach aussehen?

Selbstverständlich ist es jedermanns Recht,Weltpolitik machen. Unbeachtetes Recht haben wir allerdings auch so schon genug. Und Politiker, die ständig nach neuen Gesetzen rufen, als änderten sich damit die Realitäten, gibt es m. E. ebenfalls zur Genüge.

Ich versuche lieber, konkret zu sein.