Soloto

Independent-Schriftsteller. Schreibe darüber, was mich inspiriert und bewegt.
Soloto
RE: Kleines Chiao | 25.06.2017 | 20:39

Oh no! Was für ein Paukenschlag! Kaum ist man mal n paar Tage nicht im Netz, dann so was ...

Aber na ja, das Leben geht weiter. Ich wünsche auf jeden Fall viel Glück dabei. Für den Freitag und vor allem für die Leser ist es aber ein Verlust, der nicht wettzumachen ist. Irgendwie scheint mir gerade, dass Stalin sich möglicherweise doch getäuscht hatte, als er meinte, niemand sei unersetzbar.

Aber kein Geschwafel. Sie wissen ja, wie sehr ich Ihre Texte geschätzt habe.

Bon voyage,

Soloto

RE: Ein Trümmerfeld | 13.06.2017 | 14:48

Die Äußerung ist auf jeden Fall ernst zu nehmen, wirft sie doch möglicherweise ein Schlaglicht darauf, wes Geistes Kind der junge Mann sein könnte. Zur Klärung dieser Frage dürfte eine Überprüfung seines Onlineverhaltens unumgänglich sein, also vor allem, ob er islamistische Websites besucht und sich positiv zu den jüngsten Anschlägen geäußert hat. Ist dies der Fall, wäre er als Gefährder einzustufen. Wenn nicht, dann nicht.

Seltsam ist es aber schon, wie sicher sich alle sind, dass Asef N "gut integriert" ist, obwohl ja niemand von seinen Mitschülern oder Lehrern etc. über sein Onlineverhalten im Bilde sein dürfte, was aber wichtig wäre, um eine angemessene Einschätzung abgeben zu können.

RE: Ein Trümmerfeld | 12.06.2017 | 22:47

Hallo Juliane Löffler,

danke für die Antwort als solche, auch wenn mir die Bewertung meiner Ergänzungen als „unjournalistisch“ übertrieben abqualifizierend zu sein scheint und es außerdem für mich nicht nachvollziehbar ist, warum mein Beitrag der Debatte nicht weiterhelfen sollte, obwohl ich doch der Einzige war, der sich an des Pudels Kern herangetraut hat.

Ebenso muss ich die Einschätzung meines Psychogramms als „höchstspekulativ“ zurückweisen, da ich, wie alle anderen mir bekannten Artikel zu diesem Thema auch, nur die allseits bekannten Einschätzungen und Fakten aufgegriffen habe. Meine Eigenleistung bestand nun darin, sie nicht einfach so für bare Münze zu nehmen, sondern über ihre Plausibilität nachzudenken, ihre Perspektive zu berücksichtigen und sie zu einem sinnigen Ganzen zusammenzuführen, um mich letztendlich in die Person des Psychogramms, Asef N, wie in eine Romanfigur, hineinversetzen zu können. Man kann das durchaus wie @Miauxx Profiling nennen. Ich finde daran nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Es ist ziemlich anspruchsvoll und setzt auch die Fähigkeit zur Empathie voraus.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob man Asefs Äußerungen aufgrund der mildernden Umstände der Extremsituation, die für ihn möglicherweise mit Todesangst verbunden war, als nicht ernst zu nehmenden Ausrutscher bewertet. Angesichts der gegenwärtigen Intensität des islamistischen Terrors verbietet sich das natürlich von selbst, doch möchte ich dennoch noch einige zusätzliche Gründe anführen, die näher an unserer Alltagswirklichkeit sind und für ein Ernstnehmen sprechen. So dürften die meisten die Erfahrung gemacht haben, in sehr angetrunkenem Zustand auch mal Dinge gesagt zu haben, die man sich ansonsten nicht eingestehen würde, die aber dennoch der Wahrheit entsprechen. Insofern erscheint es möglich, dass islamistische Attentäter für Asef N nachahmenswerte Vorbilder sind, zu denen er als Helden aufschaut, auch wenn er diese Ansicht seinem deutschen Umfeld nicht mitteilt. Auf dieses würde er wohl unpolitisch wirken, doch kann man von außen eben keinen Unterschied erkennen, ob sich jemand nicht für Politik interessiert oder ob sich dieser jemand nicht mit Ungläubigen über Politik unterhält. Und die Art seiner Äußerung spricht eben eindeutig dafür, dass der Islamismus ihm von allen politischen Richtungen am nächsten ist, so nahe, dass er die entsprechenden Denkmuster im Extremfall reproduziert. Hätten Linke einen prägenden Eindruck auf ihn gemacht, hätte er zu den Polizisten etwas wie „Scheiß-Nazis!“ gerufen, hätte ihn der bürgerliche Liberalismus beeindruckt, hätte er sich auf die Menschenrechte oder die „Würde des Menschen ist unantastbar“ berufen. Aber das hat er nicht gemacht. Dennoch muss das nicht bedeuten, dass er sich in einem Prozess der Selbstradikalisierung befindet (auch wenn ich nicht glaube, dass er wirklich von sich aus Schreiner werden will, sondern einfach das macht, wohin ihn sein Umfeld drängt). Wahrscheinlich wird ihn der Verfassungsschutz aber durchleuchten, wenn er nicht ganz blöd ist, und sich anschauen, ob Asef N im stillen Kämmerlein Islamistenwebsites angesteuert und sich möglicherweise positiv zu den jüngsten Anschlägen geäußert hat. Davon abgesehen besteht aufgrund der breiten Berichterstattung nun aber die Gefahr, dass die hiesigen Strukturen des Islamischen Staates auf ihn aufmerksam werden und einen Anwerbungsversuch starten. Sollte dieser erfolgreich verlaufen und Asef unter ihrem Einfluss einen kleinen Anschlag begehen, wäre das ein Desaster für alle, die sich mit ihm solidarisieren, da sie dann als naive Idioten dastünden, die sich leicht was vormachen lassen. Ich hoffe sehr, dass uns das erspart bleibt. Und ebenso, dass die hoffentlich stattfindende Überprüfung auf islamistische Tendenzen negativ ausfällt und es verantwortbar ist, ihn hierzulassen, was auch für sein Unterstützerumfeld wichtig ist, da diese, wenn sie ernsthaft die Möglichkeit einer Tötungsaktion in Betracht ziehen müssen, Asef ja kaum noch vertrauen können.

Aber nun ja, wir kennen ihn nicht. Was es also bräuchte, wäre ein schönes Portrait von ihm, das ich aufgrund meiner ungenügenden journalistischen Kenntnisse (ja, ich habe nur ein paar Workshops besucht und noch nicht mehr mal irgendwo ein Praktikum gemacht) leider nicht abliefern kann. Dieses Portrait hier, by the way, verfasst von der Autorin vorliegenden Artikels, hatte mich sehr beeindruckt, drängte sich mir doch die Frage auf, ob der Artikel das Zeug dazu hat, eine Ehekrise auszulösen, doch habe ich natürlich auf einen Kommentar verzichtet, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Aber man kann anhand dessen halt aus der Nähe abgleichen, in wie weit man in seinen psychologische Einschätzungen übereinstimmt.

Schönen Gruß,

Soloto

RE: Ein Trümmerfeld | 10.06.2017 | 21:57

Ergänzend: Schwer nachvollziehbar, einen Menschen in dieser Situation nicht unter Aufsicht zu stellen. Ob Abschiebehaft das Richtige wäre, sei dahingestellt, da auf jeden Fall psychologische Betreuung angeraten ist, weil Asef nun zusätzlich damit klar kommen muss, in aller Munde zu sein. Vielleicht glaubt er, die Leute auf der Straße würden ihn erkennen, hinter seinem Rücken über ihn reden usw.

Klar: Solidarität zeigen ist wichtig. Aber es ist bei Weitem nicht alles.

RE: Ein Trümmerfeld | 10.06.2017 | 21:21

Nun, für Asef kam das nicht gänzlich überraschend, insistierte die Ausländerbehörde doch schon seit Längerem auf seine Ausreise/Abschiebung.

Warum aber war der Protest dann spontan und nicht geplant, beispielsweise durch ein Kirchenasyl oder durch eine Petition/ Unterschriftenliste an die Behörden, in denen Asef Ns vorbildliche Integration hervorgehoben wurde?

Natürlich führe ich mir die Belastung während der Abschiebesituation vor Augen - und komme eben deswegen zum Schluss, dass in dieser Ausnahmesituation etwas aus ihm herausgebrochen ist, worüber er sonst nicht spricht.

Und ja, das, was er gesagt hat, lässt Rückschlüsse auf seine politische Orientierung zu. Antikapitalistisch war das nämlich nicht. Und von Menschenrechten hat er auch nicht gesprochen.

Aber wie gesagt: es wäre einfach zu anstrengend, sich damit auseinanderzusetzen.

Best,

The dangerous Soloto

RE: Ein Trümmerfeld | 10.06.2017 | 20:29

Zu ergänzen wäre wohl noch, dass Asef N ja eine Anschlagsdrohung ausgesprochen haben soll („In einem Monat bin ich eh wieder da und dann bring ich Deutsche um“). Das scheint mir ein nicht ganz unwichtiges Detail zu sein und es wundert mich, dass dieses weder im Artikel noch in den hundert folgenden Kommentaren zur Sprache gekommen ist.

Also, was sagt uns das Ganze? Den spontanen Protest und die Solidarität der Schüler in Ehren, aber kennen sie ihren Mitschüler wirklich gut? Was über ihn kolportiert wird („sympathischer Mensch“, „keine Mackerallüren“, „gut integriert“ und, best, „Ausbildungsplatz in Aussicht“), ist an Oberflächlichkeit ja kaum zu überbieten. Es ist dasselbe, was Leute über ihren Nachbarn sagen, nachdem der völlig durchgedreht ist und sonst was angestellt hat.

Auch spricht die Spontaneität des Protestes dafür, dass Asefs Abschiebung für seine Mitschüler aus heiterem Himmel kam, sie also nichts von der bevorstehenden Zwangsmaßnahme wussten, Asef es ihnen mithin nicht erzählt hat. Insofern ist anzunehmen, dass Asef hier weder eine Partnerin noch Homies gefunden hat, mit denen er sich darüber austauschen kann, was ihn beschäftigt – und dass dieses in dem Moment größten Stresses dann aus ihm herausgebrochen ist. Dass er in seinen Gedanken also tatsächlich mit der Möglichkeit eines Anschlags spielt. Wofür auch spricht, dass sein Dementi denkbar schwach ist: Er sagt nur, er könne sich nicht daran erinnern und entschuldigt sich sogar vorsorglich, nicht aber, dass er besagte Äußerung nicht getätigt hat.

Daraus folgt, dass zum einen der Integrationsbegriff rein formal aufgefasst wird (er geht zur Schule – also ist alles super) und zum anderen etwas in der Kommunikation zwischen Asef und seinen Mitschülern schief läuft, was diese zwar wahrscheinlich weit von sich weisen würden, was aber trotzdem sehr interessant ist. Ich würde darauf tippen, es hier mit dem Fall eines Wohltätigkeitsgefälles zu tun zu haben. Seine Mitschüler wollen ihn integrieren, gut und keinesfalls rassistisch zu ihm sein und reden auch dementsprechend über ihn, bauen also gemeinsam das Luftschloss einer „gelungenen Integration“ auf. Ihre Wohltätigkeit begründet aber ein hierarchisches Verhältnis, das einerseits einen offenen Kontakt auf Augenhöhe erschwert, vielleicht bis zur Unmöglichkeit, und andererseits Asef das Rollenbild des Wohltätigkeitsempfängers, bzw. des Flüchtlings, zuschreibt, aus dem er kaum entkommen kann und mit dem er umzugehen hat, auch wenn ihm dafür das mentale Rüstzeug fehlt. Damit einher geht ein Dankbarkeitsdruck, der dadurch noch unangenehmer wird, dass seine Mitschüler nicht wirklich ihn verteidigen, sondern ihr inneres Bild eines Schutzbedürftigen. Es kann also sein, dass Asef die ihm entgegengebrachte Gutwilligkeit als höchst unauthentisch wahrnimmt – und diese in ihm Aggression, Wut und sogar Hass auslösen. Hass auf die, die es nur gut mit ihm meinen, obwohl sie ihn gar nicht richtig kennen, mit denen er kaum so über seine wahrscheinlich vorhandenen Gewalterfahrungen hat sprechen können, dass er sich wirklich gesehen und angenommen fühlt, was aber wichtig wäre, wenn man sich, wie er, allein und ohne Familie in einem fremden Land befindet.

Summa summarum ist seine Drohung, Deutsche umzubringen, also als Offenlegung dessen zu werten, was er in seinem tiefsten Inneren von den Deutschen, denen er bisher begegnet ist, also vor allem seinen Mitschülern, hält. Interessant wäre es zu erfahren, wie diese mit der Drohung umgehen? Wahrscheinlich werden sie sich wohl gegenseitig versichern, die böse Polizei hätte sich das ausgedacht. Alles andere wäre auch zu anstrengend. Holy Shit!

RE: Muster Bataclan | 06.06.2017 | 01:04

Sehr starker und vor allem sehr wichtiger Artikel, da er benennt, woher die Dschihadisten in Europa ihren Nachwuchs rekrutieren, nämlich aus den abgehängten Einwanderermilieus (wobei, das sei ergänzt, auch eine Universitätsbildung nicht vor Fanatismus schützt). Damit stellt sich dann die Frage, ob es für die Gesellschaft als Ganzer besser oder schlechter ist, wenn diese Milieus größer oder kleiner werden. Nun, die Antwort darauf liegt natürlich auf der Hand, die tatsächliche Entwicklung ist jedoch eine gegenteilige und es ist nicht absehbar, dass die westlichen Gesellschaften a) die nötigen Ressourcen hätten, um fundamentalistische Parallelgesellschaften durch Bildung und Arbeit zu integrieren noch, dass b) es psychologisch überhaupt möglich ist, die Sozialisation eines Menschen so weit umzupolen, dass der Gegensatz zu einheimisch Sozialisierten aufgehoben wird.

Insofern ist davon auszugehen, dass die Sicherheitslage in Europa noch eine ganze Weile nicht hinnehmbar sein wird. Die Konservativen werden das zur Stärkung des Überwachungsstaates auszunutzen wissen, während die Linken dem Problem des Terrors wohl weiterhin vor allem mit Phrasen begegnen werden und ansonsten eine Politik vertreten, die dessen Ursachen verschärft (forcierte Einwanderung aus muslimischen Ländern) und sie in den Augen vieler einheimischer Wahlberechtigter unwählbar macht.

Was ist also zu tun? Zunächst sollte man so ehrlich sein und sagen: Ja, Multikulturalität und Weltoffenheit sind schöne Sachen, aber wir haben den Begriff "bunt" viel zu lange oberflächlich auf die Hautfarbe und die Herkunft bezogen verwendet und nicht auf die innere Verfasstheit der Individuen. Da bedeutet "bunt" eben nicht-traditionalistisch, mithin hippieesk. Wir aber haben unter dem Label "bunt" sehr viele Menschen mit teils ultra-traditionalistischen Ansichten ins Land gelassen, was bis zu einem gewissen Maß auch tolerierbar ist, doch jetzt kippt´s eben und wir können gespannt sein, wie sich unter diesen Bedingungen die Bleiberechtsdebatte nach der BTW entwickeln wird. Wir gehen leider - Nürnberg und Rock am Ring legen beredtes Zeugnis davon ab - sehr heißen Zeiten entgegen.

RE: Warum wählen Schwule und Lesben die AfD? | 31.05.2017 | 23:42

Liebe Frau Löffler,

das war das erste Mal, dass ich mich über einen Ihrer Artikel wirklich schwarz geärgert habe. Es fängt damit an, dass im ganzen Text nur von "Homosexuellen, die sich der AfD zuwenden" gesprochen wird, was bei mir den Eindruck erweckt hat, dass diese jetzt aus der LGBTI-Community sprachlich ausgeschlossen werden sollen. Das wirkt umso unangenehmer, da der LGBTI-Begriff ausschließlich emanzipatorisch besetzt ist, dem Wort "Homosexueller" aber noch die ganze Diskriminierungsgeschichte, inklusive NS-Zeit, anhaftet. Das ist in meinen Augen ein No-go.

Als ich dann folgendes Zitat las:

„Das sind Verlierer der Gesellschaft. Da ist es dann vielleicht einfacher, anderen die Schuld zu geben.“

konnte ich meinen Augen kaum trauen, dass das so unwidersprochen dastand, als würden Sie dem zustimmen und sogar erwarten, dass ihre Leser diese Ansicht teilen. Für jemanden wie mich, der mit nur kurzen Unterbrechungen seit neun Jahren im Hartz IV System drinsteckt, war das ein ziemlicher Tritt ins Gesicht. Denn das Verlieren in Würde - dass mein literarisches Talent also kaum gewürdigt wird und ich von vielem, was in dieser Gesellschaft als normal gilt, einfach mal komplett abgeschnitten bin - ist für mich meine größte Lebensleistung. Haltung bewahren, auch wenn´s schwierig ist. Und dann so eine Herablassung, und dazu im Ton der größten Selbstverständlichkeit, das hat mich so was von umgehauen. Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht.

Und dann der Schluss, dass man von Einwanderern erst eine liberale Haltung erwarten dürfe, wenn der Papst sie auch an den Tag lege - das heißt ja so viel wie: nie.

Ehrlich gesagt wundert es mich ja sogar, dass der Freitag den Mut hat, diesen Artikel online zu stellen, weil Ihr doch wissen müsst, was Ihr damit provoziert. Ihr könnt doch nicht im Ernst glauben, dass man es vernachlässigenswert finden kann, wenn LGBTI-Leute vor der eigenen Haustür ermordet werden, wie unlängst ein Italiener im Volkspark Friedrichshain?

Klar, es gibt auch gute Ansätze im Artikel, aber ich mag da gar nicht mehr drauf eingehen.

I can´t support that any longer. - I´m really, in the most broad way, sorry.

RE: Die BRD in schwerer See | 31.05.2017 | 18:03

Ja, Rumänien ist unbedingt ne Reise wert, tolles Land und auch eine sehr lebhafte Kulturszene.

RE: Die BRD in schwerer See | 31.05.2017 | 18:00

Hi Gozilla,

gerne! Freut mich sehr, wenn man in Kommunikation Wertschätzung ausdrückt. Zu den politischen Einschätzungen kann ich d'accord gehen. Die Wahl dürfte leider gelaufen sein. Die Verantwortung dafür tragen Leute wie @Urmel, die mit ihrem unmöglichen Gehabe alle gegen sich aufbringen. Ebenso wie sie m.E. dazu beitragen, dass die Kommunikation von ethnischen Deutschen eher konventionellen Gemüts mit Leuten mit Migrationshintergrund oftmals holprig und unglücklich verläuft. Ich meine, man muss sich ja auch mal in so Leute reinversetzen, um sie ein bisschen zu verstehen. Die machen ihr Ding und bekommen von einem Tag auf den anderen eine Millionen Flüchtlinge vor die Nase gesetzt, ohne gefragt zu werden, ob sie das auch wollen. Und wenn sie nicht bei drei jubelnd am Straßenrand stehen, werden sie als Nazis beschimpft und ausgegrenzt. In so einer Situation fehlt ihnen natürlich die Freiheit, sich bewusst dafür zu entscheiden und sich, auch mit dem Herzen, dafür zu öffnen. Sie werden also zu etwas genötigt, was sie vielleicht, wenn sie die Möglichkeit hätten, in Ruhe zu einer Entscheidung zu kommen, gar nicht wollen würden. Diesen ihren Willen müssen sie aber unterdrücken und sich zu Freundlichkeit zwingen. Was die Sache natürlich unglaublich verkrampft macht. Erschwerend kommt hinzu, dass es in der Kommunikation mit Zuwanderern extrem viele Fettnäpfchen zu beachten gilt. Allein die Frage nach der Herkunft kann schon als Nazi-Gehabe ausgelegt werden, Bemerkungen zur Hautfarbe oder Verallgemeinerungen (kulturelle Stereotypen) wie "Aha, im Iran ist das also so und so" gehen auch gar nicht und die Normalos bekommen sofort ein "Rassist!" oder "Es sind ja nicht alle so!" an den Kopf geschleudert, wenn sie sich mit "progressiven Personen" wie Urmel über ihre Erfahrungen austauschen. Und dann kommt noch die reale Kriminalität hinzu, die von Urmel & Co lächerlich gemacht oder schlicht geleugnet wird. Wie man unter solchen Bedingungen ein normales zwischenmenschliches Gespräch führen können soll, erschließt sich mir noch nicht so recht, auch wenn es wahrscheinlich nichtsdestotrotz trotzdem Millionen Mal pro Tag klappt.