Solveig vom Fjord

Interessiert, kritisch, wach.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Der Restinnerlichkeitsglanz | 30.06.2012 | 09:50

Der Essay Frau Trögers, finde ich, reagiert sehr fair und dezidiert auf die frische Provokation von neulich. Alles auch etwas mysteriös. Es gibt so Nachschriften von Martin Mollnitz bzw. Heino Bosselmann im Web, die manches relativieren: http://www.philotast.com/li-neue-zeiten.html, http://www.philotast.com/00-newsletter.html. In der Nähe finden sich ein paar Gedichte: http://www.philotast.com/po-mollnitz-1.html. Mehr wird man wohl nach der Aktion in Bezug auf Offenlegung des Pseudonyms und dem Hinweis auf die Junge Freiheit nicht mehr lesen können. – Wo soll es denn eine „Romantisierung des Ehrendienstes“ gegeben haben? Ich fand keinen Text. Das ist überhaupt das Problem. Man hätte gern mehr greifbar.

RE: Neue Lyrik – neue Impotenz | 07.05.2012 | 14:04

Die Welt der Bausparverträge illusionsfrei angeschaut. Zwar die Ästhetik des Hässlichen, aber vorstellbar. Ist nicht Rosamunde Pilcher, sondern die Gegenseite davon. Interessant.

RE: Neue Lyrik – neue Impotenz | 07.05.2012 | 14:00

Nun, der Text oben fängt doch etwas ein. Man besuche mal so ein Eigenheimglück. Vielleicht könnte man verdichten, aber ich will hier nicht analysieren.
Zur Polemik: Ich las selten einen im besten Sinne so unterhaltsamen Essay und so gewitzte Kommentare. Dabei habe ich den Eindruck, dass mancher hier Schwierigkeiten mit der Textsorte der Polemik hat und die trockene Redlichkeit einer literaturtheoretischen Arbeit erwartet. Eine Lyrikszene, die sich sehr wichtig nimmt, aber wohl kaum Bleibendes leistet (Bei allen wohltuenden Ausnahmen!), läuft doch von sich aus Gefahr, irgendwann auf einen qualifizierten Spötter zu treffen. Man mache sich den Spaß und klicke sich durch die „Lyrikzeitung“ oder den „Poetenladen“. Gut, da findet man allerlei annehmbar Gesetztes, aber ich kann von mir sagen, nur von mir: Nichts, rein gar nichts, wozu sich ausrufen ließe: Oh, was für ein Gedicht! Was für ein Dichter! Kann in solchen Zirkeln und Gemeinschaftsräumen überhaupt etwas Großes entstehen oder bedarf es dazu nicht doch der Einsamkeit und Stärke des Für-sich? Ich möchte, zumal ich es nie versuchte, niemandem seine Dichteleien verleiden, nur muß sich das an Ansprüchen messen lassen, für die die Literaturgeschichte ein hohes Maß vorgelegt hat. Der Rest, also das meiste, bleibt Hobby. Wie im Leben.

RE: Neue Lyrik – neue Impotenz | 06.05.2012 | 18:57

Wir leben in einer Applausgesellschaft. Das heißt, wenn einer überhaupt irgend etwas macht, und dann noch etwas so Elitäres wie ein „Gedicht“, gilt das schon per se als Leistung. Like! Schulklassen fabrizieren Haikus, veranstalteten Lyrikwettbewerbe, binden Kindertexte zu Broschüren; und wenn etwas ein wenig anders im Layout aussieht als eine Geschichten, dann finden alle gleich: Ein Gedicht! Alles ist möglich! Beifall! Diese Mentalität des „Jeder kann alles!“ setzt sich fort, so weit, dass beinahe jeder sentimentale Mensch, der Zeilenbrüche fabriziert, sich selbst und gleich noch anderen als Lyriker gilt. Das schwemmt im breiten Strom auf die Verlage zu. Machen die irgendwann dicht, weil eine Menge nette Gedanken, aber wenig an Sprachkunst ankommt, bauen sich die Enthusiasten selbst ihre Foren, um so Öffentlichkeit untereinander herzustellen und gleich noch behaupten zu können, sie retten die Lyrik, die von Verlage so despektierlich behandelt wird. Hat auch sein Gutes. Alles schreibt. Nur will niemand mehr nur liebenswerter Dilettant sein, sondern alle Profis.