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RE: Der Markt-Schreier | 01.03.2010 | 19:26

Hallo,
mal ein anderer Gedanke:

Wie gerechtfertigt ist die im Gleichheitsgedanken legitimierte Forderung, Privateigentum aufzulösen und ein Bürgergeld zu veranschlagen, wenn dies unter der Prämisse geschieht, nationale Ungleichheiten als systemerhaltend zu belassen? Wie weit kann man von menschenunwürdigen Zuständen sprechen, wenn eine mancher Orts in Relativität bemessene Armut besteht, anderswo aber eine existentielle. Wie sehr ist dann ein Bürgergeld nicht doch nur interessengebunden, statt humanistisch geleitet?

Kurz: Mit 100 Euro mehr für eine bessere Wohnausstattung kann man anderswo Leben retten. Ist dann eine ethische Argumentation noch erlaubt? Oder gibt es nun legitime Menschenklassen, die im Nationalstaat gerahmt sind?
Wie sehr wird also die "Menschenwürde" als politisches Argument missbraucht?

RE: Zur Überheblichkeit des Westens gegenüber dem Islam | 23.02.2010 | 14:29

Hallo,
ungeachtet dessen, dass ich den Beitrag insgesamt gut und interessant finde, so wollte ich anmerken (auch und im Besonderen in Anbetracht der Diskussion zum Blogeintrag), dass mancherlei Begrifflichkeit und Vorwurf der Argumentationslosigkeit gegenüber den mittels Kampfbegriff "islamophob" stigmatisierten sehr unscharf gefassten "Schichten" ebenfalls "arrogantem" Wahrheitsanspruch und wenig (zumindest transparenter) Beleghaftigkeit entspringt, sondern mokierter "Weite" im Umgang mit "Fakten" des Allgemeinwissens ähnlich der Dichotomie von "West" und "Islam" gleicht.
Kilometersatz; sorry - keine Lust auf Neuformulierung^^

RE: Der Markt-Schreier | 23.02.2010 | 14:08

Hallo,

Ingenieur 2k, Reinigungskraft 5k:
"Zuarbeiter" von zentralen Jobs besonderer Fähigkeitsansprüche sind meiner Vermutung nach viel zahlreicher als diese. Das heißt, dass im Endeffekt die Gesamtkosten explodieren, weil wenige (wie auch immer darin evaluierte) attraktive Zentralposten bislang hoher Vergütung durch viele nun hochbezahlte Jobs in den Lohnausgaben ersetzt würden. Öffentliche Einrichtungen müssten ohnehin schließen, denn welche Uni kann sich bsp. ausreichend Reinigungspersonal mit 5000 Netto erlauben...^^
Falls nun aber die "Hochqualifizierten" diese Tätigkeiten nebenbei verrichten müssten, weil die hochbezahlten Tätigkeiten durch Spezialisten nicht mehr zu bezahlen wären, würde einerseits das Gehalt vom putzenden Ingenieur oder der kopierenden Professorin wiederum steigen - gleichwohl aber diese spezialisierten Posten nur noch halb so effizient arbeiten, denn der Ingenieur hätte weder Kantine noch Reinigungskraft oder sonstige Hilfskräfte mehr. Sofern man also keine Spezialisten für unattraktive Tätigkeiten mehr bezahlen könnte, würde die Produktivität sinken, gleichwohl die Arbeitsteiligkeit der Gesellschaft, was bisher immer mit Produktivitätssteigerung, Qualitätsgewinn und (nun polemisierend) gar Zivilisation gleichgesetzt wurde. (Adam Smith)
Das Problem bei dem Gedanken attraktivitätsbasierter Gehaltsvergütung sehe ich darin, dass man schlichtweg nicht ethische Wertigkeit von Arbeit mit Marktwert verwechseln sollte, folgerichtig aber auch nicht die Wertschätzung einer Tätigkeit an der Gehaltsklasse bemessen werden sollte. Marktwert wird dagegen zumindest in Teilen über die Gehaltsvergütung mit ethischer Wertschätzung und sozialer Anerkennung gleichsetzt, weshalb also unattraktive Jobs zusätzlich undankbar werden.
Ich denke, dass Technisierung langfristig ohnehin viele unangenehme Tätigkeiten ersetzen wird, dies aber gerade im sozialen Bereich (siehe Jayne) nicht so einfach möglich ist. Natürlich bedeutet dies, dass minderqualifizierte langfristig immer schwerer Jobs finden, also die Absicherung trotz alledem gesichert werden muss für solche Fälle und Bildung immer die Prävention hierzu darstellt. (=> Bildungsausgaben)
Grundsätzlich ist aber auch im kapitalistischen System zu erkennen, dass zum Erhalt von gesellschaftlichem Frieden notwendig eine (geringfügige) Wohlstandsangleichung folgt, weshalb i.d.R. heutige Armut in den Wohlstandsländern nicht mehr biologisch existenzgefährdend ist im Vergleich zu den Jahrhunderten zuvor.
Und wie Jayne schon sagte: Vieles liegt im Argen. Warum nicht die 120 Milliarden Grundeinkommen nehmen und in gut bezahlte und zahlreiche Stellen gemeinnütziger Gattung ausgeben. Sozialarbeite, Altenpflege, Krankenpflege, Ökologen, Lehrer, ... Kindergärten , Schulen, Unis, gute und nichtkommerzielle Medien freier Zugänglichkeit....
Ich glaube zudem – wie oben angemerkt, dass produktive Arbeit meist unangenehme Inhalte betrifft, folglich der Mensch eher private Aktivität sucht, statt BIP-fördernd tätig zu sein. Eine individualisierte Gesellschaft von viel Freizeit knüpft nämlich nur in Anteilen ihr soziales Feld an den Produktionsprozess. Privates und Arbeit sind eher getrennt. Und nur wenige suchen ihre private Freude in sozialer Arbeit, weshalb hier also auch gute Gehälter stehen sollten.

RE: Der Markt-Schreier | 22.02.2010 | 01:37

Hallo,
zwar habe ich keine Ahnung von der Materie, zumal das Thema Arbeitsmarkt und (Welt) Markt schlechthin ein gigantisch großes ist und ich glaube, dass nicht mal ausgewiesene Experten die tatsächlichen Folgen eines Systemeingriffes dieser Ausmaße vorhersagen könnten - dennoch ein paar relativ spontane Frage, die ich beim Lesen des Artikels (und mitunter auch schon früher in der Debatte) in mehr oder minder Kurzweil entwickelte. Ich bitte deshalb um Nachsicht.

1. Geld: Wie würde die Finanzierung aussehen, wenn ein Grundeinkommen für jedermann/ frau (welchen Alters? wohl für jeden Bundesbürger) von 1500 Euro beanstandet wird, was damit also ca. 120 Milliarden pro Jahr wären, gleichwohl die Produktivität der Gesellschaft definitiv abnehmen würde, denn auch wenn ein allgemeines Bedürfnis nach Arbeit bestehen mag, so werden die 1500 Euro i.d.R. wohl weniger gearbeitet.
Daran anschließend: BIPabfall durch die Arbeitsplatzabwanderung - ist halt nun mal auch zu beantworten.
Ebenso: Preisanstieg und damit Konkurrenzfrage im Vgl. zu anderen Produkten auf dem Weltmarkt.

2. Ich halte die Prämisse, jedermann wolle zwecks sozialer Einbindung arbeiten, für sehr fragwürdig. Einerseits gibt es bereits sozialschwache Stadtviertel, in denen die Perspektivlosigkeit vererbt und als Lebenswandel akzeptiert wird, andrerseits aber sehe ich in Freizeitgestaltung, Vereinswesen und Freundeskreis viel eher Potential zur sozialen Einbindung, weshalb Arbeit schlichtweg hier den Kürzeren ziehen wird. Man würde also nur vermarktbar produktiv werden, wenn es sich um eine extrem attraktive Tätigkeit handel würde und dies dann auch nur im lustbegünstigten Umfang.

3. Die Bildungsfrage ist nicht so ohne Weiteres vom Tisch zu fegen, wie mir hier suggeriert erschien, denn einerseits heißt mehr Bildungsförderung nicht gleiches an Bildungszugewinn, da Bildung stark von den milieugebundenen und habituierten Lernbereitschaften der Empfänger solcherlei Förderung abhängt - gleichwohl auch hier wiederum die Haushaltsfrage mit ins Spiel käme.

4. Daraus ergibt sich mitunter das Problem der Unterqualifizierten, die eben gar nicht mehr arbeiten würden, da es für sie keine attraktiven Jobs gibt. Wie auch grundsätzlich das Prinzip der Bezahlung nach Seltenheit von Fähigkeit durch das Prinzip der Seltenheit von Lust ausgetauscht würde. Und gerade die einfachen Tätigkeiten haben für sich genommen wenig Produktivkraft, obschon sie notwendig sind - gleichwohl aber auch wenig Attraktivität. Soll also ein Ingenieur 2000 Euro erhalten, die Reinigungsmann aber 5000, weil sonst niemand Lust zu dem Job hat?
Wie kann dieses Prinzip gewinnbringend auf dem Markt bestehen?
Übrigens muss auch der Unternehmer nicht Unternehmer (in Deutschland) bleiben und kann den krempel schmeißen, weil er ja ein Grundeinkommen hat und sich das Ganze in manchen Fällen vielleicht nicht wirklich für ihn lohnen wird.

5. Inwiefern lassen sich Marx theoretische Prinzipien auf den Realtypus eines Marktes im 21. Jahrhundert übertragen?

Grundsätzlich sehe ich das Problem weniger in der Steuerlast als vielmehr im Zusammenbruch des Produktionssystems und damit wäre die Haushaltslast untragbar.