Bericht eines Schlächters

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aus "Panik" Nr. 1/ 29.06.2010

die anonyme Tonbandaufzeichnung wurde aus dem Englischen übersetzt von S.NOAH

" Ich bin einer der Schlächter von MacCullum's Sea Share. Auf seine Züchtung und Schlächtung spezialisiert vertreiben wir den ebenso gefürchteten wie begehrten Mela Beluga; eine Art Minischwertwal, nur anthrazitfarben und um einiges blutrünstiger als sein grosser Verwandter.

Ich kenne keinen Job, der gefährlicher ist, der mir mehr Adrenalin gleichzeitig mehr Geld einbrächte. Durch ein Labyrinth von blutverschmierten Gängen trete ich jeden Tag in die grosse, weissgekachelte Halle. In ihrer Mitte befindet sich ein Betonbecken von 5 Metern Höhe, 5 Metern Breite und 8 Metern Länge. Der geruch von Blut und Öl wirkt wie Dopamin.

Etwa 100 Mela Belugas werden betäubt ins Becken geschmissen, Wasser wird eingelassen, allmählich kommen die Biester zu sich. Dann spritzt das Blut; und nicht nur das der Wale. Wir sind etwa 2O Schlächter, in Anzügen aus Walleder stehen wir auf dem Beckenrand, ohne Sicherheitsgurte und nur mit Speer und Haken bewaffnet.

Im Arbeitsvertrag wird ausdrücklich betont, dass wir uns darüber bewusst sind, eventuell ein Opfer dieser Monster zu werden. Arme und Beine werden selbstverständlich ersetzt. Im Todesfall die Familie unterstützt. Jeden Tag gehe ich mit dem Tod an meiner Seite zur Arbeit. Was für ein Leben!

Ich kenne niemanden, der länger als zwei Jahre dem Tod oder wenigstens einer Verstümmelung entkommen ist. Viele Kollegen habe ich verloren und ich habe geschworen, ich schwor so viele Melas zu töten wie mir möglich ist... Bis ich von diesen Biestern in Stücke gerissen werde. Ein künstliches Bein habe ich bereits. Eins dieser Monster hat es mir, indem es aus dem Becken sprang, einfach abgebissen, blitzschnell. Ich merkte es erst, als ich mein Körpergewicht auf das nicht mehr vorhandene bein verlagern wollte. Ich stürtzte 5 Meter zu Boden und landete genau auf dem Mela, der gerade mein Bein verspeiste. Geistesgegenwärtig gab ich ihm, nachdem ich wartete bis er mein Bein vollständig verschlungen hatte, den Todesstoss und kassierte ne fette Prämie. Seitdem bin ich noch heisser auf die Viecher. Und ein schon legendärer Held meiner Mannschaft.

In ihrem Todeskampf werden die Melas noch hungriger nach Blut als sie es ohnehin schon sind; ebendas gibt dem Fleisch diesen unvergleichlichen Geschmack, und je mehr Frischfleisch sie kurz vor ihrem elenden Tod verschlingen, desto teurer sind sie auf dem Markt. Die Umstände ihres Todes werden auf den Verpackungen für jeden Mela Beluga individuell und exakt beschrieben. Die Szene mit meinem Bein hat den Preis um 897 % in die Höhe schiessen lassen. Wie fein und differenziert das Marketing funktioniert, ohne dabei die Unwahrheit zu sagen; einfach grossartig! Deshalb bemühen wir uns den Tod so spektakulär wie möglich zu gestalten. Am besten ist es die Scheisswale während ihres Angriffs, wenn sie aus dem Wasser springen und durch die Luft fliegen, aufzuspiessen! Sie verenden mit einem entsetzlichen Schrei, dass es einem eisig in die Glieder fährt. Das ist das beste, davon bin ich besessen.

Von Generation zu Generation begreifen sie schneller, dass sie sterben werden. Sie haben angefangen sich selbst zu töten. Das lässt natürlich den Preis sinken. Deswegen haben wir neuerdings diese Anzüge aus ihrer Haut gemacht und beschmiert mit ihrem Öl. Wir riechen jetzt so wie sie... Die Bedingungen sind härter geworden, wie mein Körper, wie die Dosis an Adrenalin.

Sollen doch die Klugscheisser von Gewerkschaft und Tierschutz oder was das da ist behaupten, das sei stupide, menschenunwürdige Arbeit und Tierquälerei. Ich sage: Das ist nunmal kein Job für jeden. Nur echte Männer mit Nerven aus Stahl können das bis zum Ende durchstehen...

Für mich war es ein genialer Streich, die DNA ihrer Augen wegzuradieren. Ich glaube, ich hätte trotz allem noch Mitleid mit den Biestern."

21:13 30.09.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

SON

ich baue türme und lasse sie niederstürzen. wisst ihr was ich meine?
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