HartzIV-Menschen wichtig für die Weiterentwicklung der Gesellschaft

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Wenn ich behaupte, dass der HartzIV-Mensch die nächste Stufe der Evolution nach dem Homo Oeconomicus ist, wird die arbeitssame unterentwickelte Masse von Geldsklaven wenn nicht in krankhaftes Gelächter ausbrechen so doch wenigstens darüber höhnisch schmunzeln und sich ignorant anderem zuwenden. Denn tatsächlich beruft sich sein momentaner gesellschaftlcher Status auf Faulheit und die aus ihr resultierende Armut, Opfertum & Parasitismus. - Auch neige er zu Alkoholismus und Kriminalität, wobei das, obwohl herrschendes Klischee, wie in allen anderen Berufsgruppen eine Seltenheit ist.-

Und nur weil dieser massive Block von Gewohnheit der moralistisch von Arbeit Besessenen in seiner Entwicklung stagniert, indem er sich satt an seiner Meinung frisst, diese sich immer wieder in den innovativsten Varianten bestätigt, und ohne sich tagtäglich freiwillig zu versklaven, keine Ahnung hätte, was mit seiner Zeit und Freiheit, geschweigedenn mit sich selbst anzufangen wäre. Die Indentifikation der Fleißigen mit der Arbeit (übrigens ist es egal was für einer Erwerbsätigkeit man nachgeht, ob in Politik, Wirtschaft, Kunst oder sonst wo) geht soweit, dass sie selbst an freien Tagen auf der Arbeitstelle abhängen und bestenfalls nur einen durchrationalisierten Urlaub gerade noch ertragen können. Der Genuss am Nichtstun wird ständig gestört von nervöser Unruhe und nochmehr: er ist ihnen vollkommen fremd. Ein mit Leere gefüllter Terminkalender ruft in ihnen das äußerste Gefühl von Scham und Schuld hervor.

Der Hartz IV Mensch dagegen hat Mut zu Nutzlosigkeit und Langeweile. Der größten Herausforderung stellt er sich ohne zu zögern: die unerbittliche Zeit mit sich selbst zu füllen. Im Garten der Sinnlosigkeit lustwandelnd die wunderlichsten Früchte entdeckend: hässliche Deformationen im Verhältnis von Mensch und Welt, Mensch und Zeit und seinen Taten, entsinnt er sich dennoch in dieser feindlichen Umgebung der noch Wunderlichereren: dem Selbstzweck-wert, der Mündigkeit, der Verantwortung, die aus Freiheit hervorgeht. Es gibt sogar die Verwirklichung einer Errungenschaft des modernen Denkens, derer er sich rühmen kann: die durch seine Gelassenheit und exklusive Passivität bis ins Metaphysische hineinreichende totale Abschaffung der Sklaverei. Niemals würde sich ein erfahrener HartzIV-Mensch sein urnatürliches Recht auf Müßiggang, Selbsterfüllung und eine seinem Wesen nach strukturierte Arbeit nehmen lassen. Vom Wohlfahrtsstaat dazu erzogen, nicht jede x-beliebige, billige Arbeit annehmen zu müssen, stellt er durch sein renitentes Verhalten fundamental-revolutionäre Forderungen an den Umgang der Wirtschaft mit den Kompetenzen und dem Wesen der Arbeiter.

Der HartzIV-Mensch bedauert den Homo-Oeconomicus seiner Furcht vor der kleinmütigen Anfrage nach einer Gehaltserhöhung wegen, die mit der Begründung abgewiesen wird, dass andere nur auf diesen Job warteten; überqualifizierte Hartz IV Menschen, die auf der Straße stünden und demnachmit noch weniger nicht nur zufrieden, dafür sogar überaus dankbar seien. Da hat sich der Chef allerdings in seinem Schluss geschnitten.

Der HartzIV-Mensch hat keine Angst mehr vor Arbeitslosigkeit... - logischerweise. Mit dieser Haltung wird er die Arbeitsmarktpolitik revolutionieren.

14:33 04.10.2010
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Geschrieben von

SON

ich baue türme und lasse sie niederstürzen. wisst ihr was ich meine?
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gill-bost | Community