Nicht nur relativ, relativiert sie auch

DieZeit DieZeit durchschaut man am Besten mit Einstein´s Theorie und Praxis
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Vor einem Jahr schreibt DiLorenzo, als das Naziwort „Lügenpresse“ in Umlauf kommt, dass die Presse niemals lüge, sondern gelegentlich nur etwas weglasse.

Prompt wird „Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres gekürt. Nicht, dass man das Wort nie wieder in den Mund nehmen darf, man darf es nur nicht mehr ernsthaft denken.

So eine Gelegenheit, die DiLorenzo beiläufigt erwähnt, macht ein DeutschlandFunkReporter in einem Interview, das ich als Praktikant am Telefon führe, ganz konkret: „Es gibt Pressekonferenzen, die sozusagen TopSecret sind.“ Die Presse würde informiert, damit sie gewisse Entwicklungen nachvollziehen könne.

Damit wird die Presse zur Komplizin der Macht. Eine Komplizenschaft funktioniert, weil jeder jeden kontrolliert. Alle haben sich im Stillen zur Jagd auf Singvögel verabredet.

Dann die BöhmermannAffäre, - kein echtes Singvögelchen, nur eins, das mal so aus Spaß aus dem Käfig ausgebrochen ist, - und DieZeit kommt wieder zum Einsatz. Sie titelt: >Die Medien: Feind oder Diener der Mächtigen?< Ungeachtet dessen, dass weder der Feind noch der Diener in diesem Zusammenhang vertrauensvolle Figuren sind, merkt ein Freund an: „Wie kommt eine Zeitung darauf, eine Debatte aufzumachen, die ihre eigene Integrität in Frage stellt?“

Erst Tage später fällt mir eine passende Antwort ein: Um es richtig zu stellen. Anscheinend ist DieZeit die einzige Zeitung, die das darf. Wie schon im Fall „Lügenpresse“. Weder Diener noch Feind ist sie die Institution, in der die Kämpfe stattfinden sollen. Zuständig für die großen Debatten wirkt DieZeit einer Überhitzung der Gesellschaft entgegen. Ihre wissenschaftlichen Diskurse kühlen die Schaltkreise ab und entschärfen die Situation. Der Meinungsstreit verläuft sich in Relativität. Nomen est Omen. Das macht sie durchaus zu einem glaubwürdigen Organ. Aber wessen eigentlich?

Schauen wir uns doch mal den letzten Titel an: >Keine Angst vor Stress<, im Teaser dann die Behauptung, dass Stress gesund sei und lebendig mache. - Ich habe die Artikel zu diesem Thema nicht gelesen, mir reicht der Titel als Statement: Selbst schuld, wenn Du an dem Stress leidest. Es gibt keinen Grund die Lebens- und Arbeitsbedingungen zu ändern. Ändere Du doch Deine Einstellung. Pass Dich besser an. Sieh zu, dass Dir der Stress Spaß macht. Mit Stress kriegste doch viel mehr hin. Dann bleibste auf der Linie.

Mit anderen Worten: Es reicht völlig, dass DieZeit relativ ist.

00:38 27.04.2016
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Geschrieben von

SON

ich baue türme und lasse sie niederstürzen. wisst ihr was ich meine?
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