Sonntagsfreundin

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: An der Staatsgrenze | 02.03.2009 | 00:24

Den vielen Kritikern an obigem Artikel und der Entwicklung des Freitags kann ich mich nur anschließen... Auch ich sehe, dass das für ihn so bezeichnende journalistische - und wenn man es genau meint, intellektuelle - Niveau mit den Erweiterungen und Erneuerungen (ordinärer, überflüssiger Alltagsteil, ermüdende Chronik, fragwürdige Werbeanzeigen, Platzfüllsparten) sowie in nicht wenigen Artikeln und in den Beiträgen seines neuen Verlegers gesunken ist. Vom Layout her sowieso, doch teilweise auch inhaltlich in Artikeln wie diesem passt es sich den Gepflogenheiten und dem Meinungsbild, welches wir tagtäglich in den Mainstreammedien vorgebetet kriegen, an und trägt dazu bei, dass der Freitag seine Einzigartigkeit in der deutschen Presselandschaft verliert und viele seiner bisherigen Leser verprellt. Nachwievor lese ich mit Freude und großem Interesse Artikel von Jäger, Dahn, Dell, Herden und den vielen anderen, die den Freitag in der Vergangenheit prägten und jede Woche aufs Neue zu Denkanstößen und geistiger Regsamkeit einluden und anregten. Journalisten, die mutig und wach genug sind, die Situation scharf und vor allem kritisch - dazu oft mit feinsinnigem Humor und nicht selbstgefällig - zu analysieren und auch die Möglichkeit von Alternativen zum Bestehenden zu denken wagen. Doch erscheint es mir, als werde diesem anspruchsvollen, differenzierten und kritischen Journalismus im neuen Freitag allmählich der Raum genommen, es ist eine neue Zeitung am Entstehen, die viel von ihrem alten Geist verloren hat, die sich an die vorherrschende Meinungsmacherei anpasst, damit sie sich beim Mainstream, bei den Massen gut verkauft. Sollte dieses Ziel erreicht werden, wer braucht dann noch die 12.000 Leser des echten Freitags? Und wer möchte verantworten, dass die letzte Zeitung eines aufgeklärten, emanzipierten und humanistischen Journalismus untergeht?

RE: Willkommen | 14.02.2009 | 20:08

Was macht denn bitte ein Herr Detlev Hustedt in der Geschäftsführung des Freitags? Die Axel-Springer Presse und Konsorten und den Freitag jemals auch nur gedanklich zusammen zu bringen, erschien mir in der Vergangenheit ein Ding der Unmöglichkeit. Auf personeller Ebene ist's nun geschehen! Da erklärt sich einem doch einiges im Zusammenhang mit der Umwandlung des alten Freitag hin zu einer völlig anderen Zeitung. Die Auffassung aus vorherigen Kommentaren, der Prozess, dem der Freitag unterworfen wurde, mute einer "feindlichen Übernahme" an, scheint so gar nicht mehr so abwegig. Fragt sich nur, wie lange die "alten" Freitag-Redakteure da noch mitmachen.

RE: Willkommen | 06.02.2009 | 22:11

Die vielen Werbe-Annoncen, Bildchen, Geblinke und Geflimmere, grelle Farben.... Als ziemlich anstrengend und wenig originell empfinde ich die neue Internetpräsenz des Freitag. Geht da nicht die Konzentration auf das Wesentliche verloren - anspruchsvollen, kritischen Journalismus zu vermitteln, bei dem es in erster Linie um den Inhalt geht, der in bester Manier von der Aufmachung unterstützt wird? In diesem Fall empfinde ich das Layout eher als hinderlich - man sieht schwer durch, die Seite ist vollbeladen mit unwichtigen Informationen und Designs...
Die "Internet-community" des Freitag als Durchbruch in der Medienlandschaft zu verkaufen, ist augenscheinlich fehlplatziert. Blogs und Foren gibt es seit Jahren - auch auf Internetseiten von Zeitungen. Neu ist die Idee nicht. Das die schriftlichen Selbstversuche der "community" auch ziemlich viel Müll hervorbringen, ist auch hier schon nach kurzer Zeit in einigen Blogs und Kommentaren zu bemerken. Wenn der nichtssagende neue Untertitel "Meinungsmedium" bedeutet, dass jeder die Möglichkeit hat, seinen unreflektierten Senf dazu zu geben, fragt sich, was die Früchte eines solchen Vorhabens sind. Ob dies zur Mediendemokratie beiträgt, hängt auch davon ab, ob und wie der neue Freitag seine Kritiker beherzigt und in die künftige Richtung der Zeitung, sowohl in Design-Fragen wie inhaltlich, mit einbezieht. Soll dies ernsthaft geschehen, wird das Abdrucken einzelner Sätze und Beiträge aus den Blogs in der Print-Version nicht ausreichen.
Damit es gleich gesagt ist: auch ich bedauere die Umgestaltung des Titels in zartem rot und schwarz. Bereits auf solch einfache Weise hat sich der Freitag in der Vergangenheit von anderen Zeitungen unterschieden. Die Klarheit und bewusste Zurückhaltung auch in der Gestaltung wussten viele Leser zu schätzen.
Mein erster Eindruck des Online-Auftritts ist daher, dass sich die neue Internetseite in ihrem Layout nicht von denen anderer Mainstream-Zeitungen in Deutschland unterscheidet. Viel zu plakativ, aufgeregt und konservativ in ihrem Design kommt sie daher. Traurig, der Freitag hat sein Gesicht verloren.