Sorel

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RE: Der eigentliche Fehler | 10.07.2015 | 21:56

Wenn Gabriel mittlerweile die „weichgespülte CDU/CSU zu weit links steht,“ und „Pegida ein legitimer Bestandteil Deutschlands ist,“ lässt sich das mit einer Genmutation nicht erklären, da bedarf ist wahrscheinlich schon einer strukturellen Chromosomenaberration.

http://www.der-postillon.com/2015/07/sigmar-gabriel-schliet-groe-koalition.html

RE: Der eigentliche Fehler | 10.07.2015 | 21:44

Worauf sollte man seine Hoffnungen richten, wenn nicht auf die Jugend? Nur fürchte ich, würde in Griechenland eine starke Widerstandsbewegung entstehen, und selbst hier bedarf es den Konjunktiv, wäre diese unter derzeitigen Verhältnissen ebenso isoliert wie das ganze Land. Die Analogie zu den Bergarbeitern von Le Voreux (Émile Zola – Germinal) drängt sich mir seit Tagen auf. Der Kampf wäre von Anbeginn ohne kraftvolle internationale Solidarität verloren. Nur woher soll diese in einem nach rechts gedrifteten Europa kommen?

Aber wer weiß, schon ein ums andere Mal hat die Geschichte überraschende Wendungen bereit gehalten. Ein Funkte genügte, um eine die Welt verändernde Dynamik in Gang zu setzten, die man zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Mir soll es recht sein, ist der Optimismus hier die klügere Variante.

RE: Der eigentliche Fehler | 10.07.2015 | 18:59

Die Bundesregierung hat so oder so das Matt erreicht, ob nun vorläufiger Verbleib unter diktierten Bedingungen oder der Grexit folgt. Das neoliberale Dogma ist durchgesetzt.

Welche folgen dies für Griechenland hat und welchen Preis man dafür zahlen wird, davon gehe ich aus, wird längst kalkuliert sein. Dass man in lediglich solch kleinen griechischen Dimensionen denkt, halte ich im Übrigen für ausgeschlossen - in der griechischen Frage geht es schließlich um mehr als um Griechenland.

Das einzige Pferd, auf das Tsipras meiner Meinung nach setzten könnte, ist ein vorläufiger Verbleib im Euroraum. In der Hoffnung auf zwischenzeitlich drehende Winde, bis die Finanznot wieder akut wird. Jedoch sehe ich im Moment keine Änderung der allgemeinen Wetterlage.

Und ob (von wegen Poker) man überhaupt in naher Zukunft in die Lage kommt, die Sauereien, die jetzt folgen werden, zu revidieren, ist eh äußerst zweifelhaft.

RE: Der eigentliche Fehler | 10.07.2015 | 17:38

Tsipras dürfte von vornherein klar gewesen sein, dass das Diktat der Troika für Griechenland kaum verhandelbar ist. Stimmt er diesem zu, macht er sich vor der Mehrheit seiner Landsleute angesichts seiner Wahlaussagen gänzlich unglaubwürdig; lehnt er dieses ab, wird ein Staatsbankrott Griechenlands mit unabsehbaren Folgen unvermeidlich, da ein Abrücken vom neoliberalen Kurs für Merkel und Gabriel unannehmbar ist.

Um seine eigene politische Macht unter Wahrung seines Gesichts zu sichern, greift er also zum Bauerntrick eines Referendums und nimmt damit das Volk in Mithaftung. Stimmt dieses für die Annahme der Bedingungen, kann man ihn kaum für die Folgen verantwortlich machen. Stimmt dieses gegen die Annahme, erhält er eine durch das Volk legitimierte Verhandlungsvollmacht, die aufgrund der Machtverhältnisse allenfalls kleinste Zugeständnisse erwarten lässt. Immerhin, er hat alles Versucht, musste sich aber den Institutionen beugen, wollte er ein Ausscheiden aus dem Euro vermeiden, wird man letztlich von Seiten der Griechen konstatieren „müssen.“

Mit Einreichen der von der EU geforderten Kürzungsliste folgt er nun weitestgehend den Forderungen der europäischen Institutionen unter deutscher Führung. Ein grandioser Sieg teutonischer Politik und damit eine herbe Niederlage für eine mögliche antineoliberale Alternative.

RE: Unsere Interessen sind nicht die des Kapitals | 08.07.2015 | 18:21

Vielen Dank für diesen sehr interessanten Aufsatz. Nichtsdestotrotz seien mir zwei kritische Fragen erlaubt.

Kurz, welche Relevanz hat die Religionszugehörigkeit von Blochs Elternhaus bezüglich seines Wirkens, dass diese explizit Erwähnung findet?

Ferner, weshalb muss das Benennen einer eventuell problematischen Verschiebung von Angebot und Nachfrage in schöner Regelmäßigkeit als fremdenfeindlicher Gestus gebrandmarkt werden? Weil diese Tatsache xenophoben Kräften häufig als Argument dient, ist diese Feststellung doch nicht falsch. Der Marktzutritt weiterer potentieller Arbeitskräfte führt nun einmal zu einer verschärften Konkurrenzsituation unter einem Teil der lohnabhängig Beschäftigten.

Dass auch unter eidgenössischen Linken diese Zusammenhänge nicht mehr angesprochen werden, wundert mich nicht, da es nachfolgend eine grundsätzliche Frage aufwerfen könnte; die nach dem Wirtschaftssystem. Einerseits dürften viele Sozialdemokraten längst im bürgerlichen Wasser surfen, anderseits sollte man schlau genug sein um zu wissen, dass die Systemfrage keine rein nationale sein kann. Verständnis aber kann man für diese Haltung allemal haben, insbesondere dann, wenn die Zeiten nicht so sind, wie man es sich vielleicht wünscht.

Es macht eben keinen Sinn eine Idee zu propagieren, deren Zeit nicht gekommen ist. Blöd nur, wenn man darüber diese Idee vergisst.

Meine Vermutung übrigens, Probleme für die man keine systemimmanente Lösung anzubieten hat, werden eben geflissentlich negiert oder überhört.

RE: Warum Machos schlechtere Schulnoten haben | 07.07.2015 | 19:48

Was mir bei diesen Betrachtungen häufig auffällt, wie sehr ein Leistungsdogma doch mittlerweile gesellschaftlich etabliert ist. Und hauptsächlich dies als Leistung goutiert wird, was möglichst ökonomisch verwertet werden kann. Die Schule als Schmiede der Ware Humankapital.

Der Wert des Einzelnen wird gerade nur an seinem Arbeitsmarktwert gemessen. Es geht selbst vielen Linken lediglich darum, allen die gleichen Chancen einzuräumen, um am Wettbewerb um aussichtsreiche Posten teilnehmen zu können. Gleichzeitig wird dieses systemerhaltende Teilnehmen und dessen Wollen von vielen auch erwartet und vorausgesetzt. Vielleicht - weil man den Verheißungen des Neoliberalismus samt seiner Versprechungen selbst schon auf den Leim gegangen ist. Wer weiß.

Hier noch eine andere Idee zum Thema:

http://www.spektrum.de/news/warum-jungen-in-der-schule-auf-der-strecke-bleiben/1353755

RE: Der eigentliche Fehler | 07.07.2015 | 17:30

Woran Frau Merkel wohl glauben wird, darüber kann man gerne spekulieren. Dass sie aber daran glaubt, dass das Ökonomische sich vom Politischen trennen lässt, dass diese Kategorien jeweils für sich betrachtet werden können, möchte ich einmal gänzlich ausschließen. So viel Naivität mag man einigen zutrauen, der Bundeskanzlerin allerdings nicht. Mit welchem Selbstverständnis deutsche Journalisten einen innereuropäischen deutschen Führungsanspruch proklamieren und indirekt die Kanzlerin auffordern, das Zepter in die Hand zu nehmen ist beachtlich. Noch dazu, da sie verkennen, dass sie dieses längst in den Händen hält und mit ihrer Haltung ureigene deutsche Kapitalinteressen vertritt. Noch beachtlicher allerdings ist die transatlantische Attitüde – unter dem Vorwand griechische Interessen zu berücksichtigen, sollen amerikanische bedient werden.

RE: Die gute Stube | 06.07.2015 | 19:36

Vielen Dank für den Beitrag, den Bäcker kannte ich bisher gar nicht, werde ihn demnächst aber gewiss ausprobieren. Bisher war ich häufiger bei Siebert in der Schönfließer Str., der quasi eine Institution im Prenzlauer Berg ist, was zur Folge hat, dass zumindest am Samstag sehr viel Geduld gefragt ist. Entschädigt wird man allerdings durch den exzellenten Geschmack der feilgebotenen Backwaren.

RE: Ein beeindruckendes Ergebnis | 06.07.2015 | 19:20

Ich bezog mich auf diese Aussage Balsamicos:

" Mein Eindruck ist, dass die konservativen europäischen Regierungen einschließlich der konservativen Sozialdemokraten genau dies wollen: Griechenland soll entweder eine genehme, d.h. eine mindestens sozialdemokratische Regierung beibringen - oder am ausgestreckten Arm verhungern."