Kulturelle Bildung Integration

KULTURFEUILLETON Soziale Brennpunkte - Kinder musizieren: Mein Herz klopft an.
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Herz reimt deutsch Schmerz. Mein Herz klopft an. 60 Kinder spielten in sozialen Brennpunkten Musik. Wer sich von dieser Musik ins Tanzen verführen lässt, spürt, dass er nach und nach alle Muskeln bewegt, keinen Muskel überstrapaziert hat. ´Harmonie von Disharmonien.´ „Wer will ans Klavier?“ - „Ich!“ riefen alle, wechselten einander ab, spielten vier-, sechshändig nach Gehör. Ein Junge hielt den Zeigefinger länger als eine Minute über einer Taste, bis er sich getraute, sie zu drücken.

Fünf Kinder trommelten, „Trommeln ist kein Krach. Wer ist der Leader?“ Fünf Kinder meldeten sich. Jedes spielte ein Solo. „Wer ist der Leader?“ Vier Kinder zeigten auf einen siebenjährigen Jungen, die anderen saßen still wie im Konzert. Sie wussten, dass sie danach selbst trommeln dürfen. Kinder wollten Märchen inszenieren, einigten sich, wer welche Rolle spielt, Theatermusik realisiert. Das ist demokratische Bildung.

Kinder schrieben auf Papierstreifen Verszeilen, fügten sie zu Gedichten, suchten in Gedichten anderer Wortfolgen, die ihnen wie aus ihrem Herz zu kommen scheinen, ergänzen oder verändern, sprechen, singen sie, einzeln oder im Chor. Als sich der Raum zu Musikgeräten nicht aufschließen ließ, musizierten sie mit Küchengeschirr. Kinder stellten sich im Kreis, fassten einander an Händen und sangen illustrierende Laute, ´Filmmusik.´ „Wann kommt Ihr wieder?“ „Ihr wart so lange weg!“ „Wir haben auf Euch gewartet!“ „Ich bin so traurig!“ „Ich habe solche Angst! Ich will immer bei Euch sein.“ Kinderstimmen. „Ich habe Eure Arbeit seit Jahren beobachtet. Ihr leistet, was hier niemand im Bezirk leistet“, sagte ein Siebzehnjähriger, eine Sozialarbeiterin: „Ihr seid hier ein Ruhepol“, ein Theaterpädagoge: „Eure Arbeitsweise ist nicht zu toppen.“

Künstler konnten in einer Brennpunktschule einen Unterrichtsboykott beenden, eine andere erhielt den Titel „Starke Schule“, Künstler fördern in Kindern aus bildungsfernen, Immigrations- und Flüchtlingsfamilien, die in sozialen Brennpunkten Berlins leben müssen, Artikulationsfähigkeiten, Kreativität, Selbsterkenntnis, Selbstorganisation.

Kinder helfen in Workshops einander, die deutsche Sprache zu verstehen, zu sprechen, zu schreiben. Aktion Mensch fördert Selbstinklusion. In Berlin fließen mehr als 300 Millionen Euro, der aus Steuermitteln finanzierten Kulturförderung, in Opernprojekte, ein Bruchteil in Kulturelle Bildung, obwohl es nur wenige Operngänger, sehr viele Kinder unterschiedlichster Herkunft und Kulturen gibt, die in Berlin an und unter der Kulturellen Armutsgrenze leben müssen. Sarah Schaaf leitet das Ressort Kulturelle Bildung, sie und andere, die in der Verwaltung arbeiten, erhalten jeden Monat Arbeitslohn, inklusive Kranken- und Rentenversicherung, Kranken-, Urlaubsgeld. Der Senat verweigert denen, die Kulturelle Bildungsarbeit vor Ort leisten, seit Jahren eine Festbetragsfinanzierung, die ein Minimum an sozialer und Planungssicherheit ermöglichen würde - ?

Berliner Bezirke durften Künstlerische und Kulturelle Bildungsprojekte mit 3000 Euro/Jahr fördern, die Summe wurde auf 5000 Euro/Jahr erhöht, der Senat entschied, dass Projekte nicht kontinuierlich finanziert werden dürfen, obwohl jedes Jahr Bedarf an Workshops herrscht. Sarah Schaaf riet denen, die höhere Finanzierungsbeträge beantragen wollen, in Anträgen nicht zu erwähnen, dass sie mit Kindern aus bildungsfernen, Immigrations- und Flüchtlingsfamilien in sozialen Brennpunkten arbeiten, Antragsteller sollen verschweigen, dass Kinder, mit denen sie arbeiteten, Suiziderfahrung hatten, als Intensivstraftäter galten. Referenzen in Anträgen würden als Selbstbeweihräucherung gewertet - ? Der Senat hatte problematisiert, dass tradierte Kunstschulen Kinder aus bildungsfernen Familien nicht erreichen. Mobile Kunstschulen, die soziale Brennpunkte nicht scheuen, sind ein Angebot an die Stadt. Schulklassen müssten verkleinert werden, um effektiver lehren und lernen zu können. Lehrer verlassen die Stadt. Forscher bewiesen, dass Kinder, die sich musisch betätigen, in der Schule zielorientierter arbeiten.

Gemeinsam wären wir stärker. Daniel Wesener / Abgeordneter der Grünen hofft, dass er Situationen im Arbeitsbereich Kultureller Bildung im nächsten Jahr grundlegend verändern helfen kann. Kulturelle Bildung schließt Anti-Aggressionstraining ein, Franziska Giffey will ein Gesetz erlassen, nach dem Demokratische Bildung Pflicht wird. Kulturelle Bildung schließt Demokratische Bildung ein.

Warum haben Lehrende im Bereich Kultureller Bildung in Berlin kein Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht über Arbeitsziele und Arbeitsbedingungen? Danke an Aktion Mensch und Kunstamt Spandau, an alle die, die sich für Fairness gegenüber körperlich und/oder sozial benachteiligten Kindern und Bürgern engagieren. Es sind wenige. Im Kampf gegen Rechtsradikalismus, Radikalkapitalismus. Der Vorschlag des Kunstlandschaft – Fördervereins für Kunst, Kultur und Gesellschaft, dass Bürgern, die selbstbestimmt, aber anerkannt gemeinnützig orientiert für die Gesellschaft arbeiten, ein Bürgergeld inklusive Mindestrente als Gegenleistung der Gesellschaft zugesprochen wird, wird in Parlamenten nicht diskutiert. Warum? Rechtsradikalismus, Radikalkapitalismus, Imperialismus, die Menschen in Opferrollen zwingen, könnten enden.

18:03 10.09.2018
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Geschrieben von

Soziokultur

Sprach-, Literatur-, Kulturwissenschaft. Kulturjournalismus.
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