"Whistleblowing": schädlich und/oder wichtig?

Political Leaking Zum Digtitalphänomen der "Whistleblower", Eine Anmerkung zu ihrer politischen und öffentlichen Bewertung. Es kommt auf die "Primärtugenden" beim whistling an - wie so oft
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/54/Edward_Snowden.jpg

Edward Snowden, kein (Polit-)Star: Authentische Helden tragen meist keinen Orden - im Gegenteil...

Es ist, gerade was die journalistischen Mit-Organisatoren von dominanten "(Politit-)Deutungsmustern" angeht, eine sehr wichtige und zukunftsrelevante Frage der Wahrnehmung:

Manning und Snowden sind völlig verschiedene und unterschiedlich zu bwertende Akteure, wenn sie auch unter dem sehr weiten Begriff "Whistleblower" ganz grob zusammengefasst werden: Snowden deckte einen Skandal oder ein US-/brit. Spying on Friends, einen Vertrauensbruch ohnegleichen mit allen geheimgehaltenen Möglichkeiten zu Wirtschaftsspionage (die z.B. als "wirtschaftliches Interesse" Ziel von Tempora ist oder jederzeit werden kann) auf; zugleich machte er aufmerksam auf die ungeheuren Missbrauchsmöglichkeiten, denen, wie schon bei der wirtsch. Globalisierung, Politik und erst Recht (internat.) Recht "hinterherrennen" - mit oft geringem Erfolg, aber jetzt werden die Weichen gestellt (Präzedenz.).

Manning dagegen leakte zwar kritisch wichtige Dinge (V.a. einen Fall: Der Soldat als entmenschlichter Egoshooter, vom Helikopter aus), aber auch, ohne Fürsorge von ihm wie auch unter völligem Versagen von Assange, viele tausende vertrauliche Botschaftsdokumente (eine berechtigt vertrauliche interne Kommunikation, auch wenn die "Piraten" da naiv widersprechen würden); zuletzt ohne jede Redaktion oder Auswahl ins Netz gestellt von WikiLeaks, schlecht evtl. für Länderbeziehungen (privat "posaune" ich ja auch nicht jede negative Bewertung meinerseits über jemanden wahllos heraus) und v.a.: Menschenleben in der ganzen Welt gefährdend.

Es darf keinesfalls Manning Snowden in ungerechtfertigt schlechtem Licht erscheinen lassen (Abfärben der Manning-Fehler durch, auch mediale, mangelnde Differenzierung zwischen Beiden, so komplex es ist!), und die wirklich heldenhafte Tat des hochverantwortlich vorgehenden "Normalos" Snowden darf nicht dazu führen, dass Leute wie Manning generell bewundert werden. Einen Preis hat Manning, insgesamt hochambivalent in seiner gleichwohl sehr mutigen Aktivität, jedenfalls nicht verdient - Snowden aber hat weit mehr verdient als Symbolik - z.B. Asyl in unserer, die Menschen- und Bürgerrechte so lobenden und geegenüber anderen Staatschefs so gerne mahnend "erwähnenden" Bundesrepublik!

Auch hiermit, mit der (nach und nach) Etablierung von "frames", Deutungsmustern, Stereotypen etc. über neue (Wissen-)Politik und neue Akteure/Rollen, werden die Weichen der so bedeutsamen digital-politischen Zukunft gestellt...

Foto: "Edward Snowden. Der NSA-Enthüller und frühere CIA-/NSA-Agent". (Juli 2013). Standbild aus dem Film Prism von "Praxis Films" von Laura Poitras. CC-Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en. Via Wikimedia

18:13 21.08.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Sandor Ragaly

Politik- und Medienwissenschaftler
Schreiber 0 Leser 1
Sandor Ragaly

Kommentare 1