Said Rezek
20.04.2017 | 15:19 25

Das Referendum und die Integrationslüge

Debatte Seit dem Referendum in der Türkei ist das Thema Integration allgegenwärtig. Was versteht man eigentlich darunter? Und wie steht es um die Deutschtürken?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Said Rezek

Nach dem Referendum in der Türkei überbieten sich einige Politiker und Kommentatoren. Manche fordern die Abschaffung der doppelten Staatsangehörigkeit- oder die Abschiebung der Deutschtürken und sprechen ihnen im selben Atemzug die Integrationsleistungen ab. Das ist fatal.

Indikatoren für Integration sind vor allem Sprache, Bildung und Arbeit. Ob jemand konservativ, traditionell oder eher hedonistisch eingestellt ist, steht jedem frei. Das betrifft auch politische Einstellungen. Sei es links-liberal oder rechts-konservativ. Ob jemand Erdogan und dessen Politik befürwortet oder eben nicht.

Die Deutschtürken weisen über Generationen hinweg Fortschritte in Bezug auf Sprache, Bildung und der Teilhabe am Arbeitsmarkt auf. Es ist Zeit für Anerkennung dieser Leistung. Das fördert die Integration. Erdogan oder Doppelpass hin oder her.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (25)

Exilant 20.04.2017 | 15:46

Erdogan hat den Begriff von "NS-Propaganda" und "Nazi-Deutschland " im Wahlkampf benutzt, doch widersprechen kann man ihm diesbezüglich kaum.

Es gibt Sarrazins Bücher, die Bestseller waren; des Weiteren erinnern wir uns an die Griechenland-Hetze mit dem bekannten Ergebnis. Die "Willkommenskultur" war die Reaktion.

Auch ich erlebe Nazi-Deutschland, wie es leibt und lebt.

Achtermann 20.04.2017 | 18:42

Die Deutschtürken weisen über Generationen hinweg Fortschritte in Bezug auf Sprache, Bildung und der Teilhabe am Arbeitsmarkt auf. Es ist Zeit für Anerkennung dieser Leistung.

Was ist das für eine Leistung, wenn es Generationen der Hierlebenden bedarf, um Fortschritte in der Sprache zu machen? Es ist nur eine subjektive Momentaufnahme, also keine wissenschaftliche Aussage: Die im hiesigen TV interviewten Türken, die für die Erdogan-Dikatatur stimmten, waren der deutschen Sprache meist nur begrenzt mächtig. Die die Diktatur Ablehnenden sprachen fast immer fließend deutsch.

miauxx 20.04.2017 | 20:43

Es ist falsch, die doppelte Staatsbürgerschaft und damit das Wählen in zwei Staaten zum Thema zu machen, bzw. kritisch ablehnend aufzugreifen, wenn einem ein jeweiliges Wahlergebnis nicht passt, wie es jüngst aus der Union zu vernehmen ist. Ich finde das "Doppeln" generell problematisch - und zwar unabhängig davon, ob ein Deutsch-Türke in Deutschland für eine fragwürdige Quasi-Dikatur in der Türkei stimmt oder ein Deutsch-Italiener in einer Wahl zweimal abstimmt.

Gugel 21.04.2017 | 08:56

Richtig ! Als ob es eine Leistung wäre, die zu honnorieren ist, wenn man die Sprache spricht, die einen umgibt, mit der man sein leben dort gestallten muss.. Als ob es zu honoirern wre, das jeder eigentverantwortlich für seinen Lebensunterhalt sorgen muss.

Der Tenor des Blogs zeigt doch woran es hapert. Die türlkischen Mitbürger erwarten stest ( mit viel Lamento) etwas für Selbstverständlichkeiten und als Streicheleinheit für ihr Ego. Bringen tun sie dem, der ihnen die Möglichkeit bietet diese Selbstverständlichkeiten in einem freien , liberalen Land zu nutzen, eigentlich nichts außergewöhnliches.

Stattdessen kultivieren sie ein Türkentum, dass in vielen Diegn den Dingen zuwider läuft, die wir als zivilisatorischen Fortschritt uns erarbeitet haben.

Immer schön Halbmond-Fahne schwingen, macht beliebt und ziegt den Integrationswillen. :-)

seriousguy47 21.04.2017 | 12:51

Der Autor begeht einen verbreiteten Denkfehler: Er fühlt sich selbst von etwas getroffen, das gar nicht auf ihn gezielt war. Während die, auf die es zielt, keine deutschen Zeitungen lesen. Und schon gar nicht den FREITAG.

Möglicherweise bekommen also die Faschisten unter den hier lebenden "Deutschtürken" die Kritk an ihrem Verhalten gar nicht so recht mit, während solche Mitbürger, die auf dem Boden der hiesigen Verfassung stehen, diese Faschisten zu Unrecht verteidigen, weil sie fälschlicherweise meinen, sie selbst seien in der Kritik.

Fakt scheint mir, dass mit der Einwanderung von Türken vieles schief gelaufen ist. Fakt ist auch, dass Faschismus hierzulande aus sehr gutem Grund unerwünscht ist.

Völlig unverstädnlich ist mir, weshalb irgendjemand einfach so zwei Staatsbürgerschaften benötigt. Außer in sehr gut begründeten Einzelfällen.

Unzulässig scheint es mir zu sein, dass jemand in mehreren Staaten gleichzeitig ein Wahlrecht ausüben kann. Das Verhalten türkischer Faschisten zeigt überdeutlich, wozu dies führen kann.

Ich halte es daher für vollkommen legitim und angebracht, dass dies zu einem Nachdenken über die gängige Praxis führt.

Persönlich schiene es mir richtig, Menschen, die die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, sehr viel gründlicher auf ihre Verfassungstreue hin zu überprüfen. Da läuft offenbbar einiges schief.

Zum andern halte ich es für selbstverständlich, dass es nur ein Wahlrecht geben kann. Und zwar da, wo man seinen Lebensschwerpunkt hat, Steurn zahlt, Schutz und Sozialleistungen erhält. Also da, wo die Mitbestimmung das eigene Leben betrifft. Dazu ist demokratische Mitbestimmung gedacht, nicht dazu, darüber zu befinden, wie Menschen anderswo zu leben haben.

Jedenfalls solange wir am Prinzip des Nationalstaates festhalten wollen.

Und gar nicht geht es, dass ausländische Faschisten in diesem Lande Wahlkamopf machen. Es reicht völlig aus, dass wir unseren Bodensatz an bio-deutschen Faschisten aushalten müssen.

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2017 | 14:41

wir reden von einer minderheit von deutschtürken, die unseren demokratischen grundsätzen nach (noch) nicht in der gesellschaft politisch intergriert sind. die große mehrheit der deutschtürken bzw. der migrant*innen sind wie die d-mehrheitsgesellschaft politisch-ideologisch sehr heterogen zusammengesetzt. demokratiedefizite kann man auf beiden seiten konstatieren. daraus mehr demokratieerziehung abzuleiten, darüber kann man debatieren. dann aber mehr politische bildung/wertevermittlung für ALLE.

vehement widerspreche ich ihrer forderung nach gesinnungsüberprüfung im rahmen von einbürgerungsverfahren (am besten noch durch den "demokratisch" besetzten verfassungsschutz?). damit unterstellen sie, dass menschen aus fremden ländern per se weniger auf dem sog. boden des gg stehen bzw. feinde demokratischer grundüberzeugen sind. über die "wirklichen" verfassungsfeinde (auch im verfassungschutzsektor) können wir gerne reden - und zwar unabhängig von ihrer formalen staatsbürgerschaft.

Falsches Spiel mit dem Doppelpass

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2017 | 15:01

für komnentatoren und/oder nur mitlesende dieses beitrages hier ein lesehinweis: Neue Debatte über Integration in Deutschland Migranten unter Anpassungsdruck

anmerkung: weil im obigen artikel der name bassam tibi fällt, dem sog erfinder des leitkulturkonzepts, möchte darauf hinweisen, dass ich herrn tibi in tagesaktuellen fragen für problematisch empfinde. nicht seine ideen von sog. leitkultur lehne ich ab (darüber kann man streiten), sondern seine unsachliche bzw. polarisierende position in der flüchtlingspolitik. damit man sich ein bild davon machen kann, was ich konkret meine, dazu folgender text:

Professor Tibi: "Göttingen sieht aus wie ein Flüchtlingslager"

Achtermann 21.04.2017 | 15:17

Unzulässig scheint es mir zu sein, dass jemand in mehreren Staaten gleichzeitig ein Wahlrecht ausüben kann.

Ich weiß, Vergleiche hinken. Aber im dt. Kommunal- und Länderwahlrecht gilt der erste Wohnsitz für das Recht, wählen zu können. Es scheint mir schon außergwöhnlich, dass Leute mit doppelter Staatsbürgerschaft, die ein oder zwei Mal pro Jahr in das Zweitland in Urlaub reisen, dort das Wahlgeschehen beeinflussen können.

denkzone8 21.04.2017 | 15:33

nun,

auch die emanzipierten berliner juden der bildungs-elite

sollen sich von den dahergelaufenen ost-juden im scheunen-viertel distanziert haben.

die bildung-ferne, ja bildungs-resistenz

ist den bildungs-aristokraten ein greuel.

und zu jener (über-)empfindlichen gruppe der intelligenz

gehört bassam ohne zweifel,

wie ich als ehemaliger hörer bestätigen kann.

das sollte nicht davon abhalten, seine überlegungen

und auch scharfen zurück-weisungen zu nutzen.

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Ehemaliger Nutzer 21.04.2017 | 15:51

"und zu jener (über-)empfindlichen gruppe der intelligenz

gehört bassam ohne zweifel,"...so isses.

"Tibi: Ich bin wissenschaftlich qualifiziert, bin Professor in Harvard gewesen und habe Bücher publiziert, die international anerkannt wurden. Aber in Deutschland ist es mir trotz fünfzig Bewerbungen nicht gelungen, die Uni Göttingen zu wechseln. Ich bin aussortiert worden als Ausländer."

ein intellektuelles a......

Gugel 21.04.2017 | 18:42

Nun, da bin ich abre froh.....wenn Sie das shcon so sehen, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Dampfer bin.

Die Integration hat nie eine Chance, weil die Hinzugekommen ihr nie eine Chance gegen haben. Es gilt das alte Wort des Ambrosius an Augustinus: Wenn du nach Rom kommst benimm ( nicht sei !) wie ein Römer. Das Benehmen bzgl dem Weglassen trüksicher Attitüden und Aufstellungen in der BRd hat die Mitbürger aus dem türksichen Gefilden anscheinend überfordert.

Gugel 21.04.2017 | 18:54

Danke für den Beitrag. Ich schließe daraus, dass bei der Betrachtung von Problemfeldern die Vernunft noch nicht aus dem Spiel ist.

Die Vernunft kehrt auch langsam in tiefere Schichten ein hier z.B.

http://www.spiegel.de/forum/politik/nach-dem-referendum-der-tuerkei-das-ende-der-deutschen-illusionen-thread-593188-2.html

Es dürfte selbst dem Dümmsten langsam einleuchten, dass n Äußerungen eines verwaltunsgchef von Stadtteilen mit dem üblichen türkisch/nordfrikanischen Kiez- Parallelgesellschaften mehr über die Tatsächlichenkieten aussagen, als die Schwafler aus grüner oder erdoganistischer Fiunktionärs-Ecke nebst deren pseudo-theologischen Großkopferten hier.

Nil 21.04.2017 | 19:12

Ich bin in Istanbul geboren und in Berlin aufgewachsen, habe dadurch das Glück gehabt, in zwei Kulturen zu leben und empfinde das als ein Privileg und wirklich grosse Bereicherung (sonst hätte ich wohlmöglich Jean Gebsers Werk nie kennengelernt). Sehe mich gar als Weltbürgerin und als Gast auf diesem schönen Planeten. Ich bin dafür mal einen Gang runter zu schalten, wenn es um Erdogan geht. Das würde schon weiterhelfen.

Peter Uhlemann 21.04.2017 | 19:51

Nun, da bin ich abre froh.....wenn Sie das shcon so sehen, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Dampfer bin.

Vielen Dank für die klare Antwort, da weiß man jetzt wenigsten genau, woran man bei Ihnen ist.

Sie wollen also gar keine Integration, lehnen diese radikal ab weil sich die Türken ja sowieso nicht integrieren lassen.

Für mich wift sich da allerdings die Frage auf, was wir mit den vielen Türken, die schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben, die hier geboren sind und die z.T. die deutsche Staatsangehörigkeit haben, machen sollen?

Hätten Sie darauf auch eine so klare Antwort?

Gugel 21.04.2017 | 20:13

Ja natürlich, und gerne.

Also wer hier ist und heir sein will und hier seine Exitenz sichern kann und sich mit seiner Umgebung im Sinne der hier über Generationen erarbeiteten/erlitteten Regeln einfindet, kann hier in aller Seelenruhe arbeiten, tanzen, den lieben Gott nen juuten Mann sein lasen.

Wer Türke sein sein will, bleiben will, das türksiche raushängen lässt,darf dahin gehen, wo das impressioniert. Mir geht das am Po vorbei und der/die Typ(in) auch. Das geht nicht nur mir so , sondern Mikkionen anderen auch. Deshalb sind die, die türkisch verhaftet sind, nicht dem Leben hier verhaftet sondern draußen. zurecht....::-)