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RE: Immer das gleiche Strickmuster | 19.09.2014 | 20:45

Es mag sein, dass sich einige unter Druck gesetzt fühlen. Das ist aber ein ganz normales Risiko einer mit Passion ausgeführten Tätigkeit. Sollen wir deswegen unsere Hobbys aufgeben?

Ich bezweifle auch, dass die Blogbetreiberinnen sich überwiegend für Unordnung schämen. Es ist vermutlich eher eine Frage der Selbstdarstellung im Internet. Jeder Blogbetreiber könnte unredigierte Texte in der Erstfassung online stellen und unbearbeitete Fotos dazu hochladen und so zu seiner fehlenden Perfektion stehen. Die meisten Menschen haben aber gewisse Ansprüche an sich selbst. Deswegen werden Texte überarbeitet, Videos geschnitten, Fotos bearbeitet. Deswegen präsentieren viele Menschen bei Projekten auch nicht zwingend den ersten Versuch und dokumentieren auch nicht jeden Fehltritt, sondern sie wählen für eine Präsentation die Variante, die am Ende gelungen ist.

RE: Immer das gleiche Strickmuster | 18.09.2014 | 10:19

@GenerationV: Im zweiten Satz schreibst du, niemand wolle den Bloggerinnen ausreden, ihr eigenes Ding zu machen. Wenige Sätze später schreibst du, die Bloggerinnen sollten "zum echten Leben stehen" und das Eigenheim nicht "zum anbetungswürdigen Altar stilisieren". Was ist das anderes als die Aufforderung, sich anderen Ansichten anzupassen und die Blogs zu verändern? Also eben grade nicht "ihr eigenes Ding" zu machen, sondern es so zu machen, wie andere es für richtig halten?

Ich stelle eine gewagte These auf: Vielleicht empfinden die Bloggerinnen ihren Blog und die Inhalte nicht als Druck. Vielleicht macht es ihnen Spaß, vielleicht ist es ein Hobby, das sie gerne ausüben. Oder sagst du dem passionierten Modellbauer oder dem Hobbykoch auch, er solle in seiner Freizeit mal nicht so versessen auf die Details schielen, weil das schließlich von Optimierungswahn und Perfektionsdruck zeuge, der in der Freizeit nichts zu suchen habe?

Dein Kommentar geht - wie der Beitrag auch - davon aus, dass diese Blogbetreiberinnen ein falsches Rollenverständnis haben, das sie ändern müssen. Das ist falsch. Sie haben vielleicht ein antiquiertes Rollenverständnis. Aber es sind erwachsene Menschen, die selber wissen müssen, was sie im Leben erreichen wollen und was sie vom Leben erwarten. Und wenn das die Perfektionierung ihrer Rolle als Klischee-Hausfrau und -Mutter ist, ist das vielleicht aus deiner (und auch aus meiner) Sicht nicht sehr vernünftig und entspricht auch nicht unbedingt dem modernen Menschenbild, aber es ist legitim. Sie zwingen niemanden, ihrem Weg zu folgen.

RE: Immer das gleiche Strickmuster | 17.09.2014 | 18:12

Ich sehe das Problem an diesen Blogs ehrlich gesagt nicht. Ja, sie reproduzieren klassische Rollenbilder und ja, in diese Rollenbilder sollte niemand gezwungen werden. Aber letztendlich sind die Betreiberinnen solcher Blogs Individuen, die doch machen sollen, was ihnen Spaß macht. Wenn sie Kreativ-Blogs, Blogs über Kindererziehung oder Blogs über Cupcakes betreiben ist das genau so legitim, wie wenn sie Blogs über Programmiersprachen, Elektroarbeiten oder über ein Maschinenbaustudium schreiben. Solche Blogs weisen niemandem irgendeine Rolle zu, sie zwingen niemanden, irgendeine Rolle anzunehmen und erst recht zeichnen sie kein allgemeingültiges Bild "der Frau". Blogs spiegeln einen Teil des Betreibers/der Betreiberin wieder.

Wer Betreiberinnen von Lifestyleblogs ernsthaft vorwift, sie torpedierten die Emanzipationsbewegung und feministische Ansichten nur weil solche Betreiberinnen tun, was ihnen Spaß macht, sollte schauen, ob er/sie selber nicht auch viel mehr tun müsste. Zum Beispiel als Frau eine Tätigkeit im naturwissenschaftlich-technischen Bereich ausüben statt im ohnehin von Frauen relativ stark nachgefragten journalistischen Bereich...

RE: „Ventil der Gefühle“ | 01.08.2014 | 11:58

Dass die Diskussion über Syrien weniger intensiv ist als die Diskussion über den Nahostkonflikt kann auch andere Ursachen haben. Beide Konflikte unterscheiden sich gravierend: Der Nahostkonflikt ist nicht nur seit Jahrzehnten ungelöst (wodurch die Menschen lange Zeit hatten, sich mit den Hintergründen zu beschäftigen), mit Israel ist auch ein Staat beteiligt, der gewisse Rechtsstaatliche Ansprüche an sich selbst erhebt. Polemisch ausgedrückt: Von einem syrischen Diktator und islamistischen Terrororganisationen erwartet niemand, dass sie sich an irgendwelche Regeln halten, während an Israel höhere Ansprüche gestellt werden.


Hinzu kommt, dass Israel offenbar ein massives Problem hat, die eigenen Aktionen kritisch zu hinterfragen. Das ist verständlich, weil Israel in der Region viele Feinde hat, die eine Vernichtung des Staates Israel anstreben. Auch hat Israel selbstverständlich das Recht, sich gegen Angriffe von palästinensischer Seite zu verteidigen. Allerdings stellt sich doch die Frage, warum in einer rechtsstaatlichen Demokratie – die Israel nach eigener Auffassung ist – die Sicherheitspolitik des Staates offenbar sakrosant ist. Es ist in Israel extrem schwierig, auch sachliche Kritik an dieser Politik zu äußern, ohne als Verräter oder Nestbeschmutzer zu gelten.

Wenn sich aber in einem Konflikt zwei Parteien gegenüber stehen, die beide nicht wirklich kompromissbereit sind (und ja: Die Hamas hat ein menschenverachtendes Grundsatzprogramm, aber auch auf israelischer Seite arrangiert sich der Staat mit radikalen Siedlern und streng orthodoxen Juden, die jedes Zugeständnis als Zumutung empfinden), die beide brutale Mittel einsetzen, die aber vollkommen unterschiedliche Ansprüche an ihr Handeln stellen, ist auch verständlich, wenn die Parteien von der Öffentlichkeit an ihren Ansprüchen gemessen werden. Oder anders: An den Staat Israel werden zu Recht strengere Maßstäbe angelegt als an die Hamas. Die Alternative wäre eine Neubewertung des Staates Israel und die Frage danach, ob es sich wirklich um einen demokratischen Rechtsstaat handelt.