Stefan Kleie
01.05.2015 | 22:59 18

Punkrock, Marx und Panel

Die Linke Die Linkspartei ist bekannt für ihre - vorsichtig ausgedrückt - robuste Diskussionskultur. Der Kongress "Linke Woche der Zukunft" macht Hoffnung auf Besserung

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Stefan Kleie

Punkrock, Marx und Panel

Foto: THOMAS WIECK/AFP/Getty Images

Linke Parteien lieben Manifeste. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die beiden Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger gleich zu Beginn der Linken Woche der Zukunft (23.04. - 26.04.) das Manifest Die kommende Demokratie. Sozialismus 2.0 verlesen und verteilen lassen. Dabei stolpere ich über die vielen Adjektive, denn die Linkspartei liebt auch Adjektive. So stehen "gut" (Arbeit), "sozial-ökologisch" (Umbau), "wirklich/wahr" (Demokratie), "kostenfrei" (öffentlicher Nahverkehr, eher selten) in relativ festen Verbindungen. "Demokratisch", "solidarisch", "gerecht", "selbstbestimmt" lassen sich dagegen fast universell einsetzen. "Prekär" (Arbeit) und "autoritär" (Kapitalismus) bilden gemeinsam mit dem universellen "neoliberal" die düstere Gegenseite – ebenso wie die gern vorgetragenen Merkel-Zitate "alternativlos" und "markt-konform" (Demokratie).

Wenn man diese Lektion gelernt hat, wird man bald feststellen, dass vor allem die relativ festen Verbindungen nicht einfach so dahingeworfen wurden. Dahinter stecken Konzepte, die zumeist gut durchdacht sind. Sie sind oft Buchtiteln entnommen und repräsentieren eine soziale Bewegung, einen Arbeitskreis oder eine mühsam erarbeitete Kompromissformel der Gewerkschaften. Ein weiteres Beispiel für einen derartigen Kompromiss, diesmal innerparteilich: Die "sanktionsfreie Mindestsicherung" lässt sich unschwer als Platzhalter für das nicht mehrheitsfähige bedingungslose Grundeinkommen verstehen, zugleich aber auch als "Hartz IV ohne Sanktionen" lesen.

Adjektivgirlanden, Sozialismus 2.0?

Dort, wo es schwieriger wird und der Rechtfertigungsdruck steigt, muss auch der sprachliche Aufwand erhöht werden. Eine ganze Adjektivgirlande aus "frei", "grün", "feministisch" und "lustvoll" schmückt im Titel des Manifests den im politischen Mainstream eher mit der Farbe Grau assoziierten Sozialismus, dessen Version 2.0 mit Syriza nun immerhin wieder als Gespenst in Europa umgeht. Ich ertappe mich dabei, dass in mir bei dem Wort "lustvoll" eine diffuse Unlust aufsteigt, denn Textwüste bleibt Textwüste.

Nicht die Verhältnisse, sondern die Begriffe beginnen in meinem Kopf zu tanzen. Ich wende mich daher an meinen Nachbarn, mit dem ich leicht ins Gespräch komme: Bahner in blauer DB-Uniform, denn er muss gleich seinen Dienst antreten. Zudem ist er Gewerkschaftsmitglied und war vor 1989 in der SED. Schnell kommt er zu seinem Lieblingsthema, dem bereits von Lenin – nicht auch von Trotzki? Den erwähnt er aber nicht – bekämpften, aber weit verbreiteten Karrierismus unter Parteifunktionären. 2,2 Millionen SED-Mitglieder am Ende der DDR, die meisten von ihnen ohne jeglichen Idealismus: Das konnte ja nichts werden. Er ist Mitglied der Kommunistischen Plattform und junge Welt-Leser, das neue deutschland ist ihm "zu verwaschen". Obwohl ich auch gelegentlich und gern die junge Welt lese, traue ich mich nicht, ihn nach seinem Namen zu fragen.

Rhetorischer Zangenangriff

Doch dann kommt Hans-Jürgen "Hansi" Urban von der IG Metall (Mitglied des geschäftsführenden Vorstands) dran. Klare Kante, der Mann. Er referiert über die Entpolitisierung und Technikfixierung in den deutschen Gewerkschaften und die erfolgreiche Mobilisierung gesellschaftlichen Protests in Südeuropa. Man nimmt ihm ab, dass der Ausstieg aus der kohlenstoffbasierten Wirtschaft in der IG Metall wohl nicht so einfach durchgewinkt wird.

Getreu der Trennung von Basis und Überbau kümmert sich sich nach Urbans "harten" Themen des gewerkschaftlichen Kampfes Volker Lösch (Theaterregisseur) um die "weichen" Themen der Ideologiebildung. In seinen Inszenierungsvorarbeiten, in denen er ganz in brechtischer Tradition das Bewusstsein unterschiedlichster sozialer Milieus erkundete (etwa der berühmte Chor der Arbeitslosen in der Dresdner Inszenierung von Hauptmanns Webern), stieß er auf eine "Gesellschaft der Angst", den "frustierten Rückzug ins Private" und eine "Verinnerlichung des Neoliberalismus". So weit, so schlimm. Aber auch die Linkspartei bleibt nicht ungeschoren. Ihr "kultureller Habitus" sei dringend zu verändern, denn derzeit sei sie ästhetisch zu wenig von den anderen Parteien unterscheidbar, kurzum: unsexy. Starker Applaus, denn Die Linke liebt es, wenn ihr ein_e Künstler_in oder ein_e Intellektuell_er mal ordentlich die Leviten liest, aber ansonsten mit ihren Zielen d'accord ist.

Am Sonntag, am Ende des Kongresses, übernahm die Bloggerin Anne Roth diese Rolle. In einer Twitter-Umfrage zur Außenwirkung der Linken bekam sie unter anderem folgende Antwort: "Die Linke hat ihren Punkrock verloren. Früher war mehr Lametta." Machen wir uns also auf die Suche nach dem Punkrock!

"Mosaiklinke" - mit Gesicht

Pause. Ich komme mit Sebastian aus Frankfurt ins Gespräch. Er ist Mitte 20 und leitet einen Lesekreis, der sich um den deutschen Ableger der Zeitschrift "Platypus Review" formiert. Sebastian, der eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert, hat weder Soziologie, Politik oder Jura – die gängige Fächerwahl des stark akademisch geprägten Parteinachwuchses – studiert. Ihm liegt vor allem daran, aus den Ursachen des Scheiterns der historischen linken Bewegungen zu lernen. Darüber, dass die Linke heute zunehmend marginalisiert ist, macht er sich keine Illusionen. Das Schnabeltier – so der deutsche Titel der Zeitschrift – ist als Eier legendes Säugetier der Inbegriff eines lebenden Fossils. Starker Tobak für eine linke Selbstpositionierung.

Ganz anders dagegen Janine, IG-Metallerin mit dem Schwerpunkt gewerkschaftliche Bildungsarbeit. Ihr Thema ist die "Zukunft der Arbeit/Arbeit der Zukunft". Obwohl viele ihrer Kolleg_innen in der Gewerkschaft aufgrund einer traditionell gewachsenen Bindung zur SPD ein "gebrochenes Verhältnis" zur Partei Die Linke haben, ist sie davon überzeugt, dass man linke Politik in Seminaren "genau so sexy rüberbringen kann wie ein geschäftsführendes Vorstandsmitglied" (Hans-Jürgen Urban). Den Marxismus hält sie für "zentral und unverzichtbar". Dem würde wohl auch Sebastian zustimmen.

Es sind die verschiedenen Biographien, Projekte und Lebensentwürfe, die dem Strategie-Begriff der "Mosaiklinken" ein Profil geben. Malte Pannemann (SDS Jena, Panel zur Unipolitik) fügt diesem Ensemble die kritische Studierendenschaft hinzu. Drastisch schildert er die freiwillige Unterordnung der Studierenden unter ein sowohl paternalistisches (Lehrstuhlstruktur) als auch verwertungsorientiertes ("Output") Unisystem. "Feindliche Konkurrenz" und wenig, höchstens für das Lebenslaufdesign "simuliertes" soziales Engagemrent und fast gar kein selbstorganisiertes Lernen in Form von Lesekreisen bilden den tristen Alltag der Studierenden unter den Bedingungen eines immensen Leistungsdrucks.

Flügelkämpfe

Gekracht hat es natürlich – was wäre die unter so schwierigen Umständen entstandene Partei ohne ihre Flügelkämpfe? – auch. So im Panel zum sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft. Offenbar ist trotz Naomi Kleins Bestseller Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima das Ökologiethema ein Sorgenkind der Linken. Es könnte aber noch von großer Bedeutung werden, denn das vom Partei übergreifenden Institut Solidarische Moderne (ISM) forcierte Thema zielt auf die strategische Option einer "R2G" (rot-rot-grüne Koalition). Seine Grenzen hat es dort, wo den Gewerkschaften (auf dem Podium vertreten durch Norbert Reuter von ver.di) aus dem Publikum "erbärmliche [Partikular]interessen" unterstellt werden. Es ist schlicht eine Überforderung, in diesem Bereich von IG Metall oder IG BCE eine avantgardistische Rolle zu verlangen. Die "Pioniere des Wandels" lassen sich bis auf weiteres wohl eher in den urban-hedonistischen Milieus, der klassischen Zielgruppe der Grünen, finden.

Ebenfalls kontrovers ging es im Blockupy-Panel zu, in dem Thomas Seibert (Interventionistische Linke, IL) und Werner Rätz (attac) so heftig aneinander gerieten, dass die Parteivorsitzende Kipping einschreiten musste. Rätz warf der IL eine "Instrumentalisierung" des gemeinsamen Bündnisses vor, weil ihre "eskalierende Strategie" den gemeinsam beschlossenen Konsens ("Wir tun, was wir sagen. Wir sagen, was wir tun.") einseitig aufgekündigt habe. Immerhin war man sich einig, in einer gemeinsamen Aktion Solidarität mit Syriza zu zeigen.

Neben Syriza war das Themenfeld Commons - Share Economy - digitale Revolution unbestritten das "sexiest" Thema. Es ist nicht zuletzt für die Außen- und Medienwirkung der Partei gut, dass sich Netzaktivist_innen wie Anke Domscheit-Berg, Christian Fuchs oder Julia Schramm der Linkspartei zuwenden und es ist auch nicht weiter schlimm, dass das Thema Netzpolitik erst ganz allmählich zu einem relevanten Feld linker Politik wird. Utopisches Potential hat es ja allemal.

Ansätze einer linken Migrationspolitik

Unverzeihlich ist es aber, dass auf einem so zentralen Feld wie der Migrationspolitik bisher kein genuin linker Ansatz vorliegt (Manuela Bojadzijev, Soziologin). Hier bleibt der gesamten Linken oft nur der Verweis auf den bösen Kapitalismus und Imperalismus, der die Flüchtlinge dazu zwinge, sich gegen ihren Willen auf den Weg nach Europa zu machen. "Vielfalt", "Integration" und "Toleranz" als die Worthülsen eines schlechten Gewissens. Einen ersten Ansatz bildet Bojadzijevs Vorschlag, den oft Jahre dauernden Migrationsprozess als logistische Herausforderung zu betrachten, die es effizient zu lösen gilt. Selbstverständlich für emanzipatorische Politik sind dagegen Forderungen nach der Teilhabe an bürgerlichen Rechten (Personenfreizügigkeit, kommunales Wahlrecht, Arbeitsrecht).

Doch die Frage, was das alles für die deutsche Mehrheitsgesellschaft heißt, bleibt seltsam unterbelichtet. Multikulti ist fast ohne Einspruch staatsoffiziell für tot erklärt worden und eine Reflexion über kulturelle Unterschiede – nennen wir sie besser "Alterität" – , fällt bei Linken sofort unter Rassismusverdacht. Dies ist besonders misslich, weil damit die gesellschafttliche Linke den Rechtspopulisten das kulturelle Feld kampflos überlässt.

Ein Plädoyer für den Linkspopulismus

Niemand hat das so gut verstanden wie Chantal Mouffe, die einen linken Populismus fordert, der Gefühle und Leidenschaften aus dem politischen Prozess nicht ausklammert, sondern in einem agonistischen Modell des Kampfes um Hegemonie zur Grundlage der Demokratie macht. Der rechten Mobilisierung des Hasses gilt es eine linke Version des Populismus entgegenzusetzen, die nicht Ausgrenzung von Minderheiten (Immigrant_innen), sondern den gemeinsamen Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und die negativen Folgen der Globalisierung zum Ziel hat.

Leider kam Mouffes' wichtiger Vortrag zu einem Zeitpunkt, als sich beim aufmerksamen Zuhörer – auch beim Autor dieses Artikels – schon eine gewisse Ermüdung, gar Zeichen der Überforderungen einzustellen begannen. Zu überdenken wäre nämlich, ob bei über 80 Veranstaltungen die Aneinanderreihung von Podiumsdiskussionen mit ihrem stereotypen Zeitregime und der damit verbundenen Tendenz zu Kurzreferaten (je 15 Minuten für 3 bis 4 Referenten) die gewünschte "Laboratmosphäre" geschaffen hat. Die gesellschaftliche Linke kennt partizipativere Formen, auf die sich auch die Partei einlassen sollte.

Was tun?

Wie weiter nach dem Zukunftskongress? Alex Demirović (Professor für Gesellschaftswissenschaften an der Uni Frankfurt) hat es in seinem Schlussplädoyer auf den Punkt gebracht: Es geht um eine "Koordinierung der verschiedenen Wege" und deren Transformation in ein "Allgemeines der Emanzipation". Aber wer soll diese Koordinierung übernehmen? Ist die Partei mehr als ein Steinchen im bunten Mosaik der Linken? Könnte sie die dringend benötigte moderierende Funktion übernehmen? Der Kongress und das Manifest weisen in diese Richtung. Das wird nicht immer Punkrock oder sexy sein, sondern ein langer, oft schmerzhafter Prozess.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (18)

Tiefendenker 02.05.2015 | 18:13

Man kann sich auch ne Menge schönreden. DIE LINKE und ihr Umfeld stellen sich leider sehr widersprüchlich dar.

Mit einzelnen Leuten kommt man ja vielleicht noch in einem Gespräch zumindest soweit, dass sich das Gegenüber mal eine andere, über die Grenzen des eigenen links-bürgerlichen Grundverständnisses hinausgehende Vorstellungen anhört. Aber sobald die in der Gruppe agieren, gibt es leider zu viele Parallelen zu den Rechten.

Ich hab es selbst schon auf Veranstaltungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung hier in Hamburg erlebt, dass sobald man begründete Zweifel an der Gesinnung von Sarah Wagenknecht anmeldet und dabei auf Beziehung zu Herrn Lafontaine hinweist, dass man sofort als Sexist beschimpft, diffamiert, ausgegrenzt und mundtot gemacht wird.

Dabei liegt es auf der Hand, dass man sich gerade im privaten Bereich natürlich jemanden zum Partner nimmt, der mindestens ähnliche, wenn nicht gar identische Grundüberzeugungen hat. Und Herr Lafontaine ist der lebende Widerspruch und ein Paradebeispiel dafür, wie man es als "Linker" gerade nicht machen sollte.

Das gilt ebenso für Sarah Wagenknecht, die ja deutlich pro-Marktwirtschaft argumentiert (vgl. auch ihr Buch "Freiheit statt Kapitalismus). Darauf wurde auch schon wiederholt hingewiesen - siehe hier:

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2012/11/Kunst_der_Selbsttäuschung.pdf

Die LINKE ist leider Bestandteil des Problems und keinesfalls eine Alternative. Für einzelne Mitglieder und Gruppen darin bzw. im Umfeld mag sehr wohl etwas anderes gelten - aber die Masse der Livestyle-Linken, wie man sie allerortsantrifft, sind komplett im kapitalistischen System integrierte Bausteine, die das Kapital und seine Grundlagen energisch vertreten und verteidigen.

Aus meiner Erfahrung heraus sind diese Art Linke in der Summe sehr Theorie-feindlich eingestellt und kokettieren lediglich damit antikapitalistisch oder irgendwie zu sein. Im Kern sind sie jedoch das Gegenteil - siehe auch: "Die Welt als Wille und Design" R.Kurz)

http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=buecher&index=2&posnr=8&backtext1=text1.php

Und das ist nicht erst heute so. Bereits in den frühen 80ern sangen SLIME zu recht über "Linke Spiesser".

https://youtu.be/mQiDPaXandY

Achtermann 02.05.2015 | 19:17

Wenn die Linke etwas bewegt, bewegt sie sich in Berlin. In Rheinland-Pfalz, dem Land, das sich inzwischen auf die nächste Landtagswahl vorbereitet und die Parteien ihre Kandidaten wählen, kennt kein Mensch die landespolitische Parteispitze der Linken. Tote Hose, wohin man schaut. Da nützt es nicht mal von sexy oder unsexy zu reden. Da nichts ist, kann man diese Kategorien nicht mal anwenden. Der berlinische Blick ähnelt doch sehr stark dem Modell eines Tunnels.

Fro 02.05.2015 | 22:59

Vielleicht haben die Linken in Rheinland-Pfalz einfach keine Zeit, wegen zeitaufwändiger Unterstützung von Bürgerbegehren und -Protesten..?;) Sonderlich viele Aktivisten haben sie auch in Schleswig-Holstein nicht. Kann man ihnen nicht vorwerfen – und auch eine tendenziell resignative Stimmung nicht, die auch mich manchmal erfasst..
Aber eine – anscheinend gelungene - Veranstaltung wie der Kongress
"Linke Woche der Zukunft" kann ja durchaus eine stimulierende Wirkung auf die Linke haben – zu wünschen wäre es ihr.

Fro 02.05.2015 | 23:32

Das sieht leider aus wie plumpes Wettbewerbsdenken und scheint nicht sonderlich tief gedacht.
Als Bürger habe ich ein Interesse daran, dass so viele Aktivisten wie möglich an einem Strang in die richtige Richtung ziehen... Und da das Ziehen ein Weilchen dauert, werden die Aktiven genügend Zeit haben, mit ihren Mitstreitern (für punktuelle Ziele) nach getaner Arbeit bei einem Bierchen über längerfristige Ziele zu plaudern...
Wichtig ist, dass sich hier erst mal etwas in die richtige Richtung bewegt....
Wenn man kein Vertrauen in den Verstand und d
ie Vernunft seiner Mitbürger hat, kann man sein politisches Engagement gleich an den Nagel hängen und es sich daheim gemütlich machen – solange es noch geht...

Reinhold Schramm 03.05.2015 | 01:51

Die "robuste Diskussionskultur". Da lacht das Herz der Bourgeoisie und deren Administration.

Bemerkungen zur Fassadenmalerei der bürgerlichen Linkspartei und Co.

Marx und Engels, nun auch noch systemkonform und geschmeidig modelliert fürs Kapital.

Alle bürgerlichen Parlamentsparteien stehen für den Kapitalismus, für die sog. "Soziale Marktwirtschaft", einschließlich die bürgerliche Linkspartei. Sie steht allenfalls für soziale Reformen und für die Stärkung des Kapitalismus und für die Verschönerung der Fassadenmalerei. Die privaten Vermögens-, Kapital- und Eigentumsverhältnisse werden dabei nicht angekratzt. Auch die Forderung nach höheren Steuern für die Reichen [aus der Wertschöpfung der Besitzlosen] erfüllt doch nur den Tatbestand von Streicheleinheiten für den (ungebrochenen) Fortbestand der Quandtschen Finanz- und Monopol-Bourgeoisie. Auch hier versteht sich die Politik der Linkspartei doch nur als analoge parlamentarische und außerparlamentarische Selbstversorgung und in Erwirtschaftung von Renten bzw. Pensionsansprüchen. Politische Einwirkung auf die werktätige (wertschöpfende) Bevölkerung, z. B. auch für den Aufbau einer organisierten Betriebsarbeit, findet nicht statt. Die Mitwirkung dient allenfalls der liberal-sozialdemokratischen SPD-DGB-Gewerkschaftsarbeit. Gewerkschaftsarbeit im Sinne der Sozialarbeit der Bourgeoisie. Ebenso, wie bei der SPD-Mehrheit und der DKP [- die auch noch die Menschen-, Umwelt- und Naturausbeutung, als "Sozialismus chinesischer Prägung" verkauft, und dabei die deutschen Monopolverbände mit ihrer Beschönigung der kapitalistischen Realität in Asien übertrifft). Mit der bürgerlichen Linkspartei, "Die Linke" (einschließlich geläuterte DKP), kann die politische Administration der (Finanz- und Monopol-) Bourgeoisie recht gut zurechtkommen. Trotz alledem, bisher sind Springersche Parteispenden noch ausgeblieben. Aber wie es auch immer sei, der materielle Schmierstoff für die angenehme linksliberale Ideologie dürfte auch noch kommen. Und damit für die ideologische Verschönerung der modifizierten Ausbeutung des Menschen durch den Menschen in Deutschland und deren Europäischen Union. Aufwachen, treubrave Michels.

Stefan Kleie 03.05.2015 | 09:02

Ich möchte da etwas widersprechen. In meinem Artikel ziele ich weniger auf durchschlagende Konzepte, sondern auf die sich wandelnde Diskussionskultur. Allein der Kongress als enge Vernetzung von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und einzelnen Akteuren, die sich unter dem Dach der Linkspartei über eine linke Zukunftsperspektive austauschen, ist in der aktuellen Parteienlandschaft singulär. Auffällig waren die vielen jungen Leute im Publikum und die Offenheit, man kam einfach schnell miteinander ins Gespräch. Man kann das womöglich als Zweckoptimismus verstehen, doch Resignation oder Anpassung an den linksliberalen Mainstream sieht anders aus.

globelix 03.05.2015 | 12:43

Ich war selbst da und habe viele gute Leute gehört, auf jeden Fall. Leider haben frische Meinungen in der Partei eher wenig zu sagen. Auf meine Frage wie man sich denn in Zukunft demokratisch öffnen will hatte man in 2 Diskussionen keine wirklichen Ansätze. Mein Eindruck war, dass man bezüglich der Meinungsbildung lieber elitär bleiben will.

Katastrophal find ich die PR-Politik der Veranstalter. Nur wenige Veranstaltungen wurden aufgezeichnet, obwohl viele interessant waren. Von den aufgezeichneten ist widerum nur ein Teil gut versteckt auf irgendwelchen Internetseiten zu finden.

In Zukunft muss sich das ändern.

tolu0309 04.05.2015 | 18:22

"wie man es als "Linker" gerade nicht machen sollte"

Also ich kenne ja jetzt den Knigge für Linke nicht. In einer Sache bin ich mar aber sicher, wenn man auch nur irgendwie ernstgenommen werden will, sollte man darauf verzichten die Diskussion auf die persönliche Ebene zu ziehen. Ich kenne die "Gesinnung" der Frau Wagenknecht nun nicht und interessiere mich auch nicht dafür. Ihre Argumente sind teils nicht schlecht auf alle Fälle scheinen sie durchaus diskussionswürdig zu sein.

Was Sie gegen Marktwirtschaft haben weiss ich ebensowenig wie was Sie unter dieser verstehen. Für mich steht fest, dass Marktwirtschaft innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaft unmöglich ist. Der Ausschluss von Wettbewerb und die Konzentration von Kapital, die ja Hand in Hand gehen, sind - denke ich - das Herz des Kapitalismus. Sollte der Kapitalismus je überwunden werden, wird sich die Frage stellen in welchen Bereichen der Ökonomie Wettbewerb und damit Marktwirtschaft sinnvoll sind.

Fürs erste sollte die Linke jedenfalls versuchen Begriffe auf ihren Kern zurückzuführen und sie nicht fahrlässig den dümmlichen Götzendienern des Neoliberalismus zu überlassen. Das gilt fürchte ich noch für eine ganze Menge anderer Begriffe.

tolu0309 05.05.2015 | 10:06

Jetzt müssen Sie mir nur noch erklären wie man denn vorgehen soll. Sicherlich ist der Anfang, den Die Linke hier zu machen versucht nicht der bestmögliche. Aber dieser Anfang könnte ja ausgebaut werden, man müsste nur mal über seinen Schatten springen und die ewige Besserwisserei hintanstellen und sich statt mit perfekter (?) Theorie mit fehlerbehafteter Praxis auseinandersetzen.

Und wir werden endlich lernen müssen - ich widerhole mich in diesem Punkt immer öfter - dass der Kapitalismus nicht das Problem ist, der erledigt sich vermutlich früher als uns allen lieb sein kann. Das Problem ist, dass wir keine Alternative haben, die auch nur einer nennenswerten Minderheit einleuchtend erscheint. Die Frage warum ist Kapitalismus Mist ist erschöpfend behandelt, die Frage wie müsste Sozialismus (oder wie immer Sie das nennen wollen) sein, damit er zumindest für die nächsten 100 Jahre besser funktioniert, ist nicht wirklich so beantwortet, dass eine Mehrheit davon zu überzeugen wäre.

Oder hab ich da was verpasst ?