RE: Die Zukunft der Männer | 15.04.2017 | 22:43

Danke für die Antwort. Bei mir kam wiederholt etwas dazwischen. Ich möchte nur noch einmal zusammenfassen (mit einigen Ergänzungen) warum ich die konkrete Deutung im Rahmen wissenschaftlicher Studien vom Kleinkindverhalten als sexuelle Aktivität bzw Erleben aufgrund von passiver Beobachtung unter Ausschluss anderer naheliegender Erklärungsmöglichkeiten als unseriös und unwissenschaftlich halte. Zuerst aber kurz zu zwei Einwürfen von Ihnen.

"wenn Kinder die biologischen Voraussetzungen dafür haben sexuelle Lust zu verspüren, wieso sollten sie sie nicht verspüren"

Dass Kinder die biologischen (und psychischen) Voraussetzungen dafür haben sexuelle Lust zu verspüren ist eben fraglich, jedenfalls nicht erwiesen.

"Das ist nicht richtig, denn Mimik und Gestik sind ja gerade transkulturell immer identisch, mindestens was die Basisaffekte angeht. Sonst wären Affekte als Kommunikations- und Motivationssysteme nicht zu gebrauchen."

Also eine Übertragung von Beobachtungen der Mimik und des Verhaltens von Erwachsenen auf Kleinkinder ist zumindest schwierig und fehleranfällig, denn die Psyche und das Verhalten von Erwachsenen und Kleinkinder doch sehr unterschiedlich sind. Näheres in der Zusammenfassung unten.

"mit welchem Recht und vor allem welchem Grund d[S]ie den Forschern die Wissenschaftlichkeit absprechen wollen"

Zusammenfassung:

Unter der Berücksichtigung, dass

- es eine Korellation zwischen psychischen Dispositionen/Vorgängen und gesamtneuroendokrinaler Aktivität (inkl hormonaler Reaktivität) gibt, die beim Kleinkind allerdings grundlend anders ist als beim Erwachsenen. Unter anderem liegt von vornherein ein sehr unterschiedlicher Spiegel und Verfügbarkeit von Hormonen vor (inkl. Hormonen die mit Sexualität in Zusammenhang stehen, die z.T. erst zu Beginn des 2. Lebensjahrzehnts gebildet werden)

- das "Ich" (also das Ego) und das Unterbewusstsein von Kleinkindern lediglich rudimentär entwickelt sind im Vergleich mit Erwachsenen (gerade das Unterbewußtsein spielt bei Sexualität eine zentrale Rolle)

- Kinder wesentlich spontaner, unkontrollierter und unspezifischer auf äußere oder innere Erlebnisse reagieren als Erwachsene. Ich nehme an, dass Sie zustimmen, dass Kleinkinder eine Vielfalt von Gefühlen kennen die nichts mit Sexualität bzw. sexuellen Gefühlen etwas zu tun haben. Dazu gehören verschiedene Formen von Freude wie allgemeines Wohlbefinden, Vorfreude, Freude als Reaktion einer Wahrnehmung (z..B. visuelle od akustische Wahrnehmung), Freude an der eigenen Körperlichkeit (wie Freude am Spiel mit eigenen Körperteilen), Freude am sozialen Austausch, aber auch spontane Regungen von Lebensfreude in der kindlichen Psyche ohne sichtbare Ursache. Dabei steht den Kleinkindern ein breites Spektrum an Ausdrucksmittel zur Verfügung, die sie häufig spontan und unspezifisch einsetzen, um diese verschiedene Formen von Freude auszudrücken. Das sind z.T. intensive Verhaltensreaktionen wie ausdrucksvolle akustische Laute, prägnante Gesichtsmimik, beliebiger Motorik (z.B. Arme oder Beine herumwedeln).

- Metaanalysen immer wieder zeigen, dass gerade die Resultate von Studien die nicht auf bester wissenschaftlicher Methodik beruhen nicht nur nicht nachvollziehbar und wiederholbar sind, sondern statistisch gesehen größtenteils falsch sind. Die bekannteste Metaanalyse hat Prof. John Ioannidis 2004 durchgeführt. Er überprüfte Peer-Review-begutachtete Studien aus dem Bereich Medizin. Die Ergebnisse von mehr als die Hälfte waren falsch. Selbstverständlich waren es vorallem die Studien, die auf schwacher Methodik basierten wie fehlender Standardisierung oder mangelnder Repräsentativität (und dennoch durch das Peer-Review-Begutachtungssystem rutschten) die falsche Ertebnisse lieferten: http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.0020124

- Satistisch gesehen existiert auch ein direkter Zusammenhang zwischen der Validität von psychologischen Studien und der Anwendung bester wissenschaftlicher Methodik. In einer Metaanalyse an der 270 Forscher auf fünf Kontinenten beteiligt waren, wurden 100 psychologische Studien überprüft bei denen subjektive Einschätzungen eine Rolle spielten, die zuvor in wissenschaftlchen Verlagen erschienen waren. Die Ergebnisse von weniger als 40% konnte repliziert werden. Es war daher die Validität der restlichen 60% als nicht gesichert einzustufen.

http://www.nature.com/news/over-half-of-psychology-studies-fail-reproducibility-test-1.18248

aus diesen Gründen ist m.E. eine konkrete Deutung des passiv beobachteten Verhaltens von Kleinstkindern als Masturbation oder sexuelle Selbststimulierung unseriös und unwissenschaftlich. Es könnte schlicht aufgrund von mit subjektiven Einschätzungen einhergehenden Projektionen, Annahmen, Interpretationsspielräumen, Erwartungshaltungen oder Voreingenommenheiten eine "sexuelle Umdeutung" stattfinden. Man weis es einfach nicht. Ich hätte kein Problem mit sexualpädagogischen Richtlinien, in denen klar mitgeteilt wird, dass sie auf der *Annahme* beruhen, dass Kleinkinder sexuelle Wessen mit sexuellen Bedürfnissen wären. So hätten Eltern ein mitspracherecht betreffend konkreten pädagogischen Inhalten. Versucht man allerdings verpflichtend solche Inhalte durchzusetzen (wie z.B. in Hessen) bewegt man sich Richtung Indokrination und richtet möglicherweise Schaden an. Ich bleibe dabei: Es gibt keinen Beweis für die Behauptung, dass Kleinkinder sexuelle Wesen mit sexuellen Bedürfnissen wären.

RE: Die Zukunft der Männer | 13.04.2017 | 01:28

"..dass Sie nicht für Sich etwas in Anspruch nehmen können, was sie Forschern, die darüber hinaus ausgebildet sind, absprechen. Passt nicht."

Ich sage, dass aufgrund meiner persönlichen Beobachtungen und Wahrnehmungen ich die Meinung, ja die persönliche Überzeugung, gebildet habe, dass Kinder vor Beginn der Pubertät nicht masturbieren. Ja, viele Fachleute (aber bei weitem nicht alle) sehen das anders aber, das heisst noch lange nicht, dass ihre Beobachtungen und Interpretationen automatisch auch nur annähernd wissenschaftlich aussagekräftig sind. Ein Forscher soll transparent mitteilen ob seine Beobachtungen lediglich eine freie subjektive Eigeninterpretation aufgrund von nicht-standardisierten persönlichen Ansichten und Erfahrungswerten darstellt, oder eine standardisierte Beurteilung darstellt aufgrund von der Beobachtung von bestimmten Merkmalen (deren Relevanz wissenschaftlich erwiesen ist) im Rahmen einer standardisierten Beobachtungssession. Selbstverständlich dürfen Forscher freie subjektive Eigeninterpretationen aufgrund von nicht-standardisierten persönlichen Ansichten und Erfahrungswerten anstellen, aber das darf nicht dazu führen, dass andere Fachleute (z.B. Sexualpädagogen) i.d.F. eine wissenschaftlich belegte Faktenlage ableiten. Weil solche Beurteilungen nicht standardisiert ablaufen sind sie methodisch nicht nachvollziehbar, nicht wiederholbar und mit anderen Beobachtungssessionen nicht vergleichbar.

"Studien an Lebewesen, noch dazu an welchen, die nicht reden können (Kinder um das erste LJ) sind immer interpretativ. Das ist aber nicht unwissenschaftlich, sonst wäre ja die gesamte Ethologie unwissenschaftlich. (In letzter Konsequenz ist sogar eine Sprache zu lernen eine Interpretation.)" [Zitat aus einem früheren Posting]

Standardisierung ist in der Wissenschaft essentiell. In der Physik ist das meistens einfach, weil andere die intensive Vorarbeit geleistet haben. Beispiel: Studie zur Lärmbelästigung durch Autoverkehr: Dezibel-Skala ist standardisiert; Meßgerät unterliegt diversen Standards, z.B. Eichung. Die Eichprozedur selbst ist standardisiert; Wie / bei welchen Abständen gemessen wird ist standardisiert; Es liegen Vergleichswerte über Amplituden/ Frequenzen/ Obertongehalt vor, die generell von Menschen als belästigend empfunden werden zum Nachschlagen in standardisierter Form usw. usw. In der Psychologie ist Standardisierung nicht weniger essentiell. Es lohnt sich sich zu vergegenwärtigen wie viel essentielle wissenschaftliche Vorarbeit, insbesondere zur Standardisierung, beispielsweise bei Testverfahren zur Psychologischen Diagnostik (z.B. Persönlichkeitstests) geleistet worden ist damit solche Test überhaupt eine brauchbare Aussagekraft erreichen. Obwohl die Antworten auf einzelne Fragen subjektive Selbsteinschätzung sind, können solche Tests aussagekräftig sein, weil über viele Jahre hindurch die Standardisierung schrittweise eingeführt und stetig verbessert wurde: Die genaue Formulierung der Fragen und die verwendeten Termini beruhen auf umfangreichen Untersuchungen wie Durchnittsmenschen sie am ehesten auffassen; Testbedingungen und Intruktionen durch den Testleiter sind standardisiert; Auswertung und Interpretation sind standardisiert. Die besten standardisierten psychologischen Fragebogentests beinhalten eine Skala, die das Maß an Simulation (durch Probanden) mißt aufgrund eines komplexen algorithmus, dessen Feinabgleich Jahr für Jahr durch Datenvergleiche stetig verbessert wird. Der Wikipedia Atikel zu psychologischen Testverfahren (https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologischer_Test) ist m.E. gut und beschreibt noch viel mehr im Detail wieviel Aufwand und Standardisierung notwendig ist um aufgrund von Angaben (die schwer zu verifizieren sind und abhängig vom Testtypus sehr subjektiv sein können) von Probanden wissenschaftlich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Jetzt stellen Sie sich vor wie schwierig es sein muss wissenschaftlich den emotionalen Status einer repräsentativen Anzahl von fremden Kleinkindern zu beurteilen lediglich durch Beobachtung. Dafür gibt es einerseits keine spezielle Ausbildung die auch überprüfbare Kompetenzen vermittelt (gewiss gibt es Menschen die empathisch besonders begabt sind oder durch viel Erfahrung gewisse Kompetenzen erlangen, aber es gibt keine standardisierte Methode um festzustellen ob eine bestimmte Person [Durchschnittsmensch oder Forscher] über solche besondere Kompetenzen tatsächlich verfügt), und andererseits gibt es für die Beurteilung ob ein Kleinkind gerade eine angeblich mögliche sexuell-emotionale Erregung erlebt, kein standardisiertes Beobachtungs- und Beurteilungsverfahren. Welche Mimik, welches Verhalten, welche Bewegungsmuster zuverlässig als Merkmale einer angeblich vorkommenden sexuell-emotionalen Erregung bei Kleinkindern gelten sollen ist nirgends standardisiert und bekanntlich überzeichnen manche Kinder ihre Mimik und ihre Bewegungen phasenweise erheblich. Und eine Übertragung von Beobachtungen der Mimik und des Verhaltens von Erwachsenen auf Kleinkinder ist nicht plausibel, denn die Psyche (und das Verhalten) von Kleinkindern ist nur sehr bedingt vergleichbar mit der von Erwachsenen. Solche Beobachtungen haben aus Ihrer Sicht anscheinend Relevanz. Meiner Meinung nach fehlt es ihnen an ausreichender Validität, und ein wissenschaftlicher Nachweis sind sie ganz eindeutig nicht, denn es fehlt an Standardisierungen und es fehlt der standardisierter Nachweis darüber, dass der Beobachter überhaupt über die Kompetenz verfügt das angeblich auftretende Phänomen zu identifizieren. Hinsichtlich der Relevanz solcher Beobachtungen herrscht bei uns wohl eine bedeutsame Meinungsverschiedenheit.

RE: Die Zukunft der Männer | 13.04.2017 | 00:52

Sie haben bereits einige Male auf Kommentare von mir geantwortet. Da bei mir die Argumentation in den Vordergrund steht und ich einigermaßen sinnvoll debatieren möchte, verwende ich meine beschränkte Zeit, um mit MOORLEICHE weiter zu debatieren, soweit ich noch Zeit finde. Bei ihm scheinen auch Argumente in den Vordergrund zu stehen. Durch die Debatte habe ich bereits einiges gelernt. Bei allem Respekt, Ihre vordergründige Bersorgtheit scheint zu sein andere bzw. mich aufgrund von Voreingenommenheit und angenommenen Assoziationen (deren Relevanz Sie auch gar nicht beurteilen könnten es sei denn Sie wären Hellseher) einfach wegzuschubladisieren.

RE: Die Zukunft der Männer | 12.04.2017 | 16:31

"Masturbation ist demnach also pathologisch?"

Ich bezog mich auf Altersgruppen vor Beginn der Pubertät. Vielleicht war das nicht klar.

RE: Die Zukunft der Männer | 12.04.2017 | 16:00

Sie meinen ich wäre "entweder hart religiös oder erzkonservativ"? Oder sagen Sie nur, dass METAMBIGO das meint? Ich bin ungefähr so religiös wie Albert Einstein. Erzkonservativ? Würde ich zwar nicht von mir sagen, aber ich weis nicht wirklich was das ist. Meine Ansichten zur Kindesentwicklung bzw -psyche beruhen unter anderem auf sehr viel Erfahrung in der Betreuung von Kindergruppen (vorwiegend Alter 3-9 ). Ich rede von z.T. lange Betreungsphasen (bis zu 4 Stunden durchgehend) häufig im Freien, in denen ich viele jahrelang Kinder bei verschiedenen Freizeitaktivitäten beobachten konnte, inkl. individuellem und kollektivem freiem Spiel. Ich habe noch nie bei gesunden Kindern vor Beginn der Pubertät Verhalten gesehen, das aus meiner Sicht als Masturbation gedeutet werden könnte (rythmische Bewegung, sexuell-emotionale Erregung, Höhepunkt, Entspannung). Rythmische Bewegung ja. Aber zeichen für sexuell-emotionale Erregung, nein. Letztlch kann man aus wissenschaftlicher Sicht, ohne moderne diagnostische bildgebende Verfahren, nie sicher sein ob es so etwas wie sexuell-emotionale Erregung bei Kindern gibt, solange sie noch nicht in der Lage sind sich sprachlich koherent und glaubwürdig dazu zu äußern. Bei Kindern die als schwer neurotisch galten, habe ich Verhalten beobachtet, dass eventuell als Masturbation interpretiert werden könnte, aber eine solche Interpretation bleibt letztlich spekulativ. Ich hoffe, dass ich Zeit finde auf das frühere Posting von Ihnen zu antworten.

RE: Die Zukunft der Männer | 12.04.2017 | 14:53

Es gibt viele mögliche Erklärungen für solche Spielereien, eine davon ist eben einfach das Spielen. Kinder im wachzustand wollen sich meistens mit irgendwas beschäftigen, und, weil der eigene Körper fast immer "verfügbar" ist, spielen sie halt manchmal damit. (Ich massiere mich selbst fast täglich, meisten Schulter oder Füße. Es hilft mir abzuschalten und fühlt sich gut an). Kinderhände fallen ganz natürlich im Ruhezustand in der Nähe der Genitalen, die besonders sensibel sind. Auch rythmische Bewegungen müssen nichts mit sexueller Aktivität zu tun haben. Manche Kinder bewegen verschiedene Körperteile gerne rythmisch. Das muss nichts mit sexueller Aktivität zu tun haben. :)

RE: Die Zukunft der Männer | 12.04.2017 | 14:09

Von dem Winterhoff Gutachten habe ich erfahren auf der österreichischen Webseite sexualerziehung.at. Mich würde brennend interessieren zu welcher "Ecke" ich gehöre, weil ich vielleicht 1 mal im Monat auf sexualerziehung.at vorbeischaue, nämlich weil dort gelegentlich Informationen zu finden sind die nützlich sind. Diese Webseite hat als erste den Entwurf zum österreichischenen Grundsatz Sexualerziehung veröffentlicht. Ich folgte damals einen Hinweis in einem Forumposting einer Zeitung. Leider kann ich mich nicht erinnern welche Zeitung das war, sonst hätten Sie mich einer weiteren "Ecke" zuordnen können. Vielleicht ordnen Sie dem Winterhoff auch irgendeiner Ecke zu. Ich persönlich interessiere mich für Argumente. Ich habe sein Gutachten gelesen, und die Begründung scheint schlüssig zu sein. Sie beruht allerdings auf Urteile des deutschen Bundesverfassungsgerichts, und die Originalurteile habe ich mir nicht angesehen (das war mir damals zu viel Mühe). Daher, und deswegen, weil ich kein Jurist bin, traue ich mir nicht die Validität der Begründung abschliessend zu beurteilen.

RE: Die Zukunft der Männer | 12.04.2017 | 12:50

"

Galenson und Roiphe (1974) beobachteten Kinder im naturalistischen Setting einer Kindertagesstätte und stellten fest, dass Jungen etwa mit sechs oder sieben Monaten und Mädchen mit zehn oder elf Monaten an ihren Genitalien herumzuspielen beginnen und dass das Masturbieren sich bei beiden Geschlechtern nach 15 oder 16 Monaten durchgesetzt hat."

Wo ist da irgendein wissenschaftlicher Beweis? An den Genitalien herumspielen kann gerade bei Kindern viele Ursachen haben. Galenson und Roiphe haben lediglich systematisch beobachtet. Merken Sie den Sprung von "an ihren Genitalien herumzuspielen" (das kann eine reale Beobachtung sein), zu "dass das Masturbieren sich bei beiden Geschlechtern.... " (Masturbation dagegen lässt sich wissenschaftlich nicht alleine durch Beobachtung nachweisen)? Einerseits geht Masturbation mit erhöhter emotionaler Erregung, andererseits mit biologisch komplexen zentralnervösen Vorgängen einher (mit Beteiligung des limbischen Systems, Neurotransmitter und hormonele Vorgänge). Ob der Vorgang der Masturbation stattfindet bzw stattgefunden hat kann wissenschaftlich anhand von konkreten, glaubwürdigen Angaben des Subjektes und bildgebenden Verfahren wie fMRI, MEG festgestellt werden. Galenson und Roiphe haben lediglich das was sie beobachtet haben interpretiert ohne jeden Beweis zu liefern und ohne in der Diskussion zu berücksichtigen, dass sich ihre Beobachtungen keineswegs nur durch Masturbation erklären lassen.

"Vielleicht, weil die die Studien kennen?"

Das würde mich freuen, wenn es so wäre! Können Sie mir eine einzige (oder mehrere) konkrete, repräsentative wissenschaftliche Studie nennen, die auf guter wissenschaftlicher Methodik beruht (die nicht lediglich auf Meinungen, Annahmen oder Projektionen eines Beobachtenden beruhen), die nachweist, dass Kleinkinder masturbieren, oder sexuelle Lust kennen? (Bitte Author, Datum, Verlag nennen). Die Studie(n) schaue ich mr dann gerne an.

"Falle? Sie machen gerade aus Vermutungen Fakten. Fake news nennt man das Neudeutsch"

Es war vielleicht nicht ganz klar, aber die Falle die ich meinte, war Theorie mit Faktum zu verwechseln. Da kein empirischer Beweis für frühkindliches sexuelles Erleben existiert, dürfte meine Aussage stimmen.

"Das ist zwar falsch, aber warum ist Ihnen das so wichtig?"

Also die Welt geht deswegen nicht unter, aber unwichtig ist es nicht. Ich bin ehemaliger Lehrer und sehe es nicht gerne, wenn Ideologien in die Klassenzimmer über die offizielle Pädagogik hereingetragen werden. Das scheint mir derzeit mit der Sexualpädagogik der Fall zu sein. Im besten Fall könnten Methoden die auf falsche Grundannahmen beruhen und sehr früh (ab 6) eingesetzt werden einfach "leere Kilometer" darstellen. Zeitverschwendung. Das ist im Schulsystem sicher nicht sinnvoll und nicht im Interesse der Kinder. Allerdings, ich habe mir einige der neueren Richtlinien zur Sexualpädagogik im Detail angesehen (Hessen, Bayern, Österreich, WHO-Standards) und ich bin der Meinung, dass nicht nur "leere Kilometer" eine Folge sein können, sondern m.E. können manche Empfehlungen und Erziehungsziele (die z.T. verpflichtend sind) die Kindesspsyche durchaus negativ belasten. Um das im Detail zu erklären würde jetzt relativ viel Zeit in Anspruch nehmen. Vielleicht finde ich Zeit auf einige Punkte einzugehen, in einem weiteren Posting. Man muss auch das Erziehungsrecht der Eltern berücksichtigen. Die Schulbehörde hat das Recht Unterricht die wissenschaftlich und pädagogisch auf solider Basis steht gegen elterlichen Widerstand durchzusetzen. Das ist auch OK. Aber das Erziehungsrecht der Eltern steht immerhin in Verfassungsrang. Rechtlich steht es Eltern zu sich von der Qualität der schulischen Pädagogik zu überzeugen, und Eltern haben gute Chancen rechtlich ein opt-out durchzusetzen, wenn sie nachweisen können, dass ein Unterricht pädagogischen oder betreuerischen Grundsätzen widerspricht. Ich bin der Meinung das eine entsprechende Sachlage bei manchen Implementierungen der neuen "Sexualpädagogik der Sexuellen Vielfalt" bereits besteht, nur fehlt es den meisten Eltern um die nötige Informationen. Es existiert übrigens bereits ein Rechtsgutachten (Prof. Dr. Christian Winterhoff), das besagt, dass bestimmtes Unterrichtsmaterial aus der "Sexualpädagogik der Sexuellen Vielfalt" verfassungswidrig ist. Aber die ganze Entwicklung ist im Laufen. Möglicherweise werden Elternverbände noch Änderungen inizieren können.

"Was mich noch interessieren würde: Was hat das, Ihrer Meinung nach, mit dem Gender Thema zu tun?"

Also, ich glaube, dass das Bekenntnis der Regierung zum Gendermainstreaming diese neue Form der Sexualpädagogik zum Durchbruch verhilft. Sie wird auch "Gendersensible Sexualpädagogik" oder "Emanzipatorische Sexualpädagogik" genannt. In der "Sexualpädagogik der Sexuellen Vielfalt" wurde die These, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau kulturell konstruiert sind überbommen. Früher war die Sexualpädagogik bei der Biologie angesiedelt. Die Biologie hat diese These (noch) nicht übernommen. Es sind auch gerade die Biologen die die Genderwissenschaften kritisieren.

RE: Die Zukunft der Männer | 12.04.2017 | 08:35

Ich stamme aus einer Familie von Ärzten, Psychologen und Pädagogen. Meine Mutter war klinische Psychologin. Im Psychologieunterricht im Gymnasium hat meine Psychologielehrerin es noch richtig gemacht und Freud's Ansichten zur frühkindlichen Sexualität als Theorie dargestellt. Mehr als reine Theorie sind sie nicht. Ich habe dieses Thema mit befreundeten Medizinern, Psycholgen und Pädagogen exhaustiv besprochen. Niemand hat mir bisher eine Studie oder sonst eine wissenschaftliche Arbeit nennen können, die als stichhaltiger Nachweis für die Existenz von frühkindlicher Sexualität, wie sie in relevanten Theorien beschrieben wird, gelten kann. Warum ist dennoch die Ansicht unter relativ vielen Psychologen und Psychiatern verbreitet, dass Kinder ab ihrer Geburt sexuelle Wesen sind? Das ist eine gute Frage. Es könnte sein, dass sie diese Theorien als extrem hilfreich betrachten, um gewisses Verhalten von Kindern oder psychische Auffälligkeiten von Kindern (und Erwachsenen) zu erklären, und der Drang "Wissender" zu sein, im Gegensatz zu jemanden der noch zweifeln muss kann groß sein. Es gibt eine Erwartungshaltung der Patienten, aber auch der Öffentlichkeit und Politik "solide" erscheinende Diagnosen und Erklärungen zu bekommen. Es hat aber auch in der Vergangenheit ziemlich perverse Psychologen, Psychiater, Biologen und selbsternannte Sexologen gegeben die ohne reale wissenschaftliche Grundlage eine "Umwandlung" von Thesen/Theorien zur frühkindlichen Sexualität in "Fakt" angetrieben haben, wie Alfred Kinsey in den USA oder Helmut Kentler in Deutschland.

Ich muss aber eingestehen, dass ich nicht erklären kann warum eine so hohe Anzahl von relevanten Fachleuten heute in diese Falle tappen. Was ich aber mit großer Überzeugung sagen kann ist, dass niemand - aus rein wissenschaftlicher Sicht - sagen kann, ob eine frühkindliche Sexualität wie sie in den relevanten Theorien beschrieben wird, tatsächlich existiert oder nicht, weil niemand auch nur den geringsten empirischen Beweis dafür liefern kann. Beispiel: 2015 wurde in Österreich ein neuer "Grundsatzerlass Sexualpädagogik" veröffentlicht und ein Mitverfasser, Prof. (PH) Mag. Dr. Wolfgang Plaute, gab sich besonders offen und zugänglich für Anregungen und Fragen von betroffenen Eltern. Er lud Eltern und alle Interessierte über eine dafür eingerichtete Webseite ein, ihn Fragen zum neuen Erlaß zu stellen (an sich eine lobenswerte, transparente Herangehensweise). Ich stellte die Frage ob die Grundannahme, dass Kinder sexuelle Wesen wären wissenschaftlich bewiesen ist? Die Frage blieb unbeantwortet.

Diejenigen die behaupten, dass Kinder ab der Geburt sexuelle Wesen sind und sexuelle Gefühle und Bedürfnisse haben, haben die Bringschuld. Wer so etwas behauptet soll nachweisen, dass es tatsächlich so ist, und zwar mit wissenschaftlicher Methodik. "Das weis doch jeder", "Das gilt als erwiesen", "Die meisten Psychologen gehen davon aus" - solche Begründungen reichen sicherlich nicht aus.

RE: Die Zukunft der Männer | 12.04.2017 | 08:21

Welche "Ecke" sprechen an?

Wie kommen Sie darauf, dass "Gabriele Kuby" mir geistesverwandt ist? Ich denke da müsste ich katholisch sein, was ich aber nicht bin. Ich habe keines ihrer Publikationen gelesen. Jedenfalls interessiert mich die wissenschaftliche Perspektive.