Außer Fassung

Energie sparen Hell, heiß, hungrig: Von heute an soll die Sparlampe den Platz der Glühbirne einnehmen. Damit stirbt allerdings viel mehr als bloß ein Energiefresser. Ein Nachruf

Am Ende wurde ihr zum Verhängnis, dass sie schlicht zu heiß war. Ihre Erscheinung war ja stets so strahlend gewesen, dass sie Freunde gefunden hatte. Treue Freunde. Viele Freunde. Manche sagen, zu viele. Aber diese Freunde verteidigten sie selbst dann noch, als sich ihre Nachfahren längst anschickten, sie zu verdrängen.

Die klassische Glühbirne wird in den nächsten Jahren trotzdem aus Europas Wohnungen verschwinden. Von heute an werden 100-Watt-Birnen schrittweise aus dem Handel genommen werden. Später dann auch schwächere Birnen. Bis 2020 soll Europa glühbirnenfrei sein und Energiesparlampen überall die Fassungen eingenommen haben.

Von einem natürlichen Tod der aus Glas, Metall und ein bisschen Edelgas konstruierten "Allgebrauchslampe" kann man also kaum sprechen. Eher von einem langsamen, von hoher Stelle gewollten Sterben. Dabei war die elektrische Glühbirne bei ihrer Geburt im 19. Jahrhundert ein Meilenstein der Technikgeschichte gewesen. Sie vertrieb die nächtliche Dunkelheit, zunächst von Straßen und aus den Bürgerhäusern, schließlich aber auch aus den Wohnungen der Arbeiter. Und anders als die Gasleuchte, war die elektrische Glühlampe selbst hell genug, um den Lebensrhythmus des auf den Sehsinn angewiesenen Menschen zu verändern.

Simulation von Wärme

Ohne elektrisches Licht wäre die Herausbildung von Sphären der Arbeit und Freizeit während der Industrialisierung wohl anders verlaufen. Zumindest verlängerte die Glühbirne den Tag, ermöglichte komplexe Aktivität auch in der Nacht, und ließ das Dunkle - jahrhundertelang vom Menschen gefürchtet - plötzlich beherrsch- und abschaltbar erscheinen.

Erste Patente waren schon früher angemeldet worden, doch erst die Verbesserungen des Amerikaners Thomas Alva Edison aus dem Jahr 1880 machten die Glühlampe haltbar, hell und billig genug für den Masseneinsatz. So geht etwa das Schraubgewinde, das die meisten Haushaltslampen heute noch besitzen, auf Edison zurück. Außerdem fand er eine Methode, Glühfaden aus verkohlten Bambusfasern so präzise herzustellen, dass die Lampen auch bei längerem Einsatz nicht durchschmorten.

Selbst moderne Birnen mit Glühwendeln aus Wolfram geben nur fünf Prozent der zugeführten Energie wieder in Form von Licht ab, der Rest wird zu Hitze. Ihr verschwenderischer Umgang mit Energie hat den Siegeszug der Glühfaden-Lampe lange nicht gebremst. Selbst als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stromsparende Leuchtstofflampen auf den Markt kamen, blieben ihr die meisten treu.

Weniger Strom, mehr Müll

Dass sie nun gar verboten werden muss, wird nicht allein mit ihrem günstigen Herstellungspreis zu tun haben. Die für Glühlampen typische, unter Fachleuten "Warmton" genannte Lichtfarbe, können Techniker bei Leuchtstofflampen nur durch aufwändige Gas-Gemische simulieren. Und selbst damit erscheint das Ergebnis in vielen Fällen eben nur als das: eine Simulation von Wärme.

Nun ließe sich so etwas leicht akzeptieren, wenn das Birnen-Verbot sicher der Umwelt helfen würde. Doch manche Wissenschaftler stellen das in Frage. So weist etwa das Freiburger Öko-Institut darauf hin, dass ein Ausbau von Entsorgungsstellen das EU-Verbot flankieren müsse. Bisher wird etwa in Deutschland nur ein Bruchteil der schwermetallhaltigen Stromsparlampen umweltgerecht entsorgt. Ebenso fordern die Wissenschaftler eine Informationskampagne, die vor billigen Energiesparlampen warnt. Die nämlich enthielten, anders als hochwertige Leuchten, so viel Quecksilber, dass ihr Umweltnutzen im Vergleich zu einer herkömmlichen Birne gleich null sei.

Und so stirbt mit der Glühbirne nicht nur ein Energiefresser. Die Europäer werden sich auch auch von der Gewissheit verabschieden müssen, dass Strom sparen automatisch der Umwelt hilft.

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