Steffen Kraft
15.08.2011 | 19:30 34

Der Papst würde anders handeln

Whistleblower Der überstürzte Ausschluss von Openleaks-Gründer Daniel Domscheit-Berg zeigt: Der Vorstand des Chaos Computer Clubs schadet dem Ansehen des Hacker-Vereins

Bitte beachten: Dieser Text liegt in einer aktualisierten Fassung vor.

Wer zurzeit bei den Aktivisten von Openleaks anruft, hat Glück, wenn überhaupt jemand ans Telefon geht. Nur Jan Michael Ihl, einer der neueren öffentlichen Köpfe bei der Whistleblower-Plattform, ruft schon nach wenigen Minuten zurück. "Wir haben stets alle Hacker und interessierten Programmierer aufgerufen, bei Openleaks einzubrechen. Nie aber haben wir verlauten lassen, dass der Chaos Computer Club (CCC) Openleaks prüfen soll", sagt er zu den Vorwürfen des CCC-Vorstands, Openleaks-Gründer Daniel Domscheit-Berg habe den Ruf des Vereins ausbeuten wollen.

Es ist eine kleine Bombe, die CCC-Vorstand Andy Müller-Maguhn persönlich am Sonntag Vormittag laut eigener Aussage zuerst nur an die Deutsche Presseagentur und dann am Nachmittag an den IT-Journalisten Detlef Borchers schickt. "Der Vorstand des Chaos Computer Club e.V. hat Herrn Daniel Domscheit-Berg gemäß Paragraph 5 Absatz (1) der Satzung von der Mitgliedschaft im Chaos Computer Club e.V. ausgeschlossen, weil er das Ansehen des Vereins geschädigt hat", steht in der Pressemitteilung.

Domscheit-Bergs Vergehen sei, dass er in der vergangenen Woche auf dem Chaos Communication Camp in Finowfurt den Eindruck erweckt habe, "die Veranstaltung des
diesjährigen Chaos Communication Camp oder dessen Teilnehmer bzw. die Mitglieder des CCC hätten es Übernommen" (sic), seine Whistleblower-Plattform Openleaks einer Art Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen.

Aufrufe dieser Art, schreibt Müller-Maguhn auf Nachfrage des Freitag, haben es vermutlich auch sonst schon auf CCC-Treffen gegeben, "aber in der Regel sind die auf CCC-Veranstaltungen vorgestellten Software-Produkte Open-Source, das heißt die Sicherheit kann nicht nur überprüft, sondern auch Nachvollzogen werden. Das war hier nicht der Fall, zudem spielte die Frage nach der Verantwortung bei einer Submission-Plattform eine Rolle, die sich nicht in derselben Qualität bei anderen Software-Projekten stellt." Und so entschloss sich der CCC-Vorstand auf dem Camp zu einer abendlichen ad hoc-Sitzung und entschied, etwas zu tun, was es zuvor erst ein einziges Mal in der Geschichte des Clubs gegeben hat: eine Mitgliedschaft öffentlich zu entziehen.

"Unverschämte" Pressewirkung?

Nun hat Domscheit-Berg in der Tat in Finowfurt (Video des Vortrags siehe hier) angekündigt, erstmals die Einreichplattform von Openleaks für einen Härtetest online zu stellen. Hoffnung auf einen Test allein durch Hacker des CCC erwähnte er dabei allerdings nicht: "Wir rufen Hacker und Benutzer allgemein - aber vor allem im Rahmen des Chaos Communication Camps - zu einem Test unseres Systems auf, natürlich auch in punkto Sicherheit", sagte er im Interview mit dem Freitag, "wir hoffen, dass wir durch diesen Stresstest ein paar Einsichten gewinnen, wie wir das System noch sicherer machen können - oder im Idealfall die Rückmeldung bekommen: Openleaks ist so sicher, dass es selbst nach fünf Tagen Dauerbeschuss noch seine Dokumente bewahrt." Nach einigen Verzögerungen folgten der Ankündigung dann Taten - und die Einreichplattform von Openleaks ging online (noch bis 16.08.2011 über diesem Link zu erreichen).

Schon die Ankündigung auf dem Camp, Openleaks einem öffentlichen Härtetest auszusetzen, sei "unverschämt" gewesen, sagte Andy Müller-Maguhn dem Spiegel. Schließlich sei der CCC kein TÜV. Dem Freitag schrieb Müller-Maguhn auf Nachfrage: "Er hat ja den 'Test' als solchen in seinem Beitrag angekündigt und die Pressewirkung zumindest billigend in Kauf genommen. Es gab mehrere Veröffentlichungen, die das dann so interpretiert haben. Ich streite hier nicht um Formulierungen, sondern um das Verhalten."

Allerdings wird auch das Verhalten des CCC-Vorstands innerhalb des Clubs heftig kritisiert. So zum Beispiel, dass Daniel Domscheit-Berg vor seiner Exkommunizierung nicht offiziell angehört worden ist. Das schreibt die Satzung des CCC zwar anders als die der katholischen Kirche nicht ausdrücklich vor, doch wenn "man sich schon zu so einem Schritt entschließt (und schon das halte ich für einen Fehler), hätte man zumindest Daniel Gelegenheit geben müssen, von sich aus die Mitgliedschaft niederzulegen. So zivilisiert sind wir ja wohl!", fordert etwa das prominente CCC-Mitglied Felix von Leitner in seinem Blog.

Aufstand gegen CCC-Vorstand

Kein einziger der normalerweise sehr offenen Sprecher des Clubs will sich zu dem Thema öffentlich äußern. "Es gibt derzeit keine offizielle Stellungnahme des CCC zum Ausschluss von Daniel Domscheit-Berg und Openleaks. Keiner der CCC-Sprecher antwortet im Moment auf Fragen zu diesen Themen, weil die interne Debatte über den Entschluss des Vorstands noch läuft", sagt etwa Constanze Kurz. Lediglich Frank Rieger wird in einem Kommentar auf netzpolitik.org deutlicher: "'Dieser Rausschmiss jedoch ist verfrüht, unangemessen und zutiefst emotional statt wohlüberlegt rational.' trifft meine persönliche Meinung präzise." Auch Andy Müller-Maguhn bestätigt dem Freitag per Mail: Die CCC-Sprecher sagen nichts, weil "sie den Beschluss persönlich nicht mittragen und kommunizieren wollen."

Zumindest widersprüchlich erscheint jedenfalls Müller-Maguhn Aussage, der CCC wolle in Sachen Openleaks nicht als Prüfinstanz agieren. Schließlich gibt der offizielle Vorstandsbeschluss in dieser Hinsicht ein wenig vieldeutiges Votum ab: "Tatsächlich ist Openleaks für den CCC intransparent, der CCC kann gerade nicht beurteilen, ob potentielle Whistleblower, die sich Openleaks anvertrauen, nachhaltig geschützt werden können und geschützt werden."

Was die Person des Openleaks-Gründers angeht, macht Müller-Maguhn wiederum Aussagen, die noch weit über die eines technischen Prüfers hinausgehen: Er sei zur Einschätzung gekommen, das Domscheit-Berg "sehr flexibel mit den Fakten umgeht und für mich nicht vertrauenswürdig ist". So habe der beispielsweise im Freitag behauptet, Openleaks habe keinen Zugriff auf den Klartext von Einreichungen, die die ehemaligen Wikileaks-Aktivisten bei ihrem Weggang von Wikileaks mitgenommen hätten. "Persönliche Aussagen" ihm gegenüber, hätten Müller-Maguhn allerdings vom Gegenteil überzeugt. Außerdem benenne Domscheit-Berg immer wieder neue Argumente, warum er die Daten nicht herausgebe. Müller-Maguhn hat in den vergangenen Monaten versucht, zwischen Assange und Domscheit-Berg zu vermitteln. Die Weigerung, die Daten herauszugeben, habe aber "mit dem Ausschluss nicht direkt etwas zu tun", versichert Müller-Maguhn.

Kommentare (34)

Graureiher 16.08.2011 | 00:04

Anscheinend gibt es beim CCC noch Leute, die politisch denken und sich die Hintergründe um die Entstehung von Openleaks vorstellen können. Die US-Dienste setzen zur Zeit Himmel und Hölle in Bewegung, um Wikileaks zu diskreditieren. Assange wird in Schweden mit fadenscheinigen Vergewaltigungsvorwürfen überzogen (dasselbe Schweden, die selbe Justiz, die nicht in der Lage war, den Mord an Olof Palme aufzuklären, obwohl die „Dienste“ dabei Spalier standen) , und rein zufällig sieht dann ein ehemaliger Mitarbeiter von Wikileaks die Chance, sich selbstständig zu machen. Und findet reichlich mediale Unterstützung. Vorne weg die ehemals linke TAZ, seit den Jahren der rot-grünen Regierung ein neoliberales Kampfblatt, das alle Schweinereien der Schröder/Fischer-Gang mitgetragen hat. Und inzwischen längst auf schwarz-grün gewendet ist. Und dann der FREITAG. Vor der Übernahme durch Augstein jr. ein seriöses linkes Blatt; klein, aber fein. Heute ein scheinlinkes Kulturallala-Blättchen, personell aufgepeppt durch ehemaliges TAZ-Personal, das für den Karrieresprung zu SPIEGEL und STERN wohl nicht qualifiziert genug war. Oder nicht zynisch genug, mag sein.
Wer diese Gemengelage verstehen will, sollte hier weiter lesen:

www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16830

Die Vorgänge um den Artikel von Jürgen Rose zeigen, wo der FREITAG heute steht, und zeigen auch, in welchem Umfeld sich Openleaks bewegt.

konyhakert 16.08.2011 | 00:54

ich traue domscheit-berg nicht über den weg. habe keinen einblick in dessen vorhaben. aber auf mich wirkt das nicht gut, was der im schilde führt. es wird die zeit zeigen, ob ich recht behalte oder nicht. noch hat jeder übeltäter irgendwann sein wahres gesicht gezeigt. nicht daß ich damit behaupten würde, daß domscheit-berg gleich ein übeltäter sei. aber ich habe ganz sicher den eindruck, daß vorhaben und in der öffentlichkeit gesagtes nicht übereinstimmen. wie gesagt, es wird die zeit zeigen, ob ich recht behalte oder irre. (soll ja auch vorkommen.)

mcmac 16.08.2011 | 05:19

"Der Papst würde anders handeln" Na sicherlich. Deshalb ist er ja auch (nur noch) der Papst -eine politisch zunehmend irrelevante, folkloristische Erscheinung. (Päpstliches Handeln ist bewährte, jahrtausendlange Intransparenz.) Die Auseinandersetzungen um Openleaks etc. pp., die möglicherweise nicht SOFORT (presse)erklärlich sind, bedeuten aber möglicherweise einen Prozess, der inwendig Transparenz generieren kann. Und -sollte es so sein, wie es scheint- Verantwortung wahr nimmt.

Knüppel 16.08.2011 | 10:46

Das könnte die 'Freitag' Leser/innen, in diesem Zusammenhang, vielleicht auch interessieren:

Die 'taz' - genau wie 'der Freitag', Medienkooperationspartner von Daniel Domscheit-Bergs 'Open Leaks' - schreibt über den Rauswurf

"(...) Domscheit-Berg habe dabei den Eindruck erweckt, dass der CCC "eine Art Sicherheitsüberprüfung" für das neue Projekt übernommen habe, heißt es zur Begründung in dem Vorstandsbeschluss des CCC. "Tatsächlich ist OpenLeaks für den CCC intransparent (...)

(...) Der CCC könne nicht beurteilen, ob potenzielle Informanten, die sich OpenLeaks anvertrauten, nachhaltig geschützt werden könnten, heißt es weiter. "Der Vorstand des Chaos Computer Club e.V. sieht im Vorgehen von Domscheit-Berg ein Ausbeuten des guten Rufes des Vereins (...)"
Quelle: www.taz.de/Veraergerung-ueber-Openleaks-Vorstellung/!76241/

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"(...) OpenLeaks-Gründer Daniel Domscheit-Berg ist kein Mitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) mehr. Dessen Vorstand hatte in der Nacht zum Sonntag während des Hacker-Sommertreffens im brandenburgischen Finowfurt einstimmig beschlossen, den ehemaligen WikiLeaks-Sprecher Domscheit-Berg aus dem Hacker-Verein auszuschließen (...)

(...) Domscheit-Berg habe mit der Präsentation seiner Whistleblowing-Plattform OpenLeaks das "Ansehen des Vereins geschädigt", indem er den Eindruck erweckt habe, auf dem Hacker-Treffen in Finowfurt würde "eine Art Sicherheitsüberprüfung" des Projekts durchgeführt (...)"
Quelle: www.taz.de/Der-eilige-Hacker-Rauswurf-/!76315/

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Die Struktur des CCC
Lesen Sie dazu bitte hier: www.taz.de/Die-Struktur-des-Chaos-Computer-Clubs/!76330/

Streifzug 16.08.2011 | 13:39

Lieber Steffen Kraft,

meine Einschätzung zu dem ganzen Konstrukt habe ich hier schon mehrfach dargelegt, kurz gesagt: das falsche Pferd. Egal, was dort gemacht wird, es ist, nett gesagt: unsauber.

Ihr scheint ziemlich merkbefreit zu sein, was bestimmte Themen und Strömungen betrifft. Daher eine Frage, die Antwort muss nicht veröffentlich werden. Vielleicht kurz hinsetzen, die Augen schließen, tief durchatmen und ganz in Ruhe nachdenken.

Würden Sie sich mit einer "Enthüllung", die möglicherweise Sie, ihre Familie, Ihren Ruf, Ihre finanzielle Existenz gefährdet, an das Konstrukt Domscheit-Berg-Openleaks-Medien wenden, im Vertrauen darauf, dass man Sie und Ihre Angehörigen schützen wird, egal, was passiert?

Es geht nicht um eine Enthüllung, mit der man selber liebend gerne mediale Aufmerksamkeit erlangen möchte. Dafür ist die Plattform möglicherweise geeignet, segelt dann aber unter falscher Flagge.

Nennt sie einfach um in: Petzbriefkasten mit Bildzeitungsgarantie. Dann klappt es auch mit den Enthüllungen.

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shalako 16.08.2011 | 16:26

"Was die Person des Openleaks-Gründers angeht, macht Müller-Maguhn wiederum Aussagen, die noch weit über die eines technischen Prüfers hinausgehen: Er sei zur Einschätzung gekommen, das Domscheit-Berg "sehr flexibel mit den Fakten umgeht und für mich nicht vertrauenswürdig ist". So habe der beispielsweise im Freitag behauptet, Openleaks habe keinen Zugriff auf den Klartext von Einreichungen, die die ehemaligen Wikileaks-Aktivisten bei ihrem Weggang von Wikileaks mitgenommen hätten. "Persönliche Aussagen" ihm gegenüber, hätten Müller-Maguhn allerdings vom Gegenteil überzeugt. Außerdem benenne Domscheit-Berg immer wieder neue Argumente, warum er die Daten nicht herausgebe."

Könnten diese Zusammenhänge möglicherweise noch etwas transparenter und ausführlicher dargestellt werden?

Eine klare Linie in dieser Angelegenheit würde der Integrität des Openleaks-Gründers doch eher förderlich sein.

Fro 16.08.2011 | 16:43

Eigentlich eine gute Idee von D.B., das System von Spitzenhackern testen zu lassen – aber wohl etwas ungeschickt überrumpelnd angefangen.. – der Ärger ist verständlich – der Ausschluss nicht so ganz. Vor allem ist die Reihenfolge etwas seltsam undemokratisch: Erst ausschließen, dann diskutieren.
Bis nicht Transparenz in die etwas undurchsichte Angelegenheit D.B. und CCC gebracht ist, wird es etwas schwierig mit Vertrauen – jedenfalls bei mir.
Möglicherweise geht’s da aber auch nur um irgendwelche bescheuerten Konkurrenzgeschichten. So wie bei @Graureiher oben.
Eine Trennung muss aber nicht immer schlecht sein - wenn man sich nicht versteht ist sie für alle Beteiligten eine Befreiung.

Fro 16.08.2011 | 16:50

@Streifzug

„Petzbriefkasten“

Denunziantenmaterial muss von den Redaktionen herausgefiltert werden.
Wir werden ja sehen, was dabei herauskommt – die aufgeklärten Leser müssen Rückmeldung geben, falls da doch mal eine pure Denunziation durchs System flutscht...
Vielleicht vorher einen Red.-Stresstest machen - z.B. mit dieser Frage: Würden Sie Material veröffentlichen, das Auskunft über das Sexualleben eines Politikers oder einer anderen Person des öffentlichen Lebens gibt?

Harm 16.08.2011 | 22:40

Theoretisch hätte der Rauswurf schon früher passieren dürfen. Immerhin hat DDB Daten entwendet, die er - wenn die Medien richtig informiert waren - ohne Assange eh nicht entschlüsseln kann. Sie sind also für DDB nutzlos.

Es mag ehrenwert sein/wirken, dass er die Daten erst zurückgeben will, wenn WikiLeaks den Schutz der Informanten und ein paar anderer Personen sichert. Er schützt aber vermutlich auch die Menschen, die durch die Nichtveröffentlichung ihre kriminellen Machenschaften unbemerkt fortsetzen können. Und ich vermute mal, dass unter dieser Vertuschung viel mehr Menschen leiden.

Wenn ich DDB bei SternTV und in anderen Boulevard ... ähem ... "Polit"-Talks richtig verstanden habe, dann hätte er die Botschafts-Depeschen so nicht veröffentlicht. Somit hätten wir wohl auch keinen arabischen Frühling erlebt. Immerhin haben die Depeschen gerade in den ärmeren Ländern viel Korruption ans Tageslicht gebracht. Diese vermeintliche "Facebook"-Revolution hat Facebook und Co. doch lediglich als Werkzeug benutzt. Auslöser war doch eher WikiLeaks!

Barad99 17.08.2011 | 15:38

VIele begründen hier ihre meinung mit "der ddb wirkt auf mich nicht vertrauenswürdig, deswegen wird der ausschluss schon seine gründe haben". Ich kann so eine argumentation nicht verstehen. Tatsache ist doch, dass ddb im freitag nicht! gesagt hat, dass der ccc seine plattform prüfen soll. Er hat gesagt, der ccc soll dabei mitwirken. Was ddb an anderer stelle gesagt haben soll, kann niemand wirklich sicher beurteilen.
nächster fakt ist, dass die reaktionen des ccc mit ausnahme des chefs doch anscheinend sehr abwartend bis ablehnend sind. Das die ganze sache also auch im ccc kritisch gesehen wird, ist also auch klar.
letzter punkt ist allerdings, dass der freitag in der berichterstattung jetzt allerdings auch nicht mehr wirklich als neutral gesehen werden kann.ist übrigens auch ne schöne anlehnung an den kommentar von augstein auf der titel seite des freitags, von wegen "man soll sich als journalist auch mit einer guten sache nicht gemein machen". Der freitag hat sich doch mit openleaks profiliert, ist der freitag somit in seiner berichterstattung neutral? Also ne sehr ambivalente sache hier

Fro 17.08.2011 | 21:52

Zu den Wikileaks-Dokumenten
Man setze mal voraus, D.B. hätte da noch Material, das eigentlich an Wikileaks adressiert war, - was soll er damit tun, wenn er Wikileaks nicht mehr vertraut? Es scheint mir plausibel, dass er wartet, bis er Wikileaks wieder für vertrauenswürdig hält – das ist nur fair gegenüber den Informanten. Andererseits haben sich die Informanten das Ganze natürlich etwas anders vorgestellt. Sie wollten, dass diese Informationen bekannt gemacht werden – aber das natürlich auch nur, wenn sie dabei nicht gefährdet werden...
Dass Wikileaks verärgert ist, ist auch verständlich – und die meisten Mitarbeiter werden D.B.s Misstrauen und Haltung nicht verstehen...

Die Rumeierei von D.B. könnte auch darin begründet sein, dass Transparenz und ein eindeutiges Verhalten in dieser Angelegenheit schwierig ist, weil dies unangenehme, teilweise auch nicht voraussehbare Folgen haben könnte.
Andererseits schafft natürlich nur Transparenz Vertrauen...
Er hat sich und seiner Idee und besonders auch seinen Mitstreitern keinen guten Gefallen getan, - obwohl es widerum verständlich ist, wenn er das Thema aus der öffentlichen Diskussion heraushalten will. Aber typisches Politikersprech: „Da weiß ich nichts von“, kommt bei Demokraten natürlich nicht besonders vertrauenserweckend an – insbesondere, wenn jemand für Transparenz wirbt....
Zu dem Thema müsste D.B. sich noch einmal ausführlich äußern.

Wie gesagt: Dies in der Annahme D.B. hätte noch Wikileaksmaterial.

Fro 17.08.2011 | 22:18

"...."Persönliche Aussagen" ihm gegenüber, hätten Müller-Maguhn allerdings vom Gegenteil überzeugt. Außerdem benenne Domscheit-Berg immer wieder neue Argumente, warum er die Daten nicht herausgebe."

Interessant, aber unangenehm diffus. Welche Argumente waren es denn? Vielleicht sind sie ja nachvollziehbar, für unparteiisch Interessierte, die an Aufklärung interessiert sind...
Von Müller-Maguhns Seite würde ich mir da ebenfalls Transparenz wünschen.

Höchst seltsam die Umstände und die Begründung des Ausschlusses von D.B.

CCC-Ausschluss-Meldung: "Der Vorstand des Chaos Computer Club e.V. hat Herrn Daniel Domscheit-Berg gemäß Paragraph 5 Absatz (1) der Satzung von der Mitgliedschaft im Chaos Computer Club e.V. ausgeschlossen, weil er das Ansehen des Vereins geschädigt hat.
Durch die öffentliche Darstellung der Präsentation seines Projektes OpenLeaks hat er den Eindruck erweckt, die Veranstaltung des diesjährigen Chaos Communication Camp oder dessen Teilnehmer bzw. die Mitglieder des Chaos Computer Club hätten es Übernommen, eine Art Sicherheitsüberprüfung seiner Openleaks Struktur und des von ihm versprochenen Quellenschutzes durchzuführen.
Tatsächlich ist Openleaks für den CCC intransparent, der CCC kann gerade nicht beurteilen, ob potentielle Whistleblower, die sich Openleaks anvertrauen, nachhaltig geschützt werden können und geschützt werden. Der Vorstand des Chaos Computer Club e.V. sieht im Vorgehen von Domscheit-Berg ein Ausbeuten des guten Rufes des Vereins."
Quelle

http://netzpolitik.org/2011/kommentar-vorstand-schmeist-daniel-domscheit-berg-aus-dem-ccc/

Harm 18.08.2011 | 15:59

Ich denke nicht, dass DDB WikiLeaks vertrauen muss. Ein Whistleblower hat ihm diese Vertrauensfrage bereits abgenommen, indem er seine Informationen an WikiLeaks weitergegeben hat.

Ich würde mich als Whistleblower bedanken, wenn ich herausfinden würde, dass die von mir riskant entwendeten Geheimnisse nun ungenutzt in einer Schublade altern, nur weil so ein Kindskopf die Daten zurückhält.

DDB wirft Assange Egozentrik, Grössenwahn und so weiter vor. Das mag alles durchaus zutreffen ... aber er scheint das alles noch um längen zu überbieten. Er wirkt auf mich wie der kommerzielle Assange. Der brave Medienliebling, der sich auf Kosten seines ehemaligen Mitstreiters profiliert und sogar bereit ist, dafür der Transparenz und dem Whistleblowing Steine in den Weg zu werfen!

Harm 18.08.2011 | 16:09

Ich verstehe Deine Kritik. Natürlich ist es falsch über Menschen die man nicht wirklich kennt, mit dem eigenen Bauchgefühl zu begründen. Aber so funktioniert unsere Medienwelt leider. Und DDB weiß die selber zu nutzen, sonst hätte er wohl ein Buch über WikiLeaks geschrieben, in dem er seine persönlichen Ansichten über seinen ehemaligen Kumpel rausgehalten hätte. Er argumentiert ja auch sehr stark auf dieser Basis und darf sich deswegen nicht wundern, wenn man dann seine eigene Egozentrik und seine TV-Auftritte daran misst.

Ich persönlich mag keine Doppelmoral. Wie jeder Mensch kann ich zwar nicht ausschließen, selber frei von dieser zu sein ... aber ich kann sie generell nicht unkommentiert lassen.

Die argumentierten Kriterien für den Ausschluss mögen zweifelhaft sein. Aber ich finde diesen Datenklau-Zirkus von DDB eigentlich schon Grund genug. Ich frage mich nachträglich eh, wie der CCC zwischen WikiLeaks und DDB vermitteln wollte, wenn eine Partei quasi Mitglied war. Allein aus dem Grund hätte man sich vielleicht schon früher freundschaftlich trennen sollen ... zumindest bis die Daten wieder zurückgegeben wurden!

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shalako 18.08.2011 | 19:41

Die Ankündigung:

"In der Tat hätten einige der Aktivisten theoretisch Zugriff auf die Daten, allerdings werde Openleaks die Daten nicht nutzen. Das wollten die Aktivisten auch öffentlich demonstrieren – und nun alle bei Openleaks vorhandenen elektronischen Schlüssel zu dem Datenschatz in den nächsten Tagen „endgültig vernichten“. Da solche Schlüssel allerdings beliebig oft kopiert werden können, lässt sich die Zerstörung aller Schlüssel nicht beweisen. Er überlege daher, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, sagte Domscheit-Berg: „Versprechen will ich das aber noch nicht. Dafür muss ich zuerst mit einem Anwalt sprechen.“

Ein jeder möge sich sein Bild zu dieser "Ankündigung" machen.