Steffen Kraft
20.02.2013 | 12:20 91

Kann ich da noch einkaufen?

Amazon Ein Boykott wäre unheimlich praktisch: Er entlastet das eigene Gewissen – und lenkt von der Frage ab, was den Arbeitern wirklich hilft

Kann ich da noch einkaufen?

Foto: Matt Cardy/ AFP/ Getty Images

Kürzlich habe ich entdeckt, dass Amazon meine Bestellungen bis ins Jahr 2000 zurückverfolgen kann. Das erschreckte mich, weil es mir klarmachte, was sich der Online-Händler alles von mir merkt. Andererseits war es schön, weil ich beim Durchklicken viele Dinge entdeckte, die ich längst vergessen hatte. Wer kann sich schon an Weihnachtsgeschenke erinnern, die er vor fünf Jahren gekauft hat?

Nachdem ich die ARD-Doku Ausgeliefert – Leiharbeiter bei Amazon gesehen hatte, war meine erste Frage: Hätte ich das alles bestellt, wenn ich damals davon gewusst hätte? Von den Niedriglöhnen, den chronisch überfüllten Werksbussen, der Hire&Fire-Mentalität, dem Trick, Ausländer zu beschäftigen, weil die sich schlechter gegen Schikanen wehren können ... Und sofort drängte die nächste Frage nach: Kann ich jetzt noch bei Amazon einkaufen?

Ich habe einen Boykott-Reflex. Wenn ich von schlechten Arbeitsbedingungen in einer Firma höre, dann will ich deren Produkte unwillkürlich meiden. Lidl, Apple, Schlecker, und so ziemlich alle Spargel- und Gurkenbauern Deutschlands sind so schon mal auf meine rote Liste gekommen. Inzwischen habe ich aber gemerkt, dass ich es mir damit zu einfach mache. Mein Boykott-Reflex dient vor allem mir selbst, Konsumverzicht beruhigt mein Gewissen. Von meiner Verantwortung als Verbraucher kann ich mich damit nicht freikaufen.

Im Fall von Amazon würde selbst ein monatelanger Käuferstreik nur eine kleine Umsatzdelle in der 6-Milliarden-Bilanz erzeugen – und das in der umsatzschwächsten Zeit des Jahres. Der Konzern würde vielleicht mit einer symbolischen Aktion reagieren, etwa die Spanierin aus dem ARD-Film fest anstellen, oder den Einsatz von mehr Schichtbussen veranlassen. Dagegen wäre nichts zu sagen, aber für das Gros der Arbeiter bliebe alles beim Alten. Kein Wunder, dass selbst Gewerkschafter von einem Boykott wenig halten.

Die Fixierung auf das Einkaufsverhalten hat einen weiteren Nachteil. Sie macht unkreativ. Wenn ich mich ständig frage, wie ich mit Konsum die Welt verbessern kann, lenke ich von der entscheidenden Frage ab: Was hilft wirklich? Dabei gibt es da einiges, es hat nur nichts mit Einkaufen zu tun: Briefe an die Geschäftsleitung schreiben, die Petition des Amazon-Betriebsrats auf change.org/ausgeliefert unterzeichnen, den Kundenservice mit Protestmails blockieren. Langfristig am effektivsten wäre freilich ein Mittel, vor dem viele Onliner zurückschrecken: in eine Gewerkschaft eintreten, selbst wenn man die bisher immer so komisch fand.

 

AUSGABE

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 8/13 vom 21.02.20013

Kommentare (91)

Sinan A. 20.02.2013 | 13:07

Ich bin völlig anderer Meinung. Der eigene Geldbeutel ist das stärkste Mittel, das jeder zur Verfügung hat, noch vor dem Mundwerk. Einfach schweigen und woanders kaufen. Effektiver geht es nicht. Man darf nur nicht den Anspruch haben, immer allumfassend und gerecht zu sein. Also etwas entspannter sein bei seiner Beurteilung. Und bei den üblichen Kandidaten (Amazon, Ebay) erübrigen sich große Recherchen. Man weiß halt, wie die ticken, und dass diese Branchen von grundauf menschenfeindlich eingestellt sind.

So kann jeder nach ein paar Prinzipien sein Geld verteilen und leistet mit einfachsten Mitteln einen großen Beitrag. Auf meiner persönlichen schwarzen Liste stehen zum Beispiel grundsätzlich ostdeutsche Dienstleister (inkl. Berliner, exkl. nicht-deutsche Inhaber).

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Ehemaliger Nutzer 20.02.2013 | 13:33

"[...] am effektivsten wäre freilich ein Mittel, vor dem viele Onliner Arbeitnehmer zurückschrecken: in eine Gewerkschaft eintreten, selbst wenn man die bisher immer so komisch fand."

Ja! Unbedingt. Aus guten Gründen. https://www.freitag.de/autoren/aqua-jedi/gehts-deutschlands-arbeitnehmern-zu-gut

Und Parlamente und Regierungen wählen, die ihre Aufgabe am Grundgesetz ausrichten, auf das sie sogar einen Eid schwören, und nicht an den Märkten, denen einige hörig sind.

DonFerrando 20.02.2013 | 13:45

Am besten wäre es doch, einen staatlichen Buchhandel und -versand a la "Volksbuchhandel" zu schaffen. Da herrschen dann auch ordentliche Arbeitsbedingungen. Monopolisten wie Amazon und Ebay, die noch dazu kaum einen Pfennig Steuern zahlen bei Milliardengewinnen müssen verboten werden. Guter Nebeneffekt -> die Gewinne kommen dann ebenfalls dem Steuerzahler zu gute.

Gustlik 20.02.2013 | 14:10

verschiedene Bio Äpfel,
verschiedene Sorten (1 kg)
von verschieden

- gibt es wirklich...

Amazons Bauchladen verliert so langsam den Überblick, gut sortiert ist man dort oft schon nicht mehr, es wird immer mehr Masse geboten, um Umsatz zu generieren... Wer benötigt schon diese Menge an Streusalz???

Derweil müssten Onlinehändler umweltplakatiert und zertifiziert werden. Interessant wäre mal eine volkswirtschaftliche Berechnung zum Onlinehandel (Tranportkosten, Ökologie, Arbeitsplätze...)

Baszlo 20.02.2013 | 14:31

Ich glaube eigentlich nicht, dass der Geldbeutel die stärkste Waffe des Demokraten ist, sondern glaube ja immer noch an das Wahlrecht.


Effektiver als der Boykott einer bestimmten Firma, wäre sicher der Boykott der politischen Parteien, denen wir diese Arbeits- und Sozialgesetze verdanken, die diese Leiharbeit, unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen, überhaupt erst ermöglichen.


Leider erschien noch nicht ein einziger Artikel mit diesem Tenor in den Medien und das, wo sich diese Parteien doch im Wahlkampf befinden und sich mit ein bisschen Druck, vielleicht sogar zu Zugeständnissen bewegen ließen.


Stattdessen wird auf einer einzigen Firma herum gehackt, die nichts anderes zur Profitmaximierung tut, als hunderte weitere Firmen auch, denn es ist ja nicht so, dass dieses unmenschliche Wirtschaften illegal, oder in Kreisen von Wirtschaft und Politik auch nur unerwünscht wäre.

Im Gegenteil - es handelt sich um legale und etablierte Methoden - die von Politik und Behörden sogar gefördert werden und die schon lange bekannt sind.


Die augenblickliche Aufregung der Medien darüber zeugt nur von, entweder völliger Ahnungslosigkeit, oder noch schlimmer, dem bewussten Ablenken von den wahren Urhebern dieser gesellschaftlichen Verhältnisse.


Um es mal ganz klar zu sagen, die Schuldigen an den derzeitigen Arbeits- und Sozialgesetzen sitzen nicht im Managment von Amazon, sondern sitzen im Bundestag, in den Sesseln von SPD, Grünen, CDU/CSU und der FDP und da sollte der Boykott auch ansetzen.

Legga 20.02.2013 | 16:31

was für ein schwachsinniger artikel!

protestbriefe schreiben und petitionen unterzeichnen, sowie geld geben an organisationen die was verbessern wollen?

das ist doch das, womit der deutsche normalerweise sein gewissen beruhigt, um nur sein normales
leben nicht umstellen zu müssen!
das kratzt amazon NULL, das ignorieren die einfach. man kann mit briefen einen konzern nicht beeinflussen.

aber man kann es indem man an seine substanz geht, an seine gewinne!
es ist wie beim wählen, eine stimme bringt nicht viel, aber wir sind viele.
wenn alle millionen/ milliarden menschen so eine entscheidung treffen, ist ein konzern wie amazon machtlos und wird am ende klein beigeben.

Steffen Kraft 20.02.2013 | 16:59

Zumindest diejenigen, die sich für die Interessen der betroffenen Arbeitnehmer einsetzen, halten von einem Boykott nichts, bezeichnen ihn als ultima ratio. Das scheint Ihnen offensichtlich nicht zu denken zu geben. Natürlich kann man diese Leute schwächen, ihre Argumente abtun. Dann darf man sich aber nicht auf der Seite jener wähnen, die in dem Beitrag über Amazon erwähnt werden.

Gewerkschaften sind vieles, auch vieles, was man mit guten Gründen blöd finden kann. Aber eines sind Gewerkschaften sicher nicht: Charity-Organisationen, mit denen man sein Gewissen beruhigen könnte. Insofern führt ihr Vergleich in die Irre.

Sie haben aber in einem anderen Punkt Recht: Wenn Milliarden Menschen so handeln würden, dann wäre ein Boykott eventuell hilfreich. Nur ist das realistisch?

Ich bleibe dabei: In der für Amazon ohnehin umsatzschwächsten Zeit wäre selbst der denkbar erfolgreichste Massen-Boykott kontraproduktiv, weil er gar nicht zum gewünschten Erfolg führen kann. Der Fehlumsatz für Amazon wäre immer noch viel zu gering, um nachhaltige Änderungen zu bewirken.

Ein Milliarden-Konzern wie Amazon lässt sich nur schwer an den Umsätzen, dafür aber leicht an seiner Kundenorientierung packen. Ich wette: Ein durch Protestmails blockiertes Kundencenter würde garantiert mehr Reaktionen auslösen, als die Summe verweigerter Einkäufe.

thinktankgirl 20.02.2013 | 18:27

Ein Milliarden-Konzern wie Amazon lässt sich nur schwer an den Umsätzen, dafür aber leicht an seiner Kundenorientierung packen.

Natürlich läßt er sich an seinen Umsätzen packen, sonst käme dieser Konzern nicht auf die Idee mittels Leiharbeiter, eventuell auch noch nichtdeutschen, Kosten zu sparen. Es geht um jeden Cent bei diesen Konzernen. Und jeder Kunde der abspringt ist ein Verlust in der Welt dieser Konzerne.

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Ehemaliger Nutzer 20.02.2013 | 19:08

Der Vorschlag, Protestbriefe an Amazon zu schreiben, ist derart lustig, dass ich beim Lesen nur mit Mühe meine Schnappatmung in den Griff bekommen habe. Steffen Kraft ist für mich der Humorist des Jahres 2013 !

Seit wann lesen Leute in Konzernen die Protestbriefe ? Wenn Steffen Kraft auch nur im Ansatz mit diesem Vorschlag recht hätte, wäre die Telekom bereits ein Vorzeigeunternehmen.

Ich kaufe grundsätzlich alles beim Händler um die Ecke. Das macht den Händler glücklich, es macht mich glücklich, wenn ich eine Frage habe, und es ist volkswirtschaftlich sinnvoll, weil der Händler um die Ecke seine Steuern in Deutschland zahlt.

Berufsjugendlicher v2.0 20.02.2013 | 19:51

Das Geschäftsmodell von Amazon kommt langsam auch unter die Lupe. Angefangen vom Preisdiktat, das die Kartellwächter auf den Plan gerufen hat. Verlage lassen sich nicht länger finanziell für einen Auftritt ausnehmen. Nur kleine erstmal, aber als einigermaßen klar denkender Verbraucher behält man Sauereien im Gedächtnis. Ich habe mal vier Bestellungen da aufgegeben, vergessen mein neues Konto zu aktualisieren und bekam vier mal sechs Euro Bearbeitungsgebühren reingedrückt und mein Account war zehn Tage gesperrt. Amazon ist seitdem auch unter meiner Beobachtung. Wenn beim Kontoeinzug aber nur Transaktionsnummern übermittelt werden, deren Zuordnung zur Bestellung nur manuell aufwendig vorgenommen werden kann, dann merkt Kundin oder Kunde was für eine kleine Nummer sie dort sind. Jeff begrüßte mich persönlich per Anschreiben, als ich meinen Kindle in Betrieb nahm. Fuck you, Jeff. Firmenauftritte werden von ordentlichen Arbeitsbedingungen abhängig gemacht, so will der Drogeriemarkt dm sich zurückziehen, wenn es zu nachweislich anhaltenden Verletzungen von Mitarbeiterrechten bei Amazon kommt. Verdi wird bei Ihnen zu Recht hervorgehoben, denn es würde keine Mitarbeitervertretung jetzt in Augsburg geben ohne diese Gewerkschaft. Warum ich da kaufe? Weil beim industriellen Massenschrott der deutsche Einzelhandel traditionell den Kunden als Arschloch einstuft. Anders lassen sich die Preisunterschiede zu Amiland nicht erklären. Da ist mir die schnelle, kostengünstige Abwicklung lieber. Ich habe auch mal davon geträumt, den Fachhandel zu retten. Wenn es eine vernünftige Internetpräsenz gibt, fasse ich das ins Auge, ansonst ist mir meine Zeit zu schade bei Verbrauchsgütern. Die Welle für Aldi ist schon lange über dem höchsten Punkt, Nahrungsmittel kaufe ich viel bei einer lokalen Kette ein. Man kann sich ja auch neu orientieren. Damit sind wir durchaus einer Meinung, aber es fehlen da einige Aspekte im Artikel. Nicht zuletzt die hirnrissige Vorstellung von Amazon die E-Books nur verleihen zu wollen, reizt mich schon wieder zum Lachen, wenn es dann noch heißt, sie wollen den besten Kundendienst der Welt anbieten. Nach dem Ichbindochnichtblöd wird Amazon in die Schranken gelacht und boykottiert, wie auch immer.

Sägerei 20.02.2013 | 20:39

Ja, Arbeitslager. Ich habe die TV-Doku gesehen, und dass die Leute nicht in Sträflingskleidung zu Fuß die 20 km zur Arbeit laufen war so ziemlich das einzige was noch fehlte.

Nein, das ist nicht notwendig ein Nazi-Vergleich. Abgesehen von unserer eingenen "Tradition" gibt es auch andere Varianten dieser Beschäftigungsform. Das, was in privatisierten US-Knästen gemacht wird fällt ebenfalls in diese Kategorie.

Die Leute werden mit falschen Informationen in unser Land gelockt, die kasernierte Privatsphäre wird ausgeschnüffelt, sie werden eingeschüchtert, sie sind in jeder Hinsicht weit mehr entfremdet als irgendein deutscher Zeitarbeiter unter schlechteren Arbeitsbedingungen.

Keine finanzielle Entlohnung kann das wett machen. Dafür wäre eine Entschädigung fällig.

lebowski 20.02.2013 | 23:24

@Sägerei

Komische Arbeitslager sind das, in denen die Leute rein wollen und nicht raus. Die spanische Kunstlehrerin ist Tausende von Kilometern gefahren, um dauerhaft in so einem Arbeitslager schuften zu dürfen.

(Die einen werden krank durch Arbeit, die anderen werden krank, weil sie keine haben. So tut der Kapitalismus für Beide etwas -kann man auch nicht meckern. -Volker Pispers)

aber 20.02.2013 | 23:40

die traumtänzereien gegen den "zug-der-zeit" sind rührend.

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mehr nicht.

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klar ist amazon ein schw...-betrieb. doch warum ist er so alternativlos?

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alle toitschen versandfritzen haben WARUM versagt?

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OTTO zu doof? BAUR verschnarcht?

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ich war spätestens von amazon angekotzt.....als ich meinem sohn bücher in sein urlaubsdomizil auf/in cuba schicken wollte. nicht möglich. amazon boykottiert cuba.....

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doch festzuhalten ist/bleibt: für den user ist nix bequemer als bei amazon zu bestellen. LEIDER!

jock stein 21.02.2013 | 00:31

Die allermeisten user haben nicht nur einmal bei AMAZON eigekauft aber noch keine Bewertung abgegeben !Mann sollte seinen Unmut in den Produktrezesionen deutlich in form von 1Stern Bewertungen und der mesage das man nach der Bekanntmachung der Arbeitsbedingungen den betrefenden Artikel so heute bei AMAZON nicht wieder kaufen würde zum Ausdruck bringen,

Peter Patent 21.02.2013 | 01:00

Der Artikel zieht die falschen Schlüsse und gibt falsche Ratschläge.

Es ist auch nicht Aufgabe des Konsumenten sich um anständige Arbeitsbedingungen zu kümmern, es ist die der Politik. Folglich ist die Stimme bei Wahl und auf der Straße der wichtigste Faktor, um solche Zustände zu verhindern.

Der Konsument hat sich - auch im Sinne des Marktes - an Preis, Leistung und Qualität eines Gutes, einer Dienstleistung zu orientieren. Es ist weder ökonomisch und noch viel weniger zeitlich zumutbar, dass Konsumenten sich vorab über jede Kleinigkeit eines Artikels oder einer Dienstleistung informieren sollen.

Es ist eine Grundaufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die solche Verhältnisse unmöglich machen und ggf. extrem sanktionieren. Das kann man nicht den Bürgern auferlegen und leider auch nicht den Betrieben, denn diese sind durch die immer transparenteren Märkte gezwungen, an die Grenzen des Erlaubten zu gehen.

Zudem: was nützt es, wenn der Konsument nach 10 Jahren sein Amazon-Konto löscht und 5 Jahre später erfährt, dass die neue Internetplattform seines Vertrauens genauso handelt und erst dadurch groß geworden ist? Jetzt wieder wechseln? (Das fordert der Artikel nicht). Man hat das System in beiden Fällen die ganze Zeit schon gefördert und es wird immer wieder so passieren, wenn die Regularien sich nicht ändern.

Und was hilft es der ausgebeuteten Putzfrau eines 5-Personen-Unternehmes ohne Gewerkschaft? - überhaupt nichts. Und auch die Medien werden sich für diese Putzfrau nicht großartig interessieren; die stürzen sich, wie in diesem Fall, immer auf große Unternehmen; das interessiert einfach viel mehr Leute = größere Auflage bzw. viele Klicks und damit wieder viel Geld.

Und die Masse der unterdrückten und unmenschlich "gehaltenen" Arbeiter findet man in Kleinbetrieben und mittleren Unternehmen, bei denen ein Konsument nicht die geringsten Informationen über Arbeitszustände von der Presse erhält - wie gesagt, das sollte er auch nicht müssen.

Man gewinnt in zahlreichen Artikeln den Eindruck, der Konsument sei verantwortlich und dürfe eben keine Lasagne für 1,49 Euro kaufen.

Nur sagt ein höherer Preis erstens überhaupt nichts über Arbeitsbedingungen aus und zweitens ist das nicht die Aufgabe des Konsumenten sondern der Politik und des Betriebes.

Und weil sich in dieser kapitalgeprägten Scheindemokratie in vielen Fällen Betriebe durchsetzen und größer werden, die eben möglichst ausbeuterisch handeln, werden diese sich im Zweifelsfall immer an den Grenzen des Erlaubten bewegen. Und irgendwann platzt dann der Knoten und es kommt der "SKANDAL", auf den alle reagieren.

Die Politik kann das ändern, der Konsument nicht. Mal abgesehen davon, dass eine Überprüfung sämtlicher Herstellungs- und Verkaufsbedingungen weder zeitlich noch ökonisch zumutbar sind und Briefe gar nichts und Petitionen sehr wenig bringen. Die Petition ist nämlich nicht wirkungsvoll, sondern die Öffentlichkeit, die diese ggf. erhält. Stärkere Gewerkschaften wären hilfreich, aber die Notwendigkeit von Gewerkschaften ist schon ein Problem an sich, dass deshalb existiert, weil das Kapital und die Unternehmen die Politik entgegen der Bedürfnisse der Bürger beeinflussen. Arbeiter sollten nicht dafür bezahlen müssen, dass Sie ihr Recht in Form von Gewerkschaftsvertretung bekommen. Das macht die Perversität des Kapitalismus in unserem Staate aber deutlich.

Mal konkret:

Die Unternehmen fordern die Leiharbeit um auf Auftragsspitzen reagieren zu können, was vollkommen nachvollziehbar ist.

Wenn dem so ist, hätte man das so gestalten können und müssen, dass Leiharbeit teurer ist als normale Beschäftigung und die Unternehmen somit ein Eigeninteresse hätten, möglichst wenig Leiharbeit einzusetzen. So ist es und gehört es auch bei Überstunden und Feiertagsarbeit. Wenn die Politik equal pay und equal treatment plus einer Sozialabgabe von 20% vorgegeben hätte, überlegten sich die Unternehmen, wann und in welchem Maße sie von dem Mittel "Leiharbeit" Gebrauch machen. Macht die Poltik diese günstiger und so, dass Rechte der Arbeiter unterdrückt werden können, dann wird davon auch Gebrauch gemacht werden und dasjenige Unternehmen, welches hiervon nicht möglichst viel Gebrauch macht und reguläre Beschäftigung abbaut befindet sich zwangsläufig im Nachteil ggü. dem unmoralisch handelden Unternehmen. Das macht die Perversität solcher Regulierungen oder Falsch-/Nichtregulierungen deutlich.

Peter Patent 21.02.2013 | 01:32

Die allermeisten user haben nicht nur einmal bei AMAZON eigekauft aber noch keine Bewertung abgegeben !Mann sollte seinen Unmut in den Produktrezesionen deutlich in form von 1Stern Bewertungen und der mesage das man nach der Bekanntmachung der Arbeitsbedingungen den betrefenden Artikel so heute bei AMAZON nicht wieder kaufen würde zum Ausdruck bringen,

Ganz toll! Folge wäre, dass Artikel zu Unrecht negativ bewertet sind. Das hat dann auf jeden Fall negative Auswirkungen auf den generellen Verkauf des Produktes, obwohl der Hersteller hierfür nichts kann und zwar nicht nur bei Amazon und leider nur ggf. negative Auswirkungen für Amazon. Denn ist ein Artikel von der Marke XY aufgrund solcher dummen Bewertungen schlecht bewertet, kauft der Konsument halt das Produkt von Marke XYZ. Im Übrigen werden unpassende Bewertungen nach ganz unten gevotet, weshalb so gut wie niemand diese liest.

Das Problem ist bei der Wurzel zu packen und das ist die Möglichkeit der Ausbeutung von Arbeitern und nicht die Anwendung von Gesetzen im Grenzbereich. Es nützt nichts, jetzt Amazon nieder zu machen und dann zu warten bis der nächste Riese einen Skandal erfährt, zu dem man gewechselt ist. Die Ausbeutung ist ein Wettbewerbsvorteil, der im Sinne des Kapitalismus logischerweise in Branchen an die Grenze getrieben wird, in denen nicht die Innovationskraft - wie bei Apple - Gewinne ermöglicht, sondern kostengünstige Strukturen. Wer jetzt denkt, dass die Alternativen zu Amazon wesentlich besser handeln - wenn überhaupt - irrt. Es gibt auch viel schlimmere Fälle, aber diese werden nie diese Öffentlichkeit erhalten. Dieses reaktionäre Verhalten, von wegen Artikel negativ bewerten , hilft langfristig kein bißchen.

Peter Patent 21.02.2013 | 02:42

"Der Vorschlag, Protestbriefe an Amazon zu schreiben, ist derart lustig, dass ich beim Lesen nur mit Mühe meine Schnappatmung in den Griff bekommen habe.

....

Ich kaufe grundsätzlich alles beim Händler um die Ecke. Das macht den Händler glücklich, es macht mich glücklich, wenn ich eine Frage habe, und es ist volkswirtschaftlich sinnvoll, weil der Händler um die Ecke seine Steuern in Deutschland zahlt."

Zum ersten Teil stimme ich 100%ig zu und die restliche Haltung ist auf jeden Fall löblich. Leider ist das aber zu wenig. wenn sich ein elitärer Kreis auf diese Weise eine Entlastung des Gewissens erkauft, von dem man gar nicht weiß, ob es entlastet sein sollte. Denn man fragt den Verkäufer ja nicht, was der Lagerarbeiter bei ihm verdient und ob er Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhält, oder wie der Zulieferer arbeitet etc.

Es ist doch ausserdem so, dass eine zunehmende Menge an Menschen diese Wahl entweder aus finanziellen Gründen überhaupt nicht hat, oder ihre begrenzten finanziellen Mitteln nicht dafür einsetzen will, weil das für sie Einbußen bei der Befriedigung anderer Bedürfnisse bedeutete.

Deshalb reicht es nicht, wenn die elitären 10-20% nein sagen und lokal kaufen und sich dann auch noch ganz toll fühlen - will ich ihnen jetzt nicht unterstellen, aber so kommt es ja häufig rüber, von wegen:"ich kaufe ja beim lokalen Handel und bin unschuldig".

Es müssen Gesetze her, die Ausbeutung verhindern und es jedem ermöglichen ohne Gewissensbisse einzukaufen, was immer sie kaufen wollen und können. Denn so eine Aussage ("ich kaufe ja im lokalen Geschäft") suggeriert ja immer auch, dass alle die es nicht machen, unsozial sind oder handeln oder Missbrauch fördern und da beginnt die Ungerechtigkeit ggü. denen, die es sich nicht erlauben können und deshalb ist das Verhalten und die Aussage darüber zu wenig.

Mal ein Beispiel aus dem Leben:

Erst Montag wollte ich eine SD-Karte für meine DSLR-Kamera kaufen. Vorab habe ich im Internet nach Preisen Ausschau gehalten. Eine SD-Karte Class-10 (das heißt, dass der Datentransfer über 10MB/Sekunde schnell ist) vom - meiner Einschätzung nach - besten Hersteller Sandisk mit 45MB pro Sekunde kostet bei verschiedenen Anbietern 17-25 Euro inkl. Lieferung - Amazon 18 Euro. Gerne zahle ich lokal ein paar Euro mehr, doch nachdem ich bei Karstadt und Kaufhof nur Modelle mit Class 4 und 6 (also Standards von vor 5 Jahren) zu unhaltbaren Preisen vorwand, was bot mir das Geschäft Photo Porst, das sich auf den Vertrieb von DSLR-Kameras spezialisiert hat, an? 2 Varianten von SD-Karten: eine Class 6 von vor 5 Jahren und alternativ die Eigenmarke mit Class 10. Als ich dann fragte, wie schnell diese denn genau sei, sagte der Verkäufer: "Ja Class 10, also mehr als 10 MB pro Sekunde." Ich: "Ja klar, nur geht Class 10 von 10 bis zu 100 MB pro Sekunde. Wie schnell ist sie genau"? Er: "Ach so, ja! Keine Ahnung, steht nix drauf!" Preis war 45,95 Euro mit billigem Photo Porst-Aufkleber drauf und null Information über den Hersteller und die Geschwindigkeit. Die meisten Class 10 haben eher 20 MB und deshalb liegt die Vermutung hier nahe, dass sie deutlich unter 45 MB und somit langsamer und von der Qualität eher schlechter sein wird und dann noch das 3-fache kostet. Ja, wenn das die Alternative ist, wenn man sich schon zwei Stunden Zeit nimmt, dann lasse ich mir nicht vorwerfen, dass ich jetzt doch im Internet bestellt habe und das auch weiterhin tuen werde. Es ist einfach nur nervig und zeitaufwendig, in der Innenstadt einzukaufen: Leute klüngeln herum, Touristen stehen im Weg, geht man im Winter in ein Geschäft, schwitzt man sich tod und die so genannten Fach-Verkäufer wissen, in den meisten Fällen ,deutlich weniger über das Produkt als ich. Da ist es einfacher, schneller, günstiger und vor allem auch noch transparenter, seine Artikel im Internet zu ordern.

Zudem ist fraglich, ob es wünschenswert ist, dass Menschen um jeden Preis lokal kaufen und die Marktmechanismen so teilweise aushebeln. Denn ein Kauf beim örtlichen Händler ist intransparent und in vielen Fällen schlecht beraten. Als Opfer des Kapitalismus, als welches man überall die Lüge wittern muss, ist es nämlich auch hier im Zweifelsfall besser, sich nicht auf Einzelpersonen zu verlassen, die ein Eigeninteresse verfolgen, sondern möglichst viele Informationen personenunabhängig einzuholen - und hierfür ist Amazon hervorragend. Nicht zuletzt sind sie deshalb so erfolgreich.

Ich jedenfalls verlasse mich nicht auf lokale Verkäufer, die mir zu teure Produkte zu noch höheren Preisen verkaufen wollen und ein Interesse daran haben, mich zu täuschen, damit sie mehr verdienen.

Noch einmal: das muss gesetztlich geregelt sein! Und zwar mit Mindestlöhnen für alle und besseren Arbeitsbedingungen oder aber über ein Grundeinkommen, so dass jeder die Wahl hat, eine Arbeit anzutreten oder nicht. Denn so lange die Unternehmen, mit Billigung des Staates, Arbeitnehmer ausbeuten können und/oder der Arbeitnehmer nicht die Wahl hat, wird er sich für das richtige Arbeitsverhältnis nicht entscheiden können.

Sägerei 21.02.2013 | 09:43

Aber was soll ich denn machen? Ich kann dort einfach nicht mehr einkaufen. Soll ich jetzt meine Empathie überwinden, um cool wie Ihr zu sein und weil es ja doch nix bringt?

@Neoliberaler Vollkoffer da oben, der sich darauf beruft, dass das ein seltsames Arbeitslager sei, in das die Leute freiwillig einreisen: Nein, das tun sie nicht, weil ihnen vorher nicht einmal gesagt wird wer ihr eigentlicher Arbeitgeber und Mitesser ist. Sie antworten auf ein Angebot der Firma Amazon und treten eine weite sehr weite und teure Reise an. Einmal angekommen, sind die Begleitumstände dieser Arbeit im fremdsprachigen Ausland derart entwürdigend, dass dies auch mit wesentlich härteren Zeitarbeit-Jobs für Einheimische nicht zu vergleichen ist. Ich persönlich würde die wesentlich härtere Spargelernte mit Barackenunterkunft bei normalen Menschen vorziehen.

Im übrigen bin ich der Überzeugung, dass sich die allermeisten von uns Web-Citizens eines Tages auf dem selben Arbeitsmarkt werden tummeln müssen. Zieht Euch schon mal warm an.

beobachtermann 21.02.2013 | 11:06

Boykott: was für ein großes Wort.

Was der ARD-Bericht am Beispiel Amazons zutage befördert haben könnte: dass viele nicht wissen, wie es um die heile Warenwelt auch bestellt sein könnte: Apple mit Foxconn, Amazon mit einer Leiharbeitsfirma, Kik mit gelabelten Jeans, die woanders vlt anders gelabelt auftauchen ea.

Ob der Konsument mit seinem Konsumverhalten Warenströme lenken kann? Keine Ahnung.

Und wer ist "der Konsument" eigentlich?

Wesentlich bleibt, dass Menschen diese Güter produzieren. Dabei spielen Produktions- wie Distributionsbedingungen eben auch eine Rolle. Dass viele es sich einfach nicht leisten können, mal eben im Apple-Store vorbeizuschauen, um sich ein 800 Euro teures Telefon zuzulegen und stattdessen auf ein Smartphone eines Discounters zurückgreifen kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele nichtzuletzt über ihr Kaufverhalten auch Produktpersönlichkeiten entwickeln, die als steuerbar gelten.

Dem Konsum liegt stets auch eine Kaufentscheidung zugrunde, ein Prozeß, der nicht umsonst von einigen Marktteilnehmern bewußt unterlaufen werden soll, betrachtet man, dass und wie Shops, egal ob nun physisch real oder virtuell, heutzutage geplant sind.

Wer mit Eyetrackern seine Kundschaft erforscht, erforscht ganz nebenbei auch, wie man via Smart Content Management Klickverhalten am POS zu beeinflussen vermag.

Es kann nur hilfreich bei Kaufentscheidungen sein, wenn Konsumenten wissen, unter welchen Bedingungen Waren hergestellt und vertrieben werden.

Ziel von Berichten, wie dem in der ARD über Amazon, wäre dabei lediglich ein mündiger Verbraucher, und ob der nun gleich boykottieren muß steht auf einem ganz anderen Blatt. Indes sollte der Verbraucher wissen, dass jedem Anbieter lediglich am Besten des Verbrauchers gelegen ist - da wird man doch wohl noch mal nachschauen dürfen.

Steffen Kraft 21.02.2013 | 12:51

"Aber was soll ich denn machen? Ich kann dort einfach nicht mehr einkaufen. Soll ich jetzt meine Empathie überwinden..."

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Auf keinen Fall die Emphatie überwinden, bitte! Genau darum geht es ja in dem Kommentar: Was kann man tun, wenn man merkt, dass der Boykott-Reflex die Empathie nicht befriedigt, wenn einem klar wird: das ist nicht das wirksamste Mittel.

Gegen einem Konsumverzicht aus Gewissensgründen ist ja nichts zu sagen. Es ist dann aber ein moralische Akt, nicht automatisch ein politisch wirksamer.

thinktankgirl 21.02.2013 | 13:20

Das korrekte Zitat ist: ...und nach grade mal 2 Generationen Arbeitslager unterhält" und nicht "nach der zweiten Generation Arbeitslager."

Ich lese das nicht als Nazivergleich, weil der Begriff und Zustand Arbeitslager nicht singulär bei den Nazis auftritt, sondern generell in totalitären / autoritären Gesellschaftssystemen sowie auch. zur Beschreibung von struktureller Zwangsarbeit dient, wie im Fall Amazon dient.

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Ehemaliger Nutzer 21.02.2013 | 15:14

Das Problem ist nicht Amazon, sondern die Gesetze auf der einen Seite und eine Politk des knappen Geldes auf der anderen.

Wenn kein Geld für nichts da ist (außer Bankenrettungen ;-) dann gibts halt Rezession, Massenarbeitslosigkeit, Lohndrückerei usw. das ist unvermeidlich. Und es gibt diese Sachen umso mehr, je schlechter die Gesetze und Kontrollen sind, die es verhindern sollen.

Und unsere Gesetze sind nicht einmal dafür AUSGELEGT die Ausbeuterei und innereuropäische Arbeitsmigration zu minimieren, sondern im Gegenteil, im Sinne des neoliberalen Wettbewerbsfetisches, sollen sie sogar maximiert werden.

Ein ähnlichers Theater gab es doch schon bei Schlecker, auch damals dicke Krokodilstränen aus der Politik und von Frau v.d.L und was wurde getan: NICHTS.

Stattdessen ist Schlecker pleite gegangen, wohl auch, weil viele dort nicht mehr eingekauft haben. Den Beschäftigten hat das idR gar nichts genutzt, sie sind zum zweiten Mal Opfer geworden.

Die Konsumentenverantwortung ist nie ganz von der Hand zu weisen, aber sie ständig prominent und als einzigen wirksamen Faktor herauszustellen, ist hochgradig manipulativ und stützt den verantwortungslosen Kurs, den die deutsche und europäische Politik seit Jahren fährt.

Von daher kann ich dem Artikel nur Recht geben, Boykotte helfen idR nur wenig (sie machen anderen Firmen Angst, oft führt das aber nur zu intensivierten Verschleiherungsbemühungen) die Nebenwirkungen können gravierend sein. Gegen die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schwimmen wird immer nur Sisyphos-Arbeit bleiben. Wenn wir was ändern wollen, dann müssen wir uns die korrupte Bande in Berlin vorknöpfen...

Sägerei 21.02.2013 | 15:58

Ein moralischer Akt in Form eines Kaufboykotts mag ökonomisch Unwirksam sein, ob er politisch unwirksam ist kann sich erst zeigen wenn man ihn nicht von vornherein verworfen hat, wie es von all den Herrenmenschen nahegelegt wird welche in einschlägigen Foren und Kommentarbereichen aller Medien ungefragt Ihre Ansichten über doofe Gutmenschen zum Besten geben.

thinktankgirl 21.02.2013 | 16:22

Ein moralischer Akt in Form eines Kaufboykotts mag ökonomisch Unwirksam sein ...

Warum sollte denn ein Kaufboykott unwirksam sein? In einer Welt, die nur auf Profitmaxierung aus ist, zählt jeder Cent, weshalb auch Leiharbeiter beschäftigt werden, statt Festangestellte.

Umsatzrückgänge von wenigen Prozent gelten schon als Katastrophe, das weiß wer die Wirtschaftsseiten liest.

Wer Kaufboykott für unwirksam hält, verkennt die Natur unseres "Turbokapitalismus".

snow_in_june 21.02.2013 | 16:47

Ich bin auch etwas verwundert darüber, wie schlecht hier der Boykott wegkommt. Nach wie vor glaube ich, dass Umsatzrückgang der zuverlässigste Anlass für Veränderungen innerhalb eines Unternehmens ist.

Könnte der Umstand, dass seitens der Gewerkschaften ein Boykott nicht befürwortet wird, mit unterschiedlichen Perspektiven zu erklären sein?

Als Verbraucher gehe ich davon aus, dass ich durch eine bewusste Auswahl der Unternehmen die Wirtschaft insgesamt positiv beeinflusse. Sprich: Wenn die Unternehmen wissen, dass sie mich (und andere) als Kunden verlieren könnten, wenn sie schlechte Arbeitsbedingungen haben, dann erhöht sich - so hoffe ich - insgesamt der Standart.

Die Gewerkschaft kann möglicherweise, als direkte Vertreterin der Arbeitnehmer, schlecht einen Boykott befürworten. Denn dies würde im Extremfall zum Untergang eines Unternehmens führen und zum totalen Arbeitsplatzverlust (auch wenn der Boykott insgesamt betrachtet und auf lange Sicht sinnvoll ist).

LinksMandat 21.02.2013 | 17:27

@Peter Patent: Den oben gemachten Äußerungen ist voll inhaltlich zuzustimmen! Man sollte a) in die Gewerkschaft eintreten (und wenn auch nur als "Fördermitglied") und b) mal eine andere Partei wählen als immer nur die einschlägig bekannten Täter, welche Hartz4, Rentenkürzung67, maximalen Waffenhandel und Militäreinsätze allüberall befürworten.

Aber leider gibts ja keine Partei, die das alles abschaffen will. Das will ja nur die LINKE und die kann man nicht wählen, weil dann der rechte Arm abfällt und der Kommunismus sämtlichen Arbeitern ihre Villen im Tessin wegnimmt. Das hat die SPD früher auch gemacht!

miauxx 21.02.2013 | 22:11

"Langfristig am effektivsten wäre freilich ein Mittel, vor dem viele Onliner zurückschrecken: in eine Gewerkschaft eintreten, selbst wenn man die bisher immer so komisch fand."

Geht es in Ihrem Text nicht um die Kunden? Also so passt der Satz gar nicht zum Artikel! Oder wollen Sie mit einem oberklugen Rat an die Beschäftigten von Amazon & Co. herantreten, auf dass der Verbraucher kein schlechtes Gewissen mehr haben muss?

eldorado 22.02.2013 | 01:40

Da habe ich noch ganz andere Fragen!

Warum machen die ein Geschäft nach dem anderen in Deutschland auf? Wohl deshalb, weil hier sehr günstige Arbeitskräfte zu finden sind. In Deutschland sind Dumpinglöhne geduldet! Oder sogar erlaubt? Und angekarrt werden die aus EU-Ländern, wo die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist. Die lassen sich fast um jeden Preis kaufen.

Nun in der Schweiz hätte Amazon keine Chance. Da sind Dumpinglöhne und solch unmenschliche Arbeitsbedingungen nicht erlaubt. Die Gewerkschaften haben Fahnder, die dem nachgehen. So ein Fall, einen ganz extremen, hatten wir bei der MUBA, der Messe Basel.

Als Aldi und Lidl in der Schweiz Fuss fassten, mussten die auch lernen, was gerechte Arbeitsbedingungen sind.

Diese weltweiten Firmen machen doch was sie wollen. Sie sahnen ab, was nur geht ohne Rücksicht auf Verluste. Und sie reizen die Gesetze eines Landes aus bis zum Limit und finden überall Lücken um noch mehr Schäfchen ans Trockene zu bringen.

Was bei Amazon speziell verwerflich ist, Menschen von weither kommen zu lassen und sie einfach wie ein Stück Vieh wieder abzuschieben, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Es ist schwer zu sagen, wem die Frau aus Spanien die Wahrheit gesagt hat. Wir wissen ja auch, dass immer wieder Menschen für eine bestimmte Aussage gekauft werden. Und die Frau ist in finanzieller grosser Not. Nur sie wird wirklich wissen, was die Wahrheit ist.

Wir haben im Moment einen ganz schlimmen Fall in der Schweiz, wo zwar die untersten Löhne in Ordnung sind. Das ist die Novartis. Da hat doch der Vasella eine Konkurrenzverbotsentschädigung von 72 Mio bekommen, verteilt auf sechs Jahre. Das macht ein Monatseinkommen von einer Mio. Die ganze Bevölkerung ist in Aufruhr, und zwar dermassen, dass er einen Verzicht erklärt hat. Nun es ist eine lange Geschichte. All das hat damit zu tun, dass wir nächsten Monat über die Abzockerinitiative abstimmen. Das bringt zwar nicht viel. Aber was bald folgen wird ist die Initiative 1:12. Das heisst, dass der höchste Lohn nicht mehr als 12 mal höher sein darf, als der niederste. Ob das angenommen wird? Da haben wahrscheinlich zuviele angst den Job zu verlieren.

Aber man stelle sich mal vor, was so eine Entscheidung bei Amazon bewirken würde!

Etwas wirklich erreichen kann man entweder, dass sehr, sehr viele Menschen eine solche Firma boykotieren oder - was noch wirksamer wäre - griffige Gesetze, die sowas gar nicht möglich machen.

Ich denke kaum, dass da jemand von der Regierung etwas unternimmt. Die sind doch alle am Rockzipfel dieser geldgierigen Macht. Und ich denke, dass einer, der wirklich vom Volk aus denkt, entweder totgeschwiegen wird oder gar nicht an die Spitze kommt, wo er etwas zu sagen hat. Da ist der Chlüngel viel zu kompakt!

Peter Patent 22.02.2013 | 05:04

..."Aber das heißt ja nicht, dass man als Konsument die Hände in den Schoß legt, oder?"

Nein. Energie, Zeit und Geld wären aber sinnvoller investiert, wenn politisch eingesetzt. Zudem geht der Fokus verloren: Amazon ist nicht das Problem, das es zu bekämpfen gilt. Und die Leiharbeiter sind bereits ausgebeutet worden, daran ändert sich nichts, wenn alle plötzlich andernorts kaufen. Wohl möglich verlagere ich die Ausbeutung in einen anderes Unternehmen, welches dann dank steigender Nachfrage seine Prozesse mit zunehmender Größe optimiert, bis wir vor dem nächsten Skandal stehen und sich erneut alle entsetzt abwenden.

Systematische Probleme, wie dieses, kann man nur politisch ändern.

Die Verantwortung des Bürgers kann es weder sein, durch sein Konsumverhalten Unternehmen steuern zu müssen, noch möchte ich, dass er dies als seine moralische oder ethische Verpflichtung empfindet.

Folge wäre, dass er sich entweder von den Medien von Skandal zu Skandal leiten lässt und ansonsten die Augen verschließt oder ausführlich vor jeder Konsumentscheidung eingehend über alle Bedingungen des Konsums – was überhaupt nicht möglich ist – informiert (das wäre für die Medien vielleicht alles wünschenswert, aber nicht zielführend).

Der gepriesene "mündige Bürger" verliert so, ohne sich dessen bewusst zu werden, immer mehr wertvolle Lebenszeit an den Kapitalismus, dem er sich anpasst.

oi2503 22.02.2013 | 11:49

Das ist ein wenig zu kurz gesprungen, kannst du hier lesen:

https://www.freitag.de/autoren/oi2503/dgb-bricht-streik

http://www.jungewelt.de/2013/02-18/039.php

Und ein Boykott muss ja nicht dringend jeder alleine in seinem Kämmerlein vor dem PC durchführen. Er kann organisiert werden.

Am schönsten fände ich es, wenn die kleinen, nicht fililgebundenen Einzelhändler, die Schneider, Schuster und Juweliere, die Elektroläden dieser Welt von früher noch einmal eine Chance bekämen. Gegen Amazon, LIDL, ECE, Media-Saturn und Co.

Richtig bescheurt finde ich, dass mein Hörbuch-Lieferant audible auch zu amazon gehört.

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2013 | 12:16

@ PETER PATENT

Seltsam, Ihr Deutschen ruft immer gleich nach einem Gesetz oder gründet einen Verein.

Amazon hat nur eine einzige schwache Stelle: Profit ! Wenn die Margen von Amazon in den Keller rauschen und die schönen Power-Point Folien mit den Wertsteigerungen wertlos werden, erst dann geht denen der A... auf Grundeis.

Kapitalisten, und das meine ich jetzt nicht abwertend, sehen eine andere Welt als Idealisten. Man schlägt sie mit ihren Waffen, oder man verliert.

Gewerkschaften sind anachronistische Versuche mit Holzkeulen gegen Kanonen zu kämpfen.

Sinan A. 22.02.2013 | 13:02

@ Technixer u. Steffen Kraft

Die Gewerkschaft wollte ich nicht abwerten. Ohne die geht nichts. Wir sind selber Sozialdemokraten seit Generationen (im türk. Sinne), ich war lange Jahre in der Gewerkschaft, meine Frau ist bei ver.di drin. Man tut, was man kann. Aber der Boykott ist ein zusätzliches und wirkungsvolles Mittel.

Und die Frage ist auch, was Journalisten leisten können. Da kommt einfach zu wenig, besonders im Internet. Wenn ich das heute wieder sehe, wie die BildBlogger auf einen Artikel verlinken, der über die ARD-Dokumentation herfällt. Es ist einfach ein Trauerspiel mit dieser Journalisten-Avantgarde im Netz.

LinksMandat 22.02.2013 | 13:13

Dass in den Gewerkschaften ein erheblicher Modernisierungsbedarf herrscht macht sie noch nicht zu Anachronismen.

Die Idee des freien Marktes und der Verweis auf die einzelne, persönliche Verantwortung und auf die Legende vom "eigenen Glückes Schmied" ist der wahre Anachronismus. Das ist der wahre Rücksturz in eine Manchesterkapitalismus-Ideologie von vorvorgestern, deren Ergebnis nur in einer generellen Prekarität bestehen kann und uns in den Zustand von Schwellenländern zurückversetzt.

Einzig seine unbegrenzte Macht lässt den freien Markt modern erscheinen. Grenzen sind also dringend nötig. Und alles, was hilft diese wieder zu etablieren - auch Gewerkschaften - ist zu begrüßen.

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2013 | 13:40

@ LINKSMANDAT

Widerspruch, Euer Ehren ! Ich sagte, dass man Kapitalisten mit den Waffen der Kapitalisten schlagen muss. Was Arbeitnehmervertreter in der Lage sind zu tun, und was ihnen nicht gegeben ist, ist nach dem Skandal bei VW und dem Wirken eines gewissen Herrn Hartz bekannt.

Die Waffen des Kapitalismus sind nicht die des "freien Marktes". Amazon wird da empfindlich getroffen, und nur da, wo es elementare Regeln des Erfolgs gibt, also durch "negatives Wachstum", "sinkende Rendite", "fallendes Rating", "hohe Kosten".

Amazon fordert, wenn ich das richtig gelesen habe, sogar dazu auf einen Betriebsrat zu gründen. WARUM WOHL ? Doch nicht, weil die ihren Altruismus über Nacht entdeckt haben.

LinksMandat 22.02.2013 | 14:37

Peter Patent hat recht: Der Versuch, den Kapitalisten mit ihren eigenen Waffen entgegenzutreten ist eine Aufgabe, die nicht einmal als Fulltime-Job zu erledigen ist. Noch viel weniger durch den sogenannten "aufgeklärten Konsumenten", der dann für den kurzen Einkauf nach Feierabend (um rechtzeitig das Essen für die Familie auf den Tisch stellen zu können) mindestens 10mal solange braucht. Woduch sich das Essen mit der Familie dann wohl erledigt hat...

Der einzige Weg ist: Stärkung der Arbeitnehmer und Schaffung gesetzlicher Mindestanforderungen inklusive der dazu benötigten Kontrollmechanismen (wie z.B. Steuerfahnder).

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2013 | 18:13

@ LINKSMANDAT

Es gibt eine Gesetzgebung, es gibt Gewerkschaften, und trotzdem passiert es. Die Arbeitskraft ist als WERT zerstört worden, sie ist zum reinen Kostenfaktor degeneriert.

Ich übertreibe einmal, damit Sie verstehen was ich meine:

In Deutschland darf man nichts auf die Straße werfen, außer Arbeiter und Angestellte !

Die Gesellschaft und der Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft hängt an der Wertigkeit seiner Menschen. Gewerkschaften sind nur ein kleiner Teil dieser Wertigkeit. Das derzeitige System ist derart verrottet, dass die Kosmetik einer Vertretung allein nicht ausreicht, denn das System krankt im Kern.

namreH 22.02.2013 | 19:18

thinktankgirl20.02.2013 | 20:11

Und noch was, ist gerade 2 Jahre + 3 Monate her:

Amazon verbannt Wikileaks von Servern

Damals hatte ich es verpasst, mein Konto bei Amazon zu kündigen, weil ich es auch nur alle ein oder zwei Jahre brauche, aber seit heute bin ich nicht mehr Kunde bei Amazon!

Nun, ich hab es damals nicht verpasst, Mein letztes antiquarisches Buch fand ich zwar bei A. habe dann aber an der „Quelle“ angerufen und dort gekauft. War gar nicht schwer, die „Quelle“ herauszufinden. Ich hatte das Gefühl, die Mitarbeiterin der Buchhandlung war freudig erstaunt, als ich ihr sagte: „Ich kaufe grundsätzlich nicht bei A“. Ich hatte mein Exemplar gegen Rechnung sehr schnell….und die Rechnung natürlich gleich überwiesen!

Peter Patent 22.02.2013 | 20:28

..."Amazon hat nur eine einzige schwache Stelle: Profit ! Wenn die Margen von Amazon in den Keller rauschen und die schönen Power-Point Folien mit den Wertsteigerungen wertlos werden, erst dann geht denen der A... auf Grundeis."

Sicher, etwas anderes behauptet niemand, aber das ist zu kurz gedacht, weil das Problem bleibt. Das Problem ist nicht Amazon und deshalb ist es nicht mein vorrangiges Ziel Amazon zu bekämpfen. Das kann Ihr Ziel sein – und ich habe nichts dagegen –, mein vorrangiges Ziel ist aber die Lösung des Problem, damit so etwas nicht passieren kann und nicht der Kampf gegen Windmühlen, den Sie offenbar antreten, den morgen kommt ein neues Amazon und es heißt Schlecker oder Lidl oder Aldi.

Alle Unternehmen lotsen die Grenze des Machbaren in Kombination mit Ihrem Moralvorstellungen oder denen der Kunden aus und einige treten über und erleben dann so einen Skandal, obwohl der Skandal schon viel früher begonnen hat. Das Problem ist der Zielkonflikt der Unternehmen zwischen Gewinn und moralischem Verhalten, das Geld kostet, während diese sich im Konkurrenzkampf und vor Anteilseignern behaupten müssen.

Zeigt der Konsument, dass ihm moralisches Verhalten der Unternehmen wichtig ist, werden Unternehmen sich anpassen; entweder sie verhalten sich anständig oder Sie vertuschen und verheimlichen Fehlverhalten. Damit ist im Zweifelsfall nicht mehr gewonnen als ein reines Gewissen des Konsumenten auf Zeit. In personalintensiven Bereichen und vor allem in Bereichen, in denen wenig qualifiziertes Personal benötigt wird, wird das auf den Rücken dieser Personen ausgetragen und das muss verhindert werden.

Und ich wiederhole: der unterdrückten und ausgenutzten Putzfrau im 5-Personen-Unternehmen hilft das überhaupt nicht, wenn niemand mehr bei Amazon kauft.

Und ich wiederhole auch noch einmal: der Konsument kann das nicht verantworten und nicht durch sein Konsumverhalten Politik machen. Er hat auch nicht die Möglichkeit alle hierfür nötigen Informationen zu erlangen und noch weniger hat er die Zeit und sollte er diese Zeit dafür aufwenden.

Als Bürger muss er dagegen vorgehen und das sehe ich als seine Pflicht, als Konsument hat er keine Chance.

"Kapitalisten, und das meine ich jetzt nicht abwertend, sehen eine andere Welt als Idealisten. Man schlägt sie mit ihren Waffen, oder man verliert."

Gut gebrüllt, aber das ist wieder zu kurz gesprungen und verdeutlicht Ihr Verständnis eines ständigen Kampfes gegen Unternehmen, den Sie nicht gewinnen können, schon allein deshalb, weil Ihnen die relevanten Informationen fehlen und Ihre Waffen stumpf sind.

Auch das sagte ich bereits: Amazon ist jetzt in der Presse, aber wenn Sie statt dessen bei einer anderen Plattform bestellen, von der Sie nicht wissen, wie hier gearbeitet wird, was haben Sie dann gewonnen? Vielleicht ist es hier noch schlimmer. Wollen Sie sich jetzt Ihr Leben lang von der Presse leiten lassen und von Boykott zu Boykott springen, bis Sie nirgends mehr kaufen können? Wollen Sie sich vor jedem Kauf stundenlang informieren, bis Sie merken, dass Sie gar nichts wissen?

Und deshalb ist es nicht mein Ziel und kann es nicht mein Ziel sein Kapitalisten zu bekämpfen – ich bin ja selbst einer . Den Kapitalisten müssen Grenzen aufgewiesen werden, die verhindern, dass Sie trotz unmoralischen Denkens die Möglichkeit der Ausbeutung haben und das geht nicht durch Kaufzurückhaltung. Das geht nur über Gesetze und weil die Politik von alleine nicht dafür sorgt, muss der Bürger seinen Unmut der Politik ggü. äußern und für Veränderung kämpfen und nicht sich selbst in die Tasche lügen und glauben, dass alles besser wird, wenn er nicht mehr bei Amazon bestellt.

rheinhold2000 22.02.2013 | 20:40

"Boykott ist Blödsinn, denn entweder juckt es Amazon nicht oder es juckt doch, und dann wird auf die Kostenbremse getreten, und wen trifft's dann? Eben ..."

das ist blödsinn, wenn ich mein geld anderswo ausgebe werden arbeitsplätze nur VERLAGERT nicht ABGEBAUT. kaufe ich meine bücher beim buchhändler um die ecke ermögliche ich ihm eine gute existenz. kaufe ich bei firmen ein die ihre angestellten anständig behandeln fördere ich gute jobs.

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2013 | 20:46

@ PETER PATENT

Das Wort "kämpfen" wird ja nicht nur im Schwertkampf benutzt, sondern manchmal auch beim Schach. Konzerne werden von Menschen geführt, von denen Zahlen und Ergebnisse erwartet werden. Diese Zahlen und Ergebnisse können sie nach dem Prinzip "Wildsau" erwirtschaften, was auf lange Sicht unwirtschaftlich ist, oder mit Vernunft, was kurzfristig eine geringere Rendite bewirkt, die aber langfristig. Seit über 30 Jahren versuche ich das den Firmenlenkern beizubringen, manchmal mit Erfolg, manchmal ist es vergeblich.

Den "Kampf" gebe ich nicht auf, weil ich langfristig recht habe.

Die Unternehmensführungen müssen lernen über die Bilanz eines Jahres hinaus zu denken, auch dann, wenn es schwer ist, weil der Markt sich schnell ändert.

Amazon und deren Methoden der kurzfristigen Gewinnmaximierung wird kein Korrektiv durch einen Betriebsrat vor die Nase gesetzt, deren Wirkung durch eine Kostensteigerung der Löhne oder deren Wirkung durch die Zahl der Festangestellten ist begrenzt.

Ändern muss sich die gesamte Sichtweise auf den Wirtschaftszyklus. Amazon wird so nicht überleben, weil sich die Firma durch die Methoden überlebt, übrigens ganz ohne Mitwirkung eines Betriebsrates.

Peter Patent 22.02.2013 | 21:19

"Konzerne werden von Menschen geführt, von denen Zahlen und Ergebnisse erwartet werden. Diese Zahlen und Ergebnisse können sie nach dem Prinzip "Wildsau" erwirtschaften, was auf lange Sicht unwirtschaftlich ist, oder mit Vernunft, was kurzfristig eine geringere Rendite bewirkt, die aber langfristig."

Das hört sich gut an, stimmt sicher auch in einigen Aspekten, aber ist grundsätzlich eine Behauptung, die nicht zu überprüfen ist und von Fall zu Fall verschieden ausfallen kann. Es kann für Unternehmen z.B. durchaus sinnvoll sein, Moral vorzutäuschen bzw. eine öffentliche Meinung über das Unternehmen zu prägen, ohne sich wirklich dementsprechend zu verhalten.

Zudem hat Amazon durch das Fehlerverhalten vielleicht schon 100 Mio. gewonnen und verliert durch den Skandal nur 20 Mio. bevor in einem halben Jahr wieder alles vergessen ist. Auch das können wir nicht beurteilen. Es hätte zudem auch noch 5 Jahre gut gehen können und Amazon hat nur Pech gehabt; vielleicht war es einkalkuliert.

Seit über 30 Jahren versuche ich das den Firmenlenkern beizubringen, manchmal mit Erfolg, manchmal ist es vergeblich. Den "Kampf" gebe ich nicht auf, weil ich langfristig recht habe.

Das hoffe ich, ist aber wieder eine Behauptung, die ich nicht glaube. In vielen Fällen spielt das eine unwichtige Rolle, weil der Konsument nicht informiert ist. Zudem erahne ich, dass es Teil Ihres Berufes ist und Sie dafür Geld erhalten. Als Konsument ist das anders und ich kann meine Zeit hierauf nicht verwenden und es fehlt an Informationen, mich überhaupt korrekt entscheiden zu können, weshalb ich es für falsch halte, diesen Kampf anzutreten. Natürlich reagieren wir als Konsument auf solche Meldungen, aber ich verweigere es, die Korrktur des Marktes als Aufgabe des Konsumenten anzusehen, weil er sie nicht erfüllen kann – er ist nicht kompetent und er kann es deshalb nicht verantworten. Das kann er nur als Bürger.

"Die Unternehmensführungen müssen lernen über die Bilanz eines Jahres hinaus zu denken, auch dann, wenn es schwer ist, weil der Markt sich schnell ändert."

Da widerspricht sicher keiner, aber ist dann vielleicht auch teilweise ein Problem, dass durch die Rechtsform entsteht bzw. begünstigt wird.

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Ehemaliger Nutzer 23.02.2013 | 11:07

@ PETER PATENT

Was Sie glauben, weiß ich nicht, das geht mich auch nichts an.

Tatsache ist und bleibt, dass das derzeitige Gebaren internationaler Konzerne nur kurzfristig ist. Unternehmen, die sich diese Methode nicht leisten können oder leisten wollen, gibt es durchaus. Amazon ist wie andere Unternehmen nur ein Beispiel für ein Phänomen, dessen Aussterben allein auf dem Geschäftsgebaren beruhen dürfte.

Ich denke, dass sich neben der globalisierten Welt der Konzerne eine starke regional basierte Wirtschaft etablieren wird, weil die Globalisierung in großen Teilen der Welt nur jobless growth produziert. Das bringt Volkswirtschaften an den Rand der Existenz, und dies allein aus Gründen der individuellen Bereicherung.

Für diese Methode der Wirtschaft, ungehemmte Globalisierung, ist der Planet zu klein und die Anzahl der Menschen zu groß.

Achtermann 23.02.2013 | 19:00

Gegen einem Konsumverzicht aus Gewissensgründen ist ja nichts zu sagen.“

Was nutzt ein Konsumverzicht? Liegt deswegen mein Geld auf der Bank, gebe ich dieser die Chance, dieses evtl. bei denjenigen zu investieren, die ich meine zu boykottieren. Es ist wohl nur eine beruhigende Idee, aus dem Kreislauf des Systems, innerhalb dessen ich mich am Leben erhalte, ausbrechen zu können. Auch wenn ich meine Waren beim Händler um die Ecke erwerbe, weiß ich nicht, wie er seinen Gewinn einsetzt. Er verkonsumiert diesen vielleicht bei dem Kapitalisten, der mir zuwider ist.

Wer nur aufs Wählen aus ist, weil er meint mit der richtigen Partei an der Regierung die Gesetzeslage verändern zu können, unterliegt einer Täuschung. Es gibt keine Wahlmehrheit im Kapitalismus, die radikales Umsteuern ermöglichen würde. Die Strukturen sind mittlerweile so festgezurrt – Stichwort: marktgerechte Demokratie -, dass der demokratische Apparat nicht zu reparieren ist. Die selbsternannte vierte Gewalt, die Presse, hat sich spätestens mit ihrem beinahe kollektiven Kniefall vor dem Neoliberalismus selbst disqualifiziert.

Peter Patent 23.02.2013 | 19:15

"Was Sie glauben, weiß ich nicht, das geht mich auch nichts an."

Sie sollten Ihre Art zu diskutieren überdenken. In einer Tour erzählen Sie uns von Ihren Überzeugungen und nehmen das für bare Münze und gleichzeitig verweigern Sie es, meinen Glauben zu diskutieren.

Tatsache ist und bleibt, dass das derzeitige Gebaren internationaler Konzerne nur kurzfristig ist."

Nein, es ist maximal Ihre Überzeugung und keine Tatsache. Die Aussage ist so in jedem Fall falsch, schon weil sie verallgemeinert. Sie ist zudem überspitzt und allgemein falsch. Und jetzt beschwerden Sie sich, dass ich Ihnen sage, dass ich Ihre wilden Behauptungen nicht annehme. Sie erzählen hier durchweg von Ihrem Glauben ohne Logik und ohne Fakten. Wenn Sie Ihren Glauben jetzt Fakt nennen, ändert das nichts.

"Amazon ist wie andere Unternehmen nur ein Beispiel für ein Phänomen, dessen Aussterben allein auf dem Geschäftsgebaren beruhen dürfte."

Das ist wieder eine Vermutung und nicht belegbar und nicht einmal logisch stimmig.

"Ich denke, dass sich neben der globalisierten Welt der Konzerne eine starke regional basierte Wirtschaft etablieren wird, weil die Globalisierung in großen Teilen der Welt nur jobless growth produziert. Das bringt Volkswirtschaften an den Rand der Existenz, und dies allein aus Gründen der individuellen Bereicherung."

Und das ist wieder Ihr Glaube. Ich habe auch nichts gegen Ihren Glauben, aber wir können hier alle irgend etwas behaupten und Vermutungen anstellen und noch mal 30 Jahre Geschäftsführern erzählen, was wir denken, wie Sie sich verhalten sollten und wie sie wirtschaften sollten. Es wird nichts an deren Verhalten ändern, weil sie selbst am besten wissen, was Sie wollen und wie sie es wollen. Da können Sie denen noch 50 Jahre erzählen, aber langfristig ist das besser und für die Natur ist das besser. Verstehen Sie nicht? Die Wirtschaft sucht sich den Weg eigentständig und gut zureden hilft nicht. Es müssen Regeln her, durch die der Kapitalismus die Waffen gestutzt bekommt, die er gegen das Volk und die Umwelt einsetzt. Erzählen Sie einem Raubtier mal, dass es Unrecht ist eine Maus zu verspeisen und das er nicht so viele essen soll, weil er dann in Zukunft weniger hat.

"Für diese Methode der Wirtschaft, ungehemmte Globalisierung, ist der Planet zu klein und die Anzahl der Menschen zu groß."

Wieder eine tolle Flosskel, diese können Sie dann ja weiter Ihren Wirtschaftsbossen erzählen, die 2 Minuten später wieder Ihren egoitischen Geschäftszweck verfolgen.

Letztendlich behaupten Sie hier die ganze Zeit Dinge, die letztendlich im wirtschaftlichen Streben der Unternehmen vollkommen irrelevant sind und erzählen, dass Sie seit 30 Jahren versuchen Entscheider von der Richtigkeit Ihrer Behauptungen zu überzeugen. Wenn Sie da Spaß dran haben, bleiben Sie dabei, aber das ist Sisyphusarbeit und hören Sie doch bitte auf hier zu behaupten, dass das die Probleme löst; das tut es nicht.

Die Unternehmen wissen selbst, was für Sie am besten ist und sie ändern sich nicht, wenn man Ihnen mit Flosskeln kommt.

Das ist lächerlicher als der Aufruf Briefe an die Unternehmen zu schreiben.

Peter Patent 23.02.2013 | 19:26

Im Übrigen bin ich BWL´er und wenn Sie mir mit den Flosskeln kommen würden, würde ich 2 mal müde lachen.

Sie können davon ausgehen, dass die Unternehmen im Ganzen am besten wissen, wie sie Ihr Ziel erreichen. Verschiedene Strukturen innerhalb von Unternehmen, die kurzfristige Gewinne fordern, sind dabei langfristig störend und können zu Problemen führen, aber Sie vertun sich, wenn Sie glauben, das Verhalten von Unternehmen durch gutes Zureden und dem Mitteilen von Überzeugungen verändern zu können. Und selbst falls Sie es in einigen Fällen Ihres Lebens zum Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens geschafft haben, heißt das nicht, dass der Weg richtig war.

So wie sich das für mich anhört, ist Ihre Arbeit zwar nicht wertlos, aber überflüssig, wenn man die Regularien richtig setzen würde und die Unternehmen bei Ihrem Eigeninteresse packen würde, statt hinter Ihnen herzurennen wie ein WauWau, der um ein Leckerchen bettelt.

Die Wirtschaft hat dem Volk zu dienen und nicht andersherum. Und deshalb muss man der Wirtschaft, die einer eigenen Logik folgt, Grenzen aufweisen und nicht mit Moral, Anstand etc.! Wem es Spaß macht, bitte, aber das wird niemals die Probleme lösen.

Schlunzer123 25.02.2013 | 19:40

Ich frage mich immer warum so viele Menschen für alles Regeln wollen? Alles in ihre Grenzen weisen, ein Staatliches Monopol für dies und das erzeugen möchten oder ständig alles mit Gesetzen verbieten wollen?

Unser sogenannter Rechtsstaat platz vor solchen Regelungen quasi aus allen Nähten! Parteien und Gewerkschaften wollen auch nur an die Fleischtöpf und versprechen einem das Blaue vom Himmel.

Wer was unternehmen will sollte das tun. Und zwar mit den Mitteln die er/ sie für angemessen hält. Ein Beukott zur Wheinachtszeit zum Beispiel würde Amazon auf jeden fall treffen. Aber Gesetze schaffen nur eines, Gesetzeslücken! Und solange wie die Menschheit in der Masse so dermaßen Geldgeil ist findet sich immer ein Weg die Armen noch ärmer werden zu lassen. Und selbst ein Griff zu den Waffen würde daran nichts ändern!

Der Mensch muss sich ändern! Also erzieht eure Kinder nach bestem wissen und Gewissen. Vielleicht hilft das ja.

momine 26.02.2013 | 09:50

@Steffen Kraft
Es waren doch die Gewerkschaften im Zusammenspiel mit den Gesetzgebern, die Deutschland und Westeuropa zu einer Insel der Glückseligen gemacht haben, was zu einer Lohn-, Preisspirale geführt hat. Die arbeitende Bevölkerung hat sich dem mit Freuden hingegeben, nur wenige haben sich gefragt wo das hinführen soll.
Die Globalisierung hat zur Folge, dass unsere Insel der Glückseligkeit zerstört wird. In den meisten Teilen der Welt gibt es nicht genügend Arbeit, keinen Arbeits-, Kündigungsschutz, Betriebsräte usw. Daher gehen Firmen in diese Länder und Menschen, die einfach nur arbeiten wollen, kommen zu uns und arbeiten für wenig Geld, da sie nicht so verwöhnt sind und eine gewerkschaftliche Gehirnwäsche bei ihnen noch nicht stattgefunden hat.
Was tun die Gewerkschaften, was tun die Gesetzgeber? Sie sparen. Ganze Arbeitsbereiche werden outgesourct und an Fremdfirmen gegeben, die mit Dumpinglöhnen Profit machen und Arbeitsbedingungen schaffen, die zum Himmel schreien.
Menschen sind wie sie sind und ändern sich nicht, ändern tut sich nur die Bedingungen unter denen sie leben, hat Dürrenmatt in seinem Theaterstück "Die Ehe des Herrn Mississippi" festgestellt.
Ich stelle fest, das die Menschen und die Politik zur Zeit mit der Globalisierung überfordert sind und hoffe, dass es einen Weg gibt, der annähernd gleiche demokratische Bedingungen zulässt.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2013 | 14:58

@ PETER PATENT

Wer "Regularien richtig setzen will", muss verstehen, wie das System tatsächlich funktioniert. Jede Regel innerhalb eines teilweise chaotischen Systems bedingt eine Gegenkraft, deren Wirkung nur geschätzt, jedoch niemals berechnet werden kann.

Anhänger der klassischen BWL-Theorie vergessen manchmal, dass es sich selbst regulierende Mechanismen gibt, aber eben nur dann, wenn man ein langfristiges Ziel verfolgt.

Noch einmal: Wenn Sie Amazon einen Betriebsrat verpassen wollen, ist das besser als nichts. Sie lösen aber das Grundproblem nicht, denn 1.000 Fachbuchhändler und 2.000 GbRs werden durch Amazon gegen 50 prekäre Leiharbeiter ersetzt. Wenn sie denen einen Betriebsrat geben, ist das aus humanistischer Sicht ein Erfolg. Der Mindestlohn für 50 Leiharbeiter steht dann aber immer noch gegen 1.000 tarifliche Vollzeitkräfte und 2.000 Existenzen, denen Amazon die Lebensgrundlage entzogen hat.

Sie denken in die richtige Richtung ! Aber Sie springen zu kurz !!!

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2013 | 15:06

@ PETER PATENT

Das, was wir austauschen, sind Kurzstatements und keine betriebwirtschaftlichen Ausarbeitungen. Auch wenn Sie ein großes Fass aufmachen wollten, ist das nicht der Rahmen dafür. Es sei denn, ich habe den Ansatz dieses Forums falsch verstanden.

Schreiben Sie doch Ihre Darstellung der empfundenen Wahrheit in Form eines Beitrags für den FREITAG und eröffnen dann mit Ihren pesönlichen Meinungen ein Sokratisches Gespräch.

Bisher habe ich die Welt als so groß empfunden, dass viele Meinungen darin Platz finden. Das wird auch so bleiben, denke ich.

Peter Patent 01.03.2013 | 00:44

"@ PETER PATENT"

Es wäre nett, wenn Sie zukünftig von der Zitierfunktion Gebrauch machten, denn so würde der Zitierte dieses durch eine Benachrichtigung erfahren. Sie unterlassen dies stets, weshalb ich per Zufall auf Ihre Ansprache stoße. Ob Sie die Antworten der Diskutanten scheuen oder dies unbedacht tuen, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

"Bisher habe ich die Welt als so groß empfunden, dass viele Meinungen darin Platz finden. Das wird auch so bleiben, denke ich."

Gegen eine Vielzahl von Meinungen ist nichts zu sagen, jedoch verkaufen Sie Ihre Meinungen als Tatsachen und da sollten Sie sich über Kritik nicht beschweren. Auch ist es so, dass Sie wilde Behauptungen vorlegen und dann Gegengedanken einfach ungeachtet lassen:

"Was Sie glauben, weiß ich nicht und es geht mich auch nichts an."

Das schreiben Sie allen Ernstes, nachdem ich schrieb, dass ich Ihre als Tatsachen geäusserten Behauptungen nicht glaube. Das ist keine Art zu diskutieren.

"Seltsam, Ihr Deutschen ruft immer gleich nach..."

Und allein diese Aussage disqualifiziert Sie eigentl. und das ist es, was mich an Ihrer Art "Meinungen" auszutauschen stört.

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2013 | 11:27

Sehr geehrter Peter Patent,

zu 1) Es ist beabsichtigt, weil alle diskutieren und nicht nur zwei (oder wollen Sie bei Merfachansprachen Listen erstellen?)

zu 2) Sie haben recht, wir diskutieren von Seiten her. Mein Lebenslauf hat dafür gesorgt, dass ich nach dem Studium für einen Konzern gearbeitet habe, dies aber dann aus Überzeugung gelassen habe. Deshalb liegt aus meiner Sicht (und aus gelebtem Leid) die Zukunft auf einem Modell der Ethischen Wirtschaft. Die Sicht auf Konzerne ist deshalb eine andere als Ihre.

zu 3) Ihre Meinungen und Vorstellungen will ich nicht verändern, wozu auch? Sie finden einen Weg, der der IHRE ist, oder eben nicht.

zu 4) Bei der Betrachtung des Festlandes sind wir mitunter skurril. Das in Deutschland vertretene "Warten auf die Behörden" und "Warten, bis am Nimmerleinstag ein neues Gesetz etwas regelt" kenne ich nicht. Bei uns organisieren die Menschen eine Mehrheit (meist privat organisiert) und verändern etwas im Sinne eines Social Community Trust.

Seien Sie doch froh, dass Sie ein Deutscher sind. So haben Sie die Möglichkeit etwas sehr lange zu diskutieren und zu wägen, ohne dass sich etwas ändert.

Peter Patent 01.03.2013 | 16:35

"zu 1) Es ist beabsichtigt, weil alle diskutieren und nicht nur zwei (oder wollen Sie bei Merfachansprachen Listen erstellen?)"

Sie sprechen mich die ganze Zeit an, wollen aber nicht, dass ich davon erfahre oder glauben, dass kein anderer mehr antwortet, weil Sie mich über Ihre Antwort indirekt benachrichtigen? Was das soll, verstehen wohl nur Sie selbst, denn es ändert an der Aussenwahrnehmung Dritter nichts. Ihre Logik/Nicht-Logik zu verstehen habe ich aufgegeben.

zu 4) Bei der Betrachtung des Festlandes sind wir mitunter skurril. Das in Deutschland vertretene "Warten auf die Behörden" und "Warten, bis am Nimmerleinstag ein neues Gesetz etwas regelt" kenne ich nicht. Bei uns organisieren die Menschen eine Mehrheit (meist privat organisiert) und verändern etwas im Sinne eines Social Community Trust.

Seien Sie doch froh, dass Sie ein Deutscher sind. So haben Sie die Möglichkeit etwas sehr lange zu diskutieren und zu wägen, ohne dass sich etwas ändert.

Ihr Verhalten ist indiskutabel. Sie unterstellen mir, dass ich auf Behörden warte, was ich nicht tue und gehen davon aus, dass ich Deutscher bin – warum kann ich gar nicht sagen, Sie behaupten es einfach; genau wie duzende andere Dinge. Aufgrund Ihres unangenehmen und aufdringlichen Schreibstils, der auch noch falsche Tatsachenbehauptungen aufstellt, habe ich die ganze Zeit schon das Verlangen es einfach dabei zu belassen und das hätte ich, wenn Sie mich nicht ständig angesprochen hätten und dann einfach irgendeinen Quatsch daher reden würden, der mit dem von mir gesagten im Grunde nichts zu tun hat.

Sie unterstellen, Sie stellen wage Behauptungen als Fakt dar und Sie urteilen über Menschen, ohne diese zu kennen. Dabei belasse ich es. Mit Ihnen ist eine qualifizierte Auseinandersetzung offenbar unmöglich.

Jens Brehl 20.08.2013 | 16:02

Da ich mein Buch "Einmal Hölle und zurück -Mein Weg aus dem Burnout in ein neues Leben" (http://www.jens-brehl.de/journalist/buch/) zunächst als E-Book und kulturelles Gemeingut veröffentlichte, enthielt es Amazon-Links. Damit wollte ich meine Arbeit wenigstens zum Teil finanzieren, doch von Anfang an fühlte es sich falsch an. Nach der TV-Doku zog ich bald die Konsequenzen: Amazonlinks flogen aus dem Buch und von meiner Internetseite. War für mich ein echter Befreiungsschlag.

Der Boykott-Reflex ist meiner Ansicht nach der erste Schritt, danach schaue ich immer, ob ich nicht Alternativen unterstützen kann. Auf Utopia.de http://www.utopia.de/magazin/alternativen-zu-amazon gibt es bezüglich Amazon einen entsprechenden Beitrag. Wie ich dort las, gibt es auch Buchversender, die die Gewinne gemeinnützig verwenden.

Unternehmen werden meiner Erfahrung nach erst dann etwas ändern, wenn Gewinn wegbricht. Ansonsten scheint das Geschäftsmodell Ausbeutung etc. in ihren Augen zu funktionieren. Sicher, wenn nur weniger nicht mehr bei Amazon bestellen, merken die das erst einmal nicht. Aber Gegenfrage: Möchte ich das überhaupt noch? Braucht die Welt Unternehmen wie Amazon? Wenn wir bei menschlich wirtschaftenden Unternehmen kaufen, entstehen dort auch Arbeitsplätze. Das nutzt dem Arbeitnehmer mehr, als wenn Amazon ein wenig Kosmetik betreibt.

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2013 | 20:31

@Baszlo

Um es mal ganz klar zu sagen, die Schuldigen an den derzeitigen Arbeits- und Sozialgesetzen sitzen nicht im Management von Amazon, sondern sitzen im Bundestag, in den Sesseln von SPD, Grünen, CDU/CSU und der FDP und da sollte der Boykott auch ansetzen.

Sind es die Gesetze, welche den Unternehmen ihre Geschäftsbedingungen vorschreiben oder sind es die Unternehmen, welche den Abgeordneten die zu verabschiedenden Gesetze vorsch... äh, wärmstens ans Herz legen?

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2013 | 20:32

@Legga

es ist wie beim wählen, eine stimme bringt nicht viel, aber wir sind viele.

wenn alle millionen/ milliarden menschen so eine entscheidung treffen, ist ein konzern wie amazon machtlos und wird am ende klein beigeben.

"Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten".

Der Satz wird gerne Tucholsky zugeschrieben, ist bei ihm aber nicht auffindbar, andere schreiben ihn Rosa Luxemburg zu. Wahrscheinlich ist er die ziemlich wörtliche Übersetzung eines Satzes von Emma Goldman: ‎"If voting changed anything they would make it illegal."

Ciao

Wolfram