Steffen Kraft
01.09.2011 | 07:00 37

Was Misstrauen schafft

Whistleblower Die Entdeckung des größten Sicherheitslecks in der Geschichte von Wikileaks erzeugt nun selbst bei einst entschiedenen Befürwortern Zweifel

Die Entdeckung einer im Internet zirkulierenden Datei mit unredigierten US-Botschaftsdepeschen aus dem Bestand von Wikileaks hat eine weltweite Debatte um die Sicherheit von Whistleblower-Plattformen ausgelöst.

„Menschen, die in den Kabelnachrichten genannt sind, laufen nun Gefahr, Represssionen ausgesetzt zu werden“, sagte der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, Jean-François Julliard. „Wikileaks hat seine Existenzberechtigung und kann eine wichtige Aufgabe erfüllen, aber es hat kein Recht, Menschen zu gefährden.“ Generell seien die Veröffentlichungsprozesse von Whistleblower-Plattformen bisher nicht ausgereift. Solche Projekte müssten Regeln entwickeln, um mit hochsensiblen Daten verantwortungsvoll umzugehen. Reporter ohne Grenzen hatte schon 2010 kritisiert, dass Wikileaks Hinweise auf afghanische Zuträger der US-Truppen veröffentlicht hatte.

Das jüngste Leck veranlasst aber auch offizielle Wikileaks-Unterstützer zu Kritik: Die aktuelle Diskussion mache einen Unterschied deutlich, schreibt etwa der Medientheoretiker Clay Shirky dem Freitag, nämlich den „Unterschied zwischen Organisationen, die Dokumente redigieren, um die darin genannten Menschen zu schützen und jenen, die das nicht tun“.

Der schwedische Medienwissenschaftler Christian Christensen, den wikileaks.org ebenso wie Shirky als „Kommentator“ empfiehlt, meint: „Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange in Schweden, die verbittert ausgefochtene Trennung von Domscheit-Berg und nun die vermeintliche Veröffentlichung dieser unbearbeiteten Dokumente haben rund um die Organisation ein Zirkus-Umfeld erzeugt, das mich denken lässt, dass Wikileaks nicht funktionieren wird. Möglich, dass die Organisation ausgebrannt ist.“

Tarnfirmen, Telefonate, Terror

Der ebenfalls als Wikileaks-Kommentator angegebene Weblog-Pionier Dave Winer: „Ich halte mich nicht für einen Wikileaks-Unterstützer.“ Allerdings habe er Wikileaks in der Vergangenheit gegen kindische Journalisten verteidigt. „Wäre es besser gewesen, wenn sie (die Wikileaks-Aktivisten) verantwortungsvoller gewesen wären? Ja. Hätte so etwas auch beim Spiegel, der Times, dem Guardian geschehen können? Ja! Natürlich.“

Guido Strack vom deutschen Whistleblower-Netzwerk mahnt dennoch zur Vorsicht: „Wir würden angesichts der Umstände derzeit keinem Whistleblower empfehlen, Daten an Wikileaks weiterzugeben.“ Auch beim Konkurrenzportal Openleaks – das der Freitag in der Testphase als Partner begleitet – sehe es „in Punkto Transparenz nicht wirklich besser aus“. Bei Leaking-Plattformen gebe es derzeit zu viele Unklarheiten: „Der Whistleblower verliert mit der Verschickung jegliche Kontrolle.“

Rena Tangens vom Datenschutzverein Foebud wiederum sagt: „Wir finden es schade, dass die Schlammschlacht zwischen Wikileaks und Openleaks dazu führt, dass es keine funktionierende Informationsweitergabe-Plattform gibt.“ Technik allein könne keine Sicherheit herstellen, „Vertrauen ist eine persönliche Angelegenheit“. Insofern ändere die Entdeckung der Kabeldatei die Haltung des Foebud zu Wikileaks nicht: „Wir haben nicht angenommen, dass die eingelieferten Daten ‚sicher‘ seien.“

Der Hacker-Verein Chaos Computer Club (CCC), der Openleaks-Mitgründer Daniel Domscheit-Berg ausgeschlossen hat, wollte sich zu dem Fall ebensowenig äußern wie die CCC-nahe Wau-Holland-Stiftung. Die Stiftung verwaltet einen Teil des Geldes von Wikileaks. Stiftungsvorstand Klaus Schleisiek versicherte dem Freitag lediglich, dass es auch 2012 einen Transparenzbericht über den Umgang mit den Wiki­leaks-Spenden geben werde.

Die vom Freitag im Netz entdeckte Datei enthält 251.287 Kabelnachrichten, darunter viele als „geheim“ eingestufte, die Wikileaks bisher nicht veröffentlicht hat. So etwa die Depesche 09KUALALUMPUR991 vom 11. 12. 2009, in der ein namentlich genannter Informant über iranische Tarnfirmen spricht, die vermeintlich mit Waffen handeln. Oder die Depesche 10KHARTOUM133 vom 28. Februar 2010, die Wortprotokolle mit Namen und Telefonnummer eines Tippgebers enthält, der die Botschaft vor einem vermeintlich drohenden Anschlag warnte.

Kommentare (37)

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Ehemaliger Nutzer 01.09.2011 | 10:54

Die Nachrichtendienste sind in den Nachrichtenmagazinen durch IM präsent oder sie sind ihr Geld nicht wert. Wenn NYT, Guardian, Spiegel etc. die Dateien unredigiert erhalten haben, war also auch so gut wie sicher, dass zumindest die Schlapphüte der jeweiligen Länder darauf zugreifen konnten, sofern sie denn ein Interesse daran hätten.
Das Possenspiel um Assange und DBB lenkt nur von diesem grundlegenden Fehler ab.

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helena-neumann 01.09.2011 | 11:00

Das bringt es auf den Punkt:
"Die aktuelle Diskussion mache einen Unterschied deutlich, schreibt etwa der Medientheoretiker Clay Shirky dem Freitag, nämlich den „Unterschied zwischen Organisationen, die Dokumente redigieren, um die darin genannten Menschen zu schützen und jenen, die das nicht tun“.
Rena Tangens vom Datenschutzverein Foebud wiederum sagt: „Wir finden es schade, dass die Schlammschlacht zwischen Wikileaks und Openleaks dazu führt, dass es keine funktionierende Informationsweitergabe-Plattform gibt.“ Technik allein könne keine Sicherheit herstellen, „Vertrauen ist eine persönliche Angelegenheit“.

HN

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sachichma 01.09.2011 | 11:42

Die altbekannte Tatsache, das ist erst einmal etwas im Cyberspace, ist jegliche Kontrolle darüber verloren wird nur bei diesen weiteren 251.287 Dateien bestätigt.
"b2bm" trifft den Hintergrund trifft genau mit dem Verweis auf den "IM". Das JA - DDB Schauspiel lenkt nur von diesem Umstand ab.
Gut das die Wau-Holland-Stiftung die Kontrolle über die Spenden hat.

lisi stein 01.09.2011 | 11:51

"Our book about WikiLeaks was published last February. It contained a password, but no details of the location of the files, and we were told it was a temporary password which would expire and be deleted in a matter of hours."

www.guardian.co.uk/world/2011/sep/01/unredacted-us-embassy-cables-online

"und man sagte uns"... genau darauf sollte man sich im Interesse der/des Informanten nicht verlassen.

Zeigt die ganze Affäre nicht auch, wie "naiv" viell. die Medien sind, die sich im Wikileaks-Hafen "exclusivley and sure" wähnten?

Streifzug 01.09.2011 | 11:54

Mudslinging ohne Ende.

Dazu Erklärungen, die schräger kaum sein können.

"Auch beim Konkurrenzportal Openleaks – das der Freitag in der Testphase als Partner begleitet – sehe es „in Punkto Transparenz nicht wirklich besser aus“. "

Das sogenannte "Konkurrenzportal Openleaks" gibt es nur als mediales Kunstprodukt. Domscheit-Berg gibt im Interview an, dass es noch mindestens ein halbes Jahr dauern wird, bis das Konstrukt in Betrieb gehen kann. Was dann in Betrieb geht, weiß keiner. Somit erscheint die Aktion, den CCC ungefragt einzuspannen, nur noch als das, was alles andere bisher auch ist: eine billige Masche.

Da anscheinend sowohl Domscheit-Berg als auch dem Freitag als Medienpartner von Openleaks die Felle davonschwammen, verfiel man nun anscheinend auf eine Lösung, die sich auf dem bisherigen Niveau der Angelegenheit bewegt.

Kurzer Hintergrund:
Timeline: Daniel Domscheit-Berg
An history of Daniel Schmitt/Domscheit-Berg and WikiLeaks

'Nein, ich habe keine Dokumente von WikiLeaks mitgenommen.'
- Daniel Domscheit-Berg 10 August 2011 to 'Der Freitag'
Wir fordern kein Vertrauen Aus der Historie und der bekannten Entwicklung geht hervor, dass Domscheit-Berg gelogen und sehr wohl Dokumente mitgenommen hat.

Die mitgenommenen Dokumente lassen sich kaum auf Openleaks veröffentlichen. Einer Plattform, die es noch nicht gibt und deren Sicherheit aus Luftschlössern besteht.

Meiner Meinung lässt das bisherige Vorgehen, die begleitende Schmutzkampagne, die plötzliche Fähigkeit des Freitag, Dateien finden und entschlüsseln zu können und das mitgenommene Wissen von Daniel Domscheit-Berg eine Möglichkeit sehr wahrscheinlich erscheinen:

Daniel Domscheit-Berg (oder eine entsprechende Sockenpuppe) teilt dem Freitag all das mit, was man dort wissen soll. Das verwurstet der Freitag einerseits zu einer Schmutzkampagne gegen Openleaks, gleichzeitig profitiert man vom öffentlichen Interesse.

Ist das Interesse geweckt, folge der nächste Schritt: der Freitag veröffentlicht brisante Kabelnachrichten, wird sozusagen die Sockenpuppe von Domscheit-Berg, dem eine eigene Plattform fehlt. Andeutungen auf Kabelnachrichten, welche Interesse wecken sollen, findet man im Text oben. Das versteht man beim Freitag anscheinend unter "Kritischer Begleitung".

Wie gesagt, das ist nur mein Eindruck. Der liest sich nicht sehr schmeichelhaft. Nun, das ganze Geschehen hinterlässt auch keinen schmeichelhaften Eindruck. Ob man so das in der Fahne geführte Vertrauen erreicht, ist mehr als fraglich.

luddisback 01.09.2011 | 12:42

es ist erstmal vorbei. wikileaks ist verbrannt, openleaks so vertrauenswürdig wie ein briefkasten am bundeskriminalamt, und jemand wie dem guardianreporter leigh würde ich zumindest nichts anvertrauen, das irgendwie sensibel ist.
die geheimdienste haben ganze arbeit geleistet, vermute ich mal. denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die genannten all die torten selber ins gesicht geworfen haben.

die geschichte hat immer noch mehr löcher als jeder käse. am nahesten dran nachvollziehbar zu sein die version im spiegel heute:
www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,783694,00.html
aber auch da bleiben fragen.

Dabularasa 01.09.2011 | 13:02

Und schon wieder sind die Freitag Hetzer "hechel,hechel" unterwegs.

Wen will der Freitag mit diesem gekünstelten Unsinn eigentlich beeindrucken.
Man spürt Ihre Frustration und innere Wut.
Reicht Augstein sein übliches Geplänkel mit dem Bild Kumpanen auf Phoenix nicht mehr.

Was jetzt kommt hat der Freitag unter Beteiligung des Guardian(UK) zu verantworten.
Sie können sich nicht aus der Verantwortung stehlen.
Und versuchen auch noch die Leser mit ihrem "Sicherheitsleck" Märchen zu täuschen.
Das Leck ist ihr Kooperationspartner Guardian (UK).
Sie wissen was ich meine.(deutlicher möchte ich mein Wissen an dieser Stelle nicht niederschreiben)
Und die Geschichte hat eine direkte Verbindung freitag->guardian(uk). :-)
Wir werden Sie die nächsten Jahre daran erinnern.
Die Community ist nicht nachtragend.
Diese vergisst nur nicht.

Streifzug 01.09.2011 | 13:05

Ein weiterer Hintergrund.

Die Regierung der USA verlangt von allen Partnerländern entsprechende Sanktionen gegen die von ihnen definierte Liste der Schurkenstaaten. Zuwiderhandlungen werden hart diszipliniert.

Die Regierung der USA verlangt von allen Partnerländern/Medien entsprechende Sanktionen gegen die von ihnen definierte Liste der offenen Informationsplattformen, insbesondere Wikileaks, auf denen ihr mehr als zwielichtiges Verhalten offengelegt wird. Zuwiderhandlungen werden hart diszipliniert.

ursula keller 01.09.2011 | 13:53

Wikileaks bedeutete eine wirkliche Gefahr ....
die Reaktionen der USA waren eindeutig.
Es galt also WL zu demontieren...über Vertrauensverlust,
das geschah zuerst mit der Person von Assange, schon
hier leistete DDB einen entscheidenen Beitrag.
Dann in das System WL , auch hier war DDB
aktiv.
Schließlich in das System Whistleblower Plattform als
solche...wiederum agierte DDB mit solch unglaublicher
Unprofessionalität, die nur Methode haben konnte.
Die ZEIT war bereits bei der Positionierung von DDB aktiv,
in Form der Ghostwriterin, jetzt leistet der Freitag Schützenhilfe.
Da ich davon ausgehe, dass alle Beteiligten mit einem gewissen IQ gesegnet sind und im übrigen keine Naivlinge......ist mein Resumee dass man getrost von einer Komplizenschaft mit den Diensten und anderen mächtigen Interessengruppen ausgehen darf....bravo.

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shalako 01.09.2011 | 17:04

"Eisenberg kontert nun die Vorwürfe: Domscheit Berg sei derjenige gewesen, der Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Datei gegeben habe, heißt es in dem Schreiben des Anwalts, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert. "Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter", heißt es darin.

Domscheit-Berg habe diese Informationen verbreitet, so Eisenberg, "um damit die Reputation von Wikileaks zu schädigen". Dieses Verhalten sei "in hohem Maße geeignet, die von Ihnen angeblich befürchteten Gefährdungen überhaupt erst herbeizuführen". "
Quelle:
www.zeit.de/digital/internet/2011-08/anwalt-assange-domscheit-berg?commentstart=17#cid-1552839

Hier noch einmal das Schreiben im Wortlaut.
docs.dpaq.de/49-eisenberg_ddb.pdf

In dieser Angelegenheit haben sich einige die Hände sehr schmutzig und möglicherweise auch blutig gemacht; allen voran diejenigen, die den Stein erst in`s Rollen gebracht haben.

Streifzug 01.09.2011 | 17:49

Ist eigentlich etwas passiert, was das aufgeregte Gegacker von Daniel Domscheit-Berg, Guardian, Freitag und Spiegel rechtfertigt?

Ja, Wikileaks hat durch die Veröffentlichung der Kabelnachrichten die Verlogenheit der Regierungen, Macheliten und angehängten Medien offen gelegt.

Ist jemand zu Schaden gekommen? Nein. Außer ein paar Hansel, die ihren Job verloren haben.

Warum dann die Kampagne, Schmutzkampagne? Warum nicht eine Kampagne über Murdoch, den Medienmogul? Über die Machenschaften. Über den Eingriff der Medien ins Privatleben ...

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Das Thema wurde schnell fallen gelassen, nachdem ein unliebsamer Konkurrent an den Pranger gestellt war. Wer weiß, was sonst bei anderen Medien ans Tageslicht gezerrt würde.

Der Freitag war mit dem Anspruch angetreten, verbal jedenfalls, Herrschaft zu kontrollieren. Mittlerweile ist der Freitag auch nur noch ein gackendes Huhn im Hinterhof der Herrschaft.

Als Belohnung gibt es ab und an ein Korn. Passend zum Bier, welches in Berlin das Hauptthema zu sein scheint.

Prost.

Dabularasa 01.09.2011 | 21:08

Würde DB solche Aktion im normalen Arbeitsleben vollführen->
wäre ihm arbeitsrechtlich die Hosen herunter gezogenen worden.
Ich musste nach einer Beendigung eines meiner Angestelltenverhältnisse eine 2jährige Sperrfrist einhalten.Und da kann man nicht eben mal ein bisschen Geschäftsgeheimnisse ausplabbern.
Auch das geben von Hinweisen durch die Blume ist davon berührt.
Ich würde mich schämen wenn ich solche moralische Stufe wie DB erreicht hätte.
Und man kann sich sicher sein das DB in seiner Frustration hier anständig den WL Häschern das Material geliefert hat.
Und aus der Nummer wird er nicht rauskommen.
Er kann ja seine Frau bei Projekt Fempower ( fempower.me/) unterstützen.
Da ist er bestens aufgehoben.
Dort kann er dann beim Gruppen-Kuscheln die Kritikfähigkeit üben.

Wie immer stehen die WikiLeaks Getreuen standhaft zu Ihrem Chef.
Und das bleibt so.
Treu bis in den Untergang.:-)

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shalako 02.09.2011 | 17:06

Trägt der Autor Steffen Kraft ein erhebliches Maß an Mitschuld?

... "Sie haben verschiedenen Journalisten, die namhaft gemacht werden können, operationale Details zur Verbindung verschlüsselt veröffentlichter Daten und der Passphrase, die deren Öffnung ermöglicht, mitgeteilt. Bislang konnte diese Verbindung noch nicht gezogen werden. Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter." ...

... "Ihr Verhalten ist in hohem Maße geeignet, die von Ihnen angeblich befürchteten Gefährdungen überhaupt erst herbeizuführen." ...

Quelle:
docs.dpaq.de/49-eisenberg_ddb.pdf

"Gegen David Leigh und eine nicht genannte deutsche Person (zur Auswahl stehen Jakob Augstein, Steffen Kraft und Daniel Domscheit-Berg) wurden rechtliche Schritte angekündigt – wir werden sehen, wie weit man damit kommt. Eine gerichtliche Auseinandersetzung mit vermeintlichen Verrätern möchte man als Institution, die um uneingeschränktes Vertrauen wirbt, eigentlich nicht haben."

Quelle:
netzpolitik.org/2011/flucht-nach-vorn-wikileaks-veroffentlicht-alle-cables/

"Was war geschehen? Domscheit-Berg hatte Ende letzter Woche dem “Der Freitag“-Reporter Steffen Kraft offenbart, dass es bei Wikileaks ein Leck gegeben habe. "

Quelle:
blog.zdf.de/hyperland/2011/08/domscheit-berg-ein-klassisches-ablenkungsmanoever/

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shalako 02.09.2011 | 18:51

Wann darf die Leserschaft den damit rechnen, dass >der Freitag sich mal mit dem Inhalt der nun veröffentlichten Depeschen befasst und darüber berichtet.

Für den Informantenschutz kann die Redaktion doch sorgen.

Der Quellenschutz ist ja durch Wikileaks gewährleistet und war auch zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Hellie Bu 02.09.2011 | 19:58

Na, jeder weiß, das wl zu wenig Mitarbeiter hatte, um alle Bearbeitungen selber zu machen, warum sollen Journalisten nicht tun, was sie gut können - bezahlt an Texten rumbasteln.
Und ist es wirklich so abwegig von Assange, einem Partner (vom Guardian) ein Passwort zu übergeben und darauf zu vertrauen, dass es nicht weitergegeben wird (zumal das vertraglich so festgelegt war). Wie misstrauisch muss man seinen eigenen Partnern gegenüber sein?

Hellie Bu 02.09.2011 | 20:05

Da stimme ich zu:

Es hat eine Datenpanne gegeben, an der der Guardian seinen deutlichen Anteil hatte - immerhin hat David Leigh das Passwort buchstabengetreu veröffentlicht, weil er offenbar keine Ahnung von der Verschlüsselung durch PGP hat. Diesen Umstand lässt Steffen Kraft unter den Tisch fallen - vielleicht, weil der Fretag auch mit dem Guardian zusammenarbeitet?!

Ich kann es nicht so abwegig von Assange finden, einem Partner (vom Guardian) ein Passwort zu übergeben. Das ist doch ein normaler Vorgang - auch bei eteas sensibleren Daten. Normalerweise vertraut man darauf, dass, dass es nicht weitergegeben wird (zumal das vertraglich so festgelegt war).

Als das Buch von Leigh erschien, waren die Daten längst gespiegelt und nicht mehr löschbar. Daher hat Wikileaks das einzige getan, was man tun konnte – möglichst niemanden auf einen Zusammenhang zwischen Datei und Passwort aufmerksam zu machen.

Wenn also im Laufe des Jahres ein paar Insider den Zusammenhang kannten, ist das eine Sache – an die große Glocke gehängt haben Daniel Domscheit-Berg und der Freitag die ganze Sache!!! Mit dem Ergebnis, dass nun alles im Netz steht. Ehrlich gesagt, auf den Schachzug wäre ich nicht stolz und wäre ganz still, was das Rumhacken auf Assange betrifft.

Hellie Bu 02.09.2011 | 20:17

Steffen Kraft suggeriert in seinem Artikel, Wikileaks habe bewusst auf eine Bearbeitung der Depeschen verzichtet. Seine beiden Hinweise stammen aus den Anfangszeiten der Plattform und haben mit den aktuellen Gepflogenheiten nichts mehr zu tun.
Alles was im letzen Jahr veröffentlicht wurde, war bearbeitet, das sieht man auch an den in der letzten Woche veröffentlichten Depeschen. (Wenn jetzt seit heute die unveröffentlichte Version im Netz steht, dann nur, weil alle Geheimdienste sie eh schon einsehen konnten.)

Was den Schaden angeht - Lieber Freitag, stoßt nicht in das gleiche Horn wie das Pentagon: Selbst Rainer Metzger von der taz stellt fest, dass sich der Schaden für die amerikanischen Zuträger wohl in Grenzen hält, da die Daten bei der geringen Geheimhaltungsstufe in den USA auch ohne den Umweg über Wikileaks bereits bei vielen Geheimdienst gelandet sein dürften.

Seit ihr Medienpartner von openleaks seid, ist leider die frühere wohlwollende Betrachtung von wikileaks dahin. Schade!
Und ein Hinweis auf den Prozess in Schweden darf auch nicht fehlen, um Assange auch persönlich zu diskreditieren. Kehrt zu einem sachlichen Umgang mit dem Thema zurück!
Eine Medienpartnerschaft mit openleaks mag sich pragmatisch für den deutschsprachigen Raum anbieten. Sie wird aber ein Schuss in den Ofen, wenn ihr euch von Daniel Domscheid-Berg zu sehr auf eine Seite ziehen lasst, weil sich dann viele Leute, die das Thema interessiert, eure Berichterstattung sparen können.

Hellie Bu 02.09.2011 | 20:31

Da muss ich widersprechen,
die von Wikileaks selber veröffentlichten Daten sind bearbeitet! Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der kursierenden Datei um Rohmaterial, das so nicht veröffentlicht werden sollte. Das kann jeder in den verschiedenen Büchern und Artikeln von Spiegel usw. nachlesen.
Wikileaks hat sich nach einer kurzen Anfangsphase davon verabschiedet, Material unbearbeitet zu veröffenlichen. Das kann an ihren wirklich nicht vorwerfen.

Hellie Bu 02.09.2011 | 20:38

Mal ernsthaft:
Wie glauben die naive Analog-Journalisten, werden sensible Daten aufbewahrt (u.a. von Wikileaks)? Unter dem Bett im Sparstrumpf, als CD im Eisfach? Wohl kaum!
Daten werden z.B. mit PGP verschlüsselt, mit Hilfe eines Codewortes, zu dem nur wenige Leute Zugang haben und dann wird das Ganze auf irgendeinem Server (oder mehreren) abgelegt.
So schlecht ist die Methode eigentlich nicht.

100% sicher ist das natürlich nicht – doch aus Julians Kühlschrank wären die CDs wohl auch inzwischen geklaut worden.

Dabularasa 05.09.2011 | 03:34

DB schon wieder.
Ich dachte wir wären ihn los.
Hat er doch den Weg aus der Kanalisation gefunden.;-)
Nein,Frodo ist er nicht.

Gollum ist er !
Unser kleiner Witzelblowser

Falls jemand Gollum nicht kennt:
https://encrypted.google.com/search?q=Gollum=de=ivns=lnms=isch=jwpkTtqsDs3rsgawhpWbCg=X=mode_link=mode=2=0CBkQ_AUoAQ=1280=685

Naja,die letzen Zuckungen vorm Konkurs.

n/apolomon 05.09.2011 | 10:29

Da kann man born2bmild beipflichten. Zudem gab es zu keiner Zeit sichere Technik, da diese allein niemals ausschlaggebend war, zu keiner Zeit .

Es geht vielmehr stets um das technosoziale System, und damit sind auch schon die "Fehlerquellen", die Interessen etc. benannt. Wenn dann auch noch der encrypt- Schlüssel in der selben Leitung (bzw. überhaupt vermittelt) übermittelt werden muss, dann ist gar nichts mehr sicher.

Die Telekom wußte das schon immer.

Ganz fatal wird es dann, wenn das ganze zuvörderst inszeniert ist: Dann berichtet anschliessend bild.t-online oder deren Nachfolger, allesamt auch kreative Marktakteure, über Namen, die Nachrichten machen.

Dabei gehts um anderes. Nämlich denen geht's um fette Werbekampagnen. Und warum? Weil alles, was machbar ist, auch gemacht wird.

Maud's Harold 05.09.2011 | 14:04

Whistleblower? Hierzulande von der Mainstream-Journaille gern mit Petzer, Verpfeifer, gar Verräter übersetzt...
Gerd R. Rueger geißelt das in seinem Buch
"Die Zerstörung von WikiLeaks?"
ausführlich und bringt (anders als der Buchtitel vermuten lässt, wahrscheinlich so eine PR-Vermurksung seitens des "Anders-Verlages")
eine nicht auf Skandal und Personalisierung gebürstete Version der Geschichte.

LeakingFriday 09.09.2011 | 23:03

Wer lesen kann ist klar im Vorteil. James Ball war von November 2010 bis Januar 2011 ein Mitarbeiter von Wikileaks und ist anschließend zum Guardian gewechselt, um dort gegen Wikileaks zu feuern. Denn Renegaten sind immer die besten Zeugen gegen den "Feind".
Der Zeitpunkt diese Abrechnung zu schreiben ist natürlich kein Zufall. Und genau deswegen ist sie unnütz, weil sie überall die Rolladen runterfahren läßt, anstatt zu einer positiven Diskussion zu führen, in der Kritik nicht zum verletzen sondern zum verbessern da ist.

Weitere Artikel von ihm im Guardian zu Wikileaks:
www.guardian.co.uk/profile/jamesball+media/wikileaks

In diesem Artikel
www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/jul/16/bradley-manning-wikileaks-security
macht er absurderweise Wikileaks für die Festnahme von Manning mitverantwortlich. Dabei gibt er sich nicht einmal die Mühe, ihn als mutmaßliche Quelle zu bezeichnen, sondern für Ball ist Manning die Quelle. Ob das wohl im Verfahren von Manning als Beweismittel eingeführt werden wird? Ich sehe schon die Schlagzeile: "Ex-Wikileaks-Mitarbeiter als Zeuge für den Verrat von Manning"