Zornige Träume

Liebe Das zornige Bekenntnis einer ewig Suchenden - mit Augenzwinkern zu betrachten...
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Mir träumte einst, es gäbe eine Liebe, die währte ewiglich und überdauerte Zeit und Raum. Da wäre etwas, das im Strudel der Gezeiten verloren gewesen sei, unglücklich und verloren, aber nicht für immer. Und ich wähnte, ich müßte nur genug Leben leben, um diese zu finden. Wiederzufinden. Und ich lebte diese Leben, Stück für Stück. Stets war ich auf der Suche. Nach ihm.

Nach dem, der einst vor Urzeiten mein Herz besessen und nie mehr hergegeben hatte. Viele Leben habe ich durchwandert, viele Lieben geliebt und viele Leiden gelitten. Doch ich fand ihn nie. Manchmal war da eine Ahnung, er sei es und ich sei angekommen, aber dann war es doch nur ein zynischer Irrtum, ein Spiel der Farben der Liebe und meine Suche ging weiter. Ich stellte mich den Stürmen der Liebe, öffnete mein Herz und ließ es zu und doch war da wieder der Irrtum. Ein weiterer Sturz in den Abgrund. Einmal zu viel gestürzt. Und ich haderte mit mir, mit ihm, mit der Liebe. Ich schrie ins Universum, ich brüllte meine Verzweiflung, ich ertränkte Sterne mit meinen Tränen. Und das Universum antwortete mir mit eisigem Schweigen. Und mir war klar, meine Zeit ist gekommen, ich muss nicht mehr wandern zwischen den Welten und den Zeiten. Ich muss nicht mehr suchen, denn der, den ich finden wollte, ist längst gestorben. Untergegangen in den Nebeln der Zeit. Meine Suche war vergeblich. Es gibt ihn einfach nicht.

Und jetzt weiß ich, ich werde niemals ankommen. Alle Suche, alles Hoffen war umsonst. Ich soll und werde ihn nie mehr treffen, das Schicksal oder eine böse Macht haben dagegen entschieden. Eigentlich ist diese Erkenntnis auch so etwas wie Ankommen. Wenn ich also, so stelle ich mir vor, nach meinem hiesigen Hinscheiden wieder an der Verteilerpforte gefragt würde, „Ewige Ruhe oder Wiedergeburt?“ so könnte ich nun wählen, „Ewige Ruhe, bitte.“ Ich würde in den bleiernen Schlaf der Ewigkeit fallen und müßte nicht mehr suchen, nicht mehr lieben und nicht mehr leiden. Vielleicht wäre ich für die ewige Ruhe aber doch zu quirlig und man würde mir einen Job anbieten, weil ich sonst die anderen ewig Ruhenden stören würde – nein wundern würde mich das nicht – dann würde ich bitten, ein Schutzengel sein zu dürfen. Für Liebende. Weil ich mich der Liebe doch so lange verschrieben hatte. Man würde mein Ansinnen prüfen und für gut befinden. Ich müßte natürlich noch ein, zwei Schutzengel-Seminare besuchen, aber dann würde es gehen.

Ich würde also ein Schutzengel. Und zugeteilt einem aufrichtig liebenden Mann oder einer aufrichtig liebenden Frau. Ja, das würde mir gefallen. Ich würde mein brennendes Schwert zücken und diese Liebe verteidigen. Ja, das würde ich. Mit all meiner Engelskraft. Und ich würde natürlich meine Flügel toll finden und meine feinstoffliche Gestalt. Aber ich hoffe doch inniglich, dass Engel, besonders Schutzengel, keinen Schmerz mehr fühlen müssen. Keine Liebe mehr kennen. Also, wenn das nicht so wäre, dann würde ich den Job nicht annehmen und lieber die ewig Ruhenden stören. Wahrscheinlich würde ich dann irgendwann aus dem Himmel vertrieben und in der Hölle landen.

Und - siehe da - alte Bekannte wiedertreffen…
Aber das ist ja auch alles nur geträumt.

20:22 14.07.2012
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Geschrieben von

S. Steinebach

„Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.“ Konrad Adenauer
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S. Steinebach

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