eckhard siepmann

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RE: Der Traum der Deutschen | 11.03.2011 | 16:29

lieber jakob augstein,

okay, sie haben das romantikbuch von safranski gelesen. und dass sie es nicht verstanden haben, würde ich selbst dann nicht annehmen, wenn safranski nicht so wunderbar verständlich schreiben würde. aber wie in aller welt kommen sie dann auf die behauptung, die romantiker hätten "wut und verachtung" für die aufklärer gehabt?? gerade die freunde tiecks, novalis und schlegel, haben sich als vollender der aufklärung verstanden. was einschließt, dass sie die aufklärung als produktiv, aber vollendungsbedürftig angesehen haben. (in einer versteckten bemerkung in einem seiner sudelbücher attestiert novalis dem kant auch schon mal "Advocaten geist"). verachtung empfanden sie hingegen für die hausmeister der aufklärung, die näselnden rationalisten des kulturbetriebs, auf sie beziehts sich tiecks bonmot.

ich liebe die frühe romantik, daher meine etwas gereizte reaktion. und ich mag auch den "freitag", der gegen irrationalismus genau so gefeit ist wie gegen die genannten hausmeister.

RE: Der Traum der Deutschen | 11.03.2011 | 12:03

nanu, geschätzter freitag-herausgeber, wie kommt es, dass sie so unaufgeklärt über die romantik schreiben? ihre romantik-vorstellung hält ungefähr die mitte zwischen zwei tristessen: da ist das umgangssprachliche wort romantisch, womit gemeint ist: gefühlsbetont, stimmungsvoll, auf die vergangenheit gerichtet. und dann ist da der erhobene zeigefinger von georg lukàcs: romantik als gegenbewegung zur aufklärung, als zerstörung der vernunft, nähe zum faschismus.

hätten sie das großartige romantik-buch von rüdiger safranski wirklich gelesen, aus dem sie zitieren, dann wäre ihnen diese peinlichkeit erspart geblieben. ein wissen vorgeben, das man gar nicht hat - lieber jakob augstein, werden sie nicht am ende zum guttenberg des aufgeklärten deutschen journalismus! eckhard siepmann