Noch einmal gegen Gott und die Welt

Musik Wer nach der richtigen Platte sucht, um sich diesen Sommer wie ein dauerverknallter Halbstarker zu fühlen, der dürfte bei Bass Drum of Death fündig werden

Für eine Band, deren Musik klingt, als würde sie aus der Poster-verklebten elterlichen Garage ihrer Urheber ohne Umwege in den Magen des Hörers katapultiert, ist Bass Drum of Death womöglich der beste noch nicht vergebene Name, den es gibt. Nur handelt es sich bei Bass Drum of Death nicht um eine Band im eigentlichen Sinne, sondern um das Einmannprojekt eines jungen Mannes namens John Barrett, der sämtliche Instrumente selbst eingespielt hat. Und eine Bass Drum, die, wie der Name suggeriert, mit tödlicher Präzision und bassigem Wumms die Eingeweide malträtiert, sucht man in dessen Sound ebenfalls vergebens. Stattdessen poltert und scheppert auf Barretts selbstbetiteltem zweiten Album das Schlagzeug in brachialem Einklang mit der bis zum Anschlag verzerrten Gitarre.

Das erinnert in seinen poppigsten Momenten an die Dreieinhalb-Minuten-Hymnen von kalifornischen Powerpunkern wie Redd Kross oder Heavy Metal Kids, ob seiner ungestümen Energie an den Sturm-und-Drang-Rock‘n‘Roll des jungen Jerry Lee Lewis, und hin und wieder schimmert sogar etwas roher, wunder Blues durch das melodietrunkene Getöse. Kein Wunder also, dass das erste Bass-Drum-of-Death-Album GB City (2011) in Barretts Heimatstadt Oxford, Mississippi bei Fat Possum erschien. Das Indie-Label hat sich mit Alben von R. L. Burnside, Junior Kimbrough und den längst mega-erfolgreichen Black Keys den Ruf erarbeitet, maßgeblich zur Erneuerung des angestaubten Genres Blues beigetragen zu haben.

Wenn John Barrett sein neues Album nun auf Innovative Leisure herausbringt, einem Label, um dass es, dank des wilden R&B eines Nick Waterhouse oder des erotisch aufgeladenen Soulpop von Rhye, momentan einen regelrechten Hype gibt, dann ist auch das durchaus schlüssig. Denn so grundunterschiedlich die Musik der genannten Künstler ist, so hat sie doch eines mit dem lärmenden Lo-Fi-Rock von Bass Drum of Death gemein: Sie bedient sich mit beeindruckender Kenntnis in der Vergangenheit und bereitet das Gefundene überaus stilsicher und originär auf. So hat Barrett sein Stilspektrum nun beispielsweise um Surf- und Grunge-Elemente bereichert, die sich auf Bass Drum of Death mit der schon auf GB City unverkennbaren Vorliebe für Sixties-Protopunker wie The Pagans oder The Sonics zu einem herrlich schwitzigen, pickeligen Denkmal an die immerwährende Pubertät vereinen.

Gar nicht so einsamer Höhepunkt dieses Amalgams: die erste Single-Auskopplung „Shattered Me“. Beschlich einen beim Debütalbum noch ab und an das Gefühl, Barrett würde gezielt daran arbeiten, möglichst hymnischen Garagen-Rock unter strikter Vermeidung allzu eingänglicher Refrains zu erschaffen, so legt dieser Song, mit seiner randalierenden, Reverb-getränkten Fuzz-Gitarre und einer zuckersüßen Hookline, die sich bis in alle Ewigkeit ins Gedächtnis fräst, nahe, dass er bloß so zurückhaltend war, um nun so richtig in die Vollen gehen zu können. Bass Drum of Death ist nicht nur dreckiger, knorriger und lauter als sein Vorgänger, sondern auch um einiges Hit-lastiger. Wer nach der richtigen Platte sucht, um sich diesen Sommer noch einmal wie ein gegen Gott und die Welt revoltierender, dauerverknallter Halbstarker zu fühlen, der dürfte hier garantiert fündig werden.

Bass Drum of Death Bass Drum of Death (Innovative Leisure/ Alive) 2013

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