Menschenrechte durch Humanitäre Intervention?

Bomben für Frieden ? Sie spazieren mit Ihrer Freundin nachts im Park, kommt 'ne Horde Russen, stockbesoffen, macht sich an Ihre Freundin ran, Sie haben die MP dabei...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die USA und Europa treiben friedfertigen Handel und Wandel, kreuzen ein paar Völker mordende Schurkenstaaten ihren Weg, zufällig haben die Guten ein paar Flugzeugträger und Bomber dabei...

In dieser Art und Weise stellen einige sich und uns die Fragen und kommen natürlich zum gewünschten Ergebnis. Wie bei Degenhardts Befragung eines Kriegsdienstverweigerers.

Humanitäre militärische Intervention – realistisch oder weltfremd ?

Nur ist so ein Szenario ebenso „weltfremd“, wie das vor dem Tribunal der Gewissensprüfer.

So wie ich als friedliebender guter Mensch, nicht rein zufällig eine MP dabei habe, während fiktive stockbesoffene böse Russen meine Freundin überfallen, so wenig haben die an sich alle äußerst guten, liebevollen, friedfertigen und menschlichen Staaten dieser Welt, rein zufällig mal ihre Army, Marines und Air Force dabei, um die Bösen mit ein paar Bomben und Marschflugkörpern daran zu hindern, irgendwo in der Welt Völkermorde zu begehen.

Die Armeen dieser Erde existieren zur Aufrechterhaltung (und Ausdehnung) innerer und äußerer Macht ihrer Staaten, zum Durchsetzen und Wahren ihrer Interessen.

Keine der kostspieligen Armeen, ist aufgestellt um Gutes in der Welt zu tun. Das können für weniger Geld andere viel besser.

ABRÜSTUNG IST DIE BESTE HUMANITÄRE INTERVENTION

Jean Ziegler klagt die Menschheit, unsere Ökonomie und ihr Verteilungssystem, des jährlichen Mordes an 56 Millionen Menschen an.

Das ist ohne jeden Zweifel der schlimmste, fortwährende Massenmord unserer Zeit.

Selbst wenn wir den stärksten Armeen und Staaten dieser Erde pure Güte oder einfach nur Respekt vor den Menschenrechten attestieren könnten – sind ihre Armeen und ihr Verbrauch an Ressourcen nicht eines der gewaltigsten Hindernisse, um dieses Massensterben endlich zu beenden?

Vielleicht sollten sogar die Staaten, von deren militärischer und ökonomischer Macht die Welt im Allgemeinen nichts Gutes zu erwarten hat, einen Völkermord verhindern dürfen, müssen....

Aber würden sie es überhaupt tun, wenn das ansonsten gerade nicht ihren Interessen entspricht?

Die bisherige Erfahrung spricht dagegen und nichts spricht dafür, dass Deutschland künftig eine rühmliche Ausnahme in selbstloser Kriegsführung für die Armen und Entrechteten dieser Welt wird.

Bundespräsident Gauck und von der Leyen und zuvor schon Köhler oder Struck sprechen klar von Sicherung und Verteidigung deutscher Interessen und zwar militärisch und weit außerhalb Deutschlands. Gaucks Rede in München bedeutet nichts anderes, als zukünftig permanente überlegene Kriegsführung und die Drohung mit dieser Fähigkeit, zum alltäglichen Mittel auch deutscher Politik zu machen.

Faktisch ist das bereits seit 1999 so.

Sind solche Interessenlagen und Absichten vereinbar, mit der Fähigkeit, sich an „neutralen“, ausschließlich humanitären UNO-Einsätzen zu beteiligen?

Werden nicht vielmehr vergleichbare Ereignisse, Verbrechen , je nach Interessenlage völlig unterschiedlich bewertet?

Wer spricht von politischen Gefangenen in der Türkei? Wer von solchen in Kuba? Sind Tausende gemordete KurdInnen weniger (Völker)mord, als Tausende gemordete KroatInnen?

Liegt nicht die Interpretationshoheit bei den großen Mächten und damit die Legitimation von Krieg ?

Landen nicht afrikanische Staatschefs viel eher in Terror- und Verbrecherkarteien der westlichen „Weltgerichte“, als alle anderen?

Deutschlands neuer Nachbar Afrika

Afrika ist übrigens unser neuer Nachbar, da , wo unsere Bundeswehr künftig verstärkt rustikale Nachbarschaftshilfe leisten soll. Und wo es Rohstoffe, Land und strategische Interessen gibt.

Und je nach Bedarf, manchmal Menschenrechte wichtig sind.

Niemand hat eben rein zufällig die MP dabei, und die, die sie dabei haben, haben sie nicht zufällig dabei.

Niemand hat rein zufällig die Drohnen dabei, mit denen weltweit auf Befehl Menschen extra-legal hingerichtet werden können.

Sollte ich mich irren, sollten viele der hochgerüsteten Staaten doch zu „den Guten“ gehören, können sie am meisten helfen, das elementarste Menschenrecht sichern, Menschenleben zu retten, wenn sie ihre Armeen abschaffen oder zumindest stark reduzieren und die freiwerdenden Ressourcen zur friedlichen Entwicklung der Welt einsetzen. Die Reichen (Staaten) müssten sich dann zudem nicht mehr so viele Ressourcen von den Armen (Staaten) klauen und diesen Raubzug nicht mehr mit militärischen Mitteln absichern.

05:42 02.02.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 3