Sozialdemokratisches Modell - Ende in 70ern

- Kapitalismus - ...Bis Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es eine Wirtschafts- und Sozialentwicklung von der alle gesellschaftlichen Klassen "profitierten"
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Vom Ende des 2. Weltkrieges bis in die Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es eine Wirtschafts- und Sozialentwicklung, von der alle gesellschaftlichen Klassen und die Mehrzahl ihrer Individuen „profitierten“.

Dies gilt für die entwickelten kapitalistischen Industrieländer des Westens (1.Welt) und interessanterweise bis dahin ebenfalls für die Mehrzahl der Länder des „Realen Sozialismus“, insbesondere soweit sie in ihrer industriellen Entwicklung dem Stand der 1. oder 2. Welt entsprachen.

Adam Smith's „The Wealth of Nations“ mit Markt und Kapitalismus ging scheinbar auf.

Von CDU, FDP bis zur SPD feierte man sich und „Soziale Marktwirtschaft“.

Die sozial- und christdemokratische Sozialpartnerschaftsideologie und -Praxis erlebte ihren erfolgreichen Höhepunkt.

Der Zuwachs des Volkseinkommens landete bei (fast) allen. Wenn auch in unterschiedlicher Weise in den verschiedenen Modellen. Von Skandinavien bis USA....

Und auch nicht ganz freiwillig – kampfbereite und kämpfende Gewerkschaften spielten eine wichtige Rolle.

Ab der zweiten Hälfte der 70er wurde der Fordismus (Fließbandproduktion mit großen Anteilen arbeitsteiliger menschlicher Arbeit) in der Massenproduktion des modernen, klassischen Industriezeitalters zum Auslaufmodell.

Parallel dazu war eine Marktsättigung in den „reichen“ Ländern eingetreten. Die Märkte ließen sich nicht erweitern, wurden durch den „Realen Sozialismus“, Entkolonialisierung , weitere nationale Eigenentwicklungen bzw. auch die Nichtentwicklung von kaufkräftigen Drittmärkten begrenzt.

Die Profitmargen stiegen nicht mehr im gewünschten und erforderlichen Umfang.

Erforderlich auch deswegen, weil der Zwang zur Rationalisierung – Automatisierung, Computer, Robotertechnik – ungeheure Mittel erforderte.

Sinn dieser Rationalisierung war Arbeit einzusparen – also die Kosten für diese Arbeit.

Völlig sinnfrei ist es, wenn die Gewinne der durch Robotertechnik wegrationalisierten Arbeit , dann in Form von unproduktiven Lohnersatz- und Sozialleistungen, Kultur, Bildung... wieder von der ArbeiterInnenklasse verfrühstückt werden.

Damit hatte das Klassenkampfmodell der scheinbar gleichberechtigten „Sozialpartnerschaft“ ausgedient.

Das Zeitalter der sozialdemokratischen Reform und von „Mehr Demokratie wagen“ war beendet.

Modell Deutschland

Die Organisationen und Parteien der Arbeiterbewegung in den „westlichen Ländern“ (im Wesentlichen sozialdemokratisch) bemerkten das lange nicht- oder wollten es nicht bemerken. Allerdings gehörte der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt zu den Ersten, die das erkannten.

Folglich gehörten Lohnquote und Sozialsystem reduziert – um die Gewinnquote auf der Kapitalseite wieder erhöhen zu können.

Eine andere Möglichkeit wäre die Interessenvertretung der ArbeiterInnenklasse gewesen...

Zeitalter des Neoliberalismus und des Sozialabbaus

Thatcherrismus, Reaganomics – Schröder, Blair und Co

Dies wurde schließlich in den nächsten Jahrzehnten bis heute zum vorherrschenden globalen Modell und machte die klassische Sozialdemokratie , die dem nicht nur keinen Widerstand entgegensetzte , sondern dort wo sie noch Bedeutung hatte oder hat, zu einem ihrer wichtigsten Exekutoren wurde, zunehmend überflüssig. Ähnliches gilt für dieser Ausrichtung folgende Gewerkschaften - also für die große Mehrheit der westlichen Gewerkschaftsbewegung.

Nicht von Ungefähr besteht die Heldengalerie des praktizierten Sozialabbaus und Neoliberalismus nicht nur aus „Maggie“Thatcher und Reagan, sondern auch aus den Sozialdemokraten, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Toni Blair.

In Deutschland spricht nichts dafür, dass die SPD sich von diesem Modell auch nur befreit hat. Und noch weiter ist sie davon entfernt, ein neues zu entwickeln, mit dem sie sich zumindest unzweideutig auf der Seite der unteren Hälfte der Bevölkerung stellt.

Da ist die (unperfekte) „Die Linke“ um Lichtjahre weiter.

Realsozialismus und westliche KPs

Die Realsozialisitschen Länder verloren ab Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts den technologischen und damit endgültig den ökonomischen Wettlauf mit dem Kapitalismus. Der kommunistische Teil der ArbeiterInnenbewegung – soweit er im Westen noch von Bedeutung war - entschied sich mehrheitlich zur Ablehnung des realsozialistischen Modells als universelles Vorbild, wechselte dann meist zu (sozialdemokratischen) Anschauungen zum Thema Kapitalismus, während die gerade in der Praxis im Scheitern begriffen waren...

Risikofaktoren für den erfolgreichen Kapitalismus der Gegenwart

Der Kapitalismus an sich ist weiterhin recht erfolgreich, zur Zeit gehen die größten Risiken für ihn nicht vom Widerstand der gebeutelten und um immer weitere Anteile am Volkseinkommen gebrachten ArbeiterInnenbewegung in den entwickelten westlichen Industrieländern aus, sondern von den Folgen der Marktderegulierung durch die Neoliberalen (fast) aller Parteien.

Und sicherlich auch von antiimperialistischen, anitkapitalistischen, und sozialistischen Entwicklungen in Südamerika.

18:34 08.10.2013
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