Weder Reichskriegsflagge noch Hakenkreuz

Kapitalherrschaft "Sie brauchen keinen Führer", sang Lindenberg. Der neue Faschismus benötigt keine politischen Stellvertreter mehr, die größten Monopole machen den Job selbst. Besser.
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Die Gefahr eines neuen Faschismus oder eines ihm ähnlichen äußerst effektiven totalitären Systems, geht diesmal noch direkter von der Ökonomie aus als vor 1933. Die Wirtschaft, genauer gesagt eine kleine Anzahl Supermonopole übernimmt das politische Management selbst und hat oder entwickelt sämtliche Mittel dazu.


Hakenkreuz und Reichskriegsflaggen sind so was von mega-out, dass Amazon vermutlich der alten "Straßen-Antifa" glatt die Wasserwerfer samt Polizeieinheiten für die Rituale die alten Antifa-Festspiele sponsert.
Faschistische oder Nazi-Terrogruppen sind gefährlich, keine Frage. Naziorganisationen gehören verboten, Terror und Gewalt oder die Drohung damit müssen bestraft werden. Alle Menschen die von denen bedroht werden, müssen geschützt werden. Nur, die Gefahr einer "Machtergreifung" geht von denen nicht aus. Diese Gefahr, die Gefahr eines staatlichen "Systemwechels", genauer der Transformation innerhalb des Kapitalismus von bürgerlicher Demokratie in eine offen kapitalistische "Expertenherrschaft", die Herrschaft im Namen der Vernunft und der Effizienz, Machergreifung und Machtübertragung, an die "die wirklich etwas davon verstehen", die droht nicht aus Richtung Hakenkreuz und Reichskriegsflagge.

Die Bündnis- und Querfrontenwelt der neuen Unübersichtlichkeit verläuft auf der Erscheinungsebene paradox. Die (alte) Linke hält einen quotierten Aufsichtsrat und die CEO-Show moderner globaler Konzernfeudalherren für progressiv, während Teile der Rechten, Teile des kleinen Kapitals, kleine und mittlere Selbständige und degradierte Arbeiterklasse und degradierter Mittelstand ein Bündnis dagegen eingehen und z.B. Trump wählen. Oder AfD.
Diese "Rechten" sehen ihren Gegner in "Gendern" und Linken und Liberalismus, statt im neuen Monopolkapital.

Im Prinzip ist diese Formierung dem gar nicht so fern, was wir antimonopolistisches Bündnis nannten. Nur ohne Klassenbewusstsein.
Unter linkem, klassenbewussten Vorzeichen wäre es ein mögliches Bündnis im Kampf gegen die Monopole. Im Verteidigungskampf, in der Defensive.
Gekämpft wird um Identität, Genderstern, Rassimus. Von links und von rechts. Die einen fühlen sich von Identitätspolitik und Denkverboten bedroht, die anderen sehen darin den Kern des Fortschritts, bzw. die große Community der Progressiven. Die, denen gerade der Boden unter den Füßen weggezogen wird, denen der Arsch zurecht auf Grundeis geht, erwarten von den Etablierten - dazu gehört links - nichts. Das ist nicht dumm. Sie erwarten von Kräften, für die Trump und Co stehen viel, das ist nach Lage der Dinge sogar verständlich, wenn auch nicht schlau.


Diese "Linken" sehen ihren Gegner in Menschen, die die falsche Sprache gebrauchen, die korrektes Demo-Mangement nicht beherrschen oder in offenen Grenzen mehr Bedrohung als Wohltat sehen. Sie orten ihren Gegner in beinahe allen, die sich nicht der allgemeinen Staatsraison unterwerfen, was Links offensichtlich getan hat. Selbst linke oder bürgerliche Gegner der Corona-Maßnahmen werden so in linker Wahrnehmung zu rechten Outlaws. Talkshows definieren was zulässiger Diskurs ist. Die Linke ist nicht mehr Teil einer Gegenkultur sondern Teil dieser Kultur, sogar Repressalien einfordernd gegen Menschen, die sich dem nicht beugen.
Sie orten in der AfD in Verbindung mit derem Nazi-Anteil, ja in Demonstrierenden gegen die Corona-Maßnahmen, eine größere Gefahr als in Amazon, Google, Microsoft...oder dem System Uber.

Die sich konservativ formierenden Gegenbewegungen , selbst wenn ein paar Handvoll Nazis dabei sind, sind nicht die neuen Faschisten, im Gegenteil, sie stehen objektiv gegen den neuen Faschismus.
Allerdings sind sie in der Rolle rückwärtsgewandter Maschinenstürmer, sie haben so wenig eine echte Alternative anzubieten wie die Linke.

14:33 12.03.2021
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