Finding places!

Flüchtlingsunterkünfte Bürger suchen in ihrem Bezirk Flächen für Unterkünfte, eine ausgefeilte Technik hilft. Eine gewisse Gereiztheit ist vorprogrammiert.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Dieser Tage finden workshops mit dem Titel "finding places" in der Hafen-Universität statt. Jeder Bürger und jede Bürgerin ist eingeladen, mithilfe einer einladenden Technik ihrer Fantasie, was das Setzen von Flüchtlingsunterkünften auf freie Bezirksflächen betrifft, freien , naja fast freien, Lauf zu lassen. Gebraucht werden insgesamt 20000 Plätze. Flächen , rote, orangene,gelbe, je nach -ja was- zu erwartenden Problemen beim Erwerb , sind ausgewiesen. Auf zwei Tische projiziert der Computer den Bezirk, um den es bei diesem WS geht. 3 Metallquadrate dürfen draufgelegt, verschoben und damit eine Auswahl über Areale getroffen werden. Erstes Räuspern. Drängeln am Tischrand.Ein älterer Herr schiebt energisch in Richtung Lurup, eine engagierte Altonesin bezieht Blankenese ein. Dann der nächste Tisch: die Quadrate als Mosaik, Häuser können jetzt gesetzt werden. Erste Frage im Raum: Kleingärten? Erstmal nicht, die Projektleitung lächelt gequält. Aha. Na dann. Los gehts: Zwischen Einzelhäusern gibt es eine Grünfläche, auf der man rund 120 Menschen unterbringen könnte. Das ist doch eine viel zu enge Bebauung, empört sich der ältere Herr. Was heißt hier enge Bebauung, raunzt die Engagierte. Das sind Einzelhäuser mit großen Gärten, die können doch wohl die wahrscheinlich reizlose Grünzeile zur Verfügung stellen! Wenn Sie richtig Ärger wollen, machen Sie so weiter! So nah, das will keiner, das stört doch! Nein, ich wohne da, mich würde es nicht stören, meldet sich ein junger Mann . Der ältere Herr zieht sich kurzfristig raus und telefoniert. Die anwesenden Wissenschaftler und jeweiligen Amtsmitarbeiter sind nun mit der "Weiterverfolgung" dieses Grundstücks betraut - die Informationen, die der Computer ausspuckt, stimmen optimistisch: städtischer Besitz, leicht erschließbar. Weiter: ein Sportplatz, vorgesehen als Ausgleichsfläche für den Autobahndeckel, aber das kann dauern. Zwischennutzung möglich. Dann, sehr interessant, der Golfplatz! Über 13000 Menschen könnten hier großzügig untergebracht werden, das Hamburger Thema Flüchtlingsunterbringung wäre mit einem Schlag nahezu erledigt und : Der Hamburger Westen als ProblemLÖSER! Allerdings - es besteht ein noch 20jähriger Pachtvertrag und der Golfplatz ist einer der wenigen in Deutschland, die tatsächlich einigermaßen rege genutzt werden. Diese Informationen halten Computer und Amt bereit. Eine Teilnehmerin: Aber wozu brauchen wir innerstädtisches Golfspielen für Wenige, wenn wir jetzt vor einer solchen Unterbringungsherausforderung stehen? Gute Frage. Da müsste man sehr weit ausholen oder auch gar nicht weit. Der ältere Herr ist zurückgekommen und wimmert vor sich hin. Er wird seine Community über diese unsägliche Veranstaltung informieren, Mobilmachung ist jetzt angesagt. Schließlich : ein Park, respektive seine Hundewiese. Sehr gut angebunden, ÖPNV, Einkaufsmöglichkeiten, Villengegend, Platz für 280 Menschen. Bei der Bitte um die Formulierung eines Vorteils dieser Fläche, die wie bei den anderen auch notiert und weitergeleitet wird, sagt die Engagierte diesen Satz: Schreiben Sie, die Umgebung hat ein hohes Integrationspotenzial! Alle, naja fast alle , lachen. Mannomann, toitoitoi!

18:58 06.06.2016
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Geschrieben von

Stephanie Faust

Everything we hear is an opinion, not a fact. Everything we see is a perspective, not the truth. (Marc Aurel)
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