RE: Piketty hat dazugelernt | 29.12.2019 | 11:15

Wenn ich diesen Nonsense schon lese! Auf 50 virtuellen Zeilen steht da einmal wieder, Piketty hätte den Kapitalismus natürlich NICHT analysiert. Das stand vor drei Jahren schon so in der SZ, er habe sich nämlich 'verrechnet', der Piketty, dann eine kurze Korrektur, er habe sich doch nicht verrechnet, der Piketty, und dann wieder ehern, "Piketty, der sich bekanntlich verrechnet habe". Und jetzt der Freitag munter obendrauf. Es ist nur lächerlich. Ob man es glaubt oder nicht: eine Widerlegung des Kapitalismus zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er am nächsten Morgen zu Staub zerfällt! Das tut er nicht. Darum ist Rechnen das Dümmste nicht!

RE: Sie haben die Zügel in der Hand | 03.12.2019 | 03:09

Ich habe keine Lust mehr, mich über diese Versammlung der Verfassungsfeinde aufzuregen. Ich habe keine Kust mehr, in- und auswendig zu lernen, was ein Meuthen, ein Höcke, ein Kalbitz ist. Es darf keinen nächsten Parteitag dieser Angeblich-nicht-NSDAP mehr geben!

RE: Deutsche Gelbwesten | 28.11.2019 | 03:16

Ich fürchte, diese Analyse greift zu kurz. Tatsache ist, dass die Landwirte seit vielen Jahrzehnten zutiefst überzeugt sind von ihrem fragwürdigen Tun - was auch weiter kein Wunder ist. Wenn ein Beruf sich in einer Blase eingemottet hat, dann die Landwirtschaft. Nicht nur der Landfunk, die Verbandszeitschriften, Agrarvertreter, Bauernverbände, sondern ganze Institute und Lehrstühle käuen in einem fort das Schlagwort von der "modernen Landwirtschaft" wieder, die in allen Belangen nicht weniger als "optimal" sei - und das seit über 50 Jahren. Man gebe bei Google das Stichwort "Raps spritzen" oder ähnliches ein, und man erhält eine perfekte Anleitung zum flächendeckenden Biozid. Und das nützen die jungen Landwirte, die alten wissen eh, wie's gemacht wird. Das alles mischt sich mit uralten Ressentiments gegen Hecken, die nur schlüpfriges Getier beherbergen, gegen Greifvögel, Krähen, Waldränder (unnütz), Biber, unbegradigte Bäche oder gar, die Nemesis des deutschen Landwirts schlechthin, Wildschweine. Man kann auch einmal den Tag der offenen Tür in einer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt besuchen: da bekommt man stolz Kreaturen gezeigt, die man nur in den Abbildungen medizinischer Lehrwerke vermutet hätte. Von alledem ist die Branche hoch begeistert. Und im übrigen sog. Aussenraum sieht es nicht viel besser aus. Förster beklagen zwar medienwirksam den Klimawandel, auf ihren eigenen Webseiten entpuppen sie sich aber schnell als das, was sie sind, Forstwirte nämlich, die weiterhin dem konventionellen Waldbau verschrieben sind. Denken wir uns jetzt noch Jäger und Fischer hinzu, erhalten wir den traurigen Befund, dass nahezu die ganze Landschaft unter der Fuchtel dessen steht, was 1970 als "modern" galt.

RE: Abschied vom Neoliberalismus? | 26.11.2019 | 01:29

Den Neoliberalismus endlich wieder durch eine Leitmotivik zu ersetzen, die vage auf den Namen 'Keynes' hört, ist alles andere als ein Zurückweichen vor der 'Systemfrage'. Keynes muss richten, was die Hajeks genüsslich gefleddert haben, nämlich Infrastruktur und Gesellschaft. Das wäre auch der Fall, wenn es keinen Klimawandel und keine Ressourcenproblematik gäbe. Dass es beides aber gibt, bedeutet ganz konkret, dass wir überhaupt nicht die Zeit haben, die klassische 'Systemfrage' zu stellen. Hier und bei der ewigen Wachstumsfrage manövriert sich die Linke wie mechanisch selbst in eine Zwickmühle der monotonen Gleichsetzung von Kapitalismus = Wachstum = Umweltzerstörung = Kapitalismus usw. - als könnte man den Kapitalismus per Dekret beenden. Und als würde man bis dahin in ihm und nur in ihm gefangen leben wie in einem adornoschen Albtraum. Die wirkliche Systemfrage hört aber einzig und alleine auf die Formel CO2. Hierzu ist festzustellen, dass alle seriösen Institute, die seit Jahrzehnten Transformationsmodelle vorlegen, diese ganz selbstverständlich in erst DMark, Dollar und dann Euro beziffert haben, ohne im geringsten eine antikapitalistische Wunderkonstante in ihre Berechnungen einfliessen zu lassen.

Die "Grenzen des Wachstums" hingegen werden vor dem Hintergrund einer bald schrumpfenden Weltbevölkerung mehr und mehr zur apokalyptischen Folklore. Nicht dem Dämon 'Wachstum', sondern exploitativen, nicht-nachhaltigen Wirtschaftsformen gilt es, Grenzen zu setzen, und zwar per Gesetz. Vor allem aber wäre nötig, CO2-neutrales Wirtschaften nicht länger als eine Form der (Energie-) Mangelwirtschaft zu halluzinieren, sondern sich darüber klar zu werden, dass vielmehr ein Energieluxus alle anderen planetaren Grenzen schlagartig entlasten könnte. Mit einem Überfluss an (wohl photoelektrischer) Energie ließen sich noch die intensivste Landwirtschaft - wenn man das möchte - in Hochhäusern betreiben und sämtliche Abfallprodukte beliebig transformieren und recyceln. Das ist alles eine Frage des Energieaufwandes und nur bei der heutigen Gesetzeslage rettungslos unrentabel. Entscheidend sind die Gesetze, nicht das System.