Forschungsprojekte für den modernen Krieg

Nicht alle sagen ja Seit längerem findet eine Kooperation zwischen den Bundesministerien der Verteidigung und Bildung statt, um Hochschulkapazitäten für militärische Fragen zu nutzen.
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German Foreign Policy berichtete am 08.09. über die geplante

  • Konferenz "Future Security 2014".

Vom 16. - 18. September erwartet die staatliche Fraunhofer Gesellschaft zahlreiche hochrangige Vertreter der deutschen Streitkräfte und der Rüstungsindustrie sowie Wissenschaftler formal ziviler Hochschulen. Tagungsleiter Klaus Thoma ist u. a. ehemaliger Rüstungsmanager, Bundeswehrdozent und auch federführend im "Verbund Verteidigungs- und Sicherheitsforschung" der Fraunhofer-Gesellschaft. Er bekleidet zudem das Amt des Vorsitzenden des "Wissenschaftlichen Programmausschusses Sicherheitsforschung" beim BMBF und gehört dem Beirat "Forschung und Technologie" des Verteidigungs-ministeriums an.

Bei der Tagung geht es um das Thema Widerstandsfähigkeit westlicher Gesellschaften gegen Angriffe feindlicher Kombattanten im Inland. Vorgestellt werden Forschungsarbeiten zu "der Absicherung sogenannter kritischer Infrastrukturen in städtischen Ballungsräumen. Systematisch wird unter anderem der öffentliche Personenverkehr auf seine "Verwundbarkeit" untersucht. Übergeordnetes Ziel ist es, etwaige "Anomalien und Bedrohungen" bereits "großflächig" zu identifizieren, "bevor eine konkrete Gefährdung sicher festgestellt wurde". Zum Aufspüren verdächtiger Personen oder Materialien will man sich künftig verstärkt auf "intelligente" Robotersysteme und Drohnen stützen."

Nähere, sehr interessante Informationen sind zu finden unter

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58943

http://www.future-security2014.de/

  • Immer mehr Hochschulen arbeiten an kriegswichtigen Themen.

Wie der Kölner Stadtanzeiger am 14.07.2014 berichtete, erteilte die Bundeswehr für 300 000€ der Kölner Sporthochschule den Auftrag, die Wirkung von Senfgas auf Menschen zu untersuchen. Der zuständige Abteilungsleiter der Sporthochschule, sieht in der Forschung vor allem positive Aspekte bei der Behandlung von von Terroranschlägen Betroffenen auch im Hinblick auf Spätfolgen und sieht positive Nebeneffekte hinsichtlich der Erkenntnisse für die Tumorbehandlung allgemein.

In einer weiteren auf drei Jahre angelegten Studie "Fit fürs Leben" mit 8000 Teilnehmern geht es um Simulationen am Arbeitsplatz. Teilnehmer der Studie waren Soldaten, gemessen wurden unter anderem Herzfrequenzen und Stressfaktoren.

Die Uni Köln" hat seit 2010 insgesamt 474.000 Euro für zwei Projekte vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung erhalten. Mit dem Geld wurden umweltfreundliche Löschschaume und die Herausgabe der Schriften des preußischen Generals Gerhard von Scharnhorst unterstützt" und es soll eine externe Summer School durchgeführt werden .

Auch die Fachhochschule Bonn/Rhein-Sieg erhielt 2,2 Millionen Euro für vier Projekte, in denen es darum geht, Sprengstoffe zu entdecken und gezielt zur Explosion zu bringen.

  • Kritische Stimmen

Die Universität Bonn wurde mit 300.000 Euro von Verteidigungs- und Außenministerium unterstützt, um eine Professur im Namen des früheren US-amerikanischen Außenministers Henry Kissinger einzurichten."Gerade das Thema der Namensgebung und eine Stiftungsprofessur unter rein militärischen Gesichtspunkten ist jedoch umstritten. Hier gibt es einen breiten gesellschaftlichen Protest und eine Petition.

http://www.zivile-uni-bonn.de/

http://www.deutschlandfunk.de/uni-bonn-henry-kissinger-stiftungsprofessur-auf-der-kippe.680.de.html?dram:article_id=282052

Viele Kooperationen bleiben auch unter der Decke. "Wie jetzt aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervorging, gab es seit dem Jahr 2010 bundesweit an 41 Hochschulen Kooperationen mit dem Militär. 120 Aufträge im Wert von 28,1 Millionen Euro wurden an die Wissenschaftler vergeben – 70 Prozent mehr als ein Jahrzehnt zuvor. Eine komplette Liste mit allen Details liegt nicht vor, weil die Bundesregierung die Kooperationen als geheim einstuft."

http://www.ksta.de/lindenthal/kooperation-mit-der-bundeswehr-sporthochschule-erforscht-kampfstoff,15187510,27753158.html

„Universitäten sollen der Völkerverständigung dienen, das Militär dient dagegen dem Töten“, sagte Lucas Wirl, Geschäftsführer der Naturwissenschaftlicher-Initiative „Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit".

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) und der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring fordern mehr Transparenz. (Quelle ebenfalls ksta)

Ausgerechnet am Am 1. September, dem Antikriegstag, 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, begann die Summer School „Krieg im 21. Jahrhundert“, die von der Bundeswehr in Kooperation mit der Universität zu Köln ausgerichtet wird. Näheres dazu hier

http://www.jaeger.uni-koeln.de/fileadmin/cfa.pdf

Es ist sehr zu empfehlen, sich das Program einmal anzuschauen. Die NRHZ berichtete hierzu am 09.09.14 und dokumentierte einen offenen Brief von Gruppierungen der Uni, die sich gegen diese Kooperation aussprechen und ihre Beendigung fordern.

Der Brief beginnt nach der Kernaussage

"Nie wieder Krieg! Nein zur aktuellen Kooperation der Universität mit der Bundeswehr"

mit Ausschnitten der Präambel der Vereinten Nationen von 1945, an die ich hiermit auch gern erinnere.

„WIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN – FEST ENTSCHLOSSEN,
 künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat,
 unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen,
 Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können,
 den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zufördern,
UND FÜR DIESE ZWECKE
 Duldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben,
 unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren, (...)
HABEN BESCHLOSSEN, IN UNSEREM BEMÜHEN UM DIE ERREICHUNG DIESER ZIELE ZUSAMMENZUWIRKEN.“

Im folgenden kann man bei der NRHZ den genauen Wortlaut des Briefes nachlesen, was ich ebenfalls empfehlen möchte, gerade weil es doch sonst relativ still an den Hochschulen ist.

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20722

00:49 10.09.2014
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Geschrieben von

Stine

Europa hatte zweimal Krieg der dritte wird der letzte sein gib bloß nicht auf, gib nicht klein bei das weiche Wasser bricht den Stein.
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