Das Horror-Szenario Gepäckverlust

Koffer verloren gegangen? Auch wenn es mittlerweile zu einem selteneren Phänomen geworden ist – Gepäckverluste begegnen uns noch immer täglich. Doch was sind Rechte und Pflichten des Verbrauchers?
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Gerade als Verbraucher ist in einem solchen Fall nicht immer ganz klar, wie genau vorzugehen ist. Gilt man als der Besitzer eines der knapp 6 Gepäckstücke, die laut einer 2017 veröffentlichten Studie der SITA pro 1000 Flugpassagiere verloren gehen, so erscheint guter Rat meist teuer. Dabei haben wir als Verbraucher bestimmte Rechte, die mitunter sogar Entschädigungszahlungen ermöglichen. Dies wird jedoch nur selten so deutlich kommuniziert, sodass die Verzweiflung meist überwiegt.

Deshalb geht ein Koffer verloren

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, warum es gerade einen selbst treffen musste, wird man wohl kaum bekommen. Dennoch gibt es diverse Faktoren, die das Verschwinden von Gepäckstücken begünstigen. Dazu gehört zum Beispiel das unplanmäßige Streichen von Flügen, Streiks beim Personal oder auch wetterbedingte Einflüsse wie etwa starke Stürme.

Bei Langstreckenflügen mit mehreren Umsteigestationen erhöht sich ebenfalls das Risiko, sein Reisegepäck auf dem Weg zu verlieren. Das Verladen an den verschiedenen Stationen läuft nicht immer glatt und so kann es zu logistischen Fehlern kommen.

Nicht immer ist das Abhandenkommen eines Koffers zwangsweise auf logistische Fehler zurückzuführen. Manchmal kann es auch vorkommen, dass er gestohlen wird. Der Tipp lautet dahingehend: das Gepäckstück mit kleinen Schlössern versehen (entweder Anhängeschlösser oder Koffer mit Zahlenschloss).

Auch sperriges Gepäck könnte für Komplikationen in der Logistik gesorgt haben: herabhängende Schnüre etwa können den Transport des Gepäcks behindern. Um dies zu vermeiden, bietet es sich an die Packfolie am Flughafen zu verwenden. Der Aufpreis für diesen Service ist für gewöhnlich gering und lohnt sich. Für den Fall der Fälle ist es ratsam, zuvor ein Foto des Kofferinhaltes gemacht zu haben. Dies hilft den Mitarbeitern des Personals bei der Koffersuche enorm.

Was können Passagiere tun, wenn der Koffer verloren gegangen ist?

Der Gepäckverlust ist wahrlich ein Horror-Szenario, das kein Reisender gern durchleben möchte. Wer sein Reiseziel ohne Koffer erreicht, der wird im Urlaub und bei längeren Aufenthalten schnell Probleme bekommen. Gerade bei Flügen mit mehreren Zwischenstationen und verschiedenen beteiligten Airlines gestaltet sich die Suche nach dem verlorengegangenen Gepäckstück alles andere als leicht. Doch was kann man selbst in einer solchen Situation tun? Und welche Rechte stehen betroffenen Fluggästen zu?

Die Devise lautet erst einmal Ruhe bewahren. Auch nachdem das Gros aller Gepäckstücke bereits das Transportband verlassen hat, sollte man die Gepäckausgabe bis zum letzten Koffer aufmerksam beobachten. Damit sind auch jene Fließbänder gemeint, die eigentlich zu anderen Flügen gehören. Durch kleinere Fehler in der Flughafenlogistik kann es hier nämlich immer wieder vorkommen, dass der vermeintlich verloren gegangene Koffer auf der Gepäckausgabe eines anderen Fluges landet.

Verläuft die Suche nach dem verschwundenen Gepäck auch hier weiterhin erfolglos, sollte man schnellstmöglich den zuständigen Gepäckschalter aufsuchen. In der Regel ist dieser recht leicht zu finden, da er mit der plakativen Aufschrift „Lost and found“ gekennzeichnet ist. Die dort anzutreffenden Mitarbeiter des Flughafenpersonals sind für alle Belange bezüglich des Fluggepäcks zuständig – so auch für die Meldung verlorengegangener Gepäckstücke.

Bevor eine Verlustmeldung aufgegeben wird, lohnt es sich aber, auch hier noch einmal freundlich nachzufragen. Mit der Beschreibung des Koffers oder der Reisetasche sowie der Herausgabe der zugehörigen Gepäckregistrierungsnummer können die Mitarbeiter möglicherweise schnell Abhilfe schaffen. Anderenfalls muss unbedingt eine Verlustmeldung am Schalter aufgegeben werden. Der weitere Vorgang wird damit an die zuständige Airline übergeben – doch hier gilt es, Vorsicht walten zu lassen: nicht immer verläuft die Übermittlung der Verlustmeldung vom Flughafenpersonal zur Airline erfolgreich. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte sich im Anschluss zusätzlich direkt an die Airline wenden.

Zuversicht für die ersten 24 Stunden

Die großen Airlines geben selbst an, dass die meisten der verlorengeglaubten Koffer innerhalb der ersten 24 Stunden aufgefunden werden und ohne weitere Verzögerungen ausgeliefert werden können. Die Lieferung erfolgt kostenlos an die angegebene Aufenthaltsadresse. Dabei wird laut den Airlines besonders Rücksicht auf diejenigen genommen, die eine Hotel- oder anderweitige Urlaubsadresse angegeben haben.

Innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Gepäckverlust sollte man demnach zuversichtlich bleiben. Bei einer aufgegebenen Verlustmeldung setzt das Personal (bei guter Laune) für gewöhnlich alles daran, dass verschwundene Gepäckstücke schnell wiederauftauchen. In der Zwischenzeit sollte man sich durch dieses Ereignis nicht die Urlaubszeit vermiesen lassen.

Ansprüche und Rechte eines Reisenden bei Verlust des Gepäcks

Die Ansprüche eines Reisenden variieren im Falle von abhandengekommenem Gepäck je nach gebuchtem Flugticket und ausführender Airline. Wer Business Class fliegt, der wird entsprechend des erhöhten Flugpreises auch anders behandelt, als ein Reisender einer Billigfluggesellschaft – traurig, aber wahr. So gibt es bei manchen Airlines gesonderte Telefonhotlines für First-Class und Economy-Class Kunden, um hier nur ein Beispiel zu nennen.

Dennoch gibt es einige Rechte, die jedem betroffenen Passagier zustehen. Genau geregelt sind diese durch den Gesetzestext des Montrealer Übereinkommens mitsamt seiner Vorschriften zu Haftungsfragen im internationalen zivilen Flugverkehr. Demnach können bei einem Totalverlust Schadensersatzansprüche von bis zu 1.300€ pro Reisenden geltend gemacht werden. Allerdings ist dies erst frühestens 21 Tage nach gemeldetem Gepäckverlust möglich.

Bis dahin ist es dem Reisenden gestattet, sich angemessen mit Gütern des täglichen Bedarfes auszustatten. Dies schließt selbstverständlich keine teure Designermode ein – jedoch das Notwendigste wie etwa Kosmetikartikel, Rasierer, Kleidungsstücke zum Wechseln etc. Die Quittungen für diese Käufe sind zwingend aufzubewahren, da diese nach der einundzwanzigtägigen Frist zum Nachweis eingereicht werden müssen.

Je nach Fluggesellschaft herrscht mitunter auch eine andere Auffassung über die angemessene Ausstattung mit den notwendigsten Gütern. Im Zweifelsfall hilft hier die direkte Nachfrage. Im Schnitt ist mit einem Erstattungsbetrag zwischen 25-200€ zu rechnen. Einige Fluggesellschaften bieten sogar sogenannte „Overnight-Kits“ an, mit denen man die erste Zeit ohne sein Gepäck problemlos auskommen sollte.

Geld zurück bei Gepäckverlust?

Gerade für Leute, die in den Urlaub fliegen ist es ärgerlich, die Koffer nicht dabei zu haben. So kommt auch schnell die Frage auf, ob Reisekosten möglicherweise zurückerstattet werden können. Bei Pauschalreisen ist dies durchaus möglich – hier sollte man sich direkt an den Reiseveranstalter wenden. Pro „gepäcklosem“ Tag stehen uns nämlich zwischen 5-30 Prozent des Tagespreises der gebuchten Reise zu. Wenn der Koffer über den gesamten Urlaubsaufenthalt nicht aufgetaucht ist, so ist es sogar möglich, bis zu 50 Prozent des Gesamtpreises der Pauschalreise zurückzufordern!

Ferner können möglicherweise zusätzliche Ansprüche geltend gemacht werden, wenn man auf eine „nutzlos aufgewendete Urlaubszeit“ pocht. Hierfür gibt es aber recht genau definierte Bedingungen. Ein Strandurlaub ohne Strandtasche und Badelatschen ist nämlich trotzdem realisierbar, wohingegen ein Kletterurlaub ohne die nötige Ausrüstung wohl kaum machbar sein sollte.

10:41 11.01.2019
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Geschrieben von

Stirnlappenbasilisk

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