styx

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RE: Unsterbliche Über-Kühe | 23.04.2009 | 21:29

Ja ein toller Artikel. Was für eine brilliante Polemik! Welch treffliche Ironie! Besonders der Blickwinkel seiner Autorin auf das Zeitgeschehen, so scharfsinnig, so klar. Besonders gelungen finde ich die Aussage vom Sinn und Zweck des zweiten Weltkrieges, da treibt es mir Tränen in die Augen vor lauter Wonne. Welch allgemein gebildeter Horizont. Dazu jene großartige Feststellung die Nazis hätten an kultureller Dominanz gewonnen. Unglaublich! Und erst die radikale Kritik an dem Film "Das Leben ist schön", die sollte man dem unfähigen Benginni ins Gesicht schleudern.
Willkommen in den Tiefen des Schwachsinns.
Es zeugt schon von einer ganz besonderen Arroganz, sich in einen Film zu setzen der einen nicht interessiert und ihn dann noch lauthals zu beschimpfen. Keine Frage über die Qualität der Unterhaltung läßt sich streiten. Und Hitler ist eine Figur der Zeitgeschichte, ob man will oder nicht. Und der Umgang mit dem Nationalsozialismus sagt eine Menge über jene aus die mit ihm umgehen. Und übrigens auch über jene die am liebsten nichts mehr davon wissen, sehen oder hören wollen.

RE: Mücken stechen das Fell des Löwen | 20.04.2009 | 12:19

Als Sir Henry Morgan 1675 als Oberrichter und späterer Gouverneur nach Jamaika zurückkam, schien seine wichtigste Aufgabe, die Piratenbekämpfung, nicht gerade leicht zu werden. Morgan hatte aber ein, im wahrsten Sinne des Wortes, todsicheres Konzept. Als erfolgreichster Pirat seiner Zeit im Ruhestand kannte er die Mentalität seiner ehemaligen Konsorten genau. Er bot zunächst allen die wollten einen Generalpardon an und ließ nach Ablauf der Frist alle aufhängen derer er habhaft werden konnte.
Julius Cäsar galt als der erfolgreichste Feldherr Roms. Sein Rezept mit unbotmäßigen Völkern umzugehen war ähnlich radikal. Für gewöhnlich glaubt man Völkermord sei eine Erfindung des 20 Jh., wer diesem Gedanken anhängt dem empfehle ich die Lektüre von Cäsars "De bello gallico". Dort kann nachgelesen werden wie die Römer voller Stolz und sich natürlich im Recht fühlend, sie käpften ja für eine höhere Sache, ganze Stämme ausrotteten, tatsächlich schufen sie eine Wüste und nannten es Frieden.
Würde heute ein Feldherr ähnlich handeln so würde ihn nicht nur der Stammtisch bejubeln sondern auch ein Verfahren wegen Völkermordes erwarten. Es bleibt bedauerlich, dass sich mit der zunehmenden Bedrohung auch die Antworten radikalisieren. Und so wird es wohl kommen. Irgendwann werden die Amerikan anfangen Bobenangriffe auf angebliche Piratennester zu fliegen, umkommen werden dabei die "Unschuldigen".
Noch ein Wort zu denen die behaupten sie würden den Tod nicht fürchten. So etwas sagt sich leicht wenn man wieß das noch ein paar Träger der Idee, für die man in den Tod geht, übrig bleiben. Es wäre interessant herauszufinden wie viele sich einen Sprengstoffgürtel umschnallen würden, wenn sie wüßten am Ende bliebe keiner mehr übrig der ihre Taten feiern könnte.
Mit einer klaren Gewissheit im Hintergrund begehen sich solche Taten leicht. Solange man den Piraten oder den Taliban, oder wer auch immer gerade meint es sei gut andere abzuschlachten, diese Gewissheit nicht nehmen kann wird es so weiter gehen.

RE: Wie die Linke gesprächsfähig wurde | 17.04.2009 | 19:51

Zu Gründungszeiten der Taz mag eine Gegenöffentlichkeit noch etwas aufregendes und neues gewesen sein. Heute weiß vor lauter Gegenöffentlichkeiten niemand mehr, wer oder was die Hauptöffentlichkeit ist. Und die viel gelobte Ironie der Taz ist typischer westdeutscher linker Humor, mehr Breitschwert als Florett, voller interner langweiliger Kalauer und abgestandener Slogans. Auf eine wirklich ironische Bemerkung folgen zehn schlechte. Da erinnert man sich voller Grauen an Harald Schmidt und seinen immer schneller werdenden Abstieg in die Tiefen des Stammtisches.
Ist die Taz nötig oder würde sie fehlen? Schon, und sei es nur, damit ein beleidigter polnischer Politiker oder ein armseliger bayrischer Fußballtrainer sie verklagen kann.
Bedauerlich bleibt die geschmeidige Anpassung an die tägliche Nachrichtenlage. Es genügt nicht das, was die anderen machen zu kritisieren und zu behaupten man selbst sei da völlig verschieden. Überhaupt nervt an der Taz der ständig wie eine Fahne vor sich hergetragene Anspruch des Gutmenschentums. Wenn bei einer Demonstration ein Papierkorb von einem Polizisten getreten wird, dann erfährt man dessen Lebensgeschichte in einem ausführlichen Dreiteiler.
Trotzdem: weiter so, denn schließlich: worüber sollte man sich sonst aufregen, wenn nicht über die Taz?