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RE: Ich, im digitalen Unterbewusstsein | 28.02.2013 | 17:26

Und noch etwas: Natürlich funktioniert das Suchfeld und Google ist über den Tor Browser auch normal funktionsfähig, findet aber natürlich keine Seiten im Darknet. Es gibt aber etliche andere Suchmaschinen, die Seiten im Darknet indexiert haben und auflisten.

RE: Ich, im digitalen Unterbewusstsein | 28.02.2013 | 17:03

Andrea Hanna Hünniger ist bei ihren Recherchen in so manche Falle getappt und hat einiges an Falschinformationen für Wahr genommen, was aber bei sog. Neulingen (im Internet Newfags genannt) zu erwarten und nicht weiter schlimm ist.
Deshalb möchte ich hier ein, zwei Dinge klären und für Interessierte zusätzliche Informationen bereitstellen, auf die sie sich verlassen können.

Vorweg:
Im Darknet wird jedes Geschäft in Bitcoins abgewickelt. Bitcoins sind legalzb auf Bitcoin.de erwerbar. Sobald man seine Euros in Bitcoins umgewandelt hat, hat man ein ziemlich anonymes Zahlungsmittel, dass Rückschlüsse auf die Herkunft weitgehend ausschließt. Vieles im Darknet wird gegen Vorkasse bezahlt, manchmal gibt es Gratisproben (bei Drogen) und oft wird "Escrow", also ein Treuhandservice der jeweiligen Website verwendet. Aber dazu unten mehr.

Der private Nachrichtenaustausch geschieht entweder per PN in einem Forum (wie im Artikel beschrieben) oder per Email. Es werden niemals normale Emailadresse verwendet, sondern Tormail. Tormails können nur im Darknet versand und empfangen werden und werden i.d.R. trotzdem zusätzlich mit PGP Key verschlüsselt.
Brisanter Inhalt wird also nicht per PN, sondern per Tormail verschickt.

Zu einigen Falschinformationen:
Es ist im Darknet so eine Volkssport, Neulingen einen Bären aufzubinden und sie mit Tricks um ihre Bitcoins zu bringen.
Am häufigsten wird hierfür die Sensationslust und die Unwissenheit der Neulinge ausgenutzt (Wie zB die von Andrea Hanna Hünniger).
Es ist quasi Brauch, Neulingen, die unwissend durch das Darknet wandern, alles Mögliche an phantastischen und schaurigen Geschichten über das Darknet zu erzählen um sie in ihrem bisherigen Glauben zu stärken und sie dann leichter ausnehmen zu können.
Denn letzlich gibt es im Darknet 3 Gruppen von Nutzern:

1. Käufer und Verkäufer (Sowohl für legale als auch illegale Waren)

2. Menschen und Gruppen, die Anonymität suchen. (Ich, Du, Hacker, Aktivisten, Sprengstoff Fanatiker, Waffennarren, Pädos usw)

3. Schaulustige, die sich den "Untergrund" anschauen möchten.

Die 3. Gruppe ist der Meinung, dass im Darknet alles möglich sei und es alles gäbe. Diese Gruppe wird zum einen gern verarscht und zum anderen ist es besonders leicht, ihnen ihre Bitcoins abzutricksen. Das geschieht zum Beispiel, indem man ihnen etwas zum Kauf anbietet, was sie scheinbar im Darknet zu finden glauben. Wie gesagt, alles gegen Vorkasse natürlich.
Ein typisches Beispiel wäre folgende Szene:
Auf einer deutschen Perversenseite postet anonymouse23: „Würde gern auf ein Krokodil ejakulieren. Jemand einen Tipp?“ Antwort von Bernd: „Wir verschicken täglich Dutzende Krokodile, bitte um Transfer der Bitcoins.“
anonymouse23 ist hier der Neuling (das verrät schon sein Name).
Bernd versucht, anonymouse23 ein Bären aufzubinden und bei dieser Gelegenheit auch gleich um dessen Bitcoins zu erleichtern.
In diesem Fall hat Bernd sicher gewusst, dass er erfolgos bleibt und anonymouse23 hat sicher durschaut, dass es nur ein Spaß war. Nur die Autorin scheint das nicht wahrgenommen zu haben.


Folgende Illegale Singe sind über das DarknetNICHT erhältlich:

Es gibt im Darknet keine Auftragsmörder zu kaufen.

Es werden im Darknet auch keine Krokodile zum Kauf angeboten (Darauf hätte die Autorin selbst kommen können).
Es gibt auch keine Panzer und Kriegsgerät oder Biochemische Waffen.

Services und Artikel dieser Art werden im Darknet durchaus angeboten und beworben, allerdings ohne jeglichen Wahrheitsgehalt. Wie oben Beschrieben, geht es nur darum, gutgläubigen Ihre Bitcoins abzulocken, die schließlich viel Geld per Vorkasse bezahlen sollen.

Folgende Illegale Dinge SIND über das Darknet erhältlich:
Sehr häufig:
Alles Mögliche an Drogen (etwas teurer als Straßenpreis). Kreditkarten Informationen, gehackte PayPal Accounts, Hackware.
Services wie Tipps zum Austricksen von Neulingen.
Häufig:
Falschgeld und gefälschte Dokumente.
Chemikalien.
Waffen (i.d.R. aus Sicherheitsgründen in Einzelteilen) und Munition.
Services wie zB Hacken von Websites oder Programmieren von Programmen.
Selten:
Scans von Geburtsurkunden o.Ä..
Services wie Anonyme Fahr- und Lieferdienste.
und vieles, vieles mehr.

Außerdem gibt es natürlich viele legale Dinge wie selbstgemachte Kunst, Schreib und Übersetzungsdienste und harmloses Zeug wie Bücher, Filme & Pornos und Software.

Die Kreditkarteninformationen sind meist von Kreditkarten aus der 3. Welt und abgelaufen. Deutsche Kreditkarteninformationen sind heißbegehrt, teuer und entsprechend seltener. Meist wird vermutlich sowieso die gleiche Info an jeden Käufer geschickt.
So weit ich weiß ist unheimlich schwer, aus diesen Informationen wirklich Bargeld zu machen ohne dabei ein sehr Hohes Risiko einzugehen. Es gibt viele öffentlich sichtbare Anleitungen aber keine funktioniert wirklich. Stattdessen werden teure Anleitungen verkauft, die angeblich bereits gute Gewinne gebracht haben und den anderen Vorraus sind.

Physische Waren wie z.B. Drogen werden i.d.R. wird weltweit versandt (Häufige Ausnahme sind USA und Kanada). Der Versand erfolgt normal über die Post und i.d.R. an die Hausadresse. Bei Waffen werden evtl. auch grobe Regionen vereinbart und der Kunde erhält die genaue Geolocation per Email und kann sein gekauftes Produkt dann selbst suchen. Packstationen werden ungern verwendet. Die Notwendigkeit der Abgabe von Unterschriften beim Annehmen eines Pakete stellt keine größere Sorge da.
Drogen werden meist mehrfach Vakuumverpackt verschickt.

Ein Großteil der angebotenen Drogen wird aus Holland verschickt und ist zwar etwas teurer als Straßenpreis, dafür aber mit deutlich höherem Reinheitsgehalt.

Die Verkaufsseiten im Darknet sind nicht mit eBay zu vergleichen, aber natürlich gibt es Kundenrezensionen und Bewertungen auf Verkäuferprofilen oder im entsprechenden Forum.
Wenn Escrow eingesetzt wird, gibt der Kunde das Geld erst nach Erhalt der Ware frei.

Der im Artikel angesprochene Geheimkanal:
Der "Geheimkanal" ist ein veraltetes Imageboard, das kaum noch benutzt wird. Der Geheimkanal ist weder sonderlich geheim, noch aktuell. Es gibt vielleicht eine Handvoll Beitrage pro Monat; wenn überhaupt.

Geschwindigkeit:
Das Darknet ist, jenachdem wie Erfahren man damit umgeht und je nach Anbindung der Server, mit denen man Verbunden sowie auf denen die besuchten Seiten gehostet sind, langsamer oder schneller. Die von ihr beschriebene Geschwindigkeit kommt sehr selten vor, in der Regel ist die Verbindung gut, wenn auch natürlich merklich langsamer als an der Surface, also dem öffentlichen Teil des Internets.

Anmerkungen:
Sicherlich gibt es im Darknet auch Kinderpornografie, allerdings kann ich dazu nichts sagen, weil mir dazu jegliche Infos fehlen.
Ich gehe aber davon aus, dass dieser Bereich recht groß und vielgenutzt ist. Ob diese Dinge frei sichtbar sind weiß ich nicht, aber ich gehe davon aus, das hier stärkere Sicherheitsvorkehrungen gelten was Neulinge angeht.

Ich kann nicht ausschließen, dass Auftragsmörder in anderen Ländern auch Teil des realen Angebots sind. So weit ich weiß, soll das lediglich in Brasilien vorkommen, allerdings nur ohne Anonymität, also so, dass per Email Treffen vereinbart werden.
Für den großteil des Darknets, dessen Server und User hauptsächlich aus westlichen Industriestaaten sind, kann ich dies aber ausschließen.

Abschließend kann ich verraten, dass ich zu der oben beschriebenen 2. Gruppe gehöre und bisher auch noch nichts über das Darknet gekauft oder verkauft habe. Ich kenne mich einfach gut aus und habe schon viel Zeit im Darknet verbracht.