Om mani padme Plüsch

Religion Je abseitiger der Glaube, umso lieber würden wir unserem Nachbarn den Schädel damit einschlagen. Dabei geht sowas viel ästhetischer. Man muss nur an das Richtige glauben.
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Gestern war meine beste Freundin bei mir zu Besuch. Kaum in der Tür, eröffnete sie mir stolz, dass sie jetzt schon den dritten Tag von Sauerkraut und Pflaumensaft lebe. Sie sei nämlich auf einer Entschlackungskur, das hätte sie schon lange vorgehabt und endlich habe sie sich aufraffen können. Leider war ich gerade nicht eingestellt auf so ein explosives Entrée, sonst hätte ich die sich nun entwickelnde Diskussion vermeiden können. Wie sie denn auf den Unfug gekommen sei, schließlich gibt es so etwas wie “Schlacken” im Körper überhaupt nicht, so ein Blödsinn! Beutelschneiderei, sowas! Natürlich gebe es das, wieso sonst würden sich so viele Leute einer solche Diät unterziehen? Sie jedenfalls fühle sich jedesmal nach so einer Kur viel leichter und so voller positiver Energie. Und das sei es doch schließlich worauf es ankomme: Sie glaube daran, deshalb helfe es ihr. Ich glaube nicht daran, deshalb helfe es mir. Der Glaube sei halt das, worauf es ankäme. Diesem twitterbuddhistischen Totschlagargument kann man ohnehin nur schwer beikommen, ich machte es mir jetzt gleich ganz unmöglich, indem ich nämlich gestand, dass ich selbst schließlich auch glaube.

Denn ja, ich glaube. Ich glaube an den Großen Rosa Plüschhasen, der auf seiner gemütlichen kleinen Wolke ganz weit hoch oben über dem Gipfel des Brockens wohnt und für jeden da ist, wer immer ihn braucht. Dann schwirrt er mit surrenden Ohren herab, landet auf dem Bahnhof und steigt in den nächsten Zug, der dort abfährt. Er könnte zwar auch das Stück bergab fliegen, aber seitdem da oben nicht mehr so viele Bäume wachsen, hat er Angst, dass der Förster, wenn er das Wild belagert und ihn die Langeweile und der Hafer stechen, gerne auch mal auf rosa Plüsch feuern würde, zumal wenn der fliegt. Über Drei Annen Hohne, wo ein so schnuckliges Bahnhofshäuschen steht, geht es gemütlich bis nach Wernigerode, und wenn auch noch eine Dampflok voranschnauft und -schunkelt, ist das völlig romantisch, sogar für göttliche Plüschhasen. Mit ausgeruhten Ohren, die Bimmelbahn braucht ja so ihre Zeit, macht er sich nun auf den Weiterflug. Gleich wieder nach links, denn den Osten meidet er lieber. Erst hätte der Wallenstein ihn da beinahe erschossen, als den die Tobsucht und das Podagra stachen, dann hielten ihn die Russen für einen amerikanski Spion, und heute? Heute glauben sie dort zwar wie alle alles, aber er ist nachtragend. Es ist ziemlich deprimierend für einen Gott, wenn niemand an ihn glaubt.

Ich aber, ich glaube. Ich glaube fest an den Großen Rosa Plüschhasen, der mir die Vorhaut abschneidet oder sie mir lässt, ganz wie Ich es möchte, da richtet er sich nach Mir. Und wenn ich ihn nun selbst einmal brauche, etwa wenn mir jemand etwas Böses getan hat, oder ein dämliches Gesetz entworfen? Dann bete ich ganz fest zu meinem Plüschhasen, er müsse mir ja so dringend helfen. Und bald darauf kommt er auch tatsächlich angebrummt wie eine zornige Hornisse. Ich muss nur noch hindeuten auf den Schlimmen, den ich meine, er weiß doch längst, was der getan hat, das habe ich ihm ja gebetet. Erst schaut er den Bösen aus seinen schwarzen Augen ganz lange ganz fest an, dass der sich nur ja erstmal tüchtig schämt. Dann rümpft er das Näschen. Das ist nämlich ein magisches Näschen. Wenn es ihn juckt und er niesen muss, darf man sich etwas wünschen und bekommt dafür ein Osterei. Wenn er es aber über jemanden rümpft, dann passiert das, was jetzt meinem Bösewicht geschieht: Es blitzt und pufft nur kurz und qualmt ein wenig, und übrig von dem Widerling ist nur ein Häuflein Asche. Ganz einfach so.

Und gleich surrt mein Gott schon wieder fort auf seiner Route heimwärts - direkten Wegs diesmal, der Förster schläft ja nachts. Ich seh’ ihm eine Weile nach und fasse mich, gestärkt von seiner Kraft und fest, so fest in meinem Glauben an mein Licht, die einzige Wahrheit, den Großen Rosa Plüschhasen.

So ist es.

09:19 09.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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