Bayern: „Hund sans scho, auch wenns nix bewegen!“

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Die Bayern behaupten von sich, schlau zu sein. Doch die angebliche Bauern- Schläue, wird den Polit- Protagonisten langsam aber sicher zum Verhängnis.
In München brüsten sie sich, der wirtschaftliche der Motor der gesamten bundesdeutschen Republik zu sein, doch bei all den Jubelarien haben die bayerischen Politiker eines vergessen: Wohin nur mit den Menschen? Den vielen Zuzüglern um München?

Nun waren sie in Bayern schon immer darauf bedacht, möglichst viele Posten politisch besetzen zu können. Hier gibt es die kleinsten Gemeinden, die kleinsten Landkreise und eben flächenmäßig kleine Städte. Das bringt viele Pöstchen für Bürgermeister und dergleichen.

Die Stadt München zum Beispiel, zählt nur 1,2 Millionen Einwohner, rechnet man allerdings Umland hinzu, mit den vielen Gemeinden im S- Bahn- Bereich, kommt München fast auf die Größe Berlins. Denn im sogenannten Speckgürtel, um die Landeshauptstadt, wohnen nochmals mehr als 1,2 Millionen Menschen.

Der wirtschaftliche Boom in dieser europäischen Metropolregion spült massenhaft Pendler in die Stadt.
800.000 Menschen nutzen täglich die Münchner S- Bahn, gut 300.000 Pendler die Regionalbahnen aus Ober- und Niederbayern oder dem bayerischen Schwaben. Vom Pkw- Verkehr ganz zu schweigen.
Alles in allem sind somit fast vier Millionen Menschen von den Verkehrs- Verhältnissen in und um München betroffen, gut ein Drittel der Bayerischen Bevölkerung, die zuletzt auf über 12 Millionen beziffert wurde.

Während die bayerische Politik nach wie vor auf das Auto als Hauptverkehrsmittel setzt, ärgert sich dieses eine Drittel der "Bayern" im Großraum München darüber, dass die Politik den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs verschlafen hat.

Wie in Bayern üblich, will man nur das Beste und Teuerste. Ob den gescheiterten Transrapid zum Flughafen oder nun den Bau eines neuen, zweiten Stammstrecken- Tunnels, für die Münchner S- Bahn.
Während es in Berlin eine Ring- S- Bahn um die Stadt herum gibt, müssen in München alle Fahrgäste, die vom Westen in den Osten der Stadt wollen, durch die Stadt hindurch. Unten durch.

So wollten es die Planer der Münchner S- Bahn zur Olympiade im Jahre 1972, als aus über 30 Regionalbahnlinien das Münchner S- Bahn- Netz entstand. Mit dem ersten Tunnel unter der Stadt, der am meisten befahrenen Bahnlinie in Europa. Heute zählt das Münchner S- Bahn- Schienennetz, laut dem SPD- Oberbürgermeister Ude, zu den drei größten im Land des Bundesadlers.

Doch den Verwaltern und Lenkern dieser Republik, fehlt es an finanziellen Möglichkeiten, die großspurigen Wünsche im Süden zu verwirklichen.

In Baden- Württemberg bauen sie mit Stuttgart 21 einen neuen unterirdischen Bahnhof, um an der Oberfläche neue Bauflächen zu schaffen. Dieses Vorhaben führt dazu, dass die CSU in München im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre guckt: Denn die Schienen- Projekte in Bayern kommen nicht voran.

Der Flughafen im Erdinger Moos wird nur von zwei S- Bahnen aus der Stadt angefahren, obwohl der Airport "Franz- Josef- Strauß" als zweitgrößter Flugplatz Deutschlands gilt, nach Frankfurt am Main. Am Provinzflughafen in Stuttgart entsteht ein ICE- Bahnhof, davon sind die Bayern weit entfernt.

Überhaupt scheint der Münchner Sackbahnhof, der Hauptbahnhof, der letzte Bahnhof in Europa zu sein. So als ginge es nicht weiter nach Österreich, Italien oder den Balkan. Im Herzen Münchens endet das europäische und deutsche Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn.

Dahinter kommt Niemandsland, bäuerliches Umfeld, Voralpenland mit Menschen in Trachtengewändern und großen Kirchen. Und eben aus dieser Gegend stammt der derzeitige Bundesverkehrsminister der christlich- liberalen Berliner Koalition, Peter Ramsauer.

Die Infrastruktur im weiten Bayernland bereitet ihm und seinen Partei- Kollegen öfter Kopfzerbrechen. Bei der Energiewende oder mit dem Ausbau schneller Internetleitungen.

Beim Strom waren die Bayern besonders schlau: Um die Idylle nahe an den Bergen nicht zu gefährden, gibt es dort kaum Kraftwerke. Der Atomstrom in den Kernkraftwerken wird in Niederbayern, Schwaben oder Franken produziert, weit weg von den schönen Bergen.

Den Müll dieser Kraftwerke, wollten die Bayern den Norddeutschen in Gorleben schenken, die christliche Nächstenliebe kennt doch Grenzen, spätestens wenn es nach dem St. Florians- Prinzip geht und die eigene Heimat in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Nun, da die Kernkraftwerke abgeschaltet werden, muss Ersatz her. Entweder von den Windparks im hohen Norden oder mit neuen Gaskraftwerken, die nun aber die Bürger vor Ort nicht haben wollen.
Der Strom kommt schließlich für viele Bayern nämlich aus der Steckdose und gerade in Oberbayern sind die Kernkraftwerke weit, weit weg.

So kommt es, dass neue Trassen und Stromleitungen gebaut werden müssten. Denn das alte Netz, von den Atommeilern, wäre nur umsetzbar, wenn neben den Kernkraftwerken an den bisherigen Standorten mehrere Gaskraftwerke gebaut werden.

Was den Ausbau des schnellen Internets betrifft, kämpft so mancher CSU- Politiker mit sich selbst. Spötter behaupten, überall dort, wo das Internet schnell wäre, ist die CSU auf unter 50 Prozent gefallen.
Schlimm genug, dass die lokalen CSU- Größen schon mit den neu- modernen Journalisten und deren Gedankengut in den Redaktionen der Lokalzeitungen zu kämpfen haben, wenn die Bürger noch zusätzlich im Internet Informationen abrufen können, ist es vorbei, mit der bisherigen, bayerischen Gemütlichkeit.

So beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn CSU- Kommunalpolitiker am flachen Land kämpfen längst damit, dass viele Menschen mit ihren Familien nach München abwandern.
Einerseits wegen der hohen Spritpreise, die das pendeln in die Landeshauptstadt verteuern.

Andererseits wegen der mangelhaften Bahn- Anbindungen, weil die CSU immer noch auf Großprojekte, anstatt der Verbesserung des Nahverkehrs am flachen Land pocht.

Obendrein wollen junge Familien heute schnelles Internet, um sogar von zu Hause aus Arbeit zu können.
Doch das ist in vielen Gegenden nicht möglich.

Schuldige suchen sie dafür noch nicht. Im Gegenteil, man verschweigt, dass CSU und FDP in München und Berlin in der Regierung sitzen. In der Hoffnung, die Bürger würden derlei politische Spielchen nicht durchschauen und die Fehler der jeweiligen Opposition ankreiden.

Der Bund muss für die Energiewende sorgen, für neue Stromleitungen, schnelles Internet und die vielen Pläne für die Schiene umsetzen.

Denn letztere haben sie in Bayern so geschickt verpackt, dass nur wenige Bahnstrecken das Land selbst mit Nahverkehrsgeldern ausbauen müsste. Stattdessen reden sie vom ICE und europäischen Bahnen, wie ins Chemiedreieck und weiter nach Salzburg, zum Brennertunnel ins Tiroler Inntal oder an den Bodensee und weiter in die Schweiz.

Dumm nur, dass ausgerechnet in dieser Phase der Bundesverkehrsminister aus dem idyllischen Voralpenland in Berlin weder etwas bewegt, noch die Münchner Probleme zu verstehen scheint.

So müssen Seehofer und Konsorten so tun, als wäre dieser Ramsauer kein hiesiger, obwohl er Trachtenjanker trägt, in die Kirche geht und in Bierzelten um seine ausbleibenden Heldentaten herumeiern muss.

Noch geht diese Rechnung auf. Sie wähnen sich wieder bei über 45%, was nicht gerade für die Bauern- Schläue der Bayern spricht. Höchstens für die Schläue der Politiker. Und über die sagen sie in Bayern schon immer: „Hund sans scho, auch wenns nix bewegen!“

20:18 31.05.2012
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Geschrieben von

Südländer

Querschläger aus dem Süden der Republik. Gedanken unterm all gegenwärtigen Kruzifix.
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