CSU in Berlin: Kaum beachtenswerte Mitläufer

CSU Kürzlich sagte ein Kabarettist in der Anstalt des ZDF: „De Wiesn is gmaht, da Kas is bissn, der bayrische Wähler hats wieder verschissen“!
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Der bayerische Wähler, jenes den Preußen so urban und inzüchtig anmutende Bauernvolk von Berchtesgaden bis Würzburg und Sonthofen bis Hof, hat seine christliche Partei wieder zur Alleinherrschaft getrieben. Zumindest in München, denn in Berlin stellt die CSU mit den etwas mehr als sieben Prozent deutschlandweit nur die kleinste Gruppe an Bundestagsabgeordneten im Reichstag.

Egal welche Koalition in Berlin kommt, schwarz- rot oder schwarz- grün, die Bayern sind nicht das Zünglein an der Waage sondern kaum beachtenswerte Mitläufer.


Nun wurde in München aus der großen Herrschaft von Horst Seehofer eine neue Regierung geformt und wer hier gewaltige Veränderungen erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Ein neues Heimatministerium sollte es geben, für all die Wähler vom Land, die der CSU wieder auf den Siegessitz geholfen haben. Was waren da nicht für Orte im Gespräch: Amberg oder Kulmbach in Nordbayern, aus Dinkelsbühl meldete sich ein Bürgermeister und hoffte auf den Freistaat als Mieter eines Gebäudes und zahlungswillige Beamte, die ihre Ministerial-Zulage am Lande in den die Läden tragen und nicht die Kaufleute in den Großstädten noch reicher machen.


Nun, die königstreuen Bayern, die alljährlich die verflossene Monarchie auf dem Oktoberfest begießen, haben nun einen Heimatminister mit einer Zweigstelle „am Land“.

Heimatminister ist der zusätzliche Titel des bisherigen Finanzministers, Markus Söder. Ein Nürnberger, ein Städter. Ein Städter aus einem Zentrum Bayerns soll sich künftig also um die Probleme der aussterbenden Regionen in den ländlichen Gebieten kümmern. Dort wo keine jungen Leute mit ihren Familien mehr leben wollen, wo die Alten in ihren Häusern vergammeln, Mietnomaden aus ganz Deutschland zuziehen und die Kanalisation zurückgebaut werden muss, weil sie überdimensioniert ist.

Eine feine Aufgabe für einen, der eigentlich als fränkischer Insolvenzverwalter in den vergangenen Jahren gerade noch dazu beitragen konnte, dass die in Nürnberg sterbenden Firmen mit Behörden- Zuzügen aus München bedacht wurden.


Für die unverheiratete Single- Frau Ilse Aigner aus Oberbayern, die bisher in Berlin für die bayerischen Bauern das Wort erhob, musste Seehofer neue Zuständigkeiten basteln. Denn das Wirtschaftsministerium war bisher keine große Nummer, verglichen mit dem Finanz- und Innenministerium.

So wird die Frau mit den „langhaxernden“ Beinen, wie sie am Lande die Männer neidisch titulieren, künftig für die Energiewende in Bayern verantwortlich sein.


Eine feine Aufgabe für eine Frau aus einem Wahlkreis am Tegernsee, wo frei nach Peter Ramsauer aus Berchtesgaden „niemand Windräder sehen will“. Ein Atommüll- Endlager schon gar nicht.

Selbst die Maisfelder sind im Voralpenland mittlerweile vielen ein Dorn im Auge, die Bauern im Freistaat produzieren auf anti- biologische Art „Futter“ für ihre Strom produzierenden Biogasanlagen, während die Bevölkerung mehr Biokost wünscht. Das passt nicht zusammen, mit den konventionell produzierten Lebensmitteln aus den CSU- nahen Bauernhöfen. Dem entsprechend werden die, frei nach Hubert von Goisern, verbrannt!


Die Probleme werden bei alle dem nicht geringer und ein Ministerpräsident Seehofer nutzt nur die Gutgläubigkeit der Menschen am Lande, die bis heute nicht wissen, dass seine Frau Karin eigentlich bereits seine zweite Gemahlin ist. Das predigen die Pfarrer nämlich nicht, von den Kanzeln, in den katholischen Kirchen, vor den Alpen. Außerdem hat der bayerische Papst in Rom dem Ministerpräsidenten höchst persönlich die Kommunion verabreicht, das hätte er bei einem wahren Verstoß gegen das Ehe-Gebot nie getan.


Bildungstechnisch schimpfen sie in Bayern seit jeher über die roten Lehrer und wie die mit dem Nachwuchs umgehen. Rot, weil viele Lehrer bei der SPD sind, eigentlich nur Lehrer, während Arbeiter und Angestellte auf das soziale „S“ bei den christlichen Schwarzen setzen.

Doch dass die Schwarzen für die Ausbildung der Lehrer, deren Einteilung, die Zustände an den Schulen, den Lehrplan, die Zahl der Schüler in den Klassen und so weiter verantwortlich sind, wird ignoriert. Hier käme der nächste Superminister von Seehofer ins Spiel, der Münchner Ludwig Spaenle.


Es wird spannend, in einem gutgläubigen Land, in dem sich Ballungsraum- Profitierer der Probleme derer annehmen, die irgendwie noch hinter dem Mond leben. Man sorgt zwar bildungstechnisch dafür, dass davon noch genügend nachkommen, nur trotzdem sterben sie irgendwie langsam aus.

Denn ohne Breitband und schnelle ÖPNV- Anbindungen in die Ballungszentren bleiben selbst in Bayern keine Familien mehr in den aussterbenden Landstrichen, zwischen Maisfeldern und vielleicht bald aufzustellenden Windrädern, egal welcher Superminister aus dem Kabinett Seehofer wann wo handelt oder auch nicht..

Dafür benötigen sie in Berlin Macht und Geld und manch einer in Bayern wird feststellen: In der Bundeshauptstadt haben sie wenig zu sagen, eigentlich gar nichts mehr.

10:08 15.10.2013
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Geschrieben von

Südländer

Querschläger aus dem Süden der Republik. Gedanken unterm all gegenwärtigen Kruzifix.
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