CSU ist verdammt, in Bayern zu regieren

CSU Nicht auszudenken, sie müsste Mitarbeiter einsparen und die Organisation bis in die hintersten Winkel des Landes würde daran Schaden nehmen.
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Die Bayern waren schon immer ein eigenwilliges Berg- und Bauernvolk, sagen sie im Norden der Republik. Während die Bayern sagen: Nördlich des Mains leben Preußen und andere wilde Völker.


So haben die Bayern beziehungsweise deren Landtag nicht dem Grundgesetz des Bundesrepublik Deutschland zugestimmt, da allerdings alle anderen Bundesländer nach dem Krieg für den neuen Bundesstaat mit seinen Ländern votierten und das Mehrheitsprinzip galt, mussten sich die Bajuwaren fügen.


Was nun Bayern und seine Politiker seit jeher ausmacht, verdeutlicht derzeit die CSU mit ihrem Wahlkampf in Bayern.
Bayern muss weiß- blau bleiben. Nur die CSU sei eine rein bayerische Partei, in der sich alles tümmelt, vom Rentner, über Leute aus dem Mittelstand der Wirtschaft, Familien bis hin zu den Landwirten. Die Partei alleine ist mit ihren Meinungen so vielfältig wie das ganze Land. Dementsprechend vertritt jede Region jemand, der damit den Landesteil in der Politik verkörpert. Durch ihre langjährigen Erfolge und damit die Misserfolge anderer Parteien, wurde viel Geld in die Parteikasse gespült. Wer Ämter inne hat, vom kleinen Stadtrat angefangen, gibt einen Teil davon an die Partei zurück und finanziert so ihre Hoheit in Bayern.

Jeder Abgeordnete findet vor Ort im Wahlkreis ein eigenes Büro mit eigenen Mitarbeitern. Fast in jedem Landkreis sind damit CSU- Mitarbeiter vor Ort, zusätzlich zu denen im Landtag oder Bundestag, gibt es ein eigenes Büro. Koordiniert werden all diese Mitarbeiter aus der Parteizentrale in München, die pünktlich zur Wahl 2013 aus dem grauen Hinterhof- Image in der Nymphenburgerstraße in ein neues futuristisches Gebäude an der Hackerbrücke umgezogen ist. Viel Glas soll Offenheit und Transparenz darstellen, die es eigentlich nicht gibt.

Der Vorteil der eigenen CSU- Mitarbeiter in jedem Landkreis liegt auf der Hand: Sie sind oft Wahlleiter in den Ortsverbänden, koordinieren Termine, bearbeiten die Post, unterstützen die Ortsvorsitzenden und organisieren die Wahlversammlungen der Partei in den Kreisen. Während sich in anderen Parteien die Kommunalpolitiker selbst in die Regularien einlesen müssen, steht bei der CSU stets professionelle Hilfe vor Ort zur Verfügung.


Diese Vormachtstellung wäre mit einer Wahl- Niederlage bei der Landtagswahl in Bayern beendet. Die CSU müsste auf Gelder verzichten, Mitarbeiter einsparen und plötzlich wäre ihre Organisation auf dem Level derer, die sie seit Jahrzehnten in Schach hält. Während bei den Grünen beispielsweise ein Büro halb Nieder- und Ostbayern koordiniert, sind für die CSU in derselben Region mindestens dreimal so viele Menschen beruflich tätig. Ohne diese Mitarbeiter wäre das Amt manches Ortsvorsitzenden nicht mehr nur politisch, sondern mit viel mehr Verwaltungsaufgaben verbunden, was die Leute generell abschreckt.


Deshalb kämpfen Horst Seehofer und seine Jünger so sehr um die Macht in Bayern. Es geht um die Struktur der Partei, um die Ämter, um die Mitarbeiter und letzten Endes den großen Vorsprung gegenüber allen anderen. Die, so sagen sie immer wieder, wären auf Gelder, Unterstützung und Manpower aus ihren Parteizentralen in Berlin angewiesen. Die dementsprechend preußischen Einfluss in Bayern geltend machen wollen, der hier in der Bevölkerung eben wenig bis kaum ankommt. Der Bayer lässt sich nicht gerne dreinreden, schon gar nicht von Preußen und Andersdenkenden.


Die Machtzentrale an der Nymphenburgerstraße in München bzw. an der Hackerbrücke ist mit Söderianern und damit ehemaligen Stoiber- Aposteln nur so verfilzt. Hier regiert immer noch der Größenwahn aus Stoibers Zeiten, gegen dessen Ergebnisse aus dem Jahr 2006 mit der Bund- Länder- Föderalismusreform nun sogar die eigenen Nachfolger in der bayerischen Staatsregierung Klage erhoben haben.

Söder war lange Jahre Generalsekretär der Partei, damit Chef über die Mitarbeiter, länger als alle seine Nachfolger und so konnte er dementsprechend viele Personalentscheidungen fällen.
Zu was das führte, zeigt die Aussage des Ministerpräsidenten Seehofer bezüglich Söder und den „Schmutzeleien“. Die gibt es hinter den verschlossenen Mauern der Parteizentrale nämlich tatsächlich.
Als Karl- Theodor zu Guttenberg kurzzeitig General bei der CSU war, wollte er mit einem eigenen, leitenden Mitarbeiter einigen Söderianern auf die Füße treten. Diese suchten so lange im privaten Umfeld und der Vergangenheit des ungeliebten, neuen Kollegen, bis sie fündig wurden. Die Münchner Abendzeitung druckte ein Foto mit einer Jugendsünde ab und schon war es um den Mann geschehen.

Bayerns Sozialministerin Haderthauer war ebenfalls einige Zeit General der CSU. Als sie nach der verlorenen Wahl im Jahr 2008 gehen musste, suchte sie händeringend für ihre ehemalige Sekretärin aus der CSU- Landesleitung einen Posten in den ihr nun unterstellten Behörden. Die arme Frau soll gemobbt worden sein, wie es nur scharfsinnigsten Söderianern vorbehalten ist.
So sagen selbst Mitarbeiter von Parteichef Seehofer, die ihr Büro in der Landesleitung haben, wichtige E- Mails sollten ihnen auf ihre Privat- Adressen gesandt werden, im Büro sei nichts vor niemandem sicher. Nach dem alten Motto: Lieber ein echter Feind, als ein falscher Parteifreund.


Ein ehemaliger Mitarbeiter der Landesleitung versuchte gar Jahre später seinen Computer in der Landesleitung zu hacken. Warum, wurde nie bekannt. Er verlor seinen neuen Posten in Regierungszentrale der Staatskanzlei, für ihn wurde in seiner Ursprungsbehörde, dem Sozialministerium, eine neue Abteilung ins Leben gerufen.


Um all das erhalten zu können, für die bayerische Richtigkeit und die Schalthebel der Macht, ist die CSU dazu verdammt, weiterhin in Bayern die Regierung zu stellen. Nicht auszudenken, sie müssten Mitarbeiter einsparen und die Organisation bis in die hintersten Winkel des Landes würde Schaden nehmen. Sie wären schneller auf dem Level der anderen Parteien angekommen als ihnen lieb ist und über kurz oder lange, das wissen sie alle, wäre das der Untergang der bayerischen Staatspartei.

14:49 28.07.2013
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Geschrieben von

Südländer

Querschläger aus dem Süden der Republik. Gedanken unterm all gegenwärtigen Kruzifix.
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