Proteste in Bayern: CSU in der (Strom) Falle

Bayern in Aufruhr und Ministerpräsident Seehofer weiß: Die gesellschaftliche Entwicklung in München ist dauerhaft Gift für seine CSU. Er muss denen nahe sein, die stärken, die ihn wählen.
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Die CSU sitzt in der Stromfalle. Am Land gibt es Proteste: Gegen Windräder, Stromtrassen, Pumpspeicher.

Dabei werden Seehofer & Co. vor allem von der ländlichen Bevölkerung gewählt. Nicht in den Städten. In denen brummt dagegen die Wirtschaft: Alleine München erarbeitet fast ein Viertel (23%) des bayerischen BIP. Und damit viele Steuern.

50 Prozent des Stromes in Bayern kommt noch immer von der Kernenergie.
Wie soll also der Strom künftig nach München und dergleichen kommen, ohne den CSU- Wählern am Land neben Windrändern noch Stromtrassen vor die Nase zu setzen?

Pumpspeicher in München für den Münchner Strom? Wasserkraft an der Isar? Windräder im Olympiapark?

Am Land dämmen die Leute ihre Häuser, Photovoltaik auf den Dächern und dergleichen sind in der Stadt München dagegen Mangelware.

Am Zustand der meisten Stadt- Miet- Wohnungen lässt sich keine Energiewende erkennen, im Gegensatz zu den Eigenheimbesitzern am Lande: Begriffe wie Energiesparen, sind bei den Städtern nie wirklich angekommen. Mit dem einen Windrad in Fröttmaning beim großen, tollen Fußballstadion, mit der Strom- verschlingenden Beleuchtung, ist es eben nicht getan.

Das weiß Seehofer. Er wäre dumm, würde er seine Wähler am Land vergraulen, nur damit die in München, die selber nichts tun, „ihre“ grüne Energiewende bekommen!


Es ist der ewige Kampf Stadt gegen Land: Ob bei Nahrung, Energie oder den erwirtschaften der Steuereinnahmen:

Beide sind voneinander abhängig, keiner sieht die Belange des anderen und politisch sind sie völlig anderer Meinung. Vielleicht ist es sogar so, dass in München Firmen sitzen, im Energiesektor, die mit großen Stromtrassen über das Land Geld verdienen. Die den Fortschritt der vielen Eigenheim- Besitzer am Land, autark zu werden, damit einbremsen. Während viele Münchner bei solchen Firmen arbeiten und ihr Geld verdienen, um weiterhin Energie vergeuden zu können?

Entscheidend ist bei all dem nicht, was Münchner Journalisten in den großen Zeitungen schreiben:

Horst Seehofer weiß damit umzugehen: Seine CSU ist am Land verwurzelt. Immer wenn Seehofer auf „sein“ Land, in „seinem“ Bayern fährt und mit den Menschen redet, stellt er fest, dass hier die Leute ganz anders ticken, als in München.

Dass die Leute da draußen weder das lesen, was in München geschrieben wird, noch das wollen, was die in München schreiben und wollen.

Die Energiewende findet nun einmal nicht am Marienplatz in München statt, sagte ein Politiker. Damit hatte er Recht.


Seehofer und seine CSU sitzen aber nicht nur in der Stromfalle. Zumal jeder CSU Posten –ob Bürgermeister oder Landrat- wichtig für die Struktur der Partei am Land ist. Eine unzufriedene Basis am Land, weil die rot und grün wählenden Städter und ihre Industrieanlagen mit Strom versorgt werden sollen, kann sich der bayerische Ministerpräsident nicht leisten…

Die Münchner und das Land, sie ticken völlig verschieden.

Die einen wollen und brauchen einen guten Job und gute Kinderbetreuung.

Der Ruf der Hausfrau oder Mutter mit Kindern ist verpönt. Am Land wollen die Frauen ihre Kinder dagegen noch selber erziehen. Die wenigsten Frau geben dort die Kinder im ersten Lebensjahr ganztags fünf Tage die Woche in eine Kita.

Sie wollen nicht leben um zu arbeiten, wie die in München. Am Land wünschen sich die Frauen noch Kinder, wollen heiraten, eine Familie gründen, die Kinder selbst erziehen! Außerhalb dem Ballungsraum München gibt es sogar noch wahre Freunde, außerhalb der Arbeitswelt und familiäre Liebe, keine Ersatzfamilien in Büros, Behörden und Firmen.

Die Münchner schicken ihre Kinder auf die hohe Schule, am Land wollen die Eltern den Kindern eine schöne Kindheit ermöglichen.

Die Schule kann später noch kommen. 50 Prozent der Kinder machen in München Abitur, am Land sind es zwischen 25 und 30 Prozent.

Dabei profitierte die große Stadt von diesen Verhältnissen der Familien am Land. Von Kindern, die in Großfamilien mit mehr als zwei Kindern aufwuchsen, ohne Hort und erst im Kindergartenalter dem elterlichen Nest samt Fürsorge entrissen wurden:

Das war der Ausschuss an weniger hoch Geschulten, ohne Abitur, die in der großen Stadt den Anteil bei den Dienstleistern übernahmen, für den sich die bürgerlichen Kinder der Stadt mit hoher Schulbildung zu gut waren: Krankenschwestern, Erzieherinnen, Busfahrer, Verkäuferinnen und sogar die Lokführer von der Bundesbahn. Derlei Arbeitskräfte holen sie in der großen Stadt neuerdings aus Südeuropa.

Der Nahrungsmittelkonsum in der Stadt steht in Zwietracht zur Produktion am Land:

Die Städter wollen mit Bioprodukten aus der Landwirtschaft versorgt werden, die Landwirte am Land konventionell mit Maschinen und Dünger möglichst viel produzieren. Die einen wollen nicht wahrhaben, wie die anderen Denken und was sie zusätzlich wollen.

Mittendrin sitzt ein Ministerpräsident Seehofer mit einer CSU, die am Land weit über 50 Prozent der Stimmen bekommt.

In der Stadt München dagegen nur spärliche etwas über 40 Prozent. Seehofer weiß: Die gesellschaftliche Entwicklung in München und dessen Umland ist dauerhaft Gift für seine CSU. Er muss denen nahe sein, denen er seinen Erfolg zu verdanken hat, muss die stärken, die ihn wählen. Nicht die rot- grüne Gesellschaft in München..

P

17:27 01.02.2014
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Geschrieben von

Südländer

Querschläger aus dem Süden der Republik. Gedanken unterm all gegenwärtigen Kruzifix.
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