Die Krise des Vertrauens - Gauck in Köln

Germanwings Joachim Gauck hat bei der Trauerfeier für die Absturzopfer in den Alpen eine bemerkenswerte Rede gehalten. Wir sind existenziell darauf angewiesen, einander zu vertrauen
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Ich habe gerade die Rede von Bundespräsident Gauck gelesen, die er heute in Köln gehalten hat. Darin findet sich ein sehr bemerkenswerter Abschnitt:

"Wir sind alle im täglichen Leben auf Vertrauen angewiesen. Ein Leben ohne Vertrauen ist nicht vorstellbar, nicht in der Familie, nicht unter Freunden, auch nicht in der Gesellschaft. Es gibt kein vollkommen kontrollierbares, zu hundertprozentiger Sicherheit führendes Leben. Wir müssen einander vertrauen – den Autofahrern, die uns in der Kurve entgegenkommen, den Köchen, deren Gerichte wir im Restaurant bestellen, den Installateuren, die unsere Gasleitung bauen oder kontrollieren. Nirgendwo kommen wir ohne Vertrauen aus.

Und dann gibt es eine Reihe von Berufen und Aufgaben, deren Ausführung mit einer besonders herausragenden Vertrauensstellung verbunden ist: die Lehrer unserer Kinder, Ärzte und Pfleger, Psychologen, Pfarrer, Seelsorger. Und zu diesen besonderen Vertrauenspersonen zählen auch Lokführer, die Schiffskapitäne und Piloten. Sie alle tragen in ihrem Beruf Verantwortung für das Leben vieler anderer Menschen.

(...)

Umso mehr danke ich heute allen, die Tag für Tag an ihrer Stelle das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen, die pflichtgetreu und gewissenhaft für all diejenigen arbeiten, die ihnen buchstäblich anvertraut sind. Sie arbeiten in Firmen, Behörden und Institutionen, die wir lange kennen, die für ihre Sorgfalt und Integrität bekannt sind, die nach Regeln und Vorschriften arbeiten, und die deswegen unser Vertrauen verdient haben und weiter verdienen." Quelle


In den Alpen ist ein Flugzeug zum Absturz gebracht worden, weil der Kopilot sich entschlossen hatte, so seinem Leben ein Ende zu setzen. Mit ihm starben 150 Menschen. Das allein ist schon sehr schlimm. Eine absolute Katastrophe aber ist das, was da auch noch kaputt gegangen ist: das Vertrauen. Eine Gesellschaft, in der es kein Vertrauen mehr gibt, ist keine Gesellschaft mehr. Man könnte einpacken, die Gesellschaft, ja das ganze Land wäre bankrott. Eine Ansammlung von Individuen, von denen jeder vom anderen das Allerschlimmste annimmt, wahrlich eine Ansammlung von Individuen im Hobb'schen Sinne.

Manche sagen, Moral wäre der Kitt, der die Gesellschaft zusammen hielte - aber, so möchte ich fragen - ist es nicht eher das einander Vertrauen?

Und etwas sollten wir uns fragen: achten wir eigentlich ausreichend die Arbeit derer, die ihren Arsch für uns hin halten und die uns und unsere Waren sicher von A nach B, manchmal rund um den Erdball befördern? Wie sieht es aus mit der Wertschätzung von Arbeit?

Ich meine - sowohl das Thema "Vertrauen", als auch das Thema "Wertschätzung von Arbeit" sind Aspekte, die dringend diskutiert werden müssen!

20:27 17.04.2015
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Geschrieben von

Sünnerklaas

Sünnerklaas kommt nicht nur zur Weihnachtszeit!
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