David gegen Goliath: Indigenes Volk siegt über Bergbaugigant

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Dongria Kondh, ein kleines indigenes Volk in Indien hat dem milliardenschweren Bergbau-Konzern Vedanta Resources den Kampf angesagt -- und einen überwältigenden Sieg errungen.

http://assets.survivalinternational.org/pictures/780/IND-DON-TM-201_screen.jpg

Wie Bianca Jagger hier Anfang August berichtete, hätte die geplante Bauxit-Mine des Konzerns das reiche Ökosystem der Niyamgiri Berge, die Lebensgrundlage dieser indigenen Gruppe, zerstört. Nach einer jahrelangen Kampagne der Dongria, verschiedener Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten wurde das Minenprojekt von Indiens Umweltminister gestoppt. Die endgültige Genehmigung vom Forst- und Umweltministerium wurde nicht erteilt und somit der heilige Berg der Dongria und Sitz ihrer Gottheit Niyam Raja gerettet - ein historischer Sieg für die indigene Bevölkerung Indiens und indigene Völker auf der ganzen Welt.


„Der Himmel ist voller Blitz und Donner- Niyam Raja muss sehr glücklich sein!", hieß es von dem Team in Orissa, welches den Dongria die erfreuliche Nachricht überbrachte. „Ich bin so glücklich, ich kann es nicht in Worten ausdrücken. Alle Dongria Kondh jubeln," sagte einer der Dongria.


Am Anfang der öffentlichen Kampagne von Organisationen wie Survival und Amnesty schien es nur wenig Hoffnung zu geben; kaum jemand dachte, dass die Mine noch aufgehalten werden konnte. Nur die Dongria gaben die Hoffnung nie auf, und baten uns so vielen Menschen wie möglich ihre Geschichte zu erzählen. Survival hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Bitte wahrzunehmen. Unser Film Mine" über die Dongria ging um die Welt und wurde von über 600.000 Menschen gesehen. Auch bekannte Persönlichkeiten schlossen sich der Kampagne an.


Über die Jahre hinweg gewannen die Dongria immer mehr Unterstützung von einflussreichen Akteuren: die britische Regierung verurteilte Vedantas Verhalten scharf. Viele Anteilseigner nahmen diese Warnung ernst, und verkauften ihre Anteile, darunter Norwegens staatlicher Pensionsfonds, die Church of England und ein niederländischer Pensionsfonds.


Schlussendlich gewannen die 8000 Mitglieder der Dongria Kondh internationales Gehör, und selbst die PR-Machine des Rohstoffkonzerns konnte sich nicht mehr gegen die öffentliche Meinung stellen. Mehrere Expertenkommissionen der indischen Regierung fällten ein vernichtendes Urteil gegen das Verhalten von Vedanta.


Vedanta habe eine „schockierende und eklatante Verachtung für die Rechte indigener Gruppen" gezeigt, hieß das endgültige Urteil von Umweltminister Ramesh.


Dieser Sieg ist nicht nur ein Sieg für die Dongria, sondern für indigene Gruppen weltweit, deren Rechte im Namen eines vermeintlichen „Fortschritts“ missachtet und mit Füßen getreten werden. Er zeigt uns, dass die Interessen von Investoren und Profit nicht immer überden Menschenrechten stehen. Es ist auch ein Sieg für Indien. Trotz großem Drucks von Vedanta auf die lokale Regierung und Bevölkerung, wurden die Interessen und das Wohlergehen der Bürger über die der großen Konzerne gestellt: die der Dongria über Vedanta – ein wahrer Sieg Davids über Goliath.


So sollte es natürlich überall geschehen. Doch leider ist dies meistens nicht der Fall. Indigene Völker auf der ganzen Welt kämpfen in einem, oft scheinbar hoffnungslosen Kampf um ihr Überleben. Bei Survival sehen wir oft wie Goliath gegen David siegt. Aber in diesem Fall haben wir gelernt, dass es auch anders gehen kann.


15:15 10.09.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Survival International

Wir sind Survival, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker.
Schreiber 0 Leser 0
Survival International

Kommentare 1