Susanne Lang
24.06.2009 | 13:55 29

Die bringen sich ganz groß raus

Zukunft der Medien Seit Journalisten an der neuen Öffentlichkeit im Netz nicht mehr vorbei senden- und schreiben können, diskutieren sie das "Ende des Journalismus". Traurig oder lustig?

Der Kulturkampf zwischen Bloggern, Onlinejournalisten und herkömmlichen Medienschaffenden hat neue Munition bekommen: Soeben sind die beiden Bücher Die Alpha-Journalisten 2.0 – Deutschlands neue Wortführer im Porträt und Wozu noch Zeitungen? Wie das Internet die Presse revolutionierterschienen, was einigen Medienvertretern ein wunderbarer Anlass war, am Dienstagabend in Berlin einen sogenannten "Mediendisput" abzuhalten. Ein feines Ritual, das auch diesmal den Gesetzen der Branche artig folgte:

Wähle einen dramatischen Titel für die Diskussionsrunde: "Das Ende des Journalismus. Ist unsere Mediendemokratie noch zu retten?"

Wähle einen symbolträchtigen Veranstaltungsort: Landesvertretung Rheinland-Pfalz, Regierungsviertel in Berlin. Thematisch ergänzen Orte wie diese derartige Veranstaltungen perfekt, da schon nach der ersten Minute die Antworten um die alte Frage kreisen können: Wie eng ist die Verflechtung von Politik und Journalismus und wie sehr schadet das dem allseits beschworenen Qualitätsjournalismus, ganz zu schweigen von der Demokratie? Das Ergebnis war am Dienstagabend denn auch überschaubar einheitlich, denn:

Besetze das Podium mit namhaften, klassischen Medienvertretern: Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de, beanstandete denn auch die Inszenierungs- und Interpretationslogik, der sowohl Politiker als auch Journalisten folgten. "Wenn Pose wichtiger wird als Politik, könnte es sich um eine Mediendemokratie handeln". Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur des Tagesspiegel, hatte bei Zeitungen nichts dergleichen zu beklagen, um so schlimmer sei da doch das Fernsehen (ein Vertreter der sendenden Zunft war praktischerweise nicht vertreten). Brigitte Fehrle, stellv. Chefredakteurin der Berliner Zeitung, bewertete diese Art von Kritik insgesamt als eine wohlfeile, weil die lokale Berichterstattung viel relevanter sei als die bundespolitische (Abos ihrer Zeitung, die nach Aussage des neuen alten Chefs Uwe Vorkötter ein gewisser Montgomery zuletzt in allen Bereichen "ausgequetscht hat wie eine Zitrone", könnten Sie dann hier bestellen). Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, fand dagegen alleine die Frage schon so angstbesetzt, dass er sich nur wundern konnte.

Blieb Frank A. Meyer, nicht als -Redakteur, sondern Chef-Publizist im Programm ausgewiesen, der die ihm zugedachte Rolle des Stimmungsgaranten mit erfrischendem ausländischen Blick (Abgesandter des Schweizer Verlags Ringier) löblich einnahm. Meyer brachte das Problem auch dieser Veranstaltung prompt auf den Punkt: Medien sind heutzutage omnipräsent. Leider leiteten sie davon eine Omnipotenz ab, die in reines Machtgehabe münde. "Journalisten sind heute selbst Promis. Es gibt ja mittlerweile mehr Medienpreise als Journalisten". Mh, wo waren wir gleich noch? Ah ja, Gesetz Nummer vier:

Vergiss das Thema der Diskussion nicht ganz: Nur für den Fall, dass Sie sich gerade wundern, ja ein Blogger durfte auch auf das Podium. Mario Sixtus, elektronischer Reporter und einer der im Buch gewürdigten Alpha-Journalisten 2.0, was mit an der Tatsache liegen könnte, dass er u.a. für Handelsblatt und ZDF arbeitet. Sehr oft kam Herr Sixtus dann nicht zu Wort, was ihn selbst nicht so arg zu stören schien, schließlich musste er sich meist "wundern" über die Diskussion, ihre Themen und die Fragestellungen. Zum Beispiel über die Tatsache, dass schnellst möglich wieder mit Begriffen wie "Leitmedien" und "Meinungsführern" jongliert wurde. Aber macht ja nichts, denn:

Lenke die Debatte nie auf den Kern, das könnte ein bisschen schmerzhafter werden: Wie steht es nun um die Innovationskraft der klassischen Medien, wenn ein neues dazu kommt? Eines wie das Netz, das erstmals tatsächlich eine demokratischere Öffentlichkeit ermöglicht, da theoretisch jeder mündige Bürger sich zu Wort melden kann? Was bedeutet dies für die handwerklichen Fähigkeiten, die ein Journalist künftig besitzen muss (Stichwort Twitter, Video etc.)? Warum fällt es den "Alpha-Journalisten nicht 2.0" so schwer, ihren Anspruch der Deutungshoheit ein klein wenig runterzuschrauben?

Schwamm drüber: Lieber wieder zurück zu Moderator und SWR-Fernseh-Chefreporter Dr. Thomas Leif, der in gekonnt polemischer Unart die Diskussion immer wieder auf die classics brachte, selbst als sich spontan ein interessanter Ansatz des Gesprächs entwickelte: Wie Fehrle zu Recht anmerkte, führt das Beispiel Iran gerade sehr plastisch vor Augen, wie sich die Arbeit der Journalisten verändert, wenn sie auf ungeprüftes und eventuell sogar unprüfbares Material von Laien zurückgreifen müssen, die im Netz veröffentlicht werden. Umgekehrt, so Fehrle, sei doch genau das Spannende, dass sich auch in dieser bislang "anarachischen" Öffentlichkeit nach und nach journalistische Kriterien etablieren und Blogger sowie User selbst die Echtheit der Bilder hinterfragen und die Informationen verifizieren wollen. Dumm nur, dass da das laut Meyer Lieblingsthema der Deutschen ein bisschen im Weg stand: "Der Untergang, der ist in Deutschland ja immer sehr nah". Also:

Die ökonomische Krise: Fest steht, dass neben der konjunkturellen und aktuellen Krise seit längerem ein strukturelles Problem besteht. Die Anzeigenkunden ziehen sich zumindest aus dem Printgeschäft beständig zurück. Online trägt sich in den seltensten Fällen selbst. Was das für neue Geschäftsmodelle erfordern könnte, das fragt man sich unter Kollegen sehr gerne. Hat aber leider wie auch beim Mediendisput keine Antworten darauf. Und wenn doch, dann "würde ich sie ganz sicher nicht verraten" (Casdorff).

Erkenntnis des Abends: Alle Beteiligten lieben Zeitungspapier, vor allem am Strand und im öffentlichen Nahverkehr. Alle sorgen sich um die Qualität, die Zeit braucht. Alle beklagen die ökonomischen Verhältnisse und trauern gerne dem Verleger alten Typs nach. Im Anschluss daran ist Spargelsuppe mit Lachsklösschen schon eine ganz feine Sache, der Weiße Burgunder aus Oppenheim ist zu empfehlen und wer nun am eigentlichen Thema Interesse hat, der könnte ja dann hier im Anschluss an diesen Text diskutieren.

Kommentare (29)

Columbus 24.06.2009 | 17:41

Das Erstaunliche ist ja eher, wie leicht Journalisten den immer beschworenen Qualitätsanspruch aufzugeben bereit sind. Beziehungsweise, wie leicht sich Leser über Qualitäten täuschen lassen und dafür Persönliches, Klatsch und die "Prominenz" der Schreiber als Werte an sich empfinden und honorieren.

Einige Beispiele:
-Josef Joffe von Tagespiegel und ZEIT hat sich auf das politische "Kolumnieren" spezialisiert. Seine Artikel ernten große Zustimmung oder großen Widerspruch, weil sie Meinung und wenig Inhalt transportieren.
-Die ZEIT-Online veröffentlichte in einem knappen Artikel die 10 größten
Bezieher von Agrarsubventionen (die Liste war altbekannt, Agenturmaterial), verwies auf die "Eingabemaske" der Bundesanstalt für Landwirtschaft, über die sich sämtliche Agar- Subventionen der EU, 2007 und 2008, erfassen liesen. Allerdings ohne wenigstens einmal die Zugänglichkeit dieser Seite für das Publikum zu überprüfen. - Da steckte
nämlich der Pferdefuß im Detail.
-Das ZEIT-Magazin 14-2009 brachte mehrere Seiten eines "Uhrentests" für Sport- und Bergsteiger-Luxuschronometer, bei denen ein ZEIT-Redakteur sein windeltragendes Kind als "Testperson" zur Verfügung stellte. Im gleichen Heft wurde zur Künstlerin Oda Jaune in Form einer Homestory berichtet.
-Ob ZEIT,ZEIT-Online, Der Freitag,Spiegel,Spiegel-Online,SZ,FAZ,..., die Medienbetrachtung beschränkt sich meist darauf, die Moderatoren der Talkshows samt der Teilnehmer auf ihre "Performance"-Qualität hin nach zu beschreiben und den jeweils jüngsten "Tatort" zu kommentieren.
-Marken und Kampagnien:
Fast alle Medien setzen auf Strategien, die ursprünglich aus dem Produktmarketing und allgemein aus der Werbewirtschaft stammen.
So können sich Journalisten selbst als "Marke" über verschiedene Produktionskanäle anbieten (Giovanni di Lorenzo, Martenstein, Helmut Schmidt). So können Sie mit feststehenden Themen als Dauerkritiker in Erscheinung treten (Anti-Grün und Anti-Öko-Maxeiner- Mirsch) oder sich als Globalpolemiker (Broder) bewähren. Ergänzungen sind die fast schon zu Selbstläufern geronnenen Kampagnenhaltungen, z.B. "Anti-Lafontaine" bei ZEIT und SZ. Journalisten glauben, selbst Trends erzeugen zu können. Z.B. Florian Illies bei der ZEIT deutet die Kunstgeschichte entlang von dünnen "Auktionsanzeigen" um, natürlich in der Sprache absoluter Bestimmtheit- und Entschiedenheit. Das ist Werbepraxis pur.
(Die angegebenen Beispiele sind willkürlich und dem knappen Zeilen-Raum geschuldet, der Beleg hätte sich genau so gut an Medien des Springer-Verlags oder der großen Tageszeitungskonzerne (WAZ, Rheinzeitung, Südwest-Presse), oder an TV-Formaten entlang arbeiten können.)

Grüße
Christoph Leusch

Susanne Lang 24.06.2009 | 18:01

Lieber Christoph Leusch,

danke für die ausführliche Antwort, insbesondere die Beispiele! Wenigstens recherchieren doch noch ein paar Leute :)
Sie treffen damit insofern einen Nerv, weil Journalisten diese Problematik auch selbst immer wieder ansprechen - auch gestern bei der Veranstaltung, leider nur folgt daraus gar nichts. Alle betonen, wie wichtig Recherche ist und dass es schon komisch sei, soviele verschiedene Medien zu haben, aber überall das gleiche zu lesen. Und das dann meist auch in der Form sogenannter Meinungsstücke. Der Vergleich mit den Lemmingen fiel gestern nicht zu Unrecht.

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klara 24.06.2009 | 18:22

Hallo Susanne Lang,
das war lesenswert, zum Schmunzeln, zum Ärgern - merci!

Vielleicht sollte man eine Gegenöffentlichkeit schaffen, um über die fremde und eigene Zunft nachzudenken? Ohne Casdorff (°würg°) und Co. Dafür mit Z-Bloggern, Freitagsjournalisten - und Lesern? Meinetwegen auch mit Spargelsuppe. Und meinetwegen in der Landesvertretung der Schweiz ;-)

klara

Susanne Lang 24.06.2009 | 18:39

@ klara: Wenn wir hier in der Community genau das hinkriegen: perfekt! Hier übrigens noch ein Link zu dem Beitrag von Robin Meyer-Lucht auf charta zu der Veranstaltung, auch sehr gut eingeordnet, meiner Meinung nach:
carta.info/10720/orientierungslosigkeit-journalismus-medienindustrie-eine-endlosschreife-gerade/

Was die Frage nach den Nebeneinkünften angeht: Davon war gar keine Rede. Vielleicht auch deshalb, weil die Printmedien und ihre Online-Ableger viel zu sehr mit ihrer eigenen Zukunft beschäftigt sind?

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klara 24.06.2009 | 22:12

Das Problem ist, nehme ich an, ein Ähnliches wie in der großen Politik: Die Selbstreferentialität.

Will man eine durchlässige ÖFfentlichkeit schaffen, die neues Denken zulässt anstatt zu unterdrücken, die Profilneurosen nicht fördert, sondern kritisch in Kauf nimmt, braucht man eine Selbstreferentialitätssperre (wie das berüchtigte Netzssperren-Stopp-Schild - nur wirksamer ,-)). Wie kann die aussehen? Die Grünen versuchten es einst mit Basisdemokratie (analog für das hier Angedachte: Basisöffentlichkeit), bis sie feststellen mussten, dass jede Basis Personen hervorbringt, die sich hervortun, die einfach besser sind, stärker sind, klarer sind, zielstrebiger sind, mehr Zeit haben, mehr Glück haben etc. Okay. Dennoch: Wir brauchen eine Selbstreferentialitätssperre - in der Politik wie in der Medienöffentlichkeit. Damit das "Sprechen-Über" (vorzugsweise: sich selbst) zu einem "Sprechen-mit" (vorzugsweise: miteinander) wird. Und das ist wie mit der Demokratie: Nicht einmal errungen und fertig, sondern: Jeden Tag neu zu verteidigen, (für sich) zu erkämpfen.

:)

Joachim Petrick 25.06.2009 | 02:46

Hallo Susanne Lang,
Ihre ausgesuchte Sprach- Melodie und -Duktus bringen gekonnt ironisch aufdeckend die gähnende Leere wie Ratlosigkeit"Warten auf Godot" bei obiger Veranstaltung hervor "Wähle einen dramatischen Titel für die Diskussionsrunde".
Gleichzeitig, will es mir scheinen, erliegen Sie im Eifer Ihres ausgefochtenen Beitrags "verbal in sich hinein kiechernd" dem, was Sie selber als Gefahr beschwören"Lenke die Debatte nie auf den Kern, das könnte ein bisschen schmerzhafter...".
Könnte dieser Kern folgender sein?:
Journalisten/innen, Redakteure/innen haben seit dem 19. jahrhundert ihre Rolle, ihr Verständnis als Inteektuelle wohlfeil für das Linsengericht ihrer "Marke" preisgegeben, sich als "Marke" durch die Welt der Worte, Bilder "räuberisch" unsolidarisch vereinzelt zu schieben, Autorenrechte anderer für Dritte zu verkürzen? D. h. immer wird noch nicht das Autorenrecht von Lesern/innen, Usern/innen, Bloggern/innen u. a. in Form eines gesellschaftlichen Mitwirkungseinkommens "Kompensationseinkommens" debattiert, gefordert und gefördert.
Statt dssen räumen Medien über ihre "Marken", die sie selber in einem Ranking klassifizieren, von Lesern/innen, Usern/innen, Bloggern/innen, die diese beworbenen Marken wie heißhungrig gemachte kundige Fliegenumschwirren "Hunderttausend Fliegen können nicht irren. Freßt mehr Scheiße", frühe Gründer- Parole von BILD" unwidersprochen gesellschaftliche Autoren- Rechte ab.

Was fehlt sind in unserer Welt globaler und lakaler Kommuniklation neue Erwerbquellen, -formen, materielle, inmaterielle Teilhaberschaften von Autoren/innen, Journalisten/innen, Bloggern/innen, Usern/innen, Leser/innen, Zushauern/innen!, oder?
tschüss
JP

Joachim Petrick 25.06.2009 | 03:30

Hallo Susanne Lang.
haben nicht Marx Engels ziemlich erfolgreich als intellektuelle Redakteure, Journalisten, Pbublizisten in ihrer Zeit versucht "Inhalte als Markenzeichen" zu setzen, damit Inhalte global lokal gehandelt kommuniziert werden?
Die Inhalte beider sind bis heute so wahr wie ungeklärt kommuniziert umstritten.
Was aber heute gehandelt wird ist ihre Marke "Marx", ""Engels". An diesem Handel waren sind nicht zuletzt Kommunisten, Sozialisten willentlich wie unwillentlich federführend wie begeisternd beteiligt!. oder?. ohne neue Ideen für Autorenrechte zu entwickeln!, oder?
Die Bürgerlichen haben die "Marke "Marx Engels" vorgefunden, nahmen diese als gefundenes Fressen, als Blaupause, bis heute am laufenden Band Jahrgangsgänge, Generationen entlang, neue Marken zu kreieren!, z. B. die Prominenz der "skeptischen Generation", die 68er als Kampfparole, Die Generation Golf, die Generation doof!, u. u. u., oder?
tschüss
JP
tschüss
JP

Columbus 25.06.2009 | 03:47

Anzeigenökonomie: (halbernst)

Angeblich inserieren Marken-Marketing Leute am liebsten in der Nähe journalistisch verantworteter Texte und Bilder, die thematisch irgendwie mit dem Produkt verknüpfbar sind. Noch lieber werben sie in journalistischen oder medialen Produkten, die sie, bzw. ihr Produkt, zu "Medienpartnern" macht. - "Der Freitag" sollte, wie die "ZEIT", einen wöchentlichen "Redakteurs- Autotest" einführen, natürlich angepasst an die Vorlieben, zusätzlich Pickups, Rasenmäher, Schlauchsysteme, Saatgut, Tulpenzwiebeln, Baumarkt-Artikel und (gehobene) Gastronomie-Waren, Teller, Tassen,Töpfe, Tortenheber, usw.. - Zunächst einmal nur für Opel, danach auch für Porsche werben. Die notleidenden Firmen zuerst!

Um einmal ein paar Großkunden Online zu bekommen, könnte man es vielleicht zunächst einmal mit dem Eröffnungs-Nulltarif probieren oder einige "Jingles" einbauen (NPR, das nationale amerikanische Radio, macht das vor seinen hochkarätigen und journalistisch sauber recherchierten, sowie kompetent moderierten Musiksendungen. Da wirbt dann immer eine Brauerei oder ein Kreditkartenunternehmen, bevor der Beitrag abgespielt wird.

Handwerkliche Fähigkeit: (ernsthafter)
Technisches Verständnis der Produktionsbedingungen schadet nie. Aber, der Content ist davon weitgehend unabhängig. Zum dialogischen Handwerk, bisher wird es ja nur beim "Der Freitag" und bisher eher abgespeckt bei "ZEIT-Online" geübt, gehört es vielleicht in Zukunft, die Produktion von zu viel Text durch die Produktion von dichtem und gut recherchiertem Material zu ersetzen und dann mit dem aufgeklärten Leser länger ins Gespräch zu kommen. Kommen inhaltsreiche Beiträge, dann kann man bei Bedarf nachlegen und hat den Vorteil längerer Standzeiten der Artikel.
Bisher ist auch das Aktualisieren und Nachreichen von Fakten noch nicht so ausgeprägt. Das liegt am Produktionsdruck für wenige Leute, die dann auch noch immer sehr aktuell sein möchten.

Grüße
Christoph Leusch

PS: Setzen Journalisten professionelle Diktiersysteme ein? Ich meine jetzt nicht einfache Voice recorder. Haben Redaktionen noch eine Hausbibliothek?

Joachim Petrick 25.06.2009 | 04:00

Habe die Marken Pominenz der selbstausbeuterischen Generation Praktika, Blogger, User, Internet Surfer, SMS-, Facebook -Freaks, Casting- Shows Junkies , Bodybuilder/innen als Medien- Soldaten/innen, Terminatoren/innen ohne Sold vergessen, die nie darauf kommen, die Frage nach Eigentumsverhältnissen, nach der eigenen Kreditschöpfung, -würdigkeit ihrer engagierten Rastlosigkeit für "Lau" zu stellen!, oder?

JP

Joachim Petrick 25.06.2009 | 04:33

Hallo Columbus.
Ihre Anzeigenökonomie wird gerade halbernst zur richtig tollen Marke der Selbstausbeutung!, oder?
Meine Idee ist folgende"
Nachdem es seit sechzig Jahren bei uns halbernst subventionierte Blockmeinungen in den Medien gibt, die da sind, Parteien, Gewerkschaften, Verbände, Kirchen, Stiftungen, Institute der Wirtschaft, des Handels, Wandels, banken und Verkehrs, sollten wir nicht auf halben Wege im Zeitalter des internets stehen bleiben und eine Meinungs- , Mediensteuer einführen, aus deren Mitteln bestimmte Medien, wie der Freitag u. a. gebührenfei als systemrelevant identifiziert, mischfinanziert werden, um unserer Demokratie vor Ort, in betrieben, Schulen,Hochschulen,Kultur,Sport im Land, global Futter zu geben. eine weitere Säule der Demokratie im Wettbewerb neben den vorhandenen zu errichten"Unsere Medien- Demokratie muss leben und wenn wir dichten!"
tschüss
JP

mh 25.06.2009 | 16:41

der grund, warum die alten medien keine tragfähigen konzepte finden ist, dass tragfähige konzepte im internet einen mehrwert bieten müssen, der dem leser geld wert ist.

von daher ist es ja schon beruhigend, wenn überhaupt mal festgehalten werden kann, dass portierte meinungen eher weniger einer qualitatives merkmal haben .. nicht zuletzt, weil das internet aus meinungen besteht.

da irgendwie mal weiter zu denken, scheint unglaublich schwer zu sein.

Streifzug 25.06.2009 | 17:08

Eine Studie / Buch zum Thema:

Wolfgang Donsbach, Mathias Rentsch, Anna-Maria Schielicke Sandra Degen

Entzauberung eines Berufs
Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden

Kurzbeschreibung (PDF):
tinyurl.com/l2klnf

Webseite:
www.donsbach.net/?page_id=175

Inhalt, einige Auszüge:

"In den Augen der Öffentlichkeit ist der Journalismus ein für die Gesellschaft wichtiger, aber in der Tat kein vertrauenswürdiger Beruf. Nicht einmal zwei von drei Deutschen geben an, dass sie Journalisten „eher schätzen“. Damit liegt das Ansehen des Journalismus weit unter jenem klassischer Professionen (90 Prozent schätzen den Arztberuf, 82 Prozent Professoren und 80 Prozent Lehrer) und damit nur auf Platz sechs von zehn abgefragten Berufen. Doch nur 35 Prozent sagen, dass sie Journalisten auch vertrauen. Beim Vertrauen liegt der Journalismus noch weiter
hinter anderen Berufen zurück. Selbst den Meinungsforschern bringen die Deutschen mehr Vertrauen entgegen. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass vor allem die jüngste Gruppe der Erwachsenen (18- bis 24 Jahre) den Journalisten das wenigste Vertrauen entgegenbringt."

"Die Deutschen üben scharfe Kritik an den handelnden Journalisten. Diese sind ihnen viel rücksichtloser, intoleranter gegenüber den Meinungen anderer und unsozialer, als man sie gerne hätte. Gleichzeitig setzen sie zu stark nur ihre eigene Bedürfnisse durch und haben viel zu viel Macht und Einfluss in der Gesellschaft."

"Die Bürger zeichnen auch das Bild eines Journalismus mit starken wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Es ist für die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Rolle des Journalismus äußerst bedenklich, dass eine deutliche Mehrheit Journalisten als käuflich beschreibt. Rund zwei Drittel glauben, dass bezahlte Recherchen häufig vorkommen oder dass die Interessen von Anzeigenkunden auch in der redaktionellen Berichterstattung berücksichtig werden. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Praxis vielen als nicht verwerflich erscheint. Die Akzeptanz dieser ethisch zweifelhaften
Praktiken ist dabei unter jungen Bürgern besonders groß."

"Als Wissensprofession würde Journalismus seine Alleinstellung als vertrauensvoller Vermittler von geprüften Aussagen über Wirklichkeit zurück gewinnen."

Susanne Lang 29.06.2009 | 14:33

@ Joachim Petrick: Vielen Dank für Ihren Hinweis auf ein alternatives Einkommensmodell. Ich denke auch, dass Sie da einen wichtigen Punkt treffen. Im Grunde ist das doch die Frage: Ist, vor allem durch die Veränderung über das neuere Medium Internet, unser praktiziertes Modell aus dem 19. Jahrhundert noch sinnvoll? Und die Anschlussfrage, ob den Usern der Online-Content nicht doch auch monitär etwas wert sein muss?

In dem Zusammenhang aber vielleicht eine Anmerkung: Zeitungen, also redaktionelle, journalistische Inhalte waren immer schon an Werbung gekoppelt, um nicht zu sagen abhängig. Da handelt es sich nicht um einen Sittenverfall. Man brauchte schon damals ein Textumfeld für die Anzeigen, die man in neuer Form verbreiten wollte: auf gedruckter Massenware. Dass das heute nicht zwingend auf die Inhalte abfärben muss, sehe ich eher als Fortschritt. Zumindest gilt das hier für den Freitag.

Susanne Lang 29.06.2009 | 14:38

Lieber Streifzug: Na, würden Sie denn von so einer wie mir ein Auto kaufen? ;)

Naturgemäß geht mir dieses pauschale, Klischee-Abwerten in "Meinungsumfragen" sehr auf die Nerven. Dafür gibt es dann doch zuviele Beispiele, die das widerlegen - oder warum lesen Leute dann überhaupt noch die Ergüsse von Journalisten?!

Auf einen entscheidenden Punkt wurde auch auf der Tagung, die die Mediendemokratie retten wollte, immer wieder hingewiesen: Das Hauptproblem besteht darin, dass viele Journalisten ihre LeserInnen für absolut bescheuert halten müssen oder wie sollte man sich sonst erklären, dass sie in dem Glauben schreiben, anderen Menschen eine Meinung verschaffen zu müssen? Die meisten können zum Glück dann doch selbst denken.

Streifzug 29.06.2009 | 14:46

Liebe Susanne Lang,

es geht nicht um eine einfache Meinungsumfrage. Der Link führt zur Projektseite.

Einer der Autoren: Wolfgang Donsbach ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden und Gründungsdirektor des dortigen Instituts. Promotion (1981) und Habilitation (1989) erfolgten an der Universität Mainz. Nach Dresden führten ihn berufliche Stationen an den Universitäten Dortmund, Mainz und FU Berlin.

Eine billige Meinungsumfrage hätte ich nicht erwähnt.

Absichtlich habe ich die Zusammenfassung mit einer positiven Perpektive enden lassen: "Als Wissensprofession würde Journalismus seine Alleinstellung als vertrauensvoller Vermittler von geprüften Aussagen über Wirklichkeit zurück gewinnen."

Ansonsten geht es oft nicht darum, was Journalist möchten, glauben oder was sie von ihren Lesern halten, sondern schicht und einfach darum, was sie tun müssen um Geld verdienen zu können.

mh 29.06.2009 | 17:50

online content ist mir dann etwas wert, wenn er nicht beliebig ist.

agenturmeldungen sind beliebig. die bekomm ich auch übern liveticker zusammen mit den börsenkursen. da brauch ich nicht noch geld an die sz oder faz zahlen.

ich hab ja auch n abo vom freitag. weniger, weil ich so gerne zeitung lese. ich seh das mehr als spende zur unterstützung des webangebots. das find ich nämlich interessant.

und für das würde ich auch ohne mit der wimper zu zucken den gleichen preis zahlen. solange es sich a) weiter vom markt absetzt b) sich technisch weiterentwickelt c) die innovation des gesamtmarktes forciert wird.

der content spielt da für mich momentan sogar noch eine untergeordnete rolle, denn den kann ich mir politisch und wirtschaftlich auch selbst denken. nur in weniger sätzen.^^
das wird dann ein thema, wenn die plattform ausgereifter ist.

Susanne Lang 30.06.2009 | 12:00

Vielen Dank für das konkrete Feedback, finde ich sehr interessant! Zwei Nachfragen hätte ich:
1. welches Bezahlungsmodell für online könnten Sie sich denn vorstellen? Eine monatliche Flatrate? Das wird meiner Meinung nach viel zu wenig diskutiert, wie das aussehen könnte
2. "nur in weniger sätzen": Finden Sie die Stücke hier zu lang? ich kann das selbst nicht so richtig einschätzen...

mh 30.06.2009 | 13:01

technisch gibt es beim bezahlen doch kaum noch grenzen. sprich man kann ne flatfee fürs gesamtangebot nehmen oder per micropayment auch einfach nur für alle artikel von susanne lang zahlen lassen. alle artikel aus dem bereich politik für ein jahr betrag x, oder monatlich. ein einziger artikel.

warum sollte man sich denn da festlegen wollen?

das mit den langen artikel ist keine frage, die man beantworten kann. zu lang ist ein artikel dann, wenn er zum geschwafel wird. ich habe festgestellt, dass ich vieles als geschwafel empfinde, dass andere als wertvolle information betrachten. von daher sollte das jemand anderes definieren.

man merkt vielen artikeln an, dass sie für die zeitung geschrieben sind und nicht für das web. die sind dann definitiv zu lang.

btw: 2 seiten oder mehr sind doof. gab doch tolle statistiken, das die meisten die zweite seite schon nicht mehr clicken.