"In der Partei hätte sie viel zu tun"

Frau Kader Loth Kader Loth, Ex-"Penthouse"-Model, ist jetzt Frauenbeauftragte der Pauli-Partei Freie Union. Ein PR-Gag? Gespräch mit der Frauenbeauftragten der Stadt Nürnberg, Ida Hiller

Der Freitag: Frau Hiller, handelt es sich bei der Inthronisierung der "Alm-Königin" und "Big-Brother"-Insassin Kader Loth zur Frauenbeauftragten um reine PR für die Pauli-Partei?

Ida Hiller: Vermutlich, Gabriele Pauli war schon immer Expertin darin, in den Medien erwähnt zu werden. Und Öffentlichkeit braucht sie zur Zeit, sie will ihre neue Partei, die Freie Union, bis zur Bundestagswahl im September bundesweit etablieren. Aber vielleicht ist die Idee ja gar nicht schlecht, gerade in dieser Partei eine Frauenbeauftragte einzuführen. Wenn Sie sich die Wählerlisten ansehen, finden Sie fast nur Männer. Loth könnte dort als erstes eine Quotierung durchsetzen und eine frauenpolitische Programmatik einführen.

Kann man so etwas von Loth erwarten?

Leider nicht unbedingt. Paulis Fotostrecke mit Latexhandschuhen war ja eine ähnliche PR-Geschichte. Jetzt kommt ein Supermodell, das nicht mit Politik in Zusammenhang steht. Ich kann nur hoffen, dass diese Frau noch etwas anderes zu bieten hat als ihren Körper. Vielleicht lassen wir uns auch positiv überraschen.

Schadet so eine Besetzung dem frauenpolitischen Anliegen nicht auch?

Es ist schwer einzuschätzen, wie ernst die Wähler und Wählerinnen die neue Partei nehmen werden. Keiner weiß bisher, was sie eigentlich will. Was sie eint, ist die Unzufriedenheit über die etablierten Parteien. Von daher habe ich nicht die Befürchtung, dass eine Frauenbeauftragte Loth unsere Arbeit entwertet. Ernsthafte Sorge hätte ich dagegen, wenn etwa der Berliner Senat Kader Loth für Gleichstellungspolitik beauftragen würde. Dagegen müssten wir uns formieren.

Wie zufrieden sind Sie denn mit den etablierten Parteien in Sachen Gleichstellung?

Nach einer neuen Erhebung der Böckler-Stiftung sieht es nicht so gut aus. In manchen Gemeindegremien sitzen immer noch fast nur Männer. Eine Frauen-Beteiligung von 50 Prozent ist für mich die Minimalforderung. Einzelne Parteien haben ja eine Quotierung eingeführt, aber viele hätten da noch gut zu tun, gerade auch die CSU in Bayern oder die FDP.

Irrwitziger Weise war das Paulis ursprüngliche Motivation, als sie noch CSU-Mitglied war.

Ja, und nun schart sie diese wunderliche Versammlung an Leuten um sich. Wenn die mal einen Parteitag abhalten, hat das ja Kabarett-Charakter. Ich hoffe nur, dass es ihr nicht gelingt, all die Nur-Unzufriedenen anzulocken.

Ida Hiller, 55, Diplomsozialpädagogin, war in der Jugend- und Erziehungshilfe sowie Stadtteilarbeit tätig. In einem Münchener Frauenhaus leitete sie die dortige Beratungsstelle. Seit 1987 ist sie im Nürnberger Frauenbüro beschäftigt, seit 1992 als Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg. Schwerpunkte der bisherigen Tätigkeiten sind die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen, Stärkung der Netzwerke und die Implementierung von Gender Mainstreaming in der Stadtverwaltung.Seit August 2008 ist sie Bundessprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros.

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Ihre Freitag-Redaktion

14:10 14.07.2009
Geschrieben von

Susanne Lang

Freie Redakteurin und Autorin. Zuvor Besondere Aufgaben/Ressortleitung Alltag beim Freitag
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Susanne Lang

Ausgabe 43/2021

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