Oslo Der Prozess - Anders Behring Breivik29/1

Gerichtsverhandlung Tagesbericht
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Freitag, 1.06.2012

29. Prozesstag Teil 1

Richterin Arntzen hat Antworten von der Kommission in Bezug auf das forensische Gutachten von Aspaas und Tørrissen erhalten, es gibt zwei wesentliche Mängel: die Bewertung der Persönlichkeitsstörung und die Auswertung der Informationen, die Breiviks Mutter Husby und Sørheim gab.

Arntzen erklärt, dass die forensische Kommission das zweite Gutachten von Agnar Aaspas und Terje Tørrisen nicht genehmigt.

Erster Zeuge ist Prof Frank Aarebrot, Wahl-Forscher (sic!), Kenner politischen Verhaltens und Demokratisierung.

Ich denke es ist wichtig, einige zusätzliche Hintergrundinformationen hinzufügen, ich bin Mitglied der Labour-Partei. Ich war nie Mitglied der AUF, bekam aber vor ein paar Jahren eine lebenslange Mitgliedschaft in der Hordaland AUF. Das ist die größtmögliche Ehrung.

Wir haben die gleichen Fragen an die Öffentlichkeit und an norwegische Journalisten gestellt, um die Haltung vergleichen zu können. Es geht nicht um Parteizugehörigkeit, sondern um das Wahlverhalten. Aarebrot zeigt eine repräsentative Übersicht von norwegischen Parteien unter norwegischen Journalisten. Journalisten stimmen mehr für die Arbeiderpartiet (sozialdemokratisch), SV (Sosialistisk Venstreparti, Sozialistische Linkspartei) und Venstre (links). Die Konservativen und die Fortschrittspartei sind unterrepräsentiert. Er vergleicht mit Dänemark. Hier ist die dänische Liberale Partei vertreten, und die Radikalen Linken sind überrepräsentiert. Hier ist die Labour-Partei stark über- und die Fortschrittspartei unterrepräsentiert. Eine dritte Gruppe, die öffentliche Meinung, wird von Informations-Beratern beeinflusst. Für jede JournalistIn der Presse, gibt es einen Informanten, der gegen die Presse arbeitet. Wir haben auch diese Gruppe befragt, hier sind die Konservativen und die Fortschrittspartei überrepräsentiert.

Es gibt ein regelmäßiges Muster, dass die Parteien auf der linken Seite über-, während die rechten Parteien unterrepräsentiert sind. So würden Journalisten stimmen, wenn Wahlen wären. Wahlen finden alle zwei Jahre statt, Journalisten sind sie 365 Tage im Jahr. Meine Prüfung bietet keine Grundlage für die Behauptung norwegische Journalisten verfolgten propagandistische Absichten. Wenn man das heraus gefunden hätte, müsste man eine weitere Befragung durchführen und Texte analysieren, eine solche Prüfung hat nicht stattgefunden hat, und ich habe keine solche Befragung durchgeführt. (Aarebrot sagt, er konne sich nicht zurückhalten und überprüfte die norwegischen Rechts-Anwälte. Sie wählen vorwiegend 'rechts'. Breivik lächelt. Ich glaube nicht, dass ich das kommentieren sollte, sagt Lippestad.)

Hast du eine Vorstellung davon, warum Breivik behauptet, dass die norwegischen Medien eine Art Filter dafür sind, wie Politik in der Gesellschaft zu verstehen ist? Warum wird deine Forschung missverstanden? -Es kommt häufig zu Trugschlüssen. Sie mögen solche Absichten haben, aber es gibt dafür keine Grundlage in meiner Forschung. Die Menschen sitzen in Tausenden von Häusern und bilden ihre Hypothesen und sammeln Fakten über sie und finden die Dinge, die ihre Hypothesen stützen, aber was nicht passt, wird ausgelassen.-Ist es falsch von Breivik und anderen zu glauben, dass Redakteure eher die linke Seite vertreten? -Ja und nein, auch wenn es seltsam ist.

-Siehst du das in dem Konflikt, in der Kontroverse über die Mohammed-Karikaturen? Es gibt zwei Länder, Dänemark und Norwegen, in denen es ähnlich abläuft. Beide waren in einen Streit über Christentum und Islam involviert oder in einen Kulturstreit, wie Breivik sagen würde. Beide Länder haben eine rot-grüne Regierung, die Botschaften beider Länder in Damaskus wurden niedergebrannt. Die Zeichnungen wurden in einer dänischen und einer norwegischen christlichen Zeitung veröffentlicht. -Können wir erkennen, ob Journalisten sich unter Druck bei ethischer Überprüfung beeinflussen lassen? Es gibt Unterschiede, die Mehrheit glaubt, es ist angebracht, Karikaturen zu veröffentlichen. 55 Prozent der Journalisten-Stimmen für Labour sagen, dass es richtig war. Unter den konservativen Journalisten sind es 71 Prozent. Aber wir sehen, dass die Christlich-Demokratische Partei, die Sozialistische Linke und die SP (Senterpartiet, Zentrumspartei) die Parteien sind, die glauben, man solle den Propheten Mohammed nicht beleidigen.-Warum ist es in Dänemark ideologiebasierend? - Was wir sehen ist situationsbedingt, nicht ideologisch. Der Muslimische Rat in Dänemark ist gegen die dänische Regierung, in Norwegen passiert das Gegenteil. Es geht darum, wie die Situation zu bewältigen ist. Die führende Politik der dänischen Regierung und die Bereitschaft zum Dialog, unterscheidet sich von der norwegischen Regierung, das trennt die Länder. Die Einstellung zu kulturellen Unterschieden sind situativ. -Breivik betrieb eine Websites mit internationalem Charakter. Die dänischen Zahlen sind Zahlen aus dem Ausland. Wurden ähnliche Studien in anderen Ländern gemacht? -Nein, ich glaube das ist Pionierarbeit. Der Grund, warum wir dies taten, war um zu sehen, wie es sich mit der Presse-Ethik verhält. Das Ergebnis war, dass eine Rechts-Links-Achse nicht in Norwegen, sondern in Dänemark existiert. -Eine gesamt- europäische Meinungsbildung ist sehr schwierig zu verfolgen. Leider haben wir keine Zahlen aus England oder anderen Ländern, nur eine Nordic-Studie. -Es ist nicht die Politik, sondern wie man die verschiedenen Probleme, noch dazu getrennt, löst? -Ja, das ist richtig, sagt Aarebrot.

Die Zeugen gestern hatten ihre Ansichten. Ich repräsentiere eine jüngere Wissenschaft, das menschliche Verhalten. Spezifische Verhaltenstheorien haben einen höheren Status als Erklärungen, die aus der Gruppendynamik kommen. Gäbe es Rechtssoziologen und nicht nur Psychiater, wäre es möglich, mit einem Behandlungsplan zu kommen - auf eine andere Art und Weise.

Nächster Zeuge ist der Forscher Brynjar Lia, Forsvarets forskningsinstitutt (FFI), Forschungsinstitut im Bereich Verteidigung.

Ich bin Doktor der Geschichte und habe fünf Bücher über internationalen Terrorismus und Dschihadismus geschrieben.

Du erzählst uns etwas über die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Breviks Ideologie und terroristischen Gewaltakten und anderen terroristischen Gruppen. Woran erkennt man, ob das Manifest und die Ideologie an der Realität orientiert sind? -Es ist nicht ungewöhnlich für terroristische Gruppen, große Ziele zu verfolgen. Vor allem bei rechten Gruppen werden Verschwörungstheorien aufgebaut. Ein paar terroristische Gruppen sind so beliebt, dass sie bei demokratischen Wahlen Stimmen gewonnen haben, aber das passiert nach einem langen Prozess der politischen Reifung. Die meisten terroristischen Gruppen versuchen, die Unterstützung der Bevölkerung durch die Darlegung der allgemeinen bekannten Probleme zu gewinnen, aber sie verdrehen den Sinn. Was Breivik über muslimische Einwanderung sagt, ist bekannt, aber verdreht.

Die eigentliche Grundlage für die Angst, ist höchst fragwürdig. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Muslimen und terroristischen Anschlägen durch islamistische Terrorgruppen in Europa. In Breiviks Fall unterscheidet sich der Grad der Gewalt in Bezug auf den politisch-militärischen Kontext von dem anderer des Terrors Angeklagter. Die Anwendung von Gewalt ist in seinem ideologischen Universum rational. Der Gewaltausbruch soll spektakulär um mediale Aufmerksamkeit heischen. Aber der 22. Juli scheint wie aus heiterem Himmel gekommen zu sein. Terror findet im Rahmen eines Konflikts statt. Massenmörder sind wie Zuschauer oder Teilnehmer in einem Konflikt, ich beziehe mich auf einen jüdischen Terroristen, der Palästinenser tötete, um einen Massenmord an Juden zu vermeiden. Massenmörder neigen dazu, etwas Konkretes zu rächen. Wie zB Timothy McVeighs Bombenanschlag in Oklahoma-City, um die FBI-Belagerung der Waco-Sekte genau zwei Jahre zuvor zu rächen. Hier ist keins dieser drei Elemente vorhanden. Bei den Anschlägen des 22. Juli fehlt das konkrete Motiv Rache, fehlt jeder Kontext und die weit verbreitete Wahrnehmung der Katastrophe. So ist es auch mit der Inspiration. Der Angeklagte sagt, dass er von Al-Qaida inspiriert wurde. Es ist üblich, dass Terroristen sich von anderen inspirieren lassen. Sowohl durch direkten Kontakt oder indirekt über die Medien und das Internet. Diese Anleihe von Ideen geschieht über ideologische Linien. Terroristische Gruppen können Elemente des strategischen Denkens der konkurrierenden Schulen leihen..

Die Kategorisierung von Feinden in Klassen und Gruppen, A und B-Verräter, wie der Angeklagte es tat, ist nicht ungewöhnlich. Terroristen arbeiten oft mit Kategorien der Gegner, in einer Hierarchie. Oft sorgen Konflikte und Spaltungen darüber, welche Feinde priorisiert werden sollten, für Uneinigkeit. Was sind legitime Ziele? Was ich am besten kenne, ist nicht so weit verbreitet, der Angeklagte hat es sorgfältig angelegt. Es gibt Parallelen in der rechtsextremen Literatur. Wenn es Polarisierung (und eine Mobilisierung-Strategie) gibt, wird eine Hexenjagd auf die Nationalisten präsentiert, gegen die langfristig Unterstützung erbeten wird, wie Breivik erklärt. Das ist eine gemeinsame Strategie. Es ist durchaus üblich mit Terror zu versuchen, Menschen zu zwingen, Seiten in einem Konflikt zu wählen.

Zur Zielauswahl: Die physischen Ziele waren das Regierungsviertel und Utøya. Die politischen Behörden sind gemeinsame Ziele. Daher Gebäude, die Staatsgewalt, Ziele wie Post, Polizei, Botschaften. Wir haben eine Datenbank, "Global terroris base" (GTB) - hier finden wir 13 000 Handlungen, die auf Regierungen abzielen. Davon sind 1900 in Westeuropa. Terroranschläge gegen Regierungsziele machen 13 Prozent in Europa aus und sind die dritthäufigste Form des Terrorismus. Die anderen beiden sind Terror gegen Einzelpersonen oder Unternehmen.Terror gegen Gebäude von Staat oder Regierung, der Justiz, des Innenministeriums sind weniger häufig. Nicht, weil sie unwichtig sind, sondern weil sie gut geschützt sind.

Für Utøya, ein politisches Sommercamp für Jugendliche, gilt: atypisch. Es wird nicht als eigene Kategorie in dieser Datenbank codiert. Nächstgelegen finden wir Bildungseinrichtungen mit 2200 Taten. Sie betreffen nur ein Prozent der europäischen Terroranschläge. Angriffe auf das Bildungssystem nehmen Einfluss auf viele Erwachsene, sie sind real genug. Angriffe auf Bildungsinstitute gegen Kinder und Jugendliche sind wahrscheinlich weniger. Darüber, wie verbreitet es ist, dass terroristische Gruppen, speziell Kinder Ziel sind, haben wir eine schlechte Datengrundlage, aber es wird sehr selten sein. In der Regel werden sie getroffen, weil sie in der Nähe eines anderen Ziels waren. Einer dieser Angriffe ist der sogenannte "Amoklauf". Die meisten Terrororganisationen zögern, dies zu tun, um ihre Anhänger nicht zu verlieren. Aber es ist passiert, der Angriff auf die Schule Beslam ist wahrscheinlich der bekannteste.

Massenmedien als Ziel: Der Angeklagte hatte den Wunsch, eine Konferenz des investigativen Journalismus zum Ziel zu nehmen. Das ist ein typisches Ziel für Terroristen. In Europa betreffen 1,75 Prozent der Terroranschläge Journalisten. 260 Taten waren gegen Journalisten gerichtet, mit insgesamt 40 Todesfälle. In den letzten Jahrzehnten gab es nur ein Ereignis - ein Attentat in Griechenland im Jahr 2010, als jemand starb.

Massentötungen als Terrorziel: Wie häufig ist der Wunsch eine große Anzahl Menschen zu töten, und wie verbreitet ist es, dass die große Zahl der Todesopfer benötigt wird, um Akzeptanz in den Massenmedien zu erhalten? Die meisten der Terroranschläge nehmen keinem Menschen das Leben. Terroristen wollen viele Zuschauer, aber nicht viele Tote. Tödliche Angriffe sind ziemlich selten in Westeuropa. Terroristen wollen Aufmerksamkeit, aber nicht viele Tote. In 40 Jahren registrieren wir rund 80 Aktionen mit über 100 Toten in einem Vorgang. Nach 1990 gab es nur vier Angriffe in Westeuropa mit über 10 Toten, aber es gab einige Massenmordversuche, ohne ideologischen Vorwurf. Es ist nicht ungewöhnlich für terroristische Gruppen sich bei großen Aktionen entsprechende Ziele zu wählen, nicht nur um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern auch die interne Mobilisierung und Angst in der Bevölkerung zu erreichen.

Der Angeklagten hat Angst vor Polizeiüberwachung. Wie verbreitet ist das? Um als terroristische Gruppe zu überleben, müssen sie den Fokus intensiv auf Sicherheit und Geheimhaltung legen. Viele Terrorgruppen haben ihre eigene Literatur dazu erstellt. Es gibt die Verwendung von Code-Sprache, Gegen-Spionage, vorsichtige Anwerbung, Sanktionen gegen einen Überläufer. Diese starke Konzentration auf die innere Sicherheit, lässt ein paranoides Klima entstehen. Das Einzeltätertum macht die Taten des 22. Juli besonders, dem Angeklagten fehlt jede Verbindung, er ist in keiner gewalttätigen extremistischen Gruppe sozialisiert. Aber er bekam zustimmende Reaktionen. Das Ziel der Terroristen ist oft, Angst zu erzeugen, vor allem durch wiederholte Taten. Terrorismus ist weitgehend ein Gruppenphänomen. Ein 'Einsamer-Wolf'-Terrorismus ist in vielerlei Hinsicht ein Widerspruch in sich. Jedenfalls, wenn der einsame Wolf nach der ersten Aktion festgenommen wird. Es ist ein seltenes Phänomen, das aber scheinbar mehr wird.

Breivik behauptet, er wollte sich am 22. Juli selbst töten. Das scheint ein wenig seltsam, er starb nicht, wie wir sehen, er hatte keinen Sprengstoffgürtel, hat kein Martyrer-Video gemacht, rief der Polizei mehrfach zu, sich zu ergeben. Allerdings ist er sehr erfreut, was die Form des Handelns betrifft, und schreibt viel über sie in seinem Manifest, und empfiehlt anderen Rechtsextremen, es genauso zu machen. Genau das, sich eine bestimmte Form auszuleihen und zu benutzen, machen viele Terrorgruppen in den letzten zehn Jahren. Diese Art der Aktion wurde in mehreren Gruppen auf der ganzen Welt verbreitet. Erstaunlich genug.

Es wurde eine Reihe von Selbstmordattentaten entwickelt, denn es hat einen taktischen Vorteil.Die Tamilen in Sri Lanka haben die neueste Form, aber man verbindet es am häufigsten mit sunnitischen Terrorgruppen wie Al-Qaida. Breivik sagt, er hätte es auf Utøya geplant, zu filmen falls er Geiseln enthaupten oder erschießen müsse. Es ist eine erschreckende Taktik, die aufständische Gruppen in der heutigen Zeit verwenden. Video-Überwachung solcher Maßnahmen wird im Irak seit 2004 von Al-Qaida benutzt. Es gab ein riesiges Medienecho weltweit. Die Taktik wurde in der Dschihad-Bewegung kritisiert, ist aber in Konfliktgebieten noch im Einsatz. Es wurden Pläne von Jihadeinzeltätern gezeigt, Pläne für Aktionen in Europa. Es wird oft mit Angriffen auf westliche Ziele verbunden.

Über Uniformen und Unterschiede: Der Angeklagte hat offensichtliches Interesse an ihnen. Viele Terrorgruppen verwenden Uniformen bei Paraden und Zeremonien. Sicherheits-Überlegungen diktieren, dass man sie nicht vor oder während der Operationen verwendet. Wenn man sich größere Gruppen, wie die FARC in Kolumbien, oder dieTamilen- Tiger ansieht, so haben sie ständige Lager, in denen sie die Uniformen tragen können. Wenn es um Angriffe auf westliche Ziele geht, haben sie eine kulturelle Skepsis gegenüber Uniformen. Sie assoziieren damit säkulare arabische Militärdiktaturen. In den rechtsextremen Gruppen gibt es eine große Faszination für diese, ein Erbe der NS-Zeit. Die Ausschmückung der Gräber, Zeremonien usw. sind gar nicht so selten. Mehrere terroristische Gruppen sind dafür bekannt, Tribut für gefallene Mitgliedern und Glaubensbrüder zu zahlen. Es ist üblich, gefallene Soldaten zu ehren, um die Moral und die Einstellung zu verbessern.

-Das ist kein Hinweis auf psychische Probleme, sondern zeugt von der internen Kultur der Benutzergruppe. -Es gibt Ähnlichkeiten zwischen dem Beschuldigten und anderen Terroristen, Handlungsmuster und taktische Entscheidungen. Auffällig bei Breivik ist auf der einen Seite die große Lücke zwischen der Wahl des Gewaltniveuas und des politischen militärischen Kontextes auf der anderen. Breivik las Terrorismus-Literatur, aber er hat das zentrale Dilemma der Terroristen nicht verstanden, das heißt, mit wie viel Gewalt Anhänger zu rekrutieren sind. In diesem heftigen Kontext scheint das nur sinnvoll für andere zu sein. Massenmord ist keine gute Strategie, ein Buch vorzustellen. Ich kenne keinen anderen, der so viel Gewalt aufgewendet hat, um ein unvollendetes Manuskript zu starten. -Terroristische Gruppen können als paranoid wahrgenommen werden, weil sie "unter dem Radar" bleiben, um nicht erkannt werden? - Sicherheitsbewusstsein ist alles bei der Planung von Aktionen eines Terroristen. Es ist wichtig, keinen Kontakt zu bekannten gewalttätigen Umfeldern zu haben. -Es ist also ganz "normal" zu versuchen, eine Menge zu tun, um nicht erkannt zu werden? -Ja, würde ich sagen. Er gibt eine Erklärung für die Gewalt. Eine kleine Aktion wird nicht genügend Aufmerksamkeit auf das Manifest und seine Sache bringen. Auf dieser Basis gibt es eine gewisse Rationalität. Er hat nicht verstanden, dass es einen Unterschied zwischen Bewusstsein und Verständnis in diesem Fall gibt. Der Fokus hat sich nur auf die unbegreifliche Gewalt, nicht auf die Sache konzentriert.

Zum einsamen Wolf und Einzeltäter-Operationen: Wenn wir das Kompendium als einen Vorschlag ansehen, wie die anderen Teilnehmer die Schlacht im Kampf entwickeln können, ist es vernünftig, diese Ideologie an Dritte weiter zu verbreiten? -Ja, aber die Gewalt überschattet den Effekt, wir können uns darauf einigen, dass es rational zu sein scheint, daran zu glauben, dass das Erbe auf diese Weise nach vorn gebracht werden kann. Der Angeklagte handelte unter Sicherheitsüberlegungen und baute eine große Bombe, manche glauben, das ist ein wenig beeindruckend. Aber das Auto zu fahren, es auf dem Parkplatz des Regierungsgebäudes zu platzieren, das ist etwas, dass viele Menschen hätten tun können. Es war ein ungeschütztes Ziel. Das Innovative war, wie er die Bombe baute.-Nach dem Verständnis Breiviks sollte "Bürgerkrieg" rationale Rhetorik sein? -Er pendelt, ob es einer ist oder ein Bürgerkrieg sein wird und was Bürgerkrieg wirklich bedeutet. -Aber basierend auf dem konventionellem Denken in solchem Umfeld, ist das nicht sehr überraschend? -Bei Islamophobie werden Bürgerkriegs-ähnliche Strukturen konstruiert, die häufig in der extremistischen Welt sind. Das ist leicht, ob es rational ist oder nicht, ist schwer zu sagen. -Du hast gesagt, es fehle ein Kontext bei Breiviks Gewalt und Botschaft, was fehlt? -Wenn Terroristen so massiv töten wie Breivik, sind sie selbst in einem Konflikt. Es gibt die Verbindung der Tötung ihrer Brüder mit einem Ort, sie identifizieren sich mit "Meine Brüder sind dort ums Leben gekommen, darum werde ich mich dort rächen" das explizite Motiv Rache. Es ist offensichtlich schwer, dieses bei dem Angeklagten zu finden. -Heißt das, er ist krank? -Ja, damit kommt man diesem Fall näher. -Womit haben wir es zu tun? -Er spricht über den Krieg in Bosnien, und er hatte damals nicht die Ansichten wie heute. Auch gibt es eine Reihe von gewalttätigen Zwischenfällen auf die er sich bezieht, mit muslimischen Jugendlichen, mit denen er kämpfte. Aber kein anderer Zeuge erinnert etwas davon, es kann passiert sein, aber es gibt keine Korrelation zum Grad der Gewalt. Es ist ein weiter Weg bis zum eigentlichen Ziel der Gewalt. -Hast du noch andere Beispiele für ein hohes Maß an Gewalt bei dem ein Kontext fehlt? -Der UNA-Bomber hätte ein Massenmörder genannt werden können, aber er bekam eine Diagnose. In diesem Fall ist es nicht leicht, eine politische Agenda zu sehen, und der Kontext ist weniger klar, als er bei Timothy McVeigh und anderen ist. Ich will nicht behaupten, dass das Erklärungen sind. Es gibt einen Grund, warum es nur wenige Fälle von Massenmord gibt: wenn Gewalt Teil des Theaters ist, das Publikum aber geht, ist es schlechtes Theater.

-Sag uns mehr über den UNA-Bomber. -Das einzige, das ich weiß ist, dass er ein intelligenter Mensch ist, eine Karriere in Mathematik vor ihm lag, dass es aber Dinge in seiner Kindheit und Jugend gab, die ihn prädisponierten. Er arbeitete allein. -War er in keiner Gruppe? -Er glaubte, zu einer Gruppe zu gehören und verschickte falsche Signale an die Polizei. Er nannte es Freedom Club oder so ähnlich. -Fand die Polizei jemals eine solche Gruppe? -Nein.

(Ted Kaczynski, der sogenannte "UNA-Bomber", verschickte mehrere Briefbomben in den USA von den späten 1970er bis Anfang der 1990er Jahre. Auch er hatte ein Manifest geschrieben, "Industrial Society and Its Future" und in dem es um den Gegensatz zwischen moderner Zivilisation und technischem Fortschritt geht. Die Bomben töteten drei Menschen und verletzten 29. Kaczynski wurde als paranoid schizophren diagnostiziert.)

-Sag uns etwas über die Entwicklung der Bedrohung durch Rechtsextreme in Norwegen vor dem 22. Juli. -Diese Bewegung gab es nach dem Mord an Benjamin. Davor gab es mehr Aktionen in den 80er Jahren. Die Islamophobie wuchs während der 2000er Jahre. Aber es ist schwierig, da eine Linie zu erkennen, bis hin zum 22. Juli. Das war eine Überraschung, fast wie ein "Black Swan" (ein Ereignis ist für den Beobachter überraschend und erfährt erst im Nachhinein eine Begründung). Die Bedrohung wurde nicht komplett ignoriert, aber die Aktivitäten waren sehr gering. -Aber die Debatte im Internet hatte auch eine militante Form? -Ja, aber das war lange bevor die islamophobe Debatte startete und innerhalb der Gesetze.-Breiviks Rhetorik enthält viel davon? -Ja. Es ist schwierig zu vergleichen. Es gibt viele Theorien und Haltungen, aber es ist ein weiter Weg von gewalttätiger Rhetorik zu realen Taten.

Breivik: Zu Bjørgo: Er verwendete die Begriffe Rechtsextremismus und rassistische Gewalt - das ist falsch. Mir geht es um die Bekämpfung von Rassismus - Rassismus gegen die Norweger und Europäer. Ich finde es seltsam, dass er mich ausschließlich auf der rechten Seite verortet. Zwei verwiesen gestern auf die Turner-Tagebücher und sagten, dass Timothy McVeigh durch diese inspiriert worden sein. Ich war neugierig auf dieses Buch. Aber es ein unglaublich schlechtes Buch, mit einem Bombenbauplan, der völlig wertlos ist.

Zur Selbstsucht im Kompendium und die in diesem Zusammenhang benutzten Adjektive: der Gedanke dahinter: ich wollte schwerer für die Medien zu charakterisieren sein, falls ich getötet worden wäre. Ich sehe, dass die Strategie gegen mich verwendet worden ist. Ich sehe, dass ich eine übertriebene Sprache verwendete, aber ich nahm es in Kauf für die geplante Medien-Strategie. Ich sehe, dass man leicht den Eindruck bekommen kann, ich sei narzisstischer als ich es wirklich bin. Es gibt Beispiele für die erfolgreiche Strategie in vielen Ländern, wie zum Beispiel in Syrien, angewandt von den Rebellen, um Reaktionen zu provozieren, sagt Breivik und erwähnt mehrere andere Länder, bei denen er glaubt, dass diese Strategie funktioniert hat.

Jemand sagte gestern, dass ich über Familie und Freunden im Kompendium schrieb: Der Plan war, Tausende von Menschen und nicht 77 zu töten, und dass es zu einer Reaktion in der Gesellschaft hätte kommen können: Lynchen meiner Familie. Ich bedauere sehr, dass ich gemeine Dinge über sie schrieb, aber ich tat das, um mich so weit wie möglich von ihnen zu distanzieren und um zu versuchen, sie zu retten.

Emberland und Bjørgo sind kompetente Leute. Aber dann haben wir Øyvind Strommer, einen Journalisten von der linken Seite, der ua behauptet, ich sei ein Rassist. Die Referenzen teilt er mit links, die rechte Seite ist damit nicht einverstanden. Es gab den Vorwurf des Plagiats, aber die Quellenangaben stehen im Text. Dann war da noch das Wort "Rasse", das habe ich nicht verwendet. Ich verwende den Begriff "ethnische Gruppe". Dann war da noch der Angriff auf den Fjordmann. Es war ein Zufall, dass ich ihn ausgesucht habe. Er hatte gute Essays zu Nationalismus und Kontra-Jihadismus, aber er ist gegen Gewalt, und er unterstützt die Demokratie. Dass er 'ethnische Reinigung' unterstützt hat, ist nicht wahr.

Es gibt viele Vorwürfe von Verschwörungstheorien, aber ich werde das speziell nicht kommentieren, weil es ziemlich viel ist. Zum Vergleich zwischen Beslan und Utøya: die Schule in Beslan war eine reine Grundschule und kein politisches Indoktrinierungscenter wie auf Utøya.

Zu Frank Aarebrot: Er brachte das Beispiel der Mohammed-Karikaturen. Es ging um freie Meinungsäußerung. Bessere Beispiele wären die sexuelle Revolution und Feminismus. Zurück zu Øyvind Strommer: Es wurde ein zweiter Sympathisant in Europa erwähnt, aber das wurde abgeschwächt. Er sagte, dass jeder, der im Internet äußerte, dass er sympathisiere, anonym sei. Ich habe 400 Briefe erhalten und viele Sympathisanten. Sie sollten eine Umfrage starten wer Sympathien hegt, eher als eine darüber, dass es unmöglich ist, Gewalt zu rechtfertigen.

Zu Brynjar Lia: Die Ergebnisse für die Aktion sind "ziemlich katastrophal". Aber wenn du Leute in Europa fragst, werden wahrscheinlich viele sagen, dass es eine ziemlich große Aufmerksamkeit für Islamifizierung in Europa nach dem 22. Juli gab, wahrscheinlich wird es im Laufe der Zeit noch mehr.

Zum Bürgerkrieg: die Ausarbeitung wird im Kompendium beschrieben. Es gibt niemanden auf der Welt, der es so gründlich angibt. Das soll nicht angezweifelt werden. Zum Kontext: ich habe Statistiken aus Schweden zu Mord, Vergewaltigung und Raub genommen. Es ist spezifisch und sehr detailliert. Ich war selbst ein Opfer dessen, darum bin ich hier. Dann nahm der Staatsanwalt zwei von 20 Fällen, genau die beiden Fälle, bei denen die Zeugen nicht mehr erinnern, was passiert ist, um den Eindruck zu erwecken, dass die 20 nicht geschehen sind. Aber ich werde später darauf zurückkommen später und jeden einzelnen kommentieren. Danke.

29. Prozesstag Teil 2

aftenposten.no Tag 29

01:38 09.06.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

SuzieQ

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