sven

Wie hängen Kriege, Gewalt und Terror mit destruktiven, gewaltvollen Kindheiten zusammen? Diese Frage beschäftigt mich seit ca. dem Jahr 2002.
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RE: Kindheit von Donald Trump und die Folgen | 03.08.2019 | 19:03

Ja, den Versuch wäre es wert. Darum geht es. Und das gilt insbesondere für die USA, wo Kinder nachweisbar deutlich schlechter behandelt werden, als in den meisten anderen Industrienationen.

RE: Kindheit von Donald Trump und die Folgen | 03.08.2019 | 09:49

"Wie viele unauffälligen Menschen haben Sie denn analysiert, die ähnlich drastische Bedingungen in der Kindheit hatten? In der Wissenschaft muss eine Theorie falsifizierbar sein, Wissenschaft bedeutet nicht, sein Steckenpferd zu reiten und ausschließlich Belege FÜR die eigene These zu sammeln."

"Unauffällige Menschen", die eine sehr destruktive Kindheit hatten, sind für mich hierbei zweitrangig. Denn es geht nicht um einen Automatismus: Ein Mensch, der komplex als Kind traumatisiert wurde, wird nicht automatisch zum Möder oder Terroristen oder einem Trump. Aber die Menschen der genannten Kategorie haben nachweisbar fast durchweg eine enorm destruktive Kindheit erlebt. Und das ist kein Zufall.

Darüberhinaus ist der Fall Trump ja geradezu ein Paradebeispiel: Denn sein Bruder Freddy brachte sich durch Alkohol um. Alkoholsucht ist eine klassische Folge von destruktiven kindheitserfahrungen. Wie sich die Folgen ausformen, hängt von vielen Faktoren ab. Andere Trump-Gewister wurden nicht auffällig, auch das ist natürlich möglich. Und all dies mindert nicht die These ab, dass jemand wie Trump in dieser Form nicht vorstellbar wäre, hätte eher eine unbelastete Kindheit erlebt.

RE: Kindheit von Donald Trump und die Folgen | 03.08.2019 | 09:43

Freitag20,

sie vermischen da so viele Sachen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Gut, aber Ihr Grundsatz ist sehr deutlich geworden: Die traumatische Kindheit von Trump oder jemandem wie Jürgen Bartsch steht Ihrer Ansicht nach nicht in einem ursächlichem Zusammenhang zu dem jeweils destruktiven Verhalten. Verstanden.

Mit so einer Sicht kann ich leben und umgehen. Sie ist die Motivation für mich, immer wieder zu dem Thema zu schreiben.

RE: Kindheit von Donald Trump und die Folgen | 03.08.2019 | 09:07

Mein letzter Satz im Artikel mag kitschig sein oder was auch immer. Ich fand ihn aus einem Gefühl heraus passend und natürlich sollte er auch etwas provozieren ;-).

Der Mensch ist nicht von natur aus "gut" oder "böse". Aber das Gehirn hat einen "Reifeplan", der durch Erfahrungen beeinflusst bzw. gestört oder gefördert werden kann, zum Guten oder zum Schlechten. Es gibt darüber hinaus aus wissenschaftlicher Sicht überhaupt keine Zweiel mehr bzgl. der negativen Folgen von z.B. körperlicher Gewalt in der Kindheit.

Bei Trump und ähnlichen Leuten (ich habe - nebenbei bemerkt - unzählige Diktatoren und Massenmörder bzgl. ihrer Kindheiten analysiert und es finden sich immer die gleichen Muster von absoluter Destruktivität in der Kindheit) geht es nicht um "Erziehungsfehler" oder mal strenge Wörter oder "Genervtsein" hier und da.. Das, was im Artikel bzw. seiner Kindheitsbiografie deutlich zu sehen ist, ist eine komplexe Traumatisierung! Und die hat selbstverständlich Folgen.

Die logische Folge ist, dass wir als Menschen alles dafür tun müssen, dass Kinder weniger Gewalt und traumatische Erfahrungen machen. Dazu gehört z.B. ein absolutes gesetzliches Verbot von Körperstrafen in den USA, was es bis heute dort nicht gibt.

Einfache Antworten, auf große Fragen.

RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 03.12.2015 | 11:57

Es geht nicht um Schuld.

Und ich bin mir übrigens sicher, dass schon in den kommenden Jahren eine öffentliche Diskussion stattfinden wird, die mindestens das Ausmaß annehmen wird, wie die mediale Diskussion um sexuellen Missbrauch in Heimen und Kirche.
Dank der UNICEF Studie "Hidden in Plain Sight" sind die Zahlen auf dem Tisch, Gruen, Alice Miller, diverse TraumatherapeutInnen und KriminologInnen wiesen und weisen auf die gesellschaftluichen Folgen von Kindesmisshandlung hin. Kinderschutz wird neben Klimaschutz DAS zentrale Thema in diesem Jahrhundert werden.

RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 03.12.2015 | 11:07

Ein unsinniges Gedankenspiel für diese Diskussion.

Ich selbst habe Kinder und muss/will mir über solche Abstraktionen keine Gedanken machen, weil wir eine emotional stark verbundene Familie sind.

Eltern, die ihre Kinder nicht mögen... Da ist meiner Ansicht nach einiges bei diesen falsch gelaufen.

Bzgl. ihrem abstrakten Gedankenspiel kann ich aber zumindest sagen, dass "ihr" Kind nicht zum massenmordenden Terroristen werden würde. Dafür braucht es nämlich häufige Misshandlungs- und/oder Demütigungserfahrungen. Diese sind in ihrem Beispiel nicht vorhanden.

"Ihr" Kind wird aber vermutlich kein glücklicher Mensch werden.

Ich bin kein absoluter Gruen-Fan. Er hat z.B. zu wenig ausdifferenziert (bis auf eine 3-Teilung der Gesellschaft), was es alles an Gewalt und Ablehnung gegenüber Kindern gibt. Die Graustufen bedeuten jeweils auch unterschiedlich starke Folgeschäden. Er hat außerdem zu wenig die bahnbrechenden Fortschritte der Kindererziehung in Europa wahrgenommen.
Er hat zu wenig mit sozialwissenschaftlichen Studien gearbeitet und die Vorzeitgeschichte des Menschen als "Paradies für Kinder " verklärt. Er philosophierte oft, anstatt die Dinge einfacher zu formulieren.

Aber, ohne ihn würde ich heute kaum in dem Bereich "hobbymäßig" forschen. Er kann und konnte durch sein Werk eine Menge anstoßen.

RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 03.12.2015 | 10:16

"Von natur aus gut" würde ich ncht sagen, aber mit einem Programmplan im Gehirn ausgestattet, das einen empathischen und fühlenden Menschen zum Ziel hat. Dafür, dass der Plan auch richtig funktuioniert, braucht es liebevoll begleitende Elternfiguren.

Wissen Sie, gewaltfreie Erziehung, gar eine liebevolle Erziehung ist eine relativ neue "Erfindung" der Menschen. Wir sehen erst langsam die gesellschaftlichen Folgen davon. In ca. 40-50 Jahren werden die Folgen der gewaltfreien Erziehung kaum mehr von Zweiflern zu übersehen sein. Wir treffen uns dann im Altersheim und besprechen das Thema noch mal.

RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 02.12.2015 | 15:39

1. geht es nicht nur um körperliche Gewalt gegen Kinder. Gruen hat sogar körperliche Gewalt in seinen Büchern eher wenig besprochen

2. Ist längst nachgewiesen, dass Gewalt gegen Kinder (wobei in Studien in der Tat eher körperliche Gewalt gemessen wird) die Wahrscheinlichkeit für Gewaltverhalten wesentlich erhöht.

3. Erleben alle Kinder, die körperliche Gewalt erleiden immer auch psychische Gewalt. Wenn die körperliche wegfällt, ist das schon mal ein Gewinn.

4. Geht Gewalt gegen Kinder in Europa - speziell im Norden - bahnbrechend zurück. Positive Effekte sind bereits beobachtbar. .

RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 02.12.2015 | 11:06

Na so was, ich bin noch gar nicht darauf gekommen, dass es ein Hörbuch von Gruen geben könnte. Das liegt dann unter dem Tannenbaum bei mir :-)

Ich empfehle Ihnen sehr "Das emotionale Leben der Nationen" von Llyod deMause, falls Sie es noch nicht kennen. Das Buch geht weit über Gruen Ansatz hinaus und ist - trotz einzelner Schwächen - ein Jahrhundertbuch.

RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 02.12.2015 | 11:04

Die Lösung ist im o.g. Artikel wie auch in Arno Gruens Schriften enthalten: Kinderschutz, was auch "Elternbefähigungsprogramme" bedeutet und eine öffentliche Diskussion, ebenso wie die gesetzliche Ächtung von elterlicher Gewalt weltweit, mit entsprechender Symbolkraft.

Psycho-Therapien sind auch ein Weg, aber nur für eine Minderheit, die bereits einen inneren Willen zeigt, sich zu verändern und die eigene Geschichte bewusst anzusehen und diese auszuhalten, mit Hilfe des Therapeuten.
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