sven

Wie hängen Kriege, Gewalt und Terror mit destruktiven, gewaltvollen Kindheiten zusammen? Diese Frage beschäftigt mich seit ca. dem Jahr 2002.
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RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 01.12.2015 | 09:13

"als Alleinerklärung für die Motive der Träger der Kampfhandlungen, das Kanonenfutter taugt er weniger bis gar nicht, da er die Angst der Untergebenen in einer Befehls- und Gehorsamssituation völlig ausblendet und die Raffinesse der Maßnahmen, mit denen der Gehorsam der Untergebenen erzwungen wird, ignoriert"

Diejenigen, die Führungspositionen inne halten, aktiv morden, Befehle für Terror aussprechen, ein Angstregime aufbauen und Gehorsam erzwingen usw. sind nur die Spitze des Eisberges.

Was es immer braucht ist der an von Haus aus an Gehorsam gewohnte Mensch. Darüber schrieb Arno Gruen sehr viel. Und diese Unterwerfung beginnt in der Kindheit durch destruktive elterliche Verhaltensweisen.

Die Geschwister Scholl sind da ein gutes Gegenbeispiel, ebenso wie unzählige JudenretterInnen. Sie verband eine empathische Kindererziehung, liberale Elternhäuser und die Abwesenheit elterlicher Gewalt. Also Menschen, die nicht gebrochen wurden und aufrecht durchs Leben gingen.

RE: Terror - Das Drama verleugneter Ohnmacht | 27.11.2015 | 09:27

Herr Teischel, ihr Text ist eine Wohltat im Meer der Veröffentlichungen über die Ursachen von Terror. Ich lade Sie herzlich ein, meinen Blog zu besuchen: www.kriegsursachen.blogspot.de.

Außerdem lade ich Sie ein, sich mit der deutschsprachigen Psychohistorie zu befassen: www.psychohistorie.de. Diese braucht dringend neue Mitglieder und Menschen, die verständliche Texte schreiben. Leider gibt es nur sehr wenige Menschen, die sich zentral mit dem Thema in der weise befassen, wie es aus ihrem Text heraus spricht. Arno Gruen ist gegangen... Wir brauchen dringend mehr Menschen, die der gesellschaft die Augen öffenen.

RE: Die emotionale Welt des "braunen Mobs" | 29.10.2015 | 10:57

"Die meisten Erwachsenen haben lebensgeschichtliche Belastungen (u.a. Traumata) so "verarbeitet", dass sie damit "unauffaellig" leben koennen. Darum gibt es in der Gesamtpopulation den Zusammenhang zwischen kindlicher Traumatisierung und spaeterer Stoerung nicht."

Gut, nach ihrem Verständnis müssten also alle Menschen einer Bevölkerung, die Misshandlungen erlebt haben, später Rechtsextremisten oder sonst wie gewalttätig werden, damit der Zusammnehang gültig ist.

Das ist eine sehr enge Sicht, die die Komplexität menschlicher Wirklichkeit außen vor lässt. Denn es gibt unzählige Außenfaktoren, die die Wege der Menschen leiten. Dazu gehört sicher auch dass, was Augstein beschrieben hat. Oben in meinem Text habe ich exakt auch das geschrieben, nämlich dass kindliche Ohnmachtserfahrungen alleine Rechtsextremismus nicht erklären. Es bedarf zusätzlich äußerer Faktoren, wie derzeit z.B. die Flüchtlingskrise und/oder prekäre Verhältnisse und vor allem auch das "männliches Geschlecht" usw. usf.

Sie sagen: Nicht alle misshandelten werden Extremisten oder zeigen abweichendes Verhalten. Mein Ansatz ist ganz anders: Ich sage: Alle Extremisten und Gewalttäter waren einst gedemütigte Kinder, was auch behinhaltet, dass geliebte Kinder keine Extremisten werden.

Darüberhinaus ist sich die Kriminologie längst einig darüber, dass Gewalttäter und destruktive Kindheit zusammengehören.
Wissenschaftlich formuliert geht es um Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit für Gewaltverhalten wie auch Störungen und diverse Krankheitsbilder steigt mit der Häufigkeit erlebter Gewalt wie auch der Vermischung unterschiedlicher Gewaltformen in der Kindheit an. Wenn sie mögen lesen sie dazu hier: http://kriegsursachen.blogspot.de/2013/08/diagramme-der-menschlichen_16.html

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Folgen von kindlichen Gewalterfahrungen enorm vielfältig sind.
Was der eine durch Suchtverhalten auslebt, macht er andere durch Fremdenhass, eine andere wird Prostituierte, ein vierter bringt sich um, ein fünfter wird Chef eines Konzerns und bringt Menschen durch seine ökonomischen Entscheidungen in Hoffnungslosigkeit usw. Menschliche Destruktivität ist vielschichtig. Wenn man diese verschiedenen "Farben der Folgeschäden" nicht im Blick hat kommt man in der tat zu Schlüssen, die sie hier zogen.

RE: Die emotionale Welt des "braunen Mobs" | 28.10.2015 | 09:48

"Das bedeutet es keinen Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen in der Kindheit und auffaelligem Verhalten von Erwachsenen gibt."

Ich frage mal anders: Glauben Sie, dass Kindesmisshandlung (mit Misshandlung meine ich nicht seltene erlebte schwere Formen von Gewalt und Ablehung durch Elternfiguren) keine Folgen für die Kinder und später Erwachsenen hat?

RE: Die emotionale Welt des "braunen Mobs" | 27.10.2015 | 13:54

Lieber Aussie42,

1. ich habe nicht geschrieben, dass eine destruktive Kindheit automatisch zu Gewaltverhalten und/oder Extremismus führt. Das wäre empirisch schlicht falsch. Natürlich können auch sehr gewaltbelastete Menschen ein unauffälliges, sozial konformes Leben führen.

2. Repr. Studien bzgl. Gewalt gegen Kinder, speziell auch Misshandlung gibt es so einige. Rechtsextremisten sind bzgl. ihrer Kindheiten fern ab vom Durchschnitt in Deutschland (mit dem sie verglichen werden müssen), vor allem auch bzgl. besonders schwerer Gewalterfahrungen.

3. Meine Grundthese lautet, dass es keine Extremisten (dabei vor allem auch die Gewalttäter) gibt, die liebevoll aufgewachsen sind und keine elterliche Gewalt erlebt haben. Mir ist keine Studie bekannt (die sich ausführlich mit der Kindheit von solchen Akteuren befasst), die einen Nachweis erbracht hätte, der dieser These entgegensteht.

RE: Eigentlich begreiflich | 07.07.2015 | 06:10

"Daß "ein Hintern voll" aber auch v e r d i e n t e Wunder bewirken kann, ist auch eine Tatsache."

Gut, wo sie sich nicht weiter erklären wollen, nehmen ich Sie also wörtlich. Letztlich ist der Satz ja deutlich. Ich gehe stark davon aus, dass sie selbst als Kind elterliche Gewalt erlebt haben. Ihre - auch früheren Äußerungen bezogen auf meine Beiträge - zeugen davon. Vor allem aber dieser Satz, da nur einst selbst geschlagene Kinder später davon ausgehen, dass ein "Hintern voll" verdiente "Wunder" bewirken kann, etwas, dass von Eltern-Aggressorenseite eingeimpft wurde und - sie kennen ja Alice Miller - vom Kind aus psychischr Not übernommen wird.

Sie sind da wissenschschaftlich für mich interessant, GEBE. Denn ihre Abwehr ist die Abwehr, die sich auch in der Gesellschaft zu hauf findet.

RE: Eigentlich begreiflich | 06.07.2015 | 15:00

Na dann erklären Sie mir bitte, wie Ihr von mir zitierter Satz gemeint war.

RE: Eigentlich begreiflich | 06.07.2015 | 14:05

In anderen Foren wie z.B. bei der ZEIT wären sie für ihre Art der Diskussion und Wortwahl zensiert worden....

"Daß "ein Hintern voll" aber auch v e r d i e n t e Wunder bewirken kann, ist auch eine Tatsache"

Ich verstehe Sie richtig, sie meinen dass "Hintern voll" bezogen auf Kinder keine Gewalt darstellt und positive Folgen hat?

RE: Eigentlich begreiflich | 06.07.2015 | 11:45

Mein Anliegen war bezogen auf den Artikel, dass es fahrlässig und auch absolut unverständlich ist, warum in den deutschen Medien Breiviks unglaublich traumatische Kindheiz kein Thema ist.
Es ist richtig, dass nicht jedes einst gefolterte Kind zum Massenmörder wird. Aber Liebe und Geborgenheit und keine Gewalterfahrungen? Dies findet sich nach meinen Recherchen bei keinem Serien- oder Massenmörder.

Meiner Meinung nach wird das vorhandene Wissen um die tieferen Ursachen von Gewalt bisher gesellschaftlich ausgeblendet, weil die Mehrheit der bevölkerung als kind Gewalt erlebte. Dies wird bald anders aussehen, da in deutschland Kindheit immer friedlicher wird. Das Thema muss also auch weniger abgewehrt werden. In 10 bis 20 Jahren wird gesellschaftlich breit anerkannt werden, dass Gewalt gegen Kinder nicht die einzige aber die gewichtigste Ursache für eigenes Gewaltverhalten darstellt.

RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 03.06.2015 | 11:05

Ich bin natürlich sehr dafür, Männern/Jungen zu helfen!

Die meisten männer, die sich über feminismusfreundliche Aussagen empören, vergessen oft, dass es vor allem auch Männer/Jungen sind, die unter destruktiven Männern (mit alten Männlichkeitsvorstellungen) leiden. Die meisten Opfer von Männern sind wiederum Männer (Mord, Totschlag, Körperverletzungen usw.) Und die Opfer von alten Männlichkeitsvorstellungen sind auch wiederum Männer (Soldatentum, risikofreudige Freizeitbeschäftigung, riskante Arbeit und Lebensweise usw.)

Dass Männer weniger gezielte Hilfe erhalten ist aber nicht die "Schuld" des Feminismus, sondern des fehlenden männlichen Bewusstseins dafür, dass Männer Hilfe brauchen, dass Männer oft, sehr oft Opfer werden usw. Dass Männer sehr oft schwach sind.

Tja, aber ich will mich jetzt gar nicht weiter darüber austauschen, hab noch was zu tun :-) Den Artikel oben fand ich gut und wichtig.

Übrigens werden sich viele destruktive Strukturen in den kommenden Jahrzehnten weietr stark auflösen, weil die Kindererziehung immer freundlicher, liebevoller und gewaltfreier wird. Ein scheinbar anderes Thema, wer mag lese dazu mehr in meinem Blog. Denn destruktive Männer vereint oft eines: Eine destruktive Kindheit. Das selbe gilt natürlich auch für Frauen.