sven

Wie hängen Kriege, Gewalt und Terror mit destruktiven, gewaltvollen Kindheiten zusammen? Diese Frage beschäftigt mich seit ca. dem Jahr 2002.
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RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 03.06.2015 | 10:39

Lieber Spoderman,

es gibt sehr destruktive Frauen, die muss ich auch nicht um mich haben.

Diese "Bewegung" unterteilt in der Mehrheit nicht nach "Geburtsmerkmalen", sondern nach destruktiven, unterdrückerischen und frauenverachtendem Verhalten und konstruktivem, menschlichem Verhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 03.06.2015 | 10:33

Liebe Glaskugel,

ich gehöre nach meiner Selbstdefinition keiner Gruppe an, bin auch kein Feminist, aber feminismusfreundlich. Ich muss auch keinen "Widerspruch abwehren", weil es keinen Widerspruch gibt zwischen der Ablehung von Frauchverachtung und dem Lesen der EMMA.

RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 03.06.2015 | 10:13

1. Ich muss mich genauer ausdrücken: Ich dünnte ihn aus (so vor ca. 13 jahren) Frauenverachtung war mit ein Auslöser für die Ausdünnung. Denn wie gesagt sind solche Männer auch ansonsten destruktiv strukturiert und das zeigte sich auch im Verhalten.

2. Dass EMMA männerhassend ist ist ein Märchen. Mag jeder glaubem was er will. Wissen Sie, ich bin da ganz bei dem Autor des artikel: Wer sich feminismusfreundlich äußert, muss sich warm anziehen. Kenn ich schon.

RE: Warum Feminismus uns alle angeht | 03.06.2015 | 09:39

Sehr schöner Beitrag.

Mein Freundeskreis hat sich sehr ausgedünnt. Denn Männer, die Frauen abwerten, ertrage ich nicht. Vor allem sind sie meist auch in anderen Bereichen destruktiv strukturiert, insofern bin ich ganz "dankbar" wenn männer sich offen frauenverachtend äußern, da weiß ich gleich bescheid, wen ich vor mir habe.

Als Vater einer Tochter und eines Sohnes geht mich der Feminismus eh sehr viel an. Denn beide sollen zu reifen, selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen. Wer sich nicht geschlechtskonform verhält, fällt aber schon im Kindergarten auf. "Du trägst ja rosa!", wurde meinem Sohn oft vorgeworfen, er liebt nun mal die Frabe. Da wird man als Vater echt kurz wütend, denkt sich aber auch, dass echte Kinderfreundschaften eben da beginnen, wo die Farbe des T-Shirts kein Hemmnis darstellt.

Übrigens bin ich seit Jahren EMMA-Leser. ich habe bisher keine andere Zeitung in Deutschland gefunden, in der der so viel Empathie, Haltung und echte Moral herrscht. Da könnten sich manch andere was abschneiden.

RE: Eigentlich begreiflich | 02.06.2015 | 10:13

Der (Gefängnis-)Psychiater James Gilligan hat jahrelang mit diversen Mördern in US-Hochsicherheitsgefängnissen gearbeitet und seine Erkenntnisse daraus u.a. in dem Buch „Violence. Reflections on Our Deadliest Epidemic" veröffentlicht.

Wer verstehen möchte, warum grausame Mörder bei ihren taten lachen und Hochgefühle haben, muss dieses Buch lesen!

Gilligan bezeichnet die von ihm untersuchten Mörder als "living dead". Sie erlebten als Kind derart unvorstllbare (meist elterliche) Gewaltexzesse, dass sie emotional tot waren, "Lebendig" fühlten sie sich nur kurzfristig, wenn sie andere menschen quälten und umbrachten. Dies erzeuge emotionale Hochgefühle, das einzige Gefühl im Leben dieser Männer von "Leben".
Der Wunsch, selbst zu sterben, ist bei diesen Mördern sehr ausgeprägt. Wer emotional tot ist, für den ist der körperliche Tod Erlösung. Als Psychiater arbeiter Gilligan vor allem daran, diese Mörder zurück ins emotionale Leben zu bringen und will vor Suizide in Gefängnissen entgegenwirken, was ihm auch erfolgreich gelingt.

RE: Eigentlich begreiflich | 02.06.2015 | 10:05

Mir vergeht das Lachen, wenn ich lese, wie die Forschenden mal wieder an den Kernursachen vorbeischreiben…

Aage Borchgrevink hat in seinem Buch über Breivik (siehe dazu u.a. auch ein kurzes Interview mit ihm hier
https://www.youtube.com/watch?v=8Fwn7Z__ag0 ) ausführlich dargestellt, dass Breivik als Kind durch seine Mutter misshandelt wurde (psychisch, emotional und wohl auch sexuell) Breivik wurde als Kleinkind sogar einige Wochen stationär psychiatrisch beobachtet, danach empfahlen die Experten ihn unverzüglich von seiner destruktiven Mutter zu trennen, was ein Gericht (leider) ablehnte. Nur schreibt da in Deutschland keiner drüber...

Es schreibt auch keiner darüber, dass die weltweit größte und aktuelle Studie über Kindesmisshandlung (Hidden in Plain Sight) ergab, dass die Krisenländer der Welt (Gesamtafrika, Nah Ost, Afghanistan etc.) die weltweit höchsten raten an Gewalt gegen Kinder aufzeigen. Nur eine Minderheit von ca. 10 % erlebt in diesen Ländern keine elterliche Gewalt, ca. jedes dritte Kind in diesen Regionen wird sogar besonders schwer körperlich misshandelt (und dabei wurde in der Studie nur das Gewalterleben innerhalb 4 Wochen vor der Befragung abgefragt!)
DAS sind die psychischen Grundlagen, die Kriege und Krisen ermöglichen!

Massenmörder sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Sie haben nachweisbar die grausamsten, extremsten Kindheiten erlitten. (siehe dazu meinen Blog, in dem ich unzählige (vor allem politische) Massenmörder analysiert habe) ) Es zeugt von emotionaler Blindheit, dass diese Dinge gesellschaftlich im jahr 2015 immer noch abgewehrt werden. Unfassbar.

RE: „Imperien“ und „Die neuen Kriege“ | 22.11.2014 | 09:52

Ich finde politische, zweckrationale, wie auch ökonomische Ansätze oft irreführend bzgl. dem Verständnis von Kriegen. Sie kratzen eher an der Oberfläche.


Wobei interessant ist, dass ökonomische Ansätze im Grunde zu dem Schluss kommen müssen, der mir logischer scheint: Kriege machen oftmals zweckrational und ökonomisch keinen Sinn, weil sie meist höhere Kosten/Verluste mit sich bringen als Nutzen und weil Ressourcen gebunden werden, die ökonomisch eingesetzt, weit aus mehr Gewinn versprechen würden.


Im Grunde sehe ich es so: Wenn ein Räuber ein Haus überfällt, die Bewohner ausraubt und erklärt, dass das Haus und Grundstück jetzt ihm gehört, dann mag das auf den ersten Blick „zweckrational“ sein, vielleicht auch der „Hegemonie“ in der eroberten Region dienen, aber es wird schwer, das Verhalten des Räubers politisch/ökonomisch zu erklären, wenn er die Frauen vergewaltigt, die Männer massakriert, die Kinder auf den Grill legt und das Haus anzündet. Meist lachen und freuen sich diese Täter noch dabei, fühlen sich stark, „lebendig“, „glücklich“ oder sie handeln wie leere Hüllen oder Maschinen, töten „einfach so“ und ihre Opfer sehen sie grundsätzlich nicht als Menschen.

Das Verhalten von Menchen, die im Krieg töten, ist im Grunde das Verhalten von psychisch Gestörten, von Menschen, die von ihren eigenen Gefühlen komplett abgeschnitten sind und die durch ihr Morden und Töten im Grunde innerlich immer mehr zum „Zombie“ werden, der irgendwann durch den eigenen Tod Erlösung findet.

Alle Ansätze der Kriegsursachenforschung, die sich nicht den Emotionen der Akteure zuwenden, den emotionalen Ursachen von Kriegen, müssen im Grunde unvollständig bleiben und scheitern.

Antworten gibt der Bereich Psychohistorie u.a. hier www.psychohistory.com

RE: Wer ist hier gescheitert? | 25.09.2014 | 07:44

Weit weg vom Thema geriet die Diskussion nicht, nur in ungewohnte Bahnen.

Der Gegenwind, den die Friedensbewegung stets bekommt, die Zerlegung von Pazifismus, all dies hat doch damit zu tun, dass viele Menschen sich auch im Politischen kein verhalten ohne Sanktionen/Strafen/Machtdemonstration vorstellen können. Woher das ursprünglich kommt, haben wir oben diskutiert.

Mehr noch als eigens Täterverhalten ist allerdings vielleicht die andere Seite von Bedeutung: Stillhalten, auhalten, nichts sagen, keinen Widerspruch leisten, die "Dinge mit sich passieren" lassen, "die Autoritäten machen lassen", sich der Ohnmacht ergeben. Diese Seite ist belegter weise eine klassische folge von Kindesmisshandlung. Sie gibt Tätern und Machtmenschen die Möglichkeiten so zu agieren, wie sie es tun.

Ein Paradebeispiel sind für mich die Geschwister Scholl: Aufrecht und liberal erzogen, keine Gewalt in der Erziehung, elterliches Vorbild für pazifistisches und menschliches Verhalten in der Familie. Wenn so die erziehung der Mehrheit aussehen würde (und sie ist weltweit immer noch bei der Mehrheit eher das gegenteil) würden kriege bald von der Erde getilgt sein.

Anwälte für den Frieden müssen also immer auch Anwälte für kinder sein.

RE: Wer ist hier gescheitert? | 23.09.2014 | 13:54

Meinemeinung,

äußerst selten ist es an sich, jemanden in solchen Kommentarbereichen zu treffen, der sich mit dem befasst hat, was ich unter "Psychohistorie" verstehe. Insofern freue ich mich sehr, dass Sie die destruktive Wirkungsweise von kindlichen gewalterfahrungen anerkennen und dies auch bzgl. Kriegen übertragen, so ich sie richtig verstehe.

Bzgl. dem rückgang der Gewalt gegen kinder in deutschland habe ich einiges in meinem Blog zusamengestellt. Das KFN hat außerdem kürzlich die Ergebnisse einer großen studie online auf deren Homepage veröffentlicht. Diese habe ich leider noch nicht wirklich durchgearbeitet. was seit 1992 (vergleichsjahr) deutlich zurückging ist der sexuelle Missbrauch an kindern, körperliche Gewalt gegen kinder und häusliche Gewalt an sich.

RE: Wer ist hier gescheitert? | 23.09.2014 | 11:29

ich meinte natürlich bzgl. der "durschnittlichen Opferzahl" die welche pro Konflikt.