Wie Corona die Start-up-Szene verändern wird

Startups Vom Shut-down zum Start-up - die Potentiale nach der Corona Krise
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Die negativen Prognosen über erwartete wirtschaftliche Auswirkungen des Lockdowns reißen nicht ab. Nicht nur große Teile des Einzelhandels und der Gastronomie stehen laut vielen Wirtschaftsforschern vor dem Aus, sondern auch viele Start-ups, deren Geschäftsmodelle bis vor Kurzem scheinbar nichts erschüttern konnte. Es lohnt sich, genauer hinzusehen, denn nicht alle Start-ups leiden unter der Coronakrise. Viele entstehen sogar erst oder blühen jetzt erst so richtig auf.

Viel gibt es nicht zu beschönigen, denn die Zahlen sind einfach verheerend. Wo man auch hinhört: Hier wie andernorts wird die Wirtschaft in eine tiefe Rezession rutschen – trotz aller staatlichen Soforthilfemaßnahmen. Da sind sich die meisten Wirtschaftsforscher einig. Für viele Start-ups könnte dies das Aus bedeuten. Haben doch gerade junge Unternehmen in der Anfangsphase viel zu wenig Eigenmittel, um Krisen wie die jetzige zu überstehen. Das Eigenkapital ist meistens aufgezehrt und Rücklagen konnten durch ausbleibende Gewinne noch nicht gebildet werden. Ein Blick in das Start-up-Mekka Silicon Valley verrät – auch dort geht jetzt das große Klappern um. Alles, was im weitesten Sinne mit Tourismus oder Mobilität zu tun hat, ist praktisch zum Erliegen gekommen: von Airbnb bis Uber. Natürlich auch Gastro-Unternehmen sowie alles, was mit Events und Entertainment in der analogen Welt zu tun hat. Es trifft sowohl große und bekannte Marken als auch junge Unternehmen, die gerade eben erst gestartet sind. Und die trifft es natürlich besonders hart.

Coronavirus wird zum Katalysator für Digitalisierung

Auf der anderen Seite erwachen gerade solche Geschäftsideen aus ihrem Dornröschenschlaf, die vorher noch niemand so richtig auf dem Schirm hatte. Natürlich gab es schon vor Corona Videokonferenzsysteme und Skype. Der Home-Office-Boom hat jetzt aber auch neue und bislang noch weitgehend unbekannte Start-ups ins Rampenlicht gerückt. Beispielsweise sind das Unternehmen, die E-Learning-Apps entwickeln, denn E-Learning war bislang bei uns eher eine Nischenanwendung. Von Homeschooling-Systemen gar nicht zu reden. Während Google Classroom in den USA auch schon vor Corona alternativ zum klassischen Schulunterricht genutzt wurde, sind die meisten Lehrer hierzulande durch Corona zum ersten Mal in ihrem Leben mit digitalen Unterrichtsmethoden in Berührung gekommen. Kurzum: Die Corona-Pandemie hat wie kein zweites Ereignis zuvor die Digitalisierung in Deutschland beflügelt.

Welche Start-ups am besten durch die Krise kommen

Alles was in irgendeiner Weise Stay-at-Home fördert, erlebt gerade einen Boom: Seien es Lieferdienste für Essen, Online-Shops oder digitale Dienstleistungen aller Art. Diese Unternehmen dürften die Krise am besten überstehen und am meisten von der neuen Normalität profitieren. Dagegen dürfte die Krise für die Sharing-Economy zum Desaster werden. Gleich, ob Airbnb oder Wework – mit Geschäftsmodellen aus der Zeit vor „New Normal“ wird sich in absehbarer Zeit kaum noch Geld verdienen lassen. Doch die Start-up-Szene schläft nicht. Genauso wie clevere Textilunternehmer nun Gesichtsmasken statt T-Shirts nähen, ersinnen junge Unternehmen spannende Geschäftsideen, die perfekt in diese neue Zeit passen. Das kann eine Einkaufshilfe-App für systemrelevante Berufsgruppen sein oder innovative Touchless-Systeme, die uns künftig vor Infektionen schützen. Diejenigen Start-ups, die sich am schnellsten an die neue Realität anpassen können, haben die besten Chancen, die Krise zu überleben.

23:08 28.04.2020
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Geschrieben von

Svenja Schulze

Hallo! Ich interessiere mich für Start-ups und digitalen Journalismus. Momentan studiere ich Medienwissenschaften an der Humbold Uni in Berlin.
Svenja Schulze

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