SaschaW

Hobbyschreiber, Politikinteressiert, unkonventionell, teile gerne meine Sicht auf die Welt mit
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RE: Wer will schon hören, dass er ignorant ist? | 06.12.2020 | 19:05

Es ist ja schön, dass die Kommentatoren hier wohl noch selbst suchen und entdecken, aber was ist mit denen, die sich dem System völlig ergeben haben? Ich habe das Gefühl, dass die nichts anderes mehr kennen als HipHop, R&B und Deutschgedudel (wie eben Silbermond) oder mal ein Stilmix aus Genanntem.

Mir persönlich geht es jetzt weniger um die Genres, aber die Genres haben Markenzeichen, und die bedeutet den Fokus auf Beats und Gesang. Melodien scheinen nicht mehr so wichtig, oder sie sind irgendwie zu aufwändig, keine Ahnung. Wenn man sich mal Queen oder Elton John anhört, sind da Welten dazwischen. Davon mal abgesehen, wie der Langzeiteffekt aussieht - Queen und Elton John läuft immer noch rauf und runter, die aktuellen Charts sind in ein bis zwei Jahren weg vom Fenster (bis auf wenige Ausnahmen).

Und dann kommen Streamingdienste und halten dich mit Algorithmen im Genrekäfig gefangen. Kein Wunder, dass man den Eindruck gewinnt, die jungen Leute wären ein bisschen engstirnig geworden und haben keine Lust auf Playlistenexkursionen. Soll mal die Technik machen...

RE: Öde neue Streaming-Welt | 06.12.2020 | 12:49

Wie so etwas abläuft, weiß kaum jemand, nachzulesen hier:https://www.planet-interview.de/wp-content/uploads/Thorolf-Lipp-Planet-Interview.pdf

RE: Öde neue Streaming-Welt | 06.12.2020 | 08:09

Das ist für mich tatsächlich ein Grundproblem, das man weiterführend in andere gesellschaftliche Bereiche übertragen kann. Mit dem Siegeszug des Internets hat sich auch mit den Algorithmen ein Selektionsprozess beim Menschen selbst in Gang gesetzt, der nur schwer erfassbar ist. Die Algorithmen sind sehr deutlich darauf ausgelegt, eine automatisierte Kundenbindungsstrategie umzusetzen, nur damit man "am Ball" bleibt. Damit infantilisiert man jedoch auch das Bewusstsein der Nutzer, führt sie an der Leine und nimmt ihnen die Eigenverantwortung weg. Zweiter Punkt ist der gleichförmige Aufbau der Portale - sie sind auch nicht wie eine Bibiothek aufgebaut, in der man sich mal ein bisschen umschaut, bevor man konsumiert. Man soll sofort konsumieren, und das erreicht man nur über Affektstimulation. Man gibt den Konsumenten also kaum noch die Luft, mal kurz darüber nachzudenken, bevor man zur Tat schreitet.

Und das ist auch in anderen Bereichen ein Problem geworden. Algorithmen bilden in ihrem Aufbau kein demokratisches Prinzip ab, sondern sie lenken. Und dieses Lenken hat sich bei den sozialen Medien bei der Meinungsbildung eingeschlichen. Man hat lediglich darin interveniert, indem man den Rahmen des Sagbaren abgesteckt und dabei m.E. falsche Grenzen gezogen hat. So sind in den letzten Jahren derbe Shitstorms entstanden, die zum Ende hin ins Nichts verlaufen sind oder eine Art Trauma hinterlassen haben, die man beim nächsten Eklat wieder ausgepackt hatte, egal ob es zum Thema passte oder erst über drei Ecken relevant wurde. Es ist auch auffällig, dass man argumentative Schnittmengen schnell insofern sondiert, dass man schnell dazu neigt, zu katalogisieren. Da ist man als differenziert denkender Mensch schnell der Buhmann für zwei Lager und gleichzeitig auch Spielball für zwei extreme Positionen. Das mag jetzt wieder weit ausgeholt sein, aber es gehört auch irgendwo zusammen. Weil wir die virtuelle Gleichförmigkeit in der realen Welt immer neu ausloten müssen, und uns dann doch immer bequemerweise von der Technik treiben lassen.

Ja, das macht denkfaul. Aber auch handlungsfaul, und man kann sich ja ganz easy hinter dem verstecken, was der Algorithmus einem vorkaut. Nun hat man schon erkannt, dass dies Filterblasen generiert, sieht das aber nur im rechten Spektrum konkret - sieht es aber nicht bei sich selbst, weil man ja einen moralischen Unterbau hat, der einem recht gibt. Ist trotzdem eine eigene Filterblase, die andere Meinungsaspekte auch nicht zulässt. Und das alles nur, damit die Big Data-Strategie auch für die Techkonzerne funktioniert.

RE: Lasst sie demonstrieren! | 02.12.2020 | 17:37

Klar, der Mensch ist ein Sozialwesen, aber der Mensch mag es auch nicht, wissentlich einem System untergeordnet zu sein, von dem er nichts hat außer Angst und Unterdrückung.

RE: Lasst sie demonstrieren! | 02.12.2020 | 05:45

"Deshalb hat Asien das Virus besiegt. Es gibt dort keine Leugner-Bewegung und man lacht über die deutsche Leugner-Szene"

Das Virus selbst ist eine Sache. Aber kann es nicht sein, dass man in Asien einen anderen Umgang mit Wirtschaft und den Bürgern vollzieht, wo hier von Planlosigkeit bis selektive Hilfen (reich vor arm) jedes Unding durchgezogen wird? Es ist also mehr systemisch bedingt, und es fällt mir schwer, Vergleiche anzustellen, wenn teils repressive Staatsformen nun als Vorbild dienen. Sonst wird gerne über China hergezogen, wo es nur geht, und Korea war auch schon Ziel von Empörungswellen, weil sie "zu früh lockerten".

RE: Lasst sie demonstrieren! | 01.12.2020 | 05:43

Dass die Leute auf der Straße sind, ist voll okay, egal wie absurd manches Argument sein sollte. Es mehren sich jedoch auch die Stimmen dagegen, egal was die Zahlen sagen, denn ist es nicht die Bedrohungslage durch das Virus selbst, was wirklich von den allermeisten nicht angezweifelt wird. Es geht wie immer eher um Folgeschäden, die "wir" oder die Regierung fabrizieren. Es wird wenig umsichtig gedacht, mit unüberlegten Schnellschüssen Handlungsbereitschaft demonstriert, und so manche "Spinnerei" hat sich mittel- oder langfristig auch schon als wahr herausgestellt. Es muss ja nicht völlig deckungsgleich eintreten, sondern nur prinzipiell oder bildhaft erkennbar.

Es ist eben ein großes Dilemma um die Streitthemen Gesundheitsschutz zum einen und Freiheitseinschränkungen zum anderen. Zweites ist zur Gewährleistung erstem natürlich irgendwo einzuschränken, aber harte Lockdowns oder sonstige Maßnahmen stehen in keinerlei Verhältnis dazu. Und wie so oft werden Beschlüsse oder Hilfen oder sonstwas eher denen zugesprochen, die sowieso nichts bis wenig zu befürchten haben. Also alles beim Alten. Und das nährt den Frust bei denen, die - wieder mal - vergessen oder absichtlich nicht beachtet wurden.

RE: Sollte die Polizei durchgreifen? | 29.11.2020 | 12:19

In diesem Statement wird sehr deutlich, welches Weltbild auf der "Vernunft"seite vorherrscht. "Kein Problem damit... sich mit Rechtsradikalen... zu verbünden". Klar, wenn du nicht für uns bist, bist du gegen uns. Und sowieso rechts. Ich fühle mich selbst als links, aber mich bei Meinungsschnittmengen gleich als Rechten abstempeln zu lassen, ist faktisch falsch und dazu noch ungebührlich. Alles, was nicht voll antirassistisch, feministisch oder klimafreundlich ist, ist also rechts. Kein Wunder, dass man bei geringster Abweichung nur noch abwinkt...

RE: „Die leben da oben doch in einer Blase“ | 29.11.2020 | 11:35

Lieber Herr Kalbitzer,

ich denke, es tut weniger zur Sache, ob Kinder nun im Krieg oder in der Krise eine schwere Zeit zu bewältigen haben. Auf rein psychologischer Ebene mit entsprechendem Background können Ihre Ratschläge viel wert sein, keine Frage. Jedoch ist die Krise auch deutlich erkennbar ein Abbild über die unterschiedlichen Lebensverhältnisse - wer muss sich weniger Sorgen machen, wer steht nahe am Abgrund? Menschen in prekären Jobverhältnissen haben nun mal kaum oder keine finanziellen Rücklagen, Existenzängste, die schon immer an einem nagten und die durch die Krise nun schwer belasten. Da hilft auch die beste Bezugsperson nichts, wenn das Umfeld nicht helfen kann oder will, die Mütter und Väter vor lauter existenziellen Sorgen keine Besonnenheit ausstrahlen können. Damit helfen Tipps wie die Ihren in dieser Form auch nur denen, die wenig zu befürchten haben. Es geht auch mehr um Verhältnismäßigkeit, und wenn man geistig stabile noch bauchpinselt und die anderen abhängt, dann sind auch Frau Bonaths vermeindlich falsche Aspekte unwichtig zu erwähnen.

Beste Grüße,

SaschaW

RE: „Die leben da oben doch in einer Blase“ | 29.11.2020 | 11:20

Fast schon ironisch, wie solche Sätze, auch wenn man sie weiterdenkt wie Sie das eben taten, der eigentlichen Rhetorik von heute zuwiderspricht. "Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl"... ewiggestriges Geschwätz, oder? Und da hieß es, wir wären weltoffen, antirassistisch, empathisch, whatever.

RE: Beim Geld fängt der Spaß an | 28.11.2020 | 08:17

Die Krux an dem Vorschlag ist die Angst vor einer realen Flucht denn vor der Steuerflucht. Man denkt automatisch an VW, als solche Pläne zu Lasten von Großkapital mit Abwanderungsandrohungen begegnet wurden. Ich glaube, da steckt eine tiefsitzende Angst vor dem Verlust von Schlüsselindustrien. Jedoch ohne Exit-Strategie, die wiederum zeigt, dass man an aktuellen Strukturen nichts rütteln will.