tacheles

studiert in Heidelberg und ist in verschiedenen hochschulpolitischen Kontexten aktiv
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RE: Lesen und lesen lassen | 17.03.2009 | 15:57

Sicher: Die Zahlen des Verkaufs sowie der tatsächlichen Lektüre von Büchern mögen keinen Anlass zu jubelndem Großspektakel bieten. Ich finde die Argumentation alles in allem jedoch nicht ganz stimmig.

Die hier vorgetragene Schelte an die Leser- bzw Nicht-Leserschaft scheint sich - so wie der Text sie vorträgt - aufs Buch, allenfalls noch aufs E-Book zu beziehen. Einmal von der Frage abgesehen, ob große Lektüreaktivitäten breiter Bevölkerungsmassen vor einigen Jahrzehnten noch gang und gäbe waren, kommt hierbei die Frage auf, wieso gewandelte Lektüre, wie z.B. die von Internetseiten, wie das Lesen und Schreiben von Blogs, an keiner Stelle des Argumentationsgangs berücksichtigt werden. Vielleicht weil es um die Buchmesse geht?

Nun: Im Hinblick auf die Buchmesse allein am Buch festzuhalten, scheint aus der Sicht eines um den Verkauf von Büchern bemühten Großspektakels stimmig. Wenn man dabei eine Verknüpfung zum Thema Lesen aufmacht, sollte jedoch bedacht werden, dass eben dies Großspektakel auf den Waaren- und nicht auf den Gebrauchswert bedacht ist, kurzum: der hier zu vernehmende Jubel wird davon dass weniger gelesen wird nicht beeinträchtigt, allenfalls davon dass weniger gekauft wird...

Zieht man die Argumentation anders herum auf, indem man von der Literatur her argumentiert, deren Bildungsgehalt und Wichtigkeit betonend, so möge man sich vielleicht einen Satz von Siegfried Lenz in Erinnerung rufen:
"Als die großen Erzähler noch Analphabeten waren, schien die Zukunft der Literatur gesichert."