Nemo und Nonbinarität: Deutschland ist mal wieder überfordert

Kolumne Scheitern am Versuch, eine nonbinäre Person wie Sänger*in Nemo nicht zu misgendern? Das ist harte intellektuelle Arbeit. Aber es lohnt sich, findet unser Autor
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 21/2024
Nemo zeigt uns, wie leicht es ist, andere Menschen respektvoll zu behandeln
Nemo zeigt uns, wie leicht es ist, andere Menschen respektvoll zu behandeln

Foto: Imago/TT

Nemo legte beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in Malmö einen fulminanten Auftritt hin: sang wie ein Sopran, rappte, wie es seit Eminem kein Weißbrot mehr getan hat, gewann die Herzen der Jurys und der Zuschauer*innen, und am Ende den ganzen ESC. Nemo sieht sich weder als Mann, noch als Frau, ist weder trans noch inter, sondern „nichtbinär“, will nicht in das Prokrustesbett männlicher oder weiblicher Identität gepresst werden, und weder mit männlichen, noch mit weiblichen Personalpronomen angesprochen oder beschrieben werden. Plötzlich stand ein offen nichtbinärer Mensch mitten im medialen Rampenlicht.

Menschen, die bisher kaum praktische Erfahrung damit hatten, über oder gar mit nichtbinären Menschen zu sprechen